Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Themenwahl 1
2. Das Problem der Willensfreiheit im Überblick 2
3. Schopenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“ 3
3.1 Begriffsbestimmungen 3
3.1.1 Freiheit 3
3.1.2 Selbstbewusstsein 4
3.2 Der Wille vor dem Selbstbewusstsein 5
3.3 Der Wille vor dem Bewusstsein anderer Dinge 5
3.4. Vorgänger. 8
3.5 Schluss und höhere Ansicht 8
4. Zeitgenössische Relevanz 10
4.1 Kritische Betrachtung der Preisschrift 10
4.2 Die geringe Präsenz deterministischer Standpunkte im bürgerlichen
Bewusstsein 11
4.3 Mögliche Konsequenzen 11
5. Fazit 13
6. Literaturverzeichnis 14
1
1. Einleitung und Themenwahl
„Die Frage ist wirklich eine höchst bedenkliche. Sie greift mit forschender Hand in das allerinnerste Wesen des Menschen.“ 1 Mit diesem Zitat formuliert Schopenhauer treffend meine subjektive Empfindung bei meiner ersten Beschäftigung mit ebenjenem Problem, dem ich mich in dieser Arbeit widmen möchte: Die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens. Meine erste Beschäftigung mit deterministischen Theorien, die diese Frage verneinend beantworten, faszinierte und verunsicherte mich zugleich, da ich sie auf der einen Seite als logisch und nicht widerlegbar wahrnahm, ich aber auf der anderen Seite eine Art emotionale Ablehnung empfand, diese Antwort zu akzeptieren. Allein die Tatsache, dass sich beim Schreiben dieser Einleitung die Frage stellen ließe, ob ich in meiner Themenwahl frei gehandelt habe oder nicht, bestätigt meine Faszination für dieses Problem, welche mich dazu bewegt hat, diese Facharbeit zu nutzen, um mich näher mit ihm zu beschäftigen. Bei der Suche nach passender Literatur stieß ich auf die Preisschrift Arthur Schopenhauers mit dem Titel „Über die Freiheit des menschlichen Willens“, in der ich viele meiner eigenen Gedanken beeindruckend klar und eindeutig formuliert und weitergeführt fand, was mich überzeugte, diese als Grundlage für meine Arbeit zu verwenden. Ein weiterer Aspekt, der mein Interesse weckte, ist die Frage, warum die Ablehnung der Willensfreiheit, die mir nach einiger Beschäftigung sehr logisch und einleuchtend erschien, in unserer Gesellschaft kaum eine Rolle spielt. Ich werde daher im Verlauf dieser Arbeit versuchen, Schopenhauers Lösungsansatz anhand der bereits erwähnten Preisschrift vorzustellen und seine Relevanz in Bezug auf unsere Gesellschaft zu bewerten.
1 Schopenhauer, 1977, S. 59
2
2. Das Problem der Willensfreiheit im Überblick
Da ich mich im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf die Position Schopenhauers beschränken werde, möchte ich versuchen, einen kurzen Überblick über das Problem der Willensfreiheit im Allgemeinen und wichtige Grundbegriffe geben.
Bei der Beschäftigung mit der Frage nach der Willensfreiheit fällt auf, dass dieser Begriff in der Philosophie nicht eindeutig definiert ist und das Verständnis desgleichen bei verschiedenen Philosophen unterschiedlich ausfällt 2 . Einen Eindruck sollte jedoch trotzdem folgende Definition liefern: „Die Willensfreiheit ist das Vermögen eines Lebewesens, zu einer Proposition ebenso wohl Ja wie Nein zu
sagen. Eine Proposition ist ein Gedanke, dass etwas der Fall sein soll […].“ 3
Ein eng mit dem Problem der Willensfreiheit verknüpfter Begriff ist der des Determinismus, welcher davon ausgeht, „dass der gesamte Weltlauf ein für alle Mal fixiert ist.“ 4 , also alle Ereignisse und Zustände auf Basis der allgemeingültigen Naturgesetze aus einem Anfangszustand zwingend hervorgehen 5 . Im Gegensatz dazu besagt der Indeterminismus, dass sich nicht alle Ereignisse oder Handlungen empirisch begründen lassen und somit nicht determiniert sind 6 . Aus diesen beiden Standpunkten ergibt sich das Vereinbarkeitsproblem, welches die Frage stellt, ob sich Determinismus und Willensfreiheit ausschließen, oder nicht 7 . Der Kompatibilismus vertritt hier die These der Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit, ein bekannter Anhänger dieser Auffassung ist beispielsweise Thomas Hobbes, während der Inkompatibilismus besagt, dass ein determinierter Weltlauf und die Freiheit des Willens unvereinbar sind. Keil betont aber die Problematik der genauen Gegenüberstellungen dieser beiden Richtungen, da ihr Freiheitsbegriff sich unterscheidet. Während Inkompatibilisten für die Existenz der Willensfreiheit ein „So- oder-anders-Könnenunter gegeben Bedingungen“ 8 voraussetzen, bezeichnen Kompatibilisten einen Willensentschluss schon als frei, wenn dieser in Abwesenheit
von Zwängen oder Äußerlichen Hindernissen gefasst wurde 9 .
2 vgl. Keil, 2009, S. 21 ff.
3 Steinvorth, 1994 In: Kopriwa, Freiheit und Determination, 1999, S. 12
4 Keil, 2009, S. 35
5 vgl. ebd.
6 vgl. Steinvorth, 1994
7 vgl. Keil, 2009, S. 57
8 ebd.
9 vgl. ebd.
3
3. Schonenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“
Die Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“, auf die ich im Folgenden näher eingehen möchte, war Schopenhauers Antwort auf die 1837 von der Königlich Norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften gestellten Preisfrage „Läßt sich die Freiheit des menschlichen Willens aus dem Selbstbewusstsein beweisen?“. 1839 wurde Schopenhauers Beitrag von der Königlichen Societät mit dem ersten Preis ausgezeichnet 10 . In meiner Zusammenfassung seiner Arbeit werde ich die von Schopenhauer gegebene Gliederung beibehalten.
3.1 Begriffsbestimmungen
Schopenhauer betont die Wichtigkeit der genauen Begriffsbestimmung, welche insbesondere bei „einer so wichtigen, ernsten und schwierigen Frage, die im Wesentlichen mit einem Hauptproblem der gesamten Philosophie mittlerer und
neuerer Zeit zusammenfällt“ 11 von Nöten ist.
3.1.1 Freiheit
Schopenhauer definiert den Begriff der Freiheit als einen negativen, nämlich als „Abwesenheit alles Hindernden und Hemmenden 12 und unterscheidet dabei drei verschiedene Unterarten:
Physische Freiheit
Intellektuelle Freiheit Moralische Freiheit
Die Physische Freiheit bestehe in der „Abwesenheit der materiellen Hindernisse aller Art“ 13 , was bedeutet, dass eine Handlung durch keine physischen Hindernisse gehemmt wird, sondern dem „dem Willen gemäß“ 14 durchgeführt werden kann.
Die Intelektuelle Freiheit erwähnt Schopenhauer zu diesem Zeitpunkt nur der Vollständigkeit halber und verweist auf eine nähere Erläuterung, welche im Anhang
der Preisschrift zu finden ist 15 .
10 vgl. Vollmer, In: Spierling, Schopenhauer im Denken der Gegenwart,1987, S. 166
11 Schopenhauer, 1977, S. 43
12 ebd.
13 ebd.
14 Schopenhauer, 1977, S. 43
Arbeit zitieren:
Milan Heinrich, 2011, Das Problem der Willensfreiheit nach Arthur Schopenhauer und dessen zeitgenössische Relevanz, München, GRIN Verlag GmbH
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