Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Wortbildung- was ist das eigentlich? 3
3. Wortbildung in der Schule. 5
4. Untersuchung der Fibeln und der dazugehörigen
Arbeitsmaterialien 7
4.1 Die LolliPop Fibel und das Arbeitsheft 7
4.2 Die Kunterbunt Fibel und das Übungsheft 9
4.3 Die Luna-Fibel und das Arbeitsheft. 10
5. Fazit 12
6. Literaturverzeichnis. 13
1
1. Einleitung
„Mama, was ist das da für ein Hund?“
- „Ein Neufundländer.“
„Oh, guck’ mal, da ist noch ein neuer Fundländer!“ 1
Ähnliche Situationen sind sicher schon vielen Familien mit Kindern begegnet: Kinder verstehen Wörter anders, legen eine andere Bedeutung in sie hinein oder bilden gleich neue, eigens ausgedachte. Sie schaffen es, die Erwachsenen zu überraschen und über eine Wortbedeutung oder eine kreative Neubildung zum Nachdenken zu bringen. Bei dem vorliegenden Beispiel hat das (fünfjährige) Kind instinktiv das ‚neu’ vom Wort abgetrennt und als Adjektiv benutzt. Es konnte nicht wissen, dass „Neufundländer“ ein Eigenwort ist und keine Wortbildung, die man paraphrasieren kann. Solche Bemerkungen wirken lustig, aber zeigen bei näherer Betrachtung, dass Kinder schon einen gewissen Einblick in die Struktur ihrer Sprache besitzen. Besonders bei Neubildungen von Wörtern sind sie sehr kreativ. Sie denken sich auch Wörter für schon kodifizierte Gegenstände aus, die zwar dementsprechend semantisch blockiert (z.B. „Fensterfeger“ 2 = Scheibenwischer) aber dennoch verständlich sind und dem Sinn des Gegenstands entsprechen. Es wäre schade, das offensichtliche Interesse und natürliche Vorwissen der Kinder am Wort zu vergeuden und nicht daran anzuknüpfen. Auch Wolfgang Menzel schreibt in seinem Basisartikel „Wortbildung - Wortbestand“, dass es vom Interesse des Schülers aus gesehen unbegreiflich wäre, dass auf Sätze das Erkenntnisinteresse gerichtet werde und nicht auf Wörter. 3 Zweifellos sei „die kindliche Neugier eher aufs Wort gerichtet als auf die abstrakteren syntaktischen Sachverhalte, da Wörter Fragen nach Inhalten eröffnen“ 4 würden. Im Folgenden sollen die Grundlagen und Fachtermini der Wortbildung erläutert und in den schulischen Kontext eingebettet werden. Im Anschluss daran werden drei Fibeln und dazugehörige Übungs-, bzw. Arbeitshefte für das erste Schuljahr daraufhin untersucht und verglichen, ob und wie sie die Wort-
1 Anekdoteaus eigenem Familienrepertoire
2 Menzel, Wolfgang (1979). Wortbildung - Wortbestand. Praxis Deutsch 38. S. 13.
3 Vgl. Menzel 1979: 17.
4 Ebd.
2
bildung umsetzen. Die Art der Wortbildung (die erzeugt wird) wird analysiert und der mögliche Nutzen der Übungen genannt. Die untersuchten Lehrgänge sind die LolliPop Fibel und das passende Arbeitsheft zum Leselehrgang, die Kunterbunt Fibel mit dazugehörigem Übungsheft und die Luna-Fibel mit dem entsprechenden Arbeitsheft.
2. Wortbildung- was ist das eigentlich?
Wortbildung bezeichnet das Bilden neuer Lexeme in einer Sprache. Lexeme sind die zu einer Menge zusammengefassten Flexionsformen eines Wortes, d.h. ‚Baum’, ‚Bäume’ und ‚Baumes’ bilden beispielsweise ein Lexem. Die Flexion selbst, die Wörter konjugiert und dekliniert (also auf grammatischer Ebene verändert), zählt also nicht zu den Wortbildungsmitteln. 5 Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten um neue Lexeme zu bilden. Eins der wichtigsten Wortbildungsmitteln ist die Zusammensetzung (oder „Komposition“ 6 ), also die Kombination von Stammmorphemen 7 , wobei die Kombination der verschiedenen Stammmorpheme (Substantiv-, Verb- und Adjektivstämme) untereinander möglich ist. Beispiele dafür sind u.a. ‚Haustür’ (Nomen + Nomen), ‚Schwimmreifen’ (Verb + Nomen), ‚Gebrauchtwagen’ (Adjektiv + Nomen) oder ‚haftunfähig’ (Nomen + Adjektiv), ‚vollschlank’ (Adjektiv + Adjektiv), ‚fahrtauglich’ (Verb + Adjektiv) etc. Am häufigsten kommt im Deutschen die Komposition Nomen + Nomen vor. 8
Auch mit der Ableitung (oder „Derivation“ 9 ), also der Kombination von Stamm- mit Ableitungsmorphemen, werden neue Lexeme gebildet. Unter Ab-leitungsmorphemen versteht man Affixe, also Präfixe und Suffixe. Es sind bedeutungstragende gebundene Morpheme (d.h. Morpheme die nicht selbstständig verwendet werden können), die jedoch unterschiedliche Funktionen und Stellungen im Wort haben. 10 Präfixe (oder „Vormorpheme“ 11 ), z.B. ‚ver-’ ‚ent-’, ‚un-’, ‚zu-’ und ‚ab-’, sind links an den Wortstamm gehängt, verändern
5 Vgl. Lindauer, Thomas (2006). Wortbildung. Praxis Deutsch 201. S. 8f.
6 Boettcher, Wolfgang (2006). Wortbildung. Skript zur Vorlesung: Grundkurs Grammatik. S. 2
7 Stammmorpheme sind Lexeme, die frei vorkommen können und lexikalische Bedeutung
haben.
8 Vgl. Boettcher 2006: 6.
9 Boettcher 2006: 2.
10 Vgl. Boettcher 2006: 16f.
11 Lindauer 2006: 8.
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aber nicht die Wortart (das Verb ‚schneiden’ kombiniert mit dem Präfix ‚zu-’ wird zu dem Verb ‚zuschneiden’). Suffixe (oder „Nachmorpheme“ 12 ), z.B. ‚-ung’, ‚-er’, ‚-bar’, ‚-ieren’ und ‚-heit’, werden rechts an den Wortstamm geheftet und bestimmen die Wortart 13 : Aus dem Adjektiv ‚schön’ wird beispielsweise mithilfe des Suffixes ‚-heit’ das Nomen ‚Schönheit’. Die Konversion, die Boettcher - wie auch Präfigierung und Suffigierung - unter das Verfahren der Derivation zählt, wird unterschiedlich behandelt. Nach einer oft vertretenen Auffassung wird jeder Wortartwechsel als Konversion verstanden 14 , Boettcher beschreibt die Konversion hingegen als die „Umwandlung eines Wortes in ein Wort einer anderen Wortart ohne (erkennbare) morphologische Umwandlungsmittel“ 15 . Ein Beispiel dafür ist die Um-wandlung von ‚laufen’ zu ‚der Lauf’, wobei aus dem Verb ein Nomen ohne zusätzliche Affixe entsteht. 16
Die drei gerade genannten Wortbildungsmittel zählen in der Linguistik zu den traditionellen Typen der Wortbildung. Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, wie neue Lexeme gebildet werden können, als da wären die Kurzwörter, die wie ein Wort gesprochen werden, obwohl sie eine Abkürzung von teilweise komplexen Bezeichnungen sind, wie z.B. Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation). Auch gibt es die Wortkreuzung (oder „Kontamination“ 17 ), bei der zwei Wörter miteinander verschmelzen, z.B. ‚Teuro’ (teuer + Euro) oder ‚Datei’ (Daten + Kartei). Weitere Arten der Wortbildung sind die Neuschöpfung, also Worterfindungen und Entlehnungen, d.h. die Übernahme von ganzen Wörtern oder Morphemen aus anderen Sprachen, wie z.B. ‚Download’ oder ‚Skateboard’. Für die Behandlung der Wortbildung in der Schule sollte man diesen Bereich nicht auf die traditionellen Formen der Wortbildung beschränken, sondern ihn so offen und komplex wie möglich zu halten, damit die Kreativität der Kinder nicht zu sehr ein- 12 Lindauer2006: 8.
13 Vgl. Boettcher 2006: 16.
14 Vgl. Nübling, Damaris et al. (2006). Kapitel 3.2: Wortbildungswandel. In: Historische
Sprachwissenschaft des Deutschen. Eine Einführung in die Prinzipien des Sprachwandels.
Tübingen, Naar. S. 69.
15 Boettcher 2006: 25.
16 Vgl. Ebd.
17 Boettcher 2006: 15.
4
geschränkt wird und sie die Möglichkeiten der deutschen Sprache in vollen Zügen ausschöpfen können. 18
3. Wortbildung in der Schule
In der Fachliteratur wird oft davon gesprochen, dass die Wortbildung im schulischen Deutschunterricht noch eher ein Randdasein fristet. Das liegt daran, dass der traditionelle Grammatikunterricht auf die Sprachanalyse von Sätzen, also der Syntax, und der Behandlung der Wortarten ausgerichtet ist. Dies hängt u.a. mit der Entwicklung der Sprachwissenschaft und der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts zusammen. 19 Dementsprechend ist es eine große Umstellung für die Lehrer, zu den traditionellen Themenbereichen nun zusätzlich auch noch die Wortbildung zu behandeln und zu überlegen, welche Bereiche zugunsten des neuen Themas vernachlässigt werden können. Die Überlegungen sind jedoch schon soweit fortgeschritten, dass die Wortbildung als ein sehr attraktives Gebiet für den Unterricht u.a. von Menzel und Lindauer angesehen wird. Wörter und deren Bildung sind Themen, die durch schulgrammatische Tradition gänzlich unbelastet und auch generell relativ regeloffen und wenig normiert sind. So wird forschendes, experimentierendes und vorerst ergebnisoffenes Lernen ermöglicht 20 . Außerdem sind Wörter in ihrem Aufbau und ihrer Struktur handlicher und übersichtlicher als Sätze. Hinzu kommt, dass mithilfe der Einsicht in die Wortbildung Rechtschreibprobleme behoben werden können, z.B. bei der Zusammen- und Getrenntschreibung von Wörtern und zwar durch das Einüben von Wortbildungsmorphemen, wie ‚-lich’, ‚-heit’, ‚ent-’ etc. Ein Ziel, bzw. eine Funktion der Wortbildung ist, dass der Umgang mit ihr und die Einsicht in Wortbildungsprozesse das Sprachgefühl der Schüler präzisiert und den Wortschatz erweitert. 21
Durch die Behandlung der Wortbildung im Grammatikunterricht lassen sich zahlreiche Verbesserungen desselben bewerkstelligen. Ein Schlagwort
18 Vgl. Lindauer 2006: 9.
19 Vgl. Menzel 1979: 17.
20 Vgl. Lindauer 2006: 6f.
21 Vgl. Menzel 1979: 18
5
Arbeit zitieren:
Michaela Harbich, 2008, Welche Formen der Umsetzung von Wortbildung gibt es im ersten Schuljahr? , München, GRIN Verlag GmbH
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