Inhalt
1. Einleitung mit Problem- und Zielaufriss 3
2. Sachanalyse zum Themenfeld 4
3. Bedingungs- und Lebensweltanalyse 9
4. Didaktische Überlegungen 10
5. Lernziel-/ Kompetenzbeschreibung 12
7. Methodischer Kommentar 19
8. Gestaltung und Analyse von Lehr- Lern- Medien 22
9. Fazit mit Selbstreflektion des persönlichen Lernzuwachses 23
10. Literaturverzeichnis 24
11. Anhang 25
2
1. Einleitung mit Problem‐ und Zielaufriss
Als zentraler Leitgedanke des Faches Sachunterrichts kann, wie eigentlich für den gesamten Grundschulunterricht, die Grundlegung der Bildung herausgestellt werden. Hartinger beispielsweise versteht den Begriff der grundlegenden Bildung als Beginn eines Bildungsprozesses, der im Sinne eines Emanzipationsprozesses den Schülern zu kritischer Kompetenz verhelfen soll und charakterisiert dies als so genanntes Grundziel. 1
Die Grundlegung der Bildung geschieht im Sachunterricht einerseits durch den Erwerb von Wissen über die Lebenswelt, andererseits durch das Aufgeschlossenwerden für neue Sachverhalte und den Aufbau von Haltungen und Einstellungen. 2 Dabei steht die kindgemäße
Gegenstandsbetrachtung im Vordergrund. Sachunterricht soll den Schülerinnen und Schülern helfen, ihre soziale, natürliche und technische Welt zu erschließen und sie befähigen, in gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen zunehmend kompetent zu handeln. 3
Mein gewähltes Thema „Das alte Reich Ägypten- Pyramidenbau, Götterkult und Pharaonen“ hat das Potenzial, diesen Anspruch zu erfüllen. Die Hochkultur am Nil wirft bis heute zahlreiche ungeklärte Fragen auf und ist bestens dazu geeignet, das Staunen aus Ausgangspunkt des Fragens, Forschens und Lernens zu kultivieren. Begriffe wie „Pyramiden“, „Pharaonen“ oder „Mumien“ sind den Kindern bereits im Grundschulalter bekannt und üben aufgrund ihrer Exotik eine besondere Faszination auf sie aus. Beweis für diese Faszination sind auch die zahlreiche Kinder-(Sach-)-Bücher, Dokumentationen sowie museumspädagogischen Angebote. Das Thema hat hohes exemplarisches Potenzial, um grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich des historischen, sozio-kulturellen sowie geografischen Lernens bei den Kindern anzubahnen. Warum sollte man sich diese Faszination nicht zu Nutze machen, um einen spannenden, lehrreichen und lebendigen Sachunterricht zu gestalten?
Ich werde in diesem Portfolio versuchen, einen Unterricht zu beschreiben, der die Ansprüche des Sachunterrichts hinsichtlich Kindgemäßheit, Wissenschaftsanspruch sowie Didaktik erfüllt, angemessene Methoden benutzt sowie im Allgemeinen aufzeigen, dass meine Planung gezielt und reflektiert erfolgt ist.
1 (Hartinger, 1997, S. 30-33)
2 (Köhnlein, 2007, S. 89ff.)
3 (Köhnlein, 2007, S. 91)
3
2. Sachanalyse zum Themenfeld
2.1. Allgemeine Landeskunde Ägypten 2.1.1 Zur geografischen Lage
- die Arabische Republik Ägypten liegt im Nordosten von Afrika, mit der Sinai- Halbinsel zu Asien gehörend (Fläche 1 001 049 km 2 )
- die Hauptstadt ist Kairo
- 2450 km beträgt die Küstenfläche am Mittelmeer, von Libyen im Westen bis Israel im Osten
- Ägypten grenzt im Süden an den Sudan 4 2.1.2 Bevölkerung und Religion
- Einwohnerzahl: 71 Mio.
- Amtssprache: arabisch
- Durch zahlreiche Eroberer ist die ägyptische Bevölkerung eine religiöse, ethische und kulturelle Mischgesellschaft geworden
- die Bevölkerung ist geprägt von hellhäutigen Europiden, negroiden Nubiern sowie einem kleinen Teil von Beduinen
- die Mehrheit der Ägypter lebt in den großen Städten entlang des Nils (Kairo, Assuan, Alexandria sowie Luxor) 1
- offiziell sind knapp 90% der Bevölkerung sunnitische Muslime, zu den ethischen Minderheiten zählen rund 80.000 römisch- katholische sowie griechisch- orthodoxe Christen, Protestanten und Juden 5
2.1.3 Der Nil- Lebensader Ägyptens
- Ägyptens Vegetation sowie gesamtes Leben hängt vom Nil ab, dem längsten Fluss der Erde (6671 km Länge), nur 4% des Landes entlang des Niltals sind üppig grün und fruchtbar, der Rest ist Wüste und deswegen generell schlecht bis unbewohnbar
- die Alten Ägypter kannten drei Jahreszeiten:
- Kreislauf des Nilüberschwemmungen bietet die Grundlage für den ägyptischen Kalendar: Die Jahreszeiten bestanden jeweils aus vier Monaten zu je 30 Tagen
Dazu kamen noch weitere fünf Tage, die Epagomenen, die für die Geburtstage der Götter Osiris, Horus, Seth, Isis und Nephthys standen.
Ein neues Jahr begann am 19. Juli, wenn der Sirius-Stern am Himmel zu erkennen war und eine neue Flutwelle ankündigte 6
2.2. Zeittafel Ägyptische Geschichte rund um das Alte Reich: Zeitliche Eingrenzung
4 (Rauch, 2005, S. 10)
5 (Rauch, 2005, S. 11)
6 (Mularczyk, 2004)
7 Vgl. (Hornung, 1992, S. 159 ff.)
8 Vgl. (Hamid & Mauch)
4
2.3. Das Alte Reich um 2640- 2160 v. Chr.: Kurze Chronik der 3.-6 Dynastie
- das Zeitalter des Baus der großen Pyramiden (generelle Zeit des Baus nur ca. 190 Jahre)
- geprägt durch einen gewaltigen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aufschwung
- florierende Landwirtschaft, Blütezeit des Handwerks, der Mathematik und der Astronomie
- Führend war zu dieser Zeit Unterägypten 9
- Bekanntester Herrscher der 3. Dynastie: Djoser oder auch Netjerichet genannt (2640-2620 v. Chr.) Regierungszeit: 21 Jahre: Erfinder des monumentalen Steinbaus, seine Grabanlage ist der älteste monumentale Steinbau der Menschheitsgeschichte (Architekt: Imhotep, galt in späteren Epochen als großer Weiser und Heiliger) baute eine Stufenpyramide, die als Vorlage für weitere Gräber der nachfolgenden Könige fungierte über die Bedeutung der Pyramide geben zeitgenössische Texte keine konkrete AuskunftVermutung: Himmelsleiter, um dem verstorbenen Pharao den Aufstieg in den Himmel zu ermöglichen 10
- Djoser organisierte das Land neu: teilte es in sog. Gaue (Regierungsbezirke) ein Sicherstellung der Versorgung des Landes, besserer Schutz und Abwehr vor den Nilüberschwemmungen, Abgabeneintreibung von den Gauen an die Residenz benötigte viel Personal (Erschaffung eines großen Verwaltungsapparates, hohe Anzahl von Beamten, die größten
9 (Schlögl, 2003, S. 28ff.)
10 (Brockhaus , 1997, S. 151 f.)
5
Würdenträger legten ihre Gräber rund um das Grab von Djoser (setzte sich als Brauch während des gesamten Zeitalters fest) 11
- Erster König der 4. Dynastie war Snofru (erreichte in der ägyptischen Geschichte einen Kultstatus, wurde im Mittleren Reich als Gott verehrt): baute drei weitere Pyramiden („Djed- snofru= Snofru dauert“, Knickpyramide, Rote Pyramide) Bauleiter Kanofer (Sohn), sein Sohn Cheops baute die bekannteste Pyramide, die Cheopspyramide (vgl. Kapitel 2.6 )
- Sonnenkönig der 5. Dynastie: Userkaf= neuer religiöser Akzent: Bau des Tempels „Hauptstadt des Re“, ritueller Mittelpunkt= Altar im offenen Hof, Obelisk mit goldener Spitze (wenn Sonnenstrahlen darauf treffen, stellen Gott und König Einklang von Himmel und Erde her) zu diesem Zeitpunkt kam die Verehrung der Sonne und des Sonnengottes Ra als neues religiöses Element in die ägyptische Geschichte, Bau von verschiedenen Sonnenheiligtümern folgten (Bsp: Sonnentempel des Königs Kakai: Name: Lieblingsplatz des Re) 12
- Nach vielen weiteren Königen und der Errichtung großer Grab- und Tempelanlagen: um 2250 v. Chr. desolate Wirtschaftslage: Handelsbeziehungen brachen ab, Eroberungszüge in die Nachbarprovinzen schlugen fehl, eigenmächtig handelnde Gaufürsten und höhere Beamte untergruben die Autorität der Könige Künste und Handwerk kam zum Erliegen, militäre Überfalle der Gaufürsten, Plünderungen und Unruhen Ende des Alten Ägyptens 13
2.4 Jenseitsvorstellungen der Alten Ägypter
- Symbole von Werden und Vergehen: jährliche 4 Monate andauernde Nil- Überschwemmung, die jedes Mal einen fruchtbaren Boden hinterließ; Sirius- Stern, der jährlich wieder erscheint prägten den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode
- Variante Wohnhausbestattung (Unterägypten): Glaube: der Verstorbene lebt in seiner Wohngemeinschaft weiter Bestattung inmitten der Siedlung unter seinem Wohnhaus in Hockstellung in einer einfachen Sandgrube auf der rechten Seite mit Kopf nach Süden (Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne), „Teilnahme“ an Mahlzeiten etc., keine Speiseopfer nötig
- Variante Friedhofsbestattung (Oberägypten): geprägt vom Nomadentum Bestattung auf außerhalb gelegenen Friedhöfen in Sandgruben; Hockstellung auf die linke Seite, Kopf mit Blick in den „schönen“ Westen (Sinnbild des Totenreiches), regelmäßige Speiseopfer, damit der Tote sich im Jenseits ernähren kann, Männer- und Frauenfiguren aus Elfenbein/Ton (Uschebtis= Antworter) als Grabbeigabe (Abnahme der Feldarbeit im Jenseits (sollen für den Verstorbenen antworten, wenn die Arbeit ruft) sowie Gesellschaft)
- nach und nach entwickelten sich aus diesen Ursprungsformen größere Grabanlagen mit Kammern, verkleidet mit Lehmwänden oder Matten
- zunehmend wurden kostbare Grabbeigaben in die Kammern gegeben Folge: Grabraub: harte Bestrafung, viele Grabräuberprozesse bis hin ins Neue Reich
- besonders Königsgräber wurden vermehrt geschützt: wuchtige Felsplatten vor die Grabkammern, Irrgänge, Verlegung in unterirdische Bereiche, Fallen durch Verschlusstechnik der Türen beim Betreten, Fallsteine beim Öffnen…. doch fast alle Gräber des Alten Reiches wurden trotzdem geplündert
- Grundbedingung für ein Weiterleben im Jenseits: Nahrungsmittel, Unversehrtheit des Leichnams um Speisen „dauerhaft“ mit in die Grabkammern zu geben, wurden die an die Grabinnenwände gemalt und den Verstorbenen beim Essen zeigen; 14
- Unversehrtheit des Körpers: zur Zeit der Sandgruben konservierte der heiße, natronhaltige Wüstensand den Kadaver schnell; in Sargkammern mit Holz- und Steinsärgen zerfiel der Körper zunächst wurde der Körper vor der Bestattung getrocknet, um ihn zu konservieren (um 2950- 2640 v. Chr.)
- später setzte sich die Mumifizierung durch: 70 Tage wird der Verstorbene in Natron gelegt, dann gereinigt, einbalsamiert und in Leinen gewickelt (gelegentlich wurden Teile des Körpers mit Gipsschicht überzogen ca. ab 4. Dynastie)
11 (Schlögl, 2003, S. 30)
12 (Schlögl, 2003, S. 36f.)
13 (Schlögl, 2003, S. 43)
14 (Schüssler, 1983, S. 15 ff.)
6
seit 4. Dynastie: Entfernung der Eingeweide mit Ausnahme des Herzens (Überzeugung: Herz als Sitz des Denkens/Fühlens)
- die drei Seelenvorstellungen: Ka, Ba, Ach
Ka= Lebenskraft, bestimmt Wesen, Persönlichkeit und Handeln des Menschen, eigentliche irdische Seele des Menschen
- Ka- Statue (Seelenstatue) : kleine Figur, oft mit Edelsteinen verziert, aus Steinnach Abbild des Toten (fungiert als „Ersatzleib“), wenn dem Leichnam etwas passiert für die Ewigkeit geschaffen als Grabbeigabe Figur wird durch das Ritual der Mundöffnung „zum Leben erweckt“: Totenpriester öffnet den Mund der Figur mit einem dechselähnlichen Gerät, die Seele des Verstorbenen tritt in die Figur ein und wohnt in ihr; damit der Ka (eine Seele des Toten) seinen Ersatzleib immer finden kann, wird vorsichtshalber der Name und Titel des Verstorbenen auf die Figur geritzt
Ba= göttliche Macht, meistens Königen vorbehalten, wirkt von oben auf den Menschen, Seele der Götter (früher einmal Menschen), anders als das Ka verlässt das Ba den Körper nach dem Tod und steigt zu den Göttern in den Himmel (sichtbar als Vogel (Falke oder Storch) oder Stern), der Ba ist unsterblich bis zum Totengericht (Richter: Osiris): entscheidet, ob der Ba mit dem ewigen Leben im Himmel belohnt wird oder stirbt
Ach= Geistkraft des Menschen: Ziel des Menschen, diese Kraft zu erlangen; wird erreicht, wenn der Körper nicht verfällt Leuchtkraft und Grabwächter vom Himmel aus später Konzentration auf den Ba, der Ach transformierte zum Dämon oder furchtbarer Totengeist (ab Höhepunkt des Alten Reiches) 15 2.5 Das Prinzip der Königsherrschaft
- Königsherrschaft als göttliches Prinzip: Götter regierten einst selbst als Könige Ägypten somit Legitimation der Königsherrschaft
- Übergang von göttlichen zu menschlichen Königen: Sinnbild Gott Horus folgt seinem Vater (Gott Osiris) auf den Thron, nachdem dieser von seinem Bruder Seth ermordet worden war Legende als Staatslehre: Jeder amtierende König ist eine Erscheinungsform des Horus, jeder verstorbene König wird zum Sinnbild des Osiris
- somit ist das Königsamt theoretisch ein rein männliches, Königsamt von Göttern erschaffen, Teil der kosmischen Ordnung
- Götter und Könige unterliegen dem Ordnungsprinzip der Schöpfung (Maat: Natur- und Sozialgesetze, genaue Gesetze nicht bekannt) Pflicht des Königs= nach den Gesetzen der Maat leben und diese auf Erden verwirklichen, nach dem Tod hat der König sich für sein Handeln vor dem Totengericht zu verantworten
- König ist alleiniger Eigentümer von Grund und Boden sowie Produkten des Landes ökonomisches und religiöses Machtmonopol
- göttlicher Auftrag: Beherrschung der Welt, Ausdehnung der Macht Ägyptens 16
2.6 Der Bau der Cheops- Pyramide: Weltwunder der Antike (blau)
- wurde in der 4. Dynastie zur Zeit des Alten Reiches errichtet (ca. 2551- 2528 v. Chr.)
- Lage: auf der Anhöhe von Gizeh im Südwesten von Kairo
- Grabmal von Pharao Cheops (Sohn des Snofru): Regierungszeit: 23 Jahre, starb etwa 2531 v. Chr.
- seit tausenden von Jahren wird überliefert, welche wundervollen Schätze in der Pyramide enthalten sein müssen (Gold, Schmuck, Juwelen), jedoch ist nichts davon mehr erhalten 17
15 (Schüssler, 1983, S. 20 ff.)
16 (Brockhaus , 1997, S. 148 f.)
17 (Schüssler, 1983, S. 152 f.)
7
Diorit und bearbeitete sie mit Poliersteinen aus Quarzit, lud sie auf Schiffe und transportierte sie bis nahe der Baustellen Verladung auf Holzschlitten, die von Menschen und Tieren über Ziegelrampen gezogen wurden und dann präzise Einsetzung der Steine mittels Tau, Hebel- und Rollentechnik 18
- ungeheurer Aufwand: nicht aufgrund Verherrlichung des Königs, sondern für die Wohlfahrt des Staates, die vom Pharao abhing: seine schöpferischen Kräfte, die die Weltordnung zusammenhielten, mussten nach seinem Tod andauern Bindung und Abhängigkeit der Ägypter zu ihrem Herrscher sowie den anderen göttlichen Mächten 19
- Bauwerk nach Norden ausgerichtet
- Sargkammer aus Rosengranit liegt zum ersten Mal nicht im unteren, sondern im mittleren Teil der Pyramide
- Pyramidenkomplex besteht noch aus drei kleinen Königinnenpyramiden (königliche Mutter Hetepheres, Königinnen Meritites und Henutsen), einen leider nicht erhaltenden Totentempel auf der Ostseite sowie fünf aus dem Felsen herausgeschlagenen Wannen, in denen man Schiffe beigesetzt hatte für den König auf seiner Jenseitsreise (Schiff von 43 m Länge konnte zusammengesetzt werden= Museum neben der Pyramide)
- Unbekannt: der Erbauer der Sphinx von Giza, sowie des Tempels „Horus im Horizont“ beide stehen in unmittelbarer Nähe des Bauwerks 20
18 (Wolf, 1966, S. 58f.)
19 (Hornung, 1992, S. 22 f.)
20 (Schlögl, 2003, S. 32 f.)
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Sarah Weihrauch, 2011, Das Alte Ägypten - Pyramiden, Götterkult und Pharaonen, München, GRIN Verlag GmbH
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