Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die Flexion und der Flexionserwerb 3
2.1. Die Verbflexion 4
2.2. Die Nominalflexion 7
3. Datenanalyse zum Flexionserwerb 9
3.1. Lückentext 9
3.2. Bildergeschichte 19
4. Fazit 21
5. Literaturverzeichnis 22
6. Plagiatserklärung 23
2
1) Einleitung
Der Flexionserwerb gehört zu den grundlegenden grammatikalischen Funktionen, die man im Laufe der ersten Lebensjahre erlernt und immer weiter verbessert. Die Flexion ist verantwortlich für die Konjunktion der Verben, damit man verständliche Sätze bilden kann. Es ist also wichtig, dass man sich diese Funktion richtig aneignet.
Es gibt sehr viele Forscher, die sich immer wieder mit neuen Experimenten und Testen beschäftigen, um herauszufinden, in welchem Alter die Flexion einsetzt, wie gut die Kinder das bereits können, ob es Unterschiede bei den verschiedenen Sprachen gibt oder sogar Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen.
In dieser Hausarbeit soll auf einige Fragen eingegangen werden: Was ist die Flexion? Welche Art von Flexion gibt es? Wann beginnt der Flexionserwerb und wie gestaltet sich dieser? Später folgt dann zusätzlich eine Datenanalyse zum Flexionserwerb. 2) Die Flexion und der Flexionserwerb
In der deutschen Sprache unterscheidet man zwischen der inneren Flexion und der äußeren Flexion. Die innere Flexion beinhaltet den Ablaut, den Umlaut und den grammatischen Wechsel. Die äußere Flexion hingegen beinhaltet den Wortstamm und die Endung.
Flektierbare Wörter sind Verben, Artikel, Nomen, Pronomen, Adjektive, und auch einige Adverbien. Im Folgenden werde ich vor allem auf die Verbflexion und die Nominalflexion eingehen. Die Datenanalyse beschränkt sich auf die Verbalflexion.
In der deutschen Sprache gibt es schwache und starke Verben, Rückumlautverben, Modalverben, und Verben mit einem defektiven Paradigma. Es ist also für Kinder nicht immer leicht, alle Verben sofort richtig einzuordnen und somit richtig zu konjugieren und zu benutzen. In der deutschen Sprache gibt es ungefähr 200 1 starke, also unregelmäßige, Verben. Im Französischen gibt es sogar 570. In den Sprachen Quechua 2 und Esperanto 3 - genauso wie in den meisten Plansprachen 4 - gibt es überhaupt keine unregelmäßigen Verben.
1 Vgl. hierzu und im Folgenden: http://de.wikipedia.org/wiki/Unregelmäßiges_Verb
2 Quechua wird in Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru gesprochen und ist die
Amtssprache von Bolivien, Peru und Ecuador.
3 Esperanto ist eine Plansprache, respektive eine geplante Sprache.
4 Als Plansprache bezeichnet man eine menschliche Sprache, deren Entwicklung von einem bewusst und planmäßig
ausgearbeiteten Sprachprojekt ihren Ausgang genommen hat. (http://de.wikipedia.org/wiki/Plansprache)
3
2.1. Die Verbflexion
Die Verben lassen sich in verschiedene Flexionsklassen einteilen. Die Flexionsklassen unterscheiden sich durch teilweise unterschiedliche Flexionsmuster in den verschiedenen Zeiten und Modi. Man unterscheidet zwischen regelmäßigen Verben, unregelmäßigen Verben, Modalverben und haben, sein und werden.
Verben können nach folgenden Merkmalen flektiert werden:
- Person: 1., 2. und 3. Person
- Numerus: Singular und Plural
- Tempus: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und II (Hilfsverben: haben, sein und werden)
- Modus: Indikativ, Konjunktiv I und II, Imperativ
- Genus verbi: Aktiv und Passiv (Hilfsverben: werden, sein und kriegen/bekommen) Nach Elsen 5 erwerben die Kinder bis zum 17. Lebensmonat in etwa 15 starke und 15 schwache Verben. Ab dem 17. Lebensmonat nehmen die schwachen Verben zu.
Die Critical Mass Hypothesis 6 von Marchman und Bates besagt, dass eine kritische Menge an schwachen Verben bereits erworben sein muss, bis die Flexion einsetzt. Die Frage, die sich stellt, ist natürlich: Wie können Kinder es lernen, die Verben richtig zu flektieren? Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Einerseits gibt es das rote learning 7 , das sogenannte Auswendiglernen und andererseits gibt es das rules learning 8 , das Lernen nach Regeln.
5 Elsen H. (1998): The acquisition of past participle: One or two mechanism? In: Fabri, R.; Ortmann, A.; Parodi, T.
(Hg.): Models of inflection. Tübingen: Niemeyer, S. 134-151.
6 Marchman, V.; Bates, E. (1994): Continuity in lexical and morphological development: a test of the critical mass
hypothesis. Journal of Child Language, Jg. 21., S. 339-366
7 rote learning = memorization by repetition
8 Beim rules learning geht es darum, zuerst genau zu verstehen, was man lernen soll, um sich dann selbst Regeln
aufzustellen, nach denen man es sich merken kann.
4
Steven Pinker 9 ist der Meinung dass das rote learning für irreguläre Verben genutzt wird, und dass diese Formen einfach auswendig gelernt werden. Außerdem geht er davon aus, dass die regelmäßigen Verben nach Regeln gelernt werden und dass somit für diese Verben die Rules-Methode angewendet wird. Er sagt, dass die irreguläre Verben “unpredictable” sind, man kann also nicht voraussehen, wie sie gebildet werden, da es da auch innerhalb einer Gruppe von Verben, die den gleichen Stammlaut haben, unterschiedliche starke Verbformen gibt. Bei den regelmäßigen Verben hingegen kann man eine Methode erkennen und somit geht man davon aus, dass auch alle anderen schwachen Verben mit der gleichen Endung die gleiche Form haben. Seine Theorie beruht hauptsächlich auf engischen Verben. Allerdings wird seine Theorie auch sehr stark kritisiert, da er auf einige Aspekte nicht sonderlich gut eingegangen ist. Seine Theorie beachtet nämlich nicht, dass auch einige starke Verben sehr große Ähnlichkeiten aufweisen, wie zB trinken, sinken, stinken oder beißen, reißen, schmeißen. 10 Diese Ähnlichkeiten führen nämlich bei Kindern sehr wohl zu sogenannten Kategorien. Sie sehen diese Verben dann als “eine Familie” an und stellen somit für diese Verben ihre eigenen Regeln auf.
Pinker geht aber in seiner Theorie auch darauf ein, dass die unregelmäßigen Verben - je mehr sie benutzt werden - auch richtiger konjugiert werden. Wenn die Kinder also die Verben öfters hören, da sie beispielsweise von den Eltern sehr oft benutzt werden, dann können sie sie sich auch besser merken, da es sich ja um ein “Auswendiglernen” handelt. Dies zeigt auch, dass Erwachsene sich sehr oft unsicher sind bei den starken Verbformen von einigen Verbformen, die man nicht sonderlich oft benutzt. Pinker nennt hierzu folgende Beispiele: smote, bade, slew. 11
9 Pinker, Steven (1991): Rules of Language. Science, H. 253, S. 530-535.
10 Beispiele: Handout zum Thema “Flexion”.
11 Vgl. Pinker, Steven (1991): Rules of Language. Science, H. 253, S. 532
5
John Case hat die Theorie des U-Shaped-Learning 12 entwickelt. Er ist der Meinung, dass die Kinder ganz am Anfang die unregelmäßigen Verben bereits kennen und auch richtig benutzen. Dann allerdings benutzen sie auf einmal die falsche Form des Verbs - vermutlich, weil sie Regeln aufstellen und dann die Verben so konjugieren. Schlussendlich aber lernen sie dann die unregelmäßigen Verben, und konjugieren sie dann auch richtig.
Figur I: U-Shaped-Learning
Anhand der Figur kann man erkennen, was Case mit seiner U-Shaped-Learning-Theorie verdeutlichen wollte. Zu Beginn der Zeitspanne sieht man, dass die Kurve sich vor bei Right befindet. Zuerst konjugieren die Kinder das Verb also richtig. Dann allerdings - wenn man in der Zeitspanne weitergeht - beginnen die Kinder, die Verben falsch zu konjugieren. Dies hängt damit zusammen, dass sie für die regelmäßigen Verben Regeln aufgestellt haben, und diese - solange sie die anderen noch nicht hundertprozentig auswendig kennen - auch auf die unregelmäßigen Verben anwenden. Somit wird deren Form falsch.
12 Vgl. http://www.eecis.udel.edu/~case/slides/nugget-ushape.pdf
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Arbeit zitieren:
Anne Conrad, 2011, Die Flexion und der Flexionserwerb, München, GRIN Verlag GmbH
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