Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte 2
2. Sustainable Development, Green Economy und Eco-Industrial Parks
- Bezugspunkte und Konzeptionalisierung 5
2.1 Sustainable Development. 5
2.2 Green Economy. 7
2.3 Eco-Industrial Parks 11
3. Eco-Industrial Parks - Das Fallbeispiel Werl 16
3.1 Das Gedankenexperiment als Methode in der Politikwissenschaft 16
3.2 Das Gewerbegebiet der Hellwegstadt Werl. 17
3.3. Der Eco-Industrial-Park-Ansatz und die Hellwegstadt Werl 19
4. Schließende Bemerkungen 22
Literatur 26
1
1. Einleitende Worte
Wie können die - sowohl im politischen Raum als auch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft - viel diskutierten Konzepte um nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development), ökologisches Wirtschaften (Green Economy) und öko-industrielle Parks (Eco-Industrial Parks, kurz EIP) durch eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft einer deutschen Stadt oder Gemeinde operationalisiert und somit nutzbar gemacht werden? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt der nachfolgenden Hausarbeit.
Dazu konzeptionalisiere ich zunächst das Konzept der öko-industriellen Parks und ordne es in die aktuellen Diskussionen und Debatten zu nachhaltiger Entwicklung und ökologischem Wirtschaften ein und wende diese Konzeptionalisierung in einem zweiten Schritt über ein Gedankenexperiment auf das Gewerbegebietet der Hellwegstadt Werl an. In den schließenden Bemerkungen unterbreite ich Vorschläge, wie sich das Gedankenexperiment konkret umsetzen ließe. Über die Hausarbeit versuche ich, die Diskussion um nachhaltige Entwicklung, die oftmals als „leere Phrase“ 1 kritisiert wird, greifbar zu machen.
“Industries take on a central when addressing environmental challenges. Approximately 90 percent of materials and energy used within the production process are never incorporated in the final product” 2 . Vor dem Hintergrund dieser Zahl stellt das Konzept des öko-industriellen Parks einen Teil-Lösungsansatz dar, um die rapide zunehmenden Einflüsse des Menschen auf die Ökosysteme des Planeten zu bewältigen. Um diese zunehmenden Einflüsse dreht aktuell eine auf internationaler Ebene hitzig geführte Debatte, deren letzten Höhepunkte z. B. der Economist mit der Titelgeschichte Welcome to the Anthropocene - Geology’s New Age 3 , veröffentlicht am 28. Mai 2011, setzte sowie das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mit der Herausgabe des UNEP Green Economy Reports am 21. Februar 2011 4 . Ihren (vorläufigen) Gipfel wird die Diskussion mit der United Nations Conference on Sustainable Development (UNCSD), abzuhalten vom 4. Juni 2012 bis zum 6. Juni 2012 in Rio de Janeiro, erleben 5 , die Nachfolge-Konferenz der einschneidenden United Nations Conference on Environment and Development (UNCED), die vom 3. Juni 1992 bis zum 14. Juni 1992 abgehalten wurde, und u. a. zur Verabschiedung der Agenda 21, der Klimarahmenkonvention und der Biodiversitätskonvention führte. 6
Die Diskussion um nachhaltiges Wirtschaften findet aktuell nicht nur auf internationaler, sondern auch auf europäischer und nationaler Ebene statt:
Die Europäische Kommission trägt der Diskussion in ihrer Europe-2020-Strategie Rechnung, nicht nur durch das angestrebte überwölbende Ziel von „smart, sustainable and inclusive
1 Rat für Nachhaltige Entwicklung. Und was bedeutet Nachhaltigkeit?, abgerufen am 20. Juni 2011 von http://www.nachhaltigkeitsrat.de/.
2 Cohen-Rosenthal, E. (2003). What is Eco-Industrial Development?, abgerufen am 26. Juni 2011 von www.greeneconomics.net/EI-DevelopChap.pdf.
3 Vgl.: The Economist. Welcome to the Anthropocene, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.economist.com/node/18744401?Story_ID=18744401.
4 United Nations Environment Programme. Green Economy Report, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.unep.org/greeneconomy/GreenEconomyReport/tabid/29846/Default.aspx.
5 United Nations Conference on Sustainable Development. Rio+20, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.uncsd2012.org/rio20/.
6 Vgl.: Juda, L. (2002). Rio plus ten. The evolution of international marine fisheries governance. Ocean Development and International Law, 33 (2), 109-144.
growth“, sondern insbesondere auch durch die flagship-initiative eines ressourceneffizienten Europas. 7
Der spill-over der Debatte in den deutschen politischen Raum ist ebenfalls augenscheinlich: So ist etwa das Jahresthema der Anfang Januar 2011 fusionierten Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) „Verantwortlich wirtschaften - nachhaltig entwickeln“, ein klarer Bezug zur Green-Economy-Diskussion. 8 Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat unter der Federführung von Minister Dirk Niebel die „nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“ als einen der Schwerpunkte der „neuen deutschen Entwicklungszusammenarbeit“ herausgestellt. 9 Ein weiteres Indiz für die Hochkonjunktur des Themas liefert der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), durch die Bundesregierung 2001 einberufen, der sich auf seiner Jahreskonferenz am
20. Juni 2011 ebenfalls mit der Frage, wie Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten in verschiedenen policies berücksichtigt werden können, befasst. 10
Den Kern und zentralen Gedanken der Diskussion um nachhaltiges Wirtschaften führt ein Meteorologe und Nobelpreisträger für Chemie, Paul Josef Crutzen, besonders deutlich an: In einem Fachartikel aus dem Jahre 2000 prägte er den Begriff ‚Anthropozän‘ als (mögliches) geologisches Folgezeitalter des Holozäns; letzteres begann etwa 10 000 Jahre vor Christus. 11 In der Tat bilden Fachartikel nur selten den Ausgangspunkt realpolitischer Diskurse. Aber: „The Anthropocene is different. It is one of those moments where a scientific realisation, like Copernicus grasping that the Earth goes round the sun, could fundamentally change people’s view of things far beyond science” 12 .
Im Anthropozän wird der Mensch und die Gesellschaft als treibende geophysische Kraft konzeptionalisiert: “Human activities have become so pervasive and profound that they rival the great forces of Nature and are pushing the Earth into planetary terra incognita” 13 . Das anthropozäne Zeitalter begann mit dem Start der Industrialisierung um etwa 1800 nach Christus. Deren zentrales Attribut war die „enormous expansion in the use of fossil fuels“ 14 . Diese “Great Acceleration” 15 hat signifikante Auswirkungen auf die Funktionsweise der globalen Ökosysteme, die sich z. B. durch
7 Cf.: European Commission. Europe 2020 - For a resource efficient, greener and more competitive economy, abgerufen am 19.06.2011 von http://ec.europa.eu/europe2020/priorities/sustainable-growth/index_en.htm.
8 Vgl.: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Jahresthema 2011, abgerufen am
19. Juni 2011 von http://www.giz.de/de/profil/jahresthema/jahresthema.html.
9 Vgl.: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Schwerpunkte der neuen deutschen Entwicklungszusammenarbeit, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.bmz.de/mobil/was_wir_machen/ziele/deutsche_entwicklungspolitik.html.
10 Cf.: Rat für Nachhaltige Entwicklung. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 20.06.2011 in Berlin, abgerufen am 19.06.2011 von http://www.nachhaltigkeitsrat.de/termine/veranstaltungen-des-rates/11-jahreskonferenz/.
11 Steffen, W. Crutzen, P., McNeill, J. (2007). The Anthropocene. Are Humans Now Overwhelming the Great Forces of Nature. Journal of Human Environment, 36 (8), 614-621.
12 Vgl.: The Economist. Welcome to the Anthropocene, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.economist.com/node/18744401?Story_ID=18744401.
13 Steffen, W. Crutzen, P., McNeill, J. (2007). The Anthropocene. Are Humans Now Overwhelming the Great Forces of Nature. Journal of Human Environment, 36 (8), 614-621.
14 Steffen, W. Crutzen, P., McNeill, J. (2007). The Anthropocene. Are Humans Now Overwhelming the Great Forces of Nature. Journal of Human Environment, 36 (8), 614-621.
15 Steffen, W. Crutzen, P., McNeill, J. (2007). The Anthropocene. Are Humans Now Overwhelming the Great Forces of Nature. Journal of Human Environment, 36 (8), 614-621.
Entwaldung, Desertifikation, den damit einhergehenden Verlusten von Biodiversität, die globale Klimaerwärmung und extreme Wetterverhältnisse äußern.
Die meines Wissens umfassendste Visualisierung dieser Idee Crutzens bietet das Global Footprint Network, ein 2003 gegründeter Think Tank mit Fazilitäten in den USA, Belgien und der Schweiz. 16 Das Netzwerk ist Urheber des ‚ökologischen Fußabdrucks‘, eine Art Buchhaltungssystem, das ermöglicht, den menschlichen Einfluss auf den Planeten zu berechnen. Es vergleicht die natürlichen Ressourcen des Planeten mit seiner regenerativen Kapazität unter Einbeziehung einer Reihe von Größen, etwa der Artenvielfalt, der menschlichen Mobilität und Ernährung, der Bewaldung und dem Abfallaufkommen in einem Land. Der Indikator gilt laut Greenpeace als „umfassendste Messgröße für Nachhaltigkeit, die heute zur Verfügung steht“ 17 .
Dem Netzwerk zufolge benötigt die Erde aktuell über ein Jahr und sechs Monate zur Regeneration, um den Verbrauch der Menschheit in nur einem Jahres zu decken. Dieser ecological overshoot ist in sog. ‚entwickelten Ländern‘ wie Deutschland besonders drastisch (vgl. Abbildung 1): Hier wird die regenerative Kapazität des Planten sogar um über 250 Prozent überschritten.
Warum ist Deutschlands ökologischer Fußabdruck größer als der Median? Die weitere theoretische Fundierung dieser Berechnung bietet ein Modell des Ökonomen Simon Kuznet: Seine environmental Kuznets curve ist eine „hypothesized relationship between various indicators of environmental degradation and income per capita” 19 . Der Hypothese zufolge, die aktuell nicht völlig umumstritten ist 20 , nimmt der ecological footprint eines Landes bei starken Wirtschaftswachstum und damit einhergehender Zunahme des Pro-Kopf-Einkommens ebenso rasant zu; erst ab einem sehr hohen Entwicklungsniveau, das beispielsweise von skandinavischen Ländern erreicht wird, nimmt der ecological footprint eines Landes wieder ab, während das Pro-Kopf-Einkommen weiter steigt. Deutschland hat also als Land im internationalen Vergleich sehr hohen Pro-Kopf-Einkommen einen sehr großen ökologischen Fußabdruck.
16 Global Footprint Network. Welcome Global Footprint Network Partners, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.footprintforum.org/welcome.htm.
17 Greenpeace. Ökologischer Fußabdruck, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.greenpeace.de/themen/umwelt_wirtschaft/oekologischer_fussabdruck/.
18 Global Footprint Network. Germany, abgerufen am 19. Juni 2011 von http://www.footprintnetwork.org/en/index.php/GFN/page/trends/germany/.
19 Stern, D. (2003). The Environmental Kuznets Curve, abgerufen am 21. Juni 2011 von http://www.ecoeco.org/pdf/stern.pdf.
20 Cf.: Yandle, B., Vijayaraghavan, M., Bhattarai, M. (2002). The Environmental Kuznets Curve. A Primer. PERC Research Study, abgerufen am 21. Juni 2011 von http://www.perc.org/files/Yandle_Kuznets02.pdf.
Weil Crutzen - genau wie das Global Footprint Network und Kuznet - menschliches Handeln als Schlüssel der ökologischen Veränderungen des Planeten identifiziert, kreist die aktuelle Green-Economy-Debatte der policy maker um die Frage, wie der Mensch die Auswirkungen dieses Handelns vermindern und besser steuern kann. Im nachfolgenden Kapitel diskutiere und verbinde ich drei zentrale Konzepte, die auf diese Steuerung abzielen: Sustainable Development, Green Economy und Eco-Industrial Parks. 22
2. Sustainable Development, Green Economy und Eco-Industrial Parks - Bezugspunkte und Konzeptionalisierung
2.1 Sustainable Development
Der größte Erfolg der ‘Nachhaltigkeitsbewegung’ ist auch gleichzeitig ihr größter Mangel 23 : Das Schlagwort der Nachhaltigkeit 24 ist omnipräsent. Diese Allgegenwärtigkeit hat dem Begriff den Vorwurf der Beliebigkeit eingebracht. „Nachhaltigkeit ist ein nettes Modewort“ 25 .
Das Konzept ist auf der internationalen Agenda in erster Linie durch den Brundtland Report verankert worden, der von der UN World Commission on Environment and Develpoment (WCED) 1987 veröffentlicht wurde. 26 Dieser Report liefert die bis heute meist zitierte Definition von ‚nachhaltiger Entwicklung‘ als "development that meets the needs of the present without compromising the ability
21 Cf.: Yandle, B., Vijayaraghavan, M., Bhattarai, M. (2002). The Environmental Kuznets Curve. A Primer. PERC Research Study, abgerufen am 21. Juni 2011 von http://www.perc.org/files/Yandle_Kuznets02.pdf.
22 Der Vollständigkeit halber gehe ich außerdem kurz auf die Konzepte ‚Green Growth‘, ‚Green New Deal‘, ‚Industrial Symbiosis‘, ‚Eco-Industrial Development‘ sowie ‚Zero Emission Park‘ ein.
23 Cf.: Schekker.de - Das Jugendmagazin der Bundesregierung. Der Chef des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Volker Hauff, im Gespräch: ‚Schicken Sie uns eine Mail!‘, abgerufen am 21.06.2011 von http://www.schekker.de/content/schicken-sie-uns-eine-mail.
24 Nachfolgend verwende ich die Begriffe ‚Sustainable Development‘, ‚nachhaltige Entwicklung‘ und ‚Nachhaltigkeit‘ synonym.
25 Jessen, J. (2009). Die Worthülse der Nachhaltigkeit, Der Westen - Das Portal der WAZ Mediengruppe, abgerufen am 22. Juni 2011 von http://www.derwesten.de/nrz/meinung/kommentar/Die-Worthuelse-der-Nachhaltigkeit-id2155073.html.
26 Cf.: UN Documents. Report of the World Commission on Environment and Development: Our Common Future, abgerufen am 22. Juni 2011 von http://www.un-documents.net/wced-ocf.htm.
of future generations to meet their own needs balancing ecological, socio-political and economic demands." 27
Ökologische Nachhaltigkeit „zielt auf die Erhaltung der ökologischen Systeme bzw. des ökologischen Kapitalstocks ab. Die Notwendigkeit begründet sich daraus, dass das ökologische System die Lebensgrundlage (life support system) aller menschlichen Aktivitäten bildet“ 29 . Ökologisch nachhaltig wäre somit ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das die natürlichen Lebensgrundlagen, z. B. einen Stadtwald oder einen See, nur in dem Maße beansprucht, wie diese sich regenerieren können und somit von künftigen Generationen genutzt werden können.
Ökonomische Nachhaltigkeit zielt auf eine Wirtschaftsweise ab, die dauerhaft verfolgt werden kann (und nicht zwingend auf wirtschaftliches Wachstum ausgelegt ist). Eine Implikation dieser Idee wäre zum Beispiel, dass kommunale Haushalte so geführt werden, dass nicht nachfolgende Generationen angesammelte Schulden abtragen müssen (von Hauff 2011).
Soziale Nachhaltigkeit hat eine geringeren Fokus auf nachfolgende Generationen als die beiden vorab genannten Dimensionen: Sie zielt auf den normativen Anspruch einer ‚gerechten‘ und ‚friedlichen‘ Gesellschaft (im Sinne von ‚social equity‘) ab, in der sich Konflikte nicht in einem Maße zuspitzen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt gewaltsam gelöst werden. 30
Diese Dreiteilung des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung ist innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht unumstritten. Schon kurz nach Veröffentlichung kritisierten erste Wissenschaftler, dass die WCED-Definition sich so ‚gut‘ anhöre, „that everyone can agree with it whatever their own interpretation“ 31 .
Ein Grund ist, dass die Definition die drei genannten Dimensionen nicht prioritisiert und nicht klar eingrenzt: Ein Umweltaktivist würde in die Definition zum Beispiel einen Abschied vom Wachstumsparadigma hineininterpretieren können und einen Fokus auf die soziale und
27 Cf.: UN Documents. Report of the World Commission on Environment and Development: Our Common Future, retrieved April 18 th 2011 from http://www.un-documents.net/wced-ocf.htm. 28 Eigene Darstellung
29 Von Hauff, M. (2011). Anforderungen an nachhaltige Gewerbegebiete, abgerufen am 23. Juni 2011 von http://vlba.wi-ol.de/36499.html.
30 Cf.: Giddings, B., Hopwood, B., O’Brien, G. (2002). Environment, Economy and Society: Fitting Them Together into Sustainable Development. Sustainable Development, 10, 187-196.
31 Pearce D, Markandya A, Barbier E. (1989). Blueprint for a Green Economy. London, United Kingdom: Earthscan.
umweltpolitische Dimension legen, schließlich nennt die Konzeptionalisierung nicht ausdrücklich den Wachstumsbegriff. Ein Unternehmer könnte - zum Beispiel bei einer anstehenden Verabschiedung einer rigiden umweltpolitischen Gesetzgebung - unter Rückgriff auf die Nachhaltigkeitsdefinition darauf pochen, bei der Gesetzgebung auch die wirtschaftliche Dimension politisch-nachhaltigen Handelns nicht auszublenden.
Die nicht klare Eingrenzung beinhaltet nichtsdestotrotz, dass der Begriff der Nachhaltigkeit Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in drei scheinbar getrennte Sphären aufgeteilt wird. Auch diese Aufteilung hat Kritik provoziert. So bemängeln etwa Giddings et. al. (2002), dass „this non-integrated view risks approaching and tackling issues of sustainable development in a compartmentalized manner”. 32 Genau wie im vorherigen Absatz beispielhaft angeführt könnte über diese Dreiteilung Dimensionen der Nachhaltigkeit gegeneinander ausgespielt werden.
Beide Kritikpunkte machen deutlich, dass das Konzept der nachhaltigen Entwicklung über diese Definition nicht operationalisiert werden kann und sich somit kaum eindeutige praktische Handlungsanweisungen ableiten lassen. In der Summe hat das Modell eine solche „conceptual simplicity“ 33 , dass die Nutzbarkeit zunächst eingeschränkt ist.
2.2 Green Economy
Ist der Begriff der Green Economy greifbarer als das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung? Während der Terminus selbst bereits seit mindestens über zwanzig Jahren verwendet wird 34 , ist er erst über das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) wieder in das Zentrum der internationalen Diskussion gerückt. Er konkurriert aktuell u. a. mit den Konzepten ‚Green Growth‘, ‚Global Green New Deal‘, ‚Industrial Symbiosis‘ und ‚Eco-Industrial Development‘.
Der Begriff ‚Green Growth‘ wird von der OECD genutzt, die am 26. Mai 2011 die ‚Green Growth Strategy‘ veröffentlichte. „Green growth means fostering economic growth and development while ensuring that natural assets continue to provide the resources and environmental services on which our well-being relies” 35 . Die Definition betont im Gegensatz zu Green Economy das Wachstumsparadigma, und stellt nicht ausdrücklich auf den dreidimensionalen WCED-Nachhaltigkeitsbegriff ab, weil sie die soziale Dimension ausklammert; Der Begriff ‚Global Green New Deal‘ ist am gebräuchlichsten im politischen Raum. Anfangs ist er auch von UNEP im Rahmen der 2008 gestarteten ‚Green Economy Initiative‘ genutzt worden, und - so meine Vermutung - aufgrund der (zu) starken parteipolitischen Konnotierung wieder fallen gelassen worden. 36 Bündnis 90/Die Grünen zum Beispiel zogengenau wie ihr europäisches Pendant - in den Europawahlkampf 2009 mit dem Wahlprogramm „Die Krisen bewältigen - für einen grünen New Deal!“. Eine dezidierte
32 Hardi P, Zdan T. (1997). Assessing Sustainable Development. International Institute for Sustainable Development: Winnipeg.
33 Langley P, Mellor M. (2002). ‘Economy’, sustainability and sites of transformative space. New Political Economy, 7(1), 49-66.
34 Cf.: Pearce D, Markandya A, Barbier E. (1989). Blueprint for a Green Economy. London, United Kingdom: Earthscan.
35 OECD. Towards Green Growth, abgerufen am 23. Juni 2011 von http://www.oecd.org/dataoecd/40/62/47984000.pdf.
36 Vgl.: UNEP. "Global Green New Deal" - Environmentally-Focused Investment Historic Opportunity for 21st Century Prosperity and Job Generation, abgerufen am 23. Juni 2011 von http://www.unep.org/documents.multilingual/default.asp?documentid=548&articleid=5957&l=en.
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Julian Kirchherr, 2011, Nachhaltige Gewerbegebiete , München, GRIN Verlag GmbH
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