Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Individuum in der gesellschaftlich-entwickelten Moderne 1
3. Modifikation der theoretischen Überlegungen Meads 2
4. Die Bedeutung von TV-Konsum für die Identitätsbildung 3
5. Fazit 5
Literarturverzeichnis
1. Einleitung
Nach Meads Kommunikationskonzept können materielle Konsumgüter einen sozial bestimmten symbolischen Bedeutungsschatz herausbilden und haben somit sinnstiftenden Charakter für die Identitätsbildung einer Person. An einem von mir aufgeführten Beispiel lässt sich zeigen, dass das Auftreten eines besonderen Konsumgutes im Freundeskreis eines Jugendlichen, den Anstoß für eine innere dialogische Aushandlung des Selbstverständnisses auslösen kann. Die Bedeutung eines materiellen Konsumgutes als Symbolquelle konnte soweit im Ausschnitt einer losen sozialen Interaktion dargestellt werden (Kohl 2011: 2f.). Sieht man das Individuum dabei im Kontext einer modernen, individualisierten und pluralisierten Gesellschaft ergeben sich weitere Blickwinkel auf die Bedeutung von Konsum für die Identität. Hier ist das Individuum mit einer Reihe von Entscheidungsmöglichkeiten konfrontiert, deren Wahl immer auch unkalkulierbare Risiken beinhalten können und somit das Selbstbild in unsicherer Weise bestimmen (Abels 2007: 229 f.). Aufgrund vielzähliger differenzierter Lebenslagen in einer nach Beck definierten Gesellschaft, sieht sich das einzelne Schicksal im Prozess seiner individuellen Entfaltung und dabei auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Widersprüchen und weitgehender Orientierungslosigkeit durch den Verlust sozialer Sicherheiten ausgesetzt. (Massen)-Konsum als soziale Operation ist dabei immanent. (Beck 1986, 206). Die Untersuchung von Fernsehkonsum auf Grundlage der bereits gewonnen Erkenntnisse, aus Kohl (2011) „Identität durch Konsum?“ soll schließlich belegen, dass Konsum unter diesen Umständen weitere sinnstiftende Aspekte der Identität anspricht. Weiter wird behauptet, dass Fernsehen darüber hinaus den Individualisierungsprozess einer Person unterstützt. Um die Zusammenhänge zu verdeutlichen, ist es zunächst notwendig, die Ideen von Mead zu modifizieren.
2. Das Individuum in der gesellschaftlich-entwickelten Moderne
Die bereits erwähnten Verhältnisse zwischen Individuum und Gesellschaft sollen zunächst dargelegt werden, um Aspekte zu verdeutlichen, die für das Forschungsproblem relevant sind.
Ein Individuum ist heute aufgefordert, Entscheidungen für seinen Lebensweg individuell zu treffen und aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu wählen, da die Gesellschaft ihm keine festen Lebensmuster und Bahnen bietet. So ist es gezwungen seine eigene Biographie in einem unübersichtlichen sozialen Raum aus komplexen Beziehungen und Lebensbereichen selbst-reflexiv zu entwerfen. Um dabei den Überblick zu bewahren, muss es Prioritäten setzen. Es muss für sich Rollen und Handlungslinien definieren. Es scheint so als würde es
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damit aus sozialen Zwängen freigesetzt, zugleich wird es aber eingeengt in standardisierte und gegeneinander isolierte Lebenslagen (Abels 2007: 228). Fernsehen als Phänomen einer solchen Zeit vereinzelt und standardisiert:
„Es löst die Menschen einerseits aus traditional geprägten und gebundenen Gesprächs- Erfahrungs- und Le-
benszusammenhängen heraus. Zugleich befinden sich aber alle in einer ähnlichen Situation: sie konsumieren
institutionell fabrizierte Fernsehprogramme, und zwar von Honolulu bis Moskau und Singapur. (…) Jeder sitzt
selbst innerhalb der Familie vereinzelt vor der Flimmerkiste“ (Beck 1986: 213).
Der Modus einer solchen Vergesellschaftung bezeichnet Beck als Prozess der Individualisierung. Diesen kennzeichnet, wie bereits angedeutet, das Herauslösen des Individuums aus historisch vorgegebenen Sozialformen- und Bindungen, im Sinne traditioneller Herrschafts-und Versorgungszusammenhänge. Weiter spricht er von der Entzauberung der Handlungsweisen, dem Glauben und leitender Normen aufgrund einer entfesselten Rationalisierung, die den Sicherheitsverlust für das einzelne Individuum bedeutet. Schließlich wird der Begriff der Individualisierung semantisch zum Gegenteil verkehrt, da er somit eine neue Art der sozialen Einbindung, anstelle einer traditionellen Vergesellschaftung bedeutet (Beck 1986: 206).
Kollektive Konsense von klassischen Institutionen wie Rollen, Familien oder Klassen, die einst Orientierung boten und zur Konstitution und Stabilisierung von Identität beitrugen, zerbröckeln und verlieren unter den Bedingungen einer reflexiven Moderne an Bedeutung. Mit dem Begriff der Reflexivität ist in diesem Zusammenhang gemeint, dass die rationalisierte Ordnung unserer okzidentalen Gesellschaft aufgrund ihrer eigenen Logik ebenfalls zum Ge-genstand der Rationalisierung wird. Bestehende historische Elemente und Beziehungen können damit widersprüchlich, konflikthaft und im Endeffekt Auslegungssache jedes einzelnen Individuums werden. So muss jeder selber entscheiden, welchen Wert er sozialen Institutionen für seinen Lebensentwurf beimisst (Abels 2007: 241).
3. Modifikation der theoretischen Überlegungen Meads
Nach Mead bildet sich Identität in einem symbolisch vermittelten Kommunikationsprozess zwischen Individuum und dem verallgemeinerten Anderen, als die Gesellschaft. Dem Individuum wird die Fähigkeit zugesprochen, seine Umwelt mit symbolischer Bedeutung zu versehen, dessen Gehalt dabei in sozialer Interaktion entsteht, modifiziert und interpretiert wird. Indem es sich selbst zum Objekt seiner Wahrnehmung macht, entsteht sein Selbstverständnis in einer inneren dialogischen Aushandlung zwischen I und ME (Mead 1934: 177; 299 f.).
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Arbeit zitieren:
Christian Kohl, 2011, Identität durch (TV)-Konsum? (Teil 2) - Die Bedeutung eines Massenmediums für die Identitätsbildung in einer reflexiven Moderne, München, GRIN Verlag GmbH
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