Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einführung 3
2. Die Person des Statthalters Varus 5
2.1 Biographische Skizze des Legaten 5
2.1.1 Varus’ politische Laufbahn bis zur Statthalterschaft in Germanien. 5
2.1.2 Statthalterschaft in Germanien und Tod im Jahre 9 7
2.2 Das Charakterbild des Legaten. 8
2.2.1 Die Persönlichkeit von Publius Quintilius Varus 8
2.2.2 Varus’ Rolle als Statthalter. 10
2.2.3 Quintilius Varus - Der unfähige Feldherr? 13
2.2.4 Die Erzeugung einer Person - Einschätzungen zu Varus. 14
3. Zusammenfassung 20
Quellen - und Literaturverzeichnis 22
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1. Einführung
Ziel dieser Proseminararbeit soll es sein, ein Charakterbild des römischen Statthalters Publius Quintilius Varus zu erstellen. Durch „seine“ Niederlage im Jahre 9 n. Chr., der so genannten „Varusschlacht“, erlangte der Statthalter seine historische Bedeutung. Im Mittelpunkt der Analyse sollen dabei seine Persönlichkeit, seine Aufgaben als Statthalter und sein Verhalten als Feldherr stehen. Im Besonderen soll auf die Frage eingegangen werden, ob das durch Quellen vermittelte Bild des Legaten als realistisch betrachtet werden kann. Die Charakterdarstellung wurde im Besonderen durch den antiken Autor Velleius Paterculus negativ geprägt. Speziell Anspruch und Wirklichkeit der Quellen sollen dabei genauer untersucht werden. War Varus in dem Glauben nach Germanien gekommen, dort Steuern erheben zu können und eine Provinzialordnung nach römischem Vorbild entstehen zu lassen? Oder war ihm die heikle Lage bewusst? Wenn ja, warum ließ er sich dann im Herbst 9 n. Chr. zu jenem geschichtsträchtigen Zug ins Germanengebiet verleiten?
Der erste Teil der Arbeit setzt sich zunächst biographisch mit Varus’ Karriere als Konsul, Prokonsul und später Statthalter in Syrien und Germanien auseinander. Der zweite Teil der Arbeit geht im Detail auf Varus’ Persönlichkeit ein. Es wird geklärt, wie sich Varus als Statthalter und Feldherr verhielt und wie er durch Zeitgenossen und in der Forschung eingeschätzt wird. Im Mittelpunkt wird die Frage stehen, warum Varus Jahre nach seinem Tod vom Historiker Velleius Paterculus derart persönlich demontiert wurde. Paterculus’ Darstellung wird dahingehend mit anderen antiken Autoren in Hinblick auf Perspektivität verglichen.
Das Thema Varusschlacht ist so komplex, dass es von essentieller Bedeutung ist, den Themenbereich dieser Arbeit einzugrenzen. Diese Arbeit kann und darf sich nicht im Detail mit der Varusschlacht beschäftigen. Es werden lediglich wichtige Anmerkungen erfolgen, keine konkreten Schilderungen des Schlachtablaufs. Außerdem können die Folgen der Schlacht nur groß skizziert, nicht aber ausführlich behandelt werden. Quintilius Varus muss und soll einziger Mittelpunkt der Arbeit sein.
Den Untersuchungszeitraum wird besonders Varus’ Zeit in Germanien darstellen, da die Quellenlage zu dieser Zeit am reichhaltigsten ist. Autoren wie Cassius Dio, Tacitus und Sueton, aber auch Velleius Paterculus und Florus werden zitiert und analysiert. Gerade die beiden Erstgenannten werden aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit ein fundamentaler Ver-
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gleichsgegenstand dieser Arbeit sein. Ihre Werke werden einen wichtigen Teil zur Beantwortung der gestellten Fragen beitragen.
Des Weiteren bildet die Forschungsliteratur den Schwerpunkt dieser Arbeit. Die Thematik Varus wurde in unzähligen Publikationen behandelt und seit Ende des 19. Jahrhunderts kontrovers diskutiert. Abgesehen von einigen älteren Untersuchungen (wie beispielsweise die Arbeit von Ernst Kornemann) gibt es hinsichtlich der Bewertung Varus’ in neuerer Forschungsliteratur allerdings einen Konsens. Sie sieht Varus nicht mehr als „Sündenbock“ für die römische Niederlage, sondern als selbstverschuldetes Opfer, das anhand seines Fehlers persönlich verurteilt wurde.
Bereits 1915 schufen William Oldfather und Howard Vernon Canter die Grundlage vieler späterer Theorien zu Varus’ Rolle als Statthalter. Ronald Syme bringt die Kritik an Velleius Paterculus’ Schilderung des Varus am konkretesten auf den Punkt, und Manfred Millhoff liefert wichtige Erkenntnisse über die Quellen Cassius Dios. Ulrich Schmitzer liefert aufschlussreiche Informationen über die Intention Velleius Paterculus’ und Bernd Manuwald weist auf Dios Rolle bei der Beurteilung der Person Varus hin. Walter John hebt den Vergleich zwischen Quintilius Varus und Arminius hervor und Horst Callies liefert eine komplexe Betrachtung zu den außenpolitischen Faktoren der Zeit Varus’ und bildet damit eine gute Forschungsbasis. Gustav Adolf Lehmann fasst wichtige Erkenntnisse über Varus’ Aufgaben als Statthalter zusammen und bewertet diese kritisch. Dieter Timpe schuf mit seinem Werk Arminius-Studien die bisher umfassendste und im Detail treffendste Arbeit zum gesamten Varus-Komplex 1 . Unter Einbeziehung dieser und einiger anderer Beiträge konnten die aufgeführten Fragen zur Persönlichkeit Quintilius Varus’ im Kontext literarischer Überlieferungen diskutiert werden.
1 Timpe, Dieter: Arminius-Studien, Heidelberg 1970.
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2. Die Person des Statthalters Varus
2.1 Biographische Skizze des Legaten
2.1.1 Varus’ politische Laufbahn bis zur Statthalterschaft in Germanien
Publius Quintilius Varus’ Leben bis zu seinem ersten Konsulat im Jahre 13 v. Chr. zu skizzieren, gestaltet sich schwierig. Es kann davon ausgegangen werden, dass Varus eine gute Erziehung genossen hat und im Jahre 23 v. Chr. Quästor war, „…als sich der Princeps [Augustus] in den Osten begab und Q. [Varus] ihn begleitete“ 2 . Sowohl John als auch Eck sprechen ihm eine enge Bindung zum Princeps Augustus zu 3 . Auch Kornemann schreibt, Varus habe als fähiger Mann gegolten und spricht von einer makellosen Karriere 4 .
Aufgrund der erhaltenen Consul-Listen ist bekannt, dass Varus im Jahre 13 v. Chr. sein Konsulat antrat. Im Jahre 7/6 v. Chr. war Varus Proconsul der Provinz Africa, die damals neben Asien die vornehmste aller senatorischen Provinzen gewesen sei 5 . Der Zuspruch dieser Provinz an Varus kann als definitiver Vertrauensbeweis durch Augustus gesehen werden. Im Anschluss an sein Proconsulat wurde Varus Statthalter Syriens. Quintilius Varus nahm dort im Jahre 5 v. Chr. an einem Gerichtsverfahren von Herodes gegen dessen Sohn Antipatros teil und „leitete“ die Verhandlung. Als Herodes starb, entbrannten Aufstände in Judäa und Varus musste diese unterbinden 6 . Der antike Autor Flavius Josephus berichtet in seinem Werk Geschichte des Judäischen Krieges folgendes:
„Da Varus eine Empörung vorausgesehen hatte, war er nach der Abreise des Archelaos in Jerusalem ein-
gerückt, um etwaige Unruhen, die jeden Augenblick ausbrechen konnten, zu unterdrücken, hatte eine der
drei aus Syrien mit genommenen Legionen in der Stadt gelassen und war dann selbst nach Antiocheia zu-
rückgekehrt.“ 7 .
Wir sehen also einen vorausschauenden Varus, der geschickt agiert, um die Folgen des Aufstandes möglichst gering zu halten. Doch schon zu dieser Zeit lässt sich eine gewisse Zwiespältigkeit in Varus’ Charakter erkennen. Mit Gnadenlosigkeit und Brutalität lässt er ein
2 Eck, Werner, s.v. P. Q. Varus, in. Der Neue Pauly 10(2001), S. 703, Z.1-2.
3 Vgl. John, Walter, s.v. P. Quinctilius Varus(20), in: Paulys Realencyclopädie der classischen
Altertumswissenschaften 47(1963), Sp. 909, Z.31-32; Eck, S. 703, Z.1-10.
4 Kornemann, Ernst: Gestalten und Reiche. Essays zur alten Geschichte, Leipzig 1943, S. 279.
5 Vgl. John, Sp. 909, Z.58-60.
6 Vgl. John, Sp. 912, Z.53-63.
7 Ios. Bell. Iud. II, 3,1.
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komplettes aufständisches Dorf [Ammaus] niederbrennen 8 . Auf der anderen Seite ist zu hören, dass sich die Stadt Jerusalem vollständig ergab und Varus „…der großen Masse Verzeihung …“ 9 gewährte. Diese Zwiespältigkeit soll hier lediglich kurz angedeutet und dann später detailliert analysiert werden.
Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus berichtet hingegen folgendes aus der Zeit Varus’ in Syrien:
„…daß er aber Geld nicht verachtete, zeigte Syrien, wo er als Statthalter gewesen war: Arm hatte er das
reiche (Syrien) betreten, als Reicher ließ er es arm zurück.“ 10 . Können wir daraus ablesen, dass Varus sich in Syrien persönlich bereicherte? Walter John meint dazu treffend, dass diese Vermutung falsch sei. Varus ließ zwar Münzen in Syrien prägen und hatte so „…Aufsichts- und Kontrollrecht…“ 11 , aber auch andere Statthalter taten dies später und eine Bereicherung ist bei allen nicht ausgeschlossen. Millhoff unterstreicht dies durch die Aussage, dass es sogar gängige Praxis unter Statthaltern gewesen sei, um die leeren Kassen des Wahlkampfes zu füllen 12 . Den Vorwurf allein Varus zu machen ist demnach nicht haltbar 13 .
Erst ab dem Jahr 7 n. Chr. existieren erneut Erwähnungen über Q. Varus. Über die Zeit zwischen Statthalterschaft und Übernahme des Postens in Germanien von C. Sentius Saturnius besitzen wir keinerlei Kenntnis über Varus’ Werdegang 14 . Mit der Übernahme der Statthalterschaft beginnt für Varus eine kurze Periode der Macht, die überraschend im Jahr 9 n. Chr. endet.
Sowohl Quellen- als auch Forschungsmaterial lassen lediglich Vermutungen über Varus’ Zeit in Syrien und Afrika zu. Die vorhandenen Texte sind zu wenige, als dass sich bereits hier ein Charakterbild erstellen ließe. Gerade aus diesem Grund ist es umso wichtiger, der Zeit in Germanien große Aufmerksamkeit zu schenken.
8 Vgl. Ios. Bell. Iud. II, 5,1.
9 Ios. Bell. Iud. II, 5,3.
10 Vell. 2,117,2.
11 John, Sp. 912, Z.3-9.
12 Vgl. Millhoff, Manfred: Die Varusschlacht - Anatomie eines Mythos. Eine historische Untersuchung der
„Schlacht im Teutoburger Wald“, Berlin 1995, S. 42f.
13 Vgl. John, Sp. 912, Z.3-9.
14 Vgl. John, Sp. 919, Z.12-13.
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Arbeit zitieren:
Thomas Schulze, 2007, Charakterstudie des römischen Statthalters Publius Quintilius Varus im Kontext literarischer Überlieferungen, München, GRIN Verlag GmbH
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