Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 1
2. Geschichte der Kriminologie 1
2.1.Vorläufer und empirische Ansätze 2
2.2 Erste theoretischen Impulse der klassische Schule der Kriminologie 3
2.2.1 Cesare Beccaria als Begründer der klassischen Kriminologie 3
2.2.2 Weitere Vertreter der klassischen Schule 4
2.2.3 Auswirkungen der klassischen Schule 6
2.3 Die positivistische Kriminologie 6
2.3.1 Ursprung der anthropologischen Schule 7
2.3.2 Italienisch- krimalanthropologische Schule 8
2.3.2.1 Cesare Lombroso: Begründer der empirischen Kriminologie 8
2.3.2.2 Weitere Vertreter der italienischen Schule 9
2.3.2.3 Relevanz der italienischen Schule für die Kriminologie 10
2.3.3 Französisch- kriminalsoziologische Schule 11
2.3.3.1 Vorläufer der Kriminalsoziologie 11
2.3.3.2 Kriminalsoziologische Ansätze von Tarde, Lacassagne und Durkheim 12
2.3.3.3Auswirkungen der französischen Schule auf die Kriminologie 14
2.3.4 Vereinigungslehre Franz von Liszt 15
2.4 Nordamerikanische Kriminologie gegen Ende des 19. bis zur Mitte des 20.Jahrhunderts 16
2.4.1 Kinderretterbewegung 17
2.4.2 Ansätze einer klinischen Kriminologie 17
2.4.3 Empirisch ausgerichteter Mehrfaktorenansatz Glueck 18
2.4.4 Entwicklung der Kriminalökologie in Chicago Shaw/McKay 19
2.4.5 Organisierten Kriminalität Thrasher 21
2.4.6 Die Wurzeln der „radikalen Kriminologie“ (Labeling Approach) 21
2.4.7 Frauenkriminalität (Parmelee) 22
2.4.8 Anfänge einer Viktimologie von Hentig 22
2.4.9 Anfänge einer vergleichenden Kriminologie Reckless 23
2.4.10 Sutherlands Einfluss auf die Kriminologie 23
2.5 Kriminologische Entwicklung in Deutschland 24
2.5.1 Deutsche Entwicklung am Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre 24
2.5.2 Kriminologie im „Dritten Reich“ 25
2.5.3 Kriminologie in der ehemaligen DDR 26
2.5.4 Die deutsche Kriminologie nach dem 2. Weltkrieg in den alten Bundesländern 28
2.6 Die amerikanische Kriminologie nach dem 2. Weltkrieg 29
2.6.1 Paradigmawechsel der Kriminologie "Labeling Approach“ 29
2.6.1.1 Labeling Approach 30
2.6.1.2 Relevanz und Kritik des Labeling Approach 31
2.6.1.3 Auswirkungen des Labeling Ansatzes auf die deutsche Kriminologie 32
3. Zusammenfassung und Ausblick 32
Literaturverzeichnis
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Kaiser, G. Kriminologie: Eine Einführung in die Grundlagen, 9. Ausg., Heidelberg 1993, C.F. Verlag.
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Lamnek, S. Theorien abweichenden Verhaltens, München 1999, W.Fink Verlag.
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1
1.Einleitung
Der Ursprung kriminellen Verhaltens ist so alt wie die Menschheit selbst und losgelöst von der jeweiligen gesellschaftlichen Struktur und Epoche. Schon im Alten, als auch im Neuen Testament findet man Berichte über schwere Straftaten, gefolgt von Strafen 1 . Der Begriff Kriminologie wird aus dem lateinischen Wort „crimen“ (Verbrechen) und dem griechischen Wort „logos“ (Wissenschaft) abgeleitet und bedeutet die Wissenschaft des Verbrechens und wird dem französischen Anthropologen Paul Topinard zugeschrieben 2 . Das sagt jedoch noch nichts über den Inhalt der Kriminologie aus. Nach dem modernen Verständnis versteht man unter Kriminologie eine empirische, interdisziplinär ausgerichtete Wissenschaft, die sich mit dem Verbrecher, dem Verbrechen und dem Verbrechensopfer beschäftigt 3 . Sie ist eine Wissenschaft, die sich mit den Hintergründen insbesondere den Ursachen von Straftaten beschäftigt, aber auch die Folgen untersucht, die sich aus dem Verhalten für das Opfer und die Gesellschaft ergeben 4 . Anknüpfungspunkt bei allen Fragen ist stets das Verbrechen 5 . Aber auch andere Wissenschaften beschäftigen sich mit dem Verbrechen und der Kriminalität. Kriminologie ist insbesondere nicht mit der Kriminalistik zu verwechseln. Die Kriminalistik beschäftigt sich primär mit der Aufklärung von Straftaten, während die Kriminologie vor allem die Ursachen eines kriminellen Verhaltens versucht zu erklären 6 . Wie aber kam es zur Kriminologie als empirisch, interdisziplinär ausgerichtete
Wissenschaft mit all ihren Betätigungsfeldern? Dies wird im Rahmen dieser Arbeit erläutert.
2. Geschichte der Kriminologie
Zunächst kann man konstatieren, dass andere Wissenschaften im Vergleich zur Kriminologie eine große Tradition aufweisen, da sich an diesen Wissenschaften eine große Anzahl von Wissenschaftlern und Forschungsgruppen beteiligten und somit den historischen
1 Vgl. Kury, Internationales Handbuch der Kriminologie Bd.1, S. 55.
2 Vgl. Kaiser, Kriminologie 1993, S.1.
3 Vgl. Kaiser, Kriminologie 1993, S.1.
4 Vgl. Meier, Kriminologie 2007, S.2.
5 Vgl. Meier, Kriminologie 2007, S.2.
6 Vgl. Schwind, Kriminologie 2009, S.10.
2
Werdegang prägten. Die Historie der Kriminologie zeichnet sich im Gegensatz dazu durch ihre Einzelpersönlichkeiten aus.
2.1.Vorläufer und empirische Ansätze
Bereits Plato und Aristoteles befassten sich mit den Gründen des straffälligen Verhaltens 7 . Plato sah den Verbrecher als einen aus der Genusssucht, Dummheit oder Leidenschaft zum Geisteskranken gewordenen Menschen 8 . Nach Plato sind biologische Faktoren strafschärfend zu berücksichtigen, während Aristoteles angeborene Faktoren wie „Schwachsinn“ oder Geisteskrankheit als legale Entschuldigungsgründe ansah. Obwohl er erkannte, dass der Mensch durch Veranlagung und Umwelteinflüsse zum Verbrecher wird, wollte er sie dennoch als Feinde der Gesellschaft hart bestrafen 9 . Das zeigt, dass sich Personen schon Jahrhunderte vor der Zeitrechnung mit Verbrechen und deren möglichen Ursachen beschäftigten. Die wissenschaftlichen Anfänge der Geschichte der Kriminologie gehen bis in das frühe Mittelalter zurück 10 . Für den Umgang mit Verbrechen gab es zu dieser Zeit nur religiöse Erklärungsversuche 11 . Mit Beginn der Rechtsmedizin im 15. Jahrhundert, beginnen auch die ersten kriminologischen Ansätze 12 . Grundlage dafür waren die im 13. Jahrhundert erlassenen normannischen Gesetze. In diesen Gesetzen wurde erstmals ein Obduktionszwang eingeführt. Dies führte 1302 zur ersten richterlich angeordneten Leichenöffnung 13 . Anstöße wurden zu dieser Zeit aber vor allem durch die stetige Umgestaltung des mittelalterlichen Beweis- und Prozessrechts erreicht. Die Beweisführung im Strafverfahren wurde versucht auf
erfahrungswissenschaftliche Beweismittel umzustellen z.B. durch Gutachten, die sich aus den angeordneten Leichenöffnungen ergaben 14 . Es entstand somit eine Abkehr vom „Gottesurteil“, hin zum Rationalismus und der materiellen Wahrheit. Die entscheidende Wende und ersten theoretischen Impulse erfolgte jedoch erst im
7 Vgl. Kunz, Kriminologie 2004, S.33; Mergen, Kriminolgie1995, S.5.
8 Vgl. Mergen, Kriminologie 1995, S.5.
9 Vgl. Mergen, Kriminologie 1995, S.5.
10 Vgl. Albrecht, Ein kriminologisches Wörterbuch 1993, S.309.
11 Vgl. Meier, Kriminologie 2007, S.13.
12 Vgl. Kaiser, Kriminologie 1993, S.64.
13 Vgl. Kaiser, Kriminologie 1993, S.64.
14 Vgl. Meier, Kriminologie 2007; S.13.
3
Zeitalter der Aufklärung. Einen ersten Ausdruck der aufkommenden Neuzeit sind in den Halsgerichtsordnungen des 15. und des 16. Jahrhunderts zu erblicken. So führt die Peinliche Gerichtsordnung von 1532 die „Wundärzt“ und „Sachverstendig“ ein. Nach Art. 36 sind Hebammen bei Kindstötungen zu hören. Bei Totschlag sind nach Art.147 die Wundärzte zu hören. In Art. 149 wurde festgelegt, dass bei einer Leichenbesichtigung ein Protokoll anzufertigen ist. Kriminologische Überlegungen werden demnach durch die Suche nach der materiellen Wahrheit, durch Suche nach Erkenntnis angeregt 15 .
2.2 Erste theoretischen Impulse der klassische Schule der Kriminologie
Die wesentlichen und ersten theoretischen Impulse der Kriminologie, welche die Kriminologie erst zu einem eigenständigen Wissenschaftszweig herausbildete, entstand jedoch erst später als Ausfluss der Aufklärung durch die „klassischen Schule“ der Kriminologie 16 . Kennzeichnend für die klassische Schule war, dass der Mensch als rational, vernünftig und eigenverantwortlich handelndes Wesen angesehen wurde und Kriminalität als die Ausübung einer freien Willensentscheidung betrachtet wurde 17 . Der Mensch ist somit indeterminiert. Das Verbrechen wird in der klassischen Kriminologie als Ergebnis einer an der Verfolgung der eigenen Bedürfnisse gesehen 18 . Der Täter begeht dann Verbrechen, wenn aus seiner Sicht der Nutzen, der aus der Tat gezogen werden kann, höher ist, als die zu erwartenden Konsequenzen, die bei der Entdeckung des Unrechts folgen 19 .
2.2.1 Cesare Beccaria als Begründer der klassischen Kriminologie Mit der klassischen Schule der Kriminologie lässt sich vor allem der Name Cesare Beccaria verbinden, der 1764 das Werk „Dei Deletti e delle Pene“ („Über die Verbrechen und Strafen“) veröffentlichte und als Begründer der klassischen Schule gilt. Beccaria war von dem
15 Vgl. Kaiser, Kriminologie: eine Einführung in die Grundlagen, 1993, S.65.
16 Vgl. Lamnek, Theorien abweichenden Verhaltens 1999;S.61ff.
17 Vgl. Meier, Kriminologie 2007; S.14.
18 Vgl. Meier, Kriminologie 2007; S.14.
19 Vgl. Meier, Kriminologie 2007; S.14.
4
Zeitgeist der Aufklärung beeinflusst, dass alle Menschen gleich und frei sind 20 . In seinem Werk kritisierte er das in seiner Zeit unmenschliche Rechts- und Gerichtwesen 21 . Die Strafgerichtspraxis des 18. Jahrhunderts war geprägt von Korruption, Folter und Todestrafen. Es gab keine Gleichheit vor dem Gesetz. So wurden Angeklagte gleich einem Verurteilten behandelt 22 . Beccarias Buch enthielt wesentliche Reformvorschläge für das Strafrechtssystem der damaligen Zeit. Beccaria forderte in seinem Werk unter anderem die Abschaffung der Todesstrafe, die Abschaffung der Folter und die Abhängigkeit des Richters vom Gesetz und den Vorrang der Kriminalprävention und die allein an die Schwere der Tat zu bemessene Strafe 23 . Er forderte ein für alle gleiches gesetzlich bestimmtes Strafrecht, welches sich an der Sozialschädlichkeit unter Strafe gestellter Handlungen ausrichtet und von einem unabhängigen Richter vollzogen werden soll 24 . Er ging davon aus, dass die Abschaffung der grausamen Strafen dazu beitragen wird, dass die Menschen humaner werden und weniger Straftaten begehen. Die Wirkungen seiner Forderungen waren enorm. So weigerten sich Richter auf Grundlage der Schrift Beccarias nach den alten Gesetzen zu betrafen. Die Kaiserin Maria Theresa ließ auf Grundlage der Schrift Beccarias die Folter abschaffen und ihr Sohn Kaiser Joseph II im Jahr 1788 die Todesstrafe 25 .
2.2.2 Weitere Vertreter der klassischen Schule
Die Entwicklung der klassischen Schule wird insbesondere in England durch Jeremy Bentham und John Howard weiterverfolgt. Nach Bentham sind menschliche Handlungen motiviert vom Streben nach Wohlergehen und der Vermeidung von Leid. Das Strafrecht erschöpft sich nach Bentham darin, dass das durch Strafe angedrohte Leid den Nutzen übersteigt und somit den potenziell geneigten Täter
20 Vgl. Kury ,Internationales Handbuch der Kriminologie Bd.1, S.60.
21 Vgl. Schwind, Kriminologie 2009, S.90.
22 Vgl. Schneider, Kriminologie 1987, S.90.
23 Vgl. Schmoeckel, Humanität und Staatsräson 2000; S.182; Meier, Kriminologie
2007, S.14; Schwind, Kriminologie 2007, S.90.
24 Vgl. Breuer, Kriminologie 1998, S.87.
25 Vgl. Schwind, Kriminologie 2009; S.92.
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