Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Kapitel 1: Geschichte und Entwicklung Zyperns. 6
Kapitel 2: Stadt und Land. 9
2.1 Limassol. 9
2.2 Salina 11
2.3 Famagusta 12
2.4 Nikosia 14
Kapitel 3: Heiligtümer und Sehenswürdigkeiten 16
3.1 zyprischer Schwertorden. 16
3.2 Heilige Katharina. 19
Kapitel 4: Negative Seiten von Zypern 23
4.1 Erdbeben 23
4.2 Luft. 23
4.3 Wind. 24
Fazit 25
Literaturverzeichnis. 26
Quellenverzeichnis 29
Abbildungsverzeichnis 30
Einleitung
Während sich das heutige Leben im Diesseits abspielt und die meisten Menschen keine Gedanken an ihr Dasein nach dem Tod verschwenden, kann man bei Betrachtung des Mittelalters vom Gegenteil ausgehen. Religion beherrschte den Alltag der Menschen und gab ihnen Hoffnung und Trost vor der Allgegenwärtigkeit des Todes. Dieser zeigte sich in Krieg, Krankheit und Hungersnöten. 1 Den Menschen blieb nur die Aussicht auf ein besseres Leben nach dem Tod. Deswegen war es von größter Wichtigkeit das eigene Seelenheil bereits zu Lebzeiten zu sichern. 2
Aufgrund dessen unternahmen viele Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens eine Pilgerreise. 3 Vor allem die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts kann als Höhepunkt der Wallfahrt gesehen werden, da aus dieser Zeit ein Großteil der heute bekannten Pilgerberichte stammt. 4 Unabhängig von Herkunft und Stand reisten die Menschen von Venedig aus zu den unterschiedlichen Wallfahrtszielen. 5 Die standardisierten Fahrten können als eines der bedeutendsten Zeichen mittelalterlicher Mobilität gesehen werden. 6 . Die häufigsten Ziele waren die Heiligen Stätten in Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela. 7 Dort sollte der Lebens- und Leidensweg Jesu 8 nachvollzogen werden und es ergab sich die Möglichkeit durch den Erwerb von Ablässen die Vergebung der eigenen Sünden 9 und somit die Sicherung des Seelenheils zu erreichen. Doch es waren nicht nur religiöse Gründe,
1 Hippler, Christiane: Die Reise nach Jerusalem. Untersuchungen zu den Quellen, zum Inhalt und zur literarischen Struktur der Pilgerberichte des Spätmittelalters, Frankfurt am Main, 1987, S. 39.
2 Röhricht, Reinhold: Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande, Aalen 1967, S . 67.
3 Ganz-Blättler, Ursula: Andacht und Abenteuer. Berichte europäischer Jerusalem- und Santiago-Pilger (1320-1520), Tübingen 1990, S. 6.
4 Simon, Anne: "Gotterfahrung" oder "Welterfahrung. Das Erlebnis des Reisens in Pilgerberichten des fünfzehnten Jahrhunderts, in: Huschebett, Dietrich/Margetts, John: Reisen und Welterfahrung in der deutschen Literatur des Mittelalters. Vorträge des XI. Anglo-deutschen Colloquiums 11. - 15. September 1989 Universität Liverpool, Würzburg 1991, S. 173 - 184, S. 173. Einen Überblick über deutsche Pilger in Röhricht: Deutsche Pilgerreisen.
5 Welten, P.: Reisen nach der Ritterschaft. Jerusalempilger in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, in: Zeitschrift Deutschen Palästina-Vereins Band 93, Wiesbaden 1977, S. 283 - 293, S. 284.
6 Schmugge, Ludwig: Zu den Anfängen des organisierten Pilgerverkehrs und zur Unterbringung und Verpflegung von Pilgern im Mittelalter, in: Peyer, Conrad (Hrsg.): Gastfreundschaft, Taverne und Gasthaus im Mittelalter, München 1983, S. 37 - 60, S. 37.
7 Paravicini, Werner: Von der Heidenfahrt zur Kavalierstour. Über Motive und Formen adligen Reisens im späten Mittelalter, in: Brunner, Horst/Wolf, Norbert Richard: Wissensliteratur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bedingungen, Typen, Publikum, Sprache, Wiesbaden 1993, S. 91 - 130, S. 93.
8 Sollbach, Gerhard E.: In Gottes Namen fahren wir. Die Pilgerfahrt des Felix Faber ins Heilige Land und zum St. Katharina-Grab auf dem Sinai A.D. 1483, Kettwig 1990, S. 10.
9 Ebd.
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die die Menschen zu einer solchen Reise antrieben. 10 Viele erhofften sich beispielweise die Heilung von schlimmen Krankheiten oder das Ende ihrer Kinderlosigkeit. 11 Andere wollten einer schweren politischen Lage entkommen oder hatten sich durch das Lesen von Pilgerbüchern und ihrer eigenen Abenteuerlust dazu verleiten lassen. 12
Im Folgenden soll nun Zypern als Station der Pilgerfahrt im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Dabei werden zunächst die geschichtlichen Entwicklungen der Insel, insbesondere seit dem 12. Jahrhundert, näher beleuchtet. Danach zeigt ein Blick auf die wichtigsten Städte und Sehenswürdigkeiten, was die Insel für Reisende überhaupt interessant gemacht hat. Aufgrund der hohen Anzahl an kleineren Heiligtümern und Reliquien liegt der Schwerpunkt hierbei auf dem Erwerb des halben Rades, der Heiligen Katharina und dem zyprischen Schwertorden. 13 Zum Schluss sollen einige negative Seiten Zyperns aufgezeigt werden. Eine Zusammenfassung verdeutlicht die Bedeutung Zyperns für die Pilgerfahrt insgesamt.
Der Forschungsstand zum Thema ist als ausgesprochen gut anzusehen, wobei sich dieser Sachverhalt erst in den letzten Jahrzehnten wirklich entwickelt hat. 14 Es werden nun häufig neue Werke zum Thema Pilgerfahrt veröffentlicht. Ein Bereich, der in der Forschung bisher nur ungenügend betrachtet wurde, ist der Vergleich mehrerer Pilgerberichte auf ihre unterschiedlichen oder auch gemeinsamen Inhalte. 15 Während im 19. Jahrhundert die Schriften vor allem wegen ihrer historischen Inhalte zu einzelnen Persönlichkeiten interessant erschienen,
10 Röhricht: Deutsche Pilgerreisen, S. 66.
11 Beloschnitschenko, Swetlana: Deutschsprachige Pilger- und Reiseberichte des 15. Und 16. Jahrhunderts. Eine Untersuchung ihrer Themen und ihrer Sprache im mentalitätsgeschichtlichen Kontext, Osnabrück 2004, S. 24.
12 Röhricht: Deutsche Pilgerreisen, S. 4.
13 Kraack, Detlev: Monumentale Zeugnisse der spätmittelalterlichen Adelsreise. Inschriften und Graffiti des 14. -16. Jahrhunderts, Göttingen 1997.
Schneider, Wolfgang: Peregrinatio Hierosolymitana. Studien zum spätmittelalterlichen Jerusalembrauchtum und zu den aus der Heiligenlandfahrt hervorgegangenen nordwesteuropäischen Jerusalembruderschaften, Münster 1982.
Boulton, D'Arcy Jonathan Dacre: The Knights of the Crown. The Monachical Orders of Knighthood in Later Medieval Europe 1325 - 1520, Woodbridge 1987.
14 Hirhager, Ulrike: Konrad Grünembergs Pilgerfahrt ins heilige Land 1486, in: Dauven-van Knippenberg, Carla/Birkhan, Helmut: Sô wold ich in fröiden singen. Festgabe für Anthonius H. Touber zum 65. Geburtstag, Amsterdam/Atlanta 1995, S. 255 - 271, S. 255.
15 Hartmann, Gritje: Wilhelm Tzewers: Itinerarius terre sancte. Einleitung, Edition, Kommentar und Übersetzung, Wiesbaden 2004, S. 11.
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veränderte sich die Forschung im Laufe der Zeit, so dass die Pilgerberichte auch als eigene werden. 16 literarische Gattung mit ihren bestimmten Merkmalen betrachtet
16 Nolte, Cordula: Erlebnis und Erinnerung. Fürstliche Pilgerfahrten nach Jerusalem im 15. Jahrhundert, in: Erfen, Irene/Spieß Karl-Heinz (Hrsg.): Fremdheit und Reisen im Mittelalter, Stuttgart 1997, S. 65 - 92, S. 68.
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Kapitel 1: Geschichte und Entwicklung Zyperns
Zypern wurde im Laufe seiner Geschichte von mehreren unterschiedlichen Herrscherhäusern erobert und besetzt. 17 Mit Rom, Byzanz, Venedig und dem Osmanischen Reich seien hier nur einige Wichtige genannt.
Schon im Jahre 146 v. Chr. unterwarfen Römer die Insel, um die reichen Rohstoffvorkommen nutzen zu können. 18 Nach dem Zerfall des Römischen Reiches, ging die Herrschaft an Byzanz über. In den folgenden Jahrzehnten war die Insel immer wieder Schauplatz von Konflikten zwischen Byzantinern und Arabern, die als Vorgänger des Osmanischen Reiches gesehen werden können. 19
Im Jahre 1192 errichtete Guy aus der Familie der Lusignans auf Zypern ein französischsprachiges Königreich. 20 Die Lusignans blieben für die nächsten dreihundert Jahre die Herrscher der Insel. 21 So bemerkte auch Ritter Grünemberg, der 1486 nach Jerusalem reiste: In Zypern „sitzt der Bischof noch da mit seinem hof; war damals ein franzose.“ 22 Erst 3 Jahre später fiel die Insel an Venedig.
Seit 1250, als das Königreich Jerusalem mehr und mehr verloren ging, kann Zypern als führender Kreuzfahrerstaat gesehen werden und somit als erste Anlaufstation für jene, die nicht länger im Heiligen Land bleiben konnten. Unter anderem zogen sich die Ritter des Johanniterordens auf die Insel zurück. Zypern war somit die "östlichste Bastion der lateinischen Christenheit gegen den Islam." 23 Auch die Pilger bemerkten in ihren Berichten: "Ciprus terra Cristianorum ultima, ad quam veniunt communiter omnia navigia mundi." 24 Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert war Zypern ein Magnet für Kaufleute aus aller Welt. Zusätzlich zur Stellung als Austauschmarkt für Waren aus West und Ost bot die Insel auch ihre eigenen Produkte, wie Zucker, Salz und Wein, an. Obwohl Zypern durch die Herrschaft der Familie Lusignan zum Mittelpunkt des levantinischen Handels aufstieg, 25 bot sich für die
17 Tzermias, Pavlos: Geschichte der Republik Zypern. Mit Berücksichtigung der historischen Entwicklung der Insel während der Jahrtausende, Tübingen 4 2004, S. 1.
18 Vakalopulos, Apostolos: Griechische Geschichte von 1204 bis heute, Köln 1985, S. 17.
19 Ebd. S. 19.
20 Kraack: Monumentale Zeugnisse, S. 96.
21 Pavlos: Geschichte der Republik Zypern, S. 9f.
Goldfriedrich, Johann/Fränzel, Walter (Hrsg.): Ritter Grünembergs Pilgerfahrt ins heilige Land 1486, Leipzig 22 1912, S. 58.
23 Maier, Franz Georg: Cypern. Insel am Kreuzweg der Geschichte, München ²1982, S. 94. Hartmann: Wilhelm Tzewers, S. 124. 24
25 Bliznyuk, Svetlana: Die Genuesen auf Zypern. Ende 14. und im 15. Jahrhundert, . Publikationen von Dokumenten aus dem Archivio Segreto in Genua, Frankfurt am Main 2005, S. XII.
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Einwohner ein völlig anderes Bild. Sie wurden mehr denn je unterdrückt, da zwischen Herrscher und Untertanen jetzt, zusätzlich zu politischen und sozialen Spannungen, hinzukam, dass sie eine völlig unterschiedliche Sprache, Kultur und Religion pflegten. 26
In Zypern verschwand auch nach dem Verlust der Territorien des Heiligen Landes der Anspruch auf dessen Rückeroberung nicht. So waren die Könige von Zypern zumindest theoretisch die Könige von Jerusalem (1342) und Armenien (1392). 27 Diese Vormachtstellung gegenüber anderen Monarchien, musste einer anderen Realität weichen. Zypern war beispielweise verpflichtet Genua und Venedig Handelsprivilegien zu gewähren und ab 1426 dem Sultan von Ägypten hohe Tribute zu bezahlen. 28
Der letzte männliche Nachkomme der Lusignans, König Johann II., starb schließlich 1458, ohne einen legitimen Thronfolger zu hinterlassen und leitete damit eine Zeit der Thronwirren ein. Zunächst gelangte seine Tochter Carlotta zusammen mit ihrem Ehemann Ludwig von Savoyen an die Macht. Doch ebenso wollte Carlottas Halbbruder Jakob seine Ansprüche geltend machen. Auch an den Pilgern gingen diese Entwicklungen nicht vorüber, so beschreibt Herzog Wilhelm III. von Sachsen 1461:
Jakob setzte sich in Jahre 1460 schließlich durch und herrschte bis 1472 als Jakob II. von Zypern. 1468 verheiratete er sich mit der aus Venedig stammenden Prinzessin Caterina Cornaro, 30 einer "pulchra et iuvenis mulier vix triginta annorum, wie sie von einem Pilger beschrieben wurde." 31 Als Jakob "sambt seim ehlichen sohn eins schnellen todts" starb," 32 übernahm Caterina, "alß man sagt, betruglich," 33 den Thron und läutete so die venezianische Herrschaft auf Zypern ein. 34 Schon 1489 musste Caterina ihren Thron jedoch aufgeben und der Venezianer Francesco Priuli übernahm die Insel. 35
26 Hill, Sir George: A History of Cyprus. The Frankish Period 1192 - 1432, Cambridge 1948, S. 6.
27 Kraack: Monumentale Zeugnisse, S. 96.
28 Ebd.
29 Falke, Johannes (Hrsg.): Herzog Wilhelms III. Reise in das h. Land 1461, in: Archiv für die sächsische Geschichte Bd. 4,Ort1866, S. 283-320, S. 292.
30 Hunt, David/Hunt, Iro (Hrsg.): Caterina Cornaro. Queen of Cyprus, London 1989.
31 Hartmann: Wilhelm Tzewers, S. 116f.
32 Reichert: Die Reise des Pfalzgrafen Ottheinrich, S. 212.
33 Ebd.
34 Kraack: Monumentale Zeugnisse, S. 96f.
35 Maier: Cypern, S. 127.
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Unter dessen Befehl wurden die Bewohner durch extrem hohe Abgaben gnadenlos ausgepresstt. Dass die Venezianer mehrheitlich Exportwaren wie Zuckerrohr oder Baumwolle statt Nahrung anbauen ließen, führte durch Missernten zu einer Hunger-Perioden, die das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten weiter verschlechterte. 36 Wilhelm Tzewers fiel deshalb auch auf, dass in Zypern nichts ohne die Erlaubnis aus Venedig verkauft werden durfte. 37 Auch Martin Baumgartner war erstaunt, dass die meisten Städte leer und heruntergekommen erscheinen, was im Gegensatz zur Fruchtbarkeit der Insel steht. Er bemerkt außerdem, dass fast alle Einwohner Zyperns als Sklaven der Venezianer ihr Leben fristen mussten. 38 Doch auch die Venezianer waren von anderen Mächten abhängig und "müssen jors ein groß summe ducaten [...] dem Türcken" geben. 39
Die Herrschaft Venedigs währte nur knappe 100 Jahre, denn 1573 wurde die Insel nach jahrelanger Bedrohung durch das Osmanische Reich schließlich offiziell übergeben. In dieser Periode wurde die Insel mehr und mehr islamisiert. In einigen Bereichen Zyperns verbat man den Menschen sogar griechisch zu sprechen. 40 Mit der endgültigen Eroberung Zyperns durch das Osmanische Reich wurde die lateinische Herrschaft der Insel für immer beendet. 41
36 Ebd. S. 134.
37 Hartmann: Wilhelm Tzewers, S. 116.
38 Rebitch: Der Aufenthalt Martin von Baumgartners, S. 121.
39 Reichert: Die Reise des Pfalzgrafen Ottheinrich, S. 212.
40 Vakalopulos: Griechische Geschichte, S. 36.
41 Maier: Cypern, S. 143.
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Ramona Schilling, 2010, Zypern als Station mittelalterlicher Pilgerfahrten, München, GRIN Verlag GmbH
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