Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zur Begrifflichkeit 3
2.1 Zum Begriff der Sozialerziehung 4
2.2 Zum Begriff der Integrativen Erziehung 5
3. Hauptprinzipien und Ziele 6
3.1 Sozialerziehung 6-8
3.2 Integrative Erziehung 8-11
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede 11-13
5. Fazit 13-14
Literatur 15
2
1. Einleitung
Die Pädagogik der frühen Kindheit hat viele Facetten. Die Erziehung der Kinder ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und erfordert daher Berücksichtigung dieser zahlreichen Aspekte. So entstehen im Laufe der Zeit immer wieder neue Erziehungskonzepte, die neuartige Schwerpunkte im Bereich der Elementarerziehung setzten. Dementsprechend hat man als Elternteil heutzutage unterschiedlichste Möglichkeiten, sein Kind zu fördern. Sei es ästhetische Erziehung, Bewegungserziehung, Sprachförderung oder interkulturelle Erziehung. Den Kindergärten mangelt es da nicht am Angebot. Einige dieser Konzepte zu speziellen Bildungs- und Erziehungsbereichen standen im Rahmen einer Sitzung des Seminars „Einführung in die Pädagogik der frühen Kindheit“ zur Diskussion. Es handelte sich nämlich um folgende Konzepte: Sozialerziehung, Sprachförderung, integrative Erziehung, interkulturelle Erziehung sowie geschlechtsbewusste Erziehung.
Beim Versuch entsprechende theoretische Grundlagen auf bestimmte Beispiele zu übertragen, fällt auf, dass einige der Prinzipien der Sozialerziehung beim Konzept der integrativen Erziehung wiederzufinden sind. Impliziert nun der Begriff „sozial“ wirklich wesentliche Merkmale der integrativen Erziehung oder sind die Ansprüche an die ErzieherInnen in den genannten Erziehungsbereichen doch ziemlich unterschiedlich? Dieser Fragestellung wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Dabei wird zunächst ein Überblick über Begrifflichkeit beider Konzepte geliefert. Im Anschluss daran werden die Hauptprinzipien und Ziele der Sozialerziehung einerseits sowie der integrativen Erziehung andererseits dargestellt. Auf der Grundlage von diesen Informationen werden die beiden Konzepte miteinander verglichen. Das Ergebnis des Vergleichs wird zeigen, inwiefern im Fall von sozialer und integrativer Erziehung von demselben Erziehungskonzept ausgegangen werden darf.
2. Zur Begrifflichkeit
Wird man zum ersten Mal mit einem unbekannten Konzept konfrontiert, so stellt man sich zunächst die Frage, was sich hinter der jeweiligen Bezeichnung verbirgt. Der Begriff allein kann bestimmte Einstellungen zum dahinter stehenden Inhalt auslösen und uns entweder dazu motivieren, sich weiter mit der jeweiligen Thematik zu beschäftigen oder uns wiederum davon abhalten. An den Begriffen Sozialerziehung und Integrative Erziehung wird man höchstwahrscheinlich nichts Abstoßendes finden. Ob diese Begriffe aber von Pädagogen einheitlich definiert werden, gilt es anhand des nachfolgenden Überblicks herauszuarbeiten.
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2.1 Begriff der Sozialerziehung
Strätz (2006) macht in seinem Aufsatz „Sozialerziehung“ darauf aufmerksam, dass der Begriff Sozialerziehung nicht allgemeingültig definiert werden kann und sich dementsprechend einer festen Zuordnung im elementarpädagogischen Bildungs- und Erziehungskanon entzieht. Biermann (1986) hält seinerseits fest: „Wie alle zentralen Begriffe vom Menschen sind auch die Begriffe der 'Erziehung' und des 'Sozialen' vielfältig in theologischer und philosophischer, anthropologischer und pädagogischer, in psychologischer und soziologischer Sicht besetzt.“ (Biermann 1986: 13). Außer der zu beobachtenden Komplexität des Begriffs sorgt eine weitere mit der Sozialerziehung konkurrierende Bezeichnung für verschwommene Definitionen dieses Konzepts. Wittenbruch (1985) erinnert in seinem Vortrag „Chancen sozialer Erziehung heute. Fallstudien aus pädagogischen Handlungsfeldern“ an die Zeiten, als der Begriff soziale Erziehung als dunkler Kontrasthintergrund um das soziale Lernen fungierte. Da aber diese Problematik den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wird auf diesen Aspekt nicht näher eingegangen. Um dennoch nicht ausschließlich bei den diffusen Formulierungen stehen zu bleiben, seien im Folgenden einige Definitionen der Sozialerziehung eingeführt.
„Sozialerziehung bezeichnet das zielgerichtete Bemühen um soziales Lernen; dieses geht von den Sozialisationsbedingungen der Beteiligten aus, erfasst den Prozess der Auseinandersetzung mit deren Alltags-, Konflikt- und Lebenssituationen ein. […] Sozialerziehung ist […] intentionales Handeln an und mit anderen, […] das zu einer Veränderung ihrer personalen, sozialen und materialen Lage im Sinne einer Fundamentaldemokratisierung beitragen soll.“ ( Oertel 1977: 165).
„Sozialerziehung will Fähigkeiten vermitteln, die Kindern eine kompetente und autonome Gestaltung ihrer Außenbeziehungen, d.h. vor allem ihrer Beziehungen zu anderen Menschen ermöglichen. Es geht um die Fähigkeit, Verhalten und Emotionen anderer in sozialen Situationen wahrzunehmen, zu verstehen, in den Wirkungen einzuschätzen und realitätsgerecht zu reagieren, d.h., S. bezieht sich sowohl auf soziale Kognition, soziales Verhalten und Emotionen.“ (Niermann 1979: 285f.).
Im Hinblick auf die zentrale Frage dieser Arbeit erscheint aber vor allem folgende Definition weiterführend: „Sozialerziehung ist ein spezifischer Teil der Gesamterziehung, aber mit dieser untrennbar verbunden; sie erfasst die soziale Dimension jeder Erziehung.“ ( Hervorhebung durch mich/Oertel 1983: 42).
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2.2 Begriff der Integrativen Erziehung
Der Begriff Integrative Erziehung scheint ebenfalls dem Problem des uneinheitlichen Gebrauchs ausgesetzt zu sein. Die Autoren des Beitrags „Integrative Erziehung“ 1 Heimlich und Behr stellen heraus, dass der Begriff Integration in unterschiedlichen Kontexten verwendet wird. In der Pädagogik unterliegt diesem Terminus häufig ein soziologisches oder psychologisches Verständnis. Dabei wird Integration als ein veränderbarer, fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden (vgl. Heimlich & Behr 2006).
Diese Feststellungen der Autoren würden aber einen in die Thematik nicht eingeweihten Leser immer noch über den im Begriff implizierten Inhalt rätseln lassen. In einer seiner weiteren Arbeiten liefert der bereits erwähnte Heimlich (2003) eine genauere Definition der integrativen Pädagogik, indem er den sozialwissenschaftlichen Integrationsbegriff folgendermaßen beschreibt: „ Integrative Pädagogik bezieht sich […] auf die ursprünglich Wortbedeutung von Integration […] im Sinne der 'Wiederherstellung eines Ganzen' bzw. der 'Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes' durch die 'Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit'.“ (Heimlich 2003: 17). Dieser Formulierung vorausgehend erläutert er: „Integrativ deshalb, weil sie jene pädagogischen Handlungsformen zusammenfassen soll, die auf die volle gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung bei Anerkennung ihrer Selbstbestimmungsrechte abzielt.“ (ebd.: 17). Während Heimlich auf das Wort Behinderung zurückgreift (s.o.), um den Kern integrativer Erziehung zu verdeutlichen, spricht Reiser (1992) von der „Verschiedenartigkeit“ und hebt in diesem Kontext hervor: „Integrative Erziehung stellt den Versuch dar, sehr verschiedenartige Kinder in gemeinsamen Aktivitäten zu vereinigen“ (Reiser 1992: 192). Seine ergänzende Bemerkung erlaubt zwar einige Parallelen zwischen den beiden Konzepten zu entdecken, grenzt aber gleichzeitig den Begriff Sozialerziehung von der integrativen Erziehung ab. Der Wissenschaftler führt nämlich fort: „Grundsätzlich ist dies eine pädagogische Aufgabe in jeder Kindergartengruppe; die integrative Gruppe zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass die Verschiedenartigkeit der einzelnen Kinder sehr ausgeprägt ist.“ (ebd.).
1 Heimlich & Behr 2006 ( siehe Literatur )
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Arbeit zitieren:
Viktoria Hermes, 2010, Sozialerziehung vs. Integrative Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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