2. Mai 1806. In der kleinen Gemeinde Fainles-Moutiers in Burgund wird das Bauernmädchen Zoé Labouré geboren. Ihre Eltern Pierre und Louise Madeleine können nicht ahnen, dass ihr achtes Kind einmal den Katholiken als Heilige gelten wird. Zoé -die später den Ordensnamen Katharina erhältwird eine treibende Kraft bei der Entstehung eines Neuen
Andachtsgegenstandes sein. Nach der Legende wird Zoé von der Mutter Jesu selbst den Auftrag erhalten eine Medaille der Hilfe und des Trostes prägen zu lassen, um durch sie die Gläubigen an Marias Mitwirken an der Heilgeschichte zu erinnern und um ihnen Gottes Gnade zu Teil werden zu lassen.
Aber wie war es möglich, dass man Zoé Labouré glaubte und eine Medaille nach ihren Wünschen anfertigte? Wie war die offizielle Haltung der Kirche und wie reagierten die Menschen auf die Medaille? Welchen Stellenwert haben Devotionalien generell in der römisch-katholischen Kirche?
Die Entstehungszeit der Wunderbaren Medaille fällt in eine Epoche in welcher die religiöse Frömmigkeit der Menschen wiedererwachte. Das 19. und 20. Jahrhundert wird auch als „marianisches Jahrhundert“ benannt, denn wo die spirituelle Kälte der Aufklärung und des Rationalismus einerseits versucht ist, die Welt durch Vernunft und Logik zu entmystifizieren, wo Revolutionen, Reformen und Kriege die
althergebrachten Staatssysteme veränderten, da entstand andererseits bei den Menschen der Wunsch nach mütterlicher Liebe, Geborgenheit und Schutz vor den Wirren der Zeit. Kirchengeschichtlich ist das „marianische Jahrhundert“ auch von Bedeutung, da zwei Päpste Dogmen über die Natur Mariens erließen. Pius IV. (1792-1878) verkündete 1854 das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Marias und 1950 erließ Papst Pius XII. (1876-1958) das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Es entstanden zu dieser Zeit zahlreiche Ordensgemeinschaften welche sich caritativen Tätigkeiten widmeten und den Namen der Mutter Gottes trugen. Das marianische Jahrhundert steht aber auch für Häufung von Marienerscheinungen. So erschien 1846 in La Salette-Fallavaux, einem französischem Bergdörfchen, die Mutter Gottes zwei 15 und 11 jährigen
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Hirtenkindern auf einem Berg. 1858 erlebte die 14 jährige Bernadette Soubirous Marienerscheinungen im südwestfranzösischen Lourdes in einer Grotte und 1917 zeigte sich Maria drei portugiesischen Hirtenkindern in Fátima. Maria verkündete den Kindern Geheimnisse und Botschaften. In Lourdes wies sie Bernadette den Weg zu einer heilkräftigen Quelle. Alle drei Orte sind heute von der römisch-katholischen Kirche offiziell anerkannt und gelten als berühmte und beliebte Wallfahrtsorte. Zu ihnen reisen jedes Jahr Tausende Pilger aus aller Welt. Das marianische Jahrhundert war geprägt von dogmatischer und theologischer Ausschmückung Marias und ekstatischer Hingabe und Frömmigkeit der Gläubigen.
Die Verinnerlichung des Glaubens und die starke Frömmigkeit führten noch zu einem weiteren Beispiel der Marienerscheinung in dieser Epoche, nämlich zu den spirituellen Erfahrungen von Zoé (Katharina) Labouré.
Als achtes von zehn Kindern wuchs Zoé gut behütet und fromm auf dem Lande auf. Als Zoé im Alter von neun Jahren ihre Mutter verlor, musste sie mit ihren beiden Schwestern die gesamte Verantwortung für den Haushalt übernehmen und somit blieb ihr jegliche Möglichkeit auf Bildung verwehrt. Die emotionale Lücke, welche der Tod der Mutter hinterließ, füllte das Mädchen mit einer besonders starken Hinwendung zur Mutter Gottes. In ihrer Heiligenlegende wird beschreiben wie die Haushaltshilfe Zoé dabei überraschte, als das Mädchen eine Statue der Jungfrau Maria von der Wand nahm, diese drückte und küsste und unter Tränen der Statue berichtete, dass sie - die Mutter Gottes- von nun an ihre Mutter sei. Zoés ältere Schwester Marie Louise trat 1818 der Gemeinschaft der Töchter der christlichen Liebe des heiligen Vinzenz bei und so musste die 12 jährige noch mehr Verantwortung übernehmen. Diesem Tatbestand geschuldet, verfügte Zoé mit 18 Jahren über keinerlei Schulbildung und war Analphabetin. Daher wurde sie in eine Erziehungsanstalt für Mädchen geschickt, um wenigstens die Grundlagen des Lesens und Schreibens zu erlernen. Am 14.Januar 1830 trat Zoé der Gemeinschaft der Töchter der
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christlichen Liebe des heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660) bei. Nach einem kurzen Postulat- einer Vorbereitungs- und Probezeit- wechselte Zoé in das Mutterhaus der Gemeinschaft nach Paris in die Rue de Bac 140 und erhielt ihren Ordensnamen „Katharina“. Ab dieser Zeit begannen ihre Visionen. Im April und Mai des Jahres sah Schwester Katharina das Herz des heiligen Vinzenz von Paul und Jesus Christus in einer Hostie, ab Juli bis Dezember 1830 sah sie ihren Schutzengel und die Jungfrau Maria. Schwester Katharina beschrieb die erste Erscheinung der Mutter Gottes wie folgt: Sie sei gegen halb 12 Uhr Nachts von ihrem Schutzengel (in Gestalt eines kleinen dicken Kindes) geweckt und in die Kapelle geführt worden. Dort wäre dann nach einiger Zeit Maria auf dem Sessel des Direktors der Gemeinschaft erschienen und sprach zu Schwester Katharina:
Im November 1830 zeigte sich die Mutter Gottes Schwester Katharina zum zweiten Mal. Diesmal in drei aufeinanderfolgenden Szenarien. Zuerst erschien Maria mit einer goldenen Kugel mit einem Kreuz in der Hand. sie sprach:
In der zweiten Szene zeigte sich die Jungfrau mit fünfzehn Ringen an der Hand, welche alle unterschiedlichsten Edelsteine trugen. Das Funkeln der Ringe soll die Gnade Mariens symbolisieren, welche sie Jedem schenke der darum bittet. Danach verschwinden Ringe und Kugel und um die Mutter Gottes
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Arbeit zitieren:
Yvonne Büchner, 2011, Die Entstehungsgeschichte der „Wunderbaren Medaille“ als Beispiel für die Stellung von Devotionalien in der Römisch Katholischen Kirche, München, GRIN Verlag GmbH
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