als „missgebildete Killer“ und stellt die Frage nach dem weiteren Vorgehen mit diesen in den Raum.
Thomas Mann gliedert seine Radioansprache, indem er zuerst eine Frage an das Publikum richtet, das er in der zweiten Person Plural („ihr“, „euch“) anspricht, und anschließend einen Fakt beziehungsweise etwas, das er für einen Fakt hält, anschließt. Dieses „Frage-Fakt-Muster“ nutzt er bis zum Ende der Ansprache, die mit einer Frage schließt. Mann sagt aus, dass die Deutschen es nicht fertig brächten, „den Haß [sic] wechselseitig“ zu machen. Durch Verwendung einer Steigerung (Klimax) gepaart mit einer Reihung und einer Alliteration, die er asyndetisch verbindet, macht er den Deutschen deutlich, was sie mit den Juden getan haben: Sie hätten sie „entmachtet, entrechtet, enteignet, in den Staub gedemütigt“, und das, obwohl die Juden die einzigen Freunde der Deutschen in der Welt sein könnten. Er unterstellt den Deutschen, einer „Quälsucht“ verfallen zu sein, mit der Absicht - wie er Goebbels, den Reichspropagandaminister zitiert - „‚die Juden auszurotten‘“. Daraufhin fragt er die Hörer, welchen Vorteil sie davon hätten, wenn die Juden vernichtet seien. Mann bezeichnet Goebbels als „unselige[n] Lügenbold“ und wünscht sowohl ihm als auch Adolf Hitler als auch den anderen Nazis die Fahrt in die Hölle. Mit diesen Beleidigungen verdeutlicht er seine Abneigung oder gar seinen Hass auf die Führungsspitze Deutschlands und deren Anhänger. In seiner Beschreibung über das Warschauer Ghetto benutzt Mann sehr konkrete und bildhafte Wendungen, bezeichnet das Ghetto sogar als „Hunger-, Pest- und Todesgrube“ (Stilmittel der Steigerung und Reihung) und untermalt die Gräueltaten unter Zuhilfenahme einiger abschreckend wirkender Zahlenangaben. Er fragt die Hörer, wie sie diese Schandtaten empfinden und wie sie zu den Geschehnissen stehen. Mittels einer Antithese (Schreie und Qual sind in der Regel nicht mit Gelächter vereinbar) stellt er den Todeskampf der vergast werdenden Juden dar, der von den „SS-Hottentotten“ (Metapher) mit einem „gutmütigen Gelächter“ begleitet worden sei. Mit seiner abschätzigen Schlussbemerkung beleidigt er zum einen die Deutschen und stellt sie den Führungspersonen gleich, zum anderen appelliert er (indirekt), mit den Schandtaten aufzuhören. Die gesamte Rede Manns ist geprägt von Beleidigungen, beispielswei- se verwendet er Begriffe aus den Bereichen der Fäkalsprache („verjauchten Gehirne“).
Arbeit zitieren:
Tim Blume, 2010, Thomas Mann: Radiosendung nach Deutschland, 27. September 1942, München, GRIN Verlag GmbH
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