Universität Potsdam Institut für Religionswissenschaft Studentin: Yvonne Büchner
antwortete: „Meine liebste Prinzessin, seht nur ich habe Euch das Zauberbäumchen geholt nun können wir uns verloben!“ Die Prinzessin erschrak sehr, denn sie wollte ja den Prinzen nicht heiraten. Aber sie war klug und wusste sich schnell Rat. „Erfasst ihn, der Prinz steht mit dem Teufel im Bunde, denn jeder weiß, dass das singende, klingende Bäumchen im Garten der Mutter Gottes wächst und kein Lebender kann dorthin gelangen!“ Als die königlichen Wachen den Prinzen ergreifen wollten, floh dieser aus dem Schloss und ritt in den Wald. In diesem Moment ging die Sonne unter und Prinz Gotthold verwandelte sich in einen großen, schwarzen Bär. Sein treues Pferd scheute aber nicht, denn es erkannte seinen Herren. Der Prinz suchte Schutz in einer Höhle, dort wurde ihm bewusst wer der Alte gewesen ist und was er da für einen Handel abgeschlossen hatte. „Ich Narr habe mit dem Teufel persönlich einen Handel abgeschlossen. Nun bin ich ein Bär und darf nicht mal mehr zum Allmächtigen Vater beten, sonst holt mich der Teufel gleich. Was soll ich nur tun!“ Und der Prinz weinte gar sehr, denn er hatte Angst um seine Seele.
Zur gleichen Zeit ging die Mutter Gottes in ihrem Himmelsgarten spazieren, als sie plötzlich ein Weinen hörte. Sie ging weiter und sah einen kleinen Engel am Brunnen sitzen und bitterlich weinen. „Was weinst Du denn, kleiner Engel?“, fragte Maria. „Ach Herrin, der Teufel kam in Euren Garten und hat das singende, klingende Bäumchen gestohlen! Er hat das Bäumchen dem braven Prinzen Gotthold gebracht und mit List einen Handel abgeschlossen, dass, wenn der Prinz in die Messe geht oder zum Allmächtigen Vater betet in die Hölle kommt!“ „Aber warum wollte den der Prinz das Bäumchen überhaupt?“, fragte die Mutter Gottes. „Um die eitle Prinzessin Immerschön zu heiraten! Sie hat das Bäumchen als Brautgeschenk verlangt“, antwortete das Engelchen. „Aber das Herz der Prinzessin Immerschön ist doch so kalt vor Eitel, dass sie gar nicht lieben kann!“ „Das ist es ja!“, schluchzte das Engelchen laut. „Denn der alte listige Bockfuss hat den Prinzen noch in einen Bären verwandelt!“ „Oh, was für ein Unglück!“, rief Maria. „Wir müssen den Prinzen retten, denn wenn er nicht mehr beten und in die Messe gehen kann ist seine Seele in Gefahr! Los, schnell Engelchen, gehe zum Prinzen und sage er solle folgendes tun. (…)“
Als der Prinz nun so elend in der Höhle lag, erschien ihm in einem goldenen Lichte das Engelchen und sagte: „Lieber Prinz, verzage nicht! Die Mutter Gottes schickt mich, denn sie will Dir helfen! Wir wollen den Gehörnten schon bezwingen! Hör gut zu! Bete von
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jetzt an immer zur Mutter Gottes und an jedem Sonntag komme ich und wir beten zusammen, da kann der Teufel Dir nichts anhaben und Du hast weiterhin Anteil am ewigen Leben! Der Prinz fasste wieder Mut als er dies hörte und sagte: „Hab Dank, liebes Engelein, ich will tun wie Du mir sagst! Aber wie kann ich wieder ein Mensch werden?“. Der Engel überlegte und sagte: „Prinz, die Prinzessin muss Dich wirklich lieben lernen, sonst bleibst Du ewig ein Bär!“. „Aber die Prinzessin ist böse und eitel! Ihr Herz ist kalt! Sie wird mich niemals lieben. Sie liebt nur sich!“ Dann musst Du sie in die Hölle holen. Wenn sie bei Dir lebt und Dich kennen lernt, wird sie dich lieben lernen! Denn Du bist ein guter und frommer Mensch!“
Der Prinz tat wie ihm der Engel geheißen und betete emsig zu Maria und an jedem Sonntag kam das Engelchen und sie beteten gemeinsam. Als die Prinzessin eines Tages allein zum Waldsee ging, packte sie der Bär und nahm sie mit sich. Und sosehr sich die Prinzessin auch wehrte, sie konnte nicht entkommen. Als beide bei der Höhle ankamen sagte der Bär: „So Prinzessin das ist nun Dein neues Zuhause. Hier werden wir gemeinsam leben!“ Die Prinzessin tobte und schrie: „Was fällt Dir ein Bär, ich bin eine Prinzessin und bald werden mich meine Wachen suchen und wenn Sie Dich finden werden Sie Dir eine Kugel in den Pelz brennen, jawohl!“ Und sosehr die Prinzessin auch versuchte zu fliehen, sie schaffte es nicht, denn das Engelchen hatte seine Hände im Spiel. Der Bär begann nun die Höhle als neues Heim schön herzurichten und polsterte sie aus und er bat die Prinzessin ihm dabei zu helfen, denn es solle auch ihr Heim werden. Sie schrie nur: „Was soll ich, ich bin eine Prinzessin! Du garstiger Bär! Warte nur, wenn meine Soldaten kommen!“ Der Bär wurde langsam zornig und sagte: „Ach, wenn Du nur so hässlich wie böse wärst, dann hätte sich der Prinz Gotthold nie in Dich verliebt!“ Kaum hatte der Bär dies gesagt, wurde die Prinzessin hässlich wie die Nacht. Ihr goldenes Haar wurde strähnig und grün, wie von Schimmel. Ihr Mund wurde schief und ihre schönen grünen Augen wurden trüb und glubschig. Dies geschah, da das Zauberbäumchen Wünsche erfüllen konnte. Oh, wie weinte die Prinzessin über ihre Verwandlung. Als es Sonntag wurde kam das Engelchen zum Beten in die Höhle und der Prinz betete inbrünstig zur Mutter Gottes, dass sie der Prinzessin helfen und deren Herz erweichen möge.
Die Mutter Gottes hatte Mitleid mit dem Prinzen und befahl dem Engelchen sich um das
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Arbeit zitieren:
Yvonne Büchner, 2011, Vorschläge zur Christianisierung des Märchens „Das singende, klingende Bäumchen“, München, GRIN Verlag GmbH
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