2. Hauptteil Definition der Schulsozialarbeit
„Unter Schulsozialarbeit wird ein Angebot der Jugendhilfe verstanden, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte, kontinuierlich am Ort Schule tätig sind und mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenarbeiten, um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern, dazu beitragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, Erziehungsberechtigte und LehrerInnen bei der Erziehung und dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz zu beraten und unterstützen sowie zu einer schülerfreundlichen Umwelt beizutragen. Zu den sozialpädagogischen Angeboten und Hilfen der Schulsozialarbeit gehören insbesondere die Beratung (unter Berücksichtigung einschlägiger Beratungsgrundsätze) und Begleitung von einzelnen SchülerInnen, die sozialpädagogische Gruppenarbeit, offene Gesprächs-, Kontakt- und Freizeitangebote, die Mitwirkung in Unterrichtsprojekten und in schulischen Gremien sowie die Kooperation und Vernetzung mit dem Gemeinwesen.“ 3 Wie bereits aus der Definition zu erkennen ist, scheint die Schulsozialarbeit eine fortschrittliche Methode zur Bekämpfung von sozialer Ungleichheit zu sein, die zur Verbesserung des schulischen Klimas beiträgt. Leider ist zu kostatieren, dass beide Institutionen, sowohl die Schule als auch die Jugendhilfe, ihre gemeinsame Zusammenarbeit vernachlässigt haben. „[Diese] reicht vom Aktionstag über Schulprojektwochen bis zur externen Schulberatung in Krisensituationen. […] [Die] Zuständigkeiten [sind] klar geregelt […] und [es sind] keine besonderen institutionellen Veränderungen nötig […]. 4 Dies ist leider der falsche Ansatz und es kommt nur in seltenen Situationen zu einer effizienten fortlaufenden Zusammenarbeit zwischen Schule und Schulsozialarbeit, bei der beide Institutionen Hand in Hand zusammenarbeiten. Dies ist sehr schade, da das Projekt Schulsozialarbeit eine sehr gute Idee ist, wie man bereits aus der Begriffserklärung ersehen kann. Die Lebenswelt der Kinder wird von Generation zu Generation schwieriger, die SuS reagieren darauf mit schlechten Noten, Schulschwänzen und u.a. Gewalt. Durch den allenfalls kurzen Einsatz der Schulsozialarbeit in der Schule, kann die Situation vielleicht kurzfristig gebessert werden, dies reicht aber lange nicht mehr aus.
3 Vgl.: Karsten Speck, S. 23
4 Vgl. Matthias Drilling, S. 9
2
„Schulsozialarbeit kann aber nur so erfolgreich sein wie die Schule, in der sie angeboten wird, es zulässt.“ 5 Ohne die Mitwirkung aller Beteiligten, können die Ziele nicht verwirklicht werden, denn Lehrerinnen und Lehrer sind es gewohnt, alleine zu arbeiten, und sie sehen es oft nicht ein, wieso sie ihre Vorgehensweisen mit einem Sozialarbeiter absprechen müssen. Darum muss die Lehrkraft ihr konservatives Denken ablegen und sich den moderneren Zeiten anpassen. Denn letztendlich ist das gemeinsame Ziel beider, den SuS dabei zu helfen im Leben ihren Platz zu finden. Funktion der Schule
Die Funktion der Schulsozialarbeit wurde im vorigen Kapitel besprochen, nun muss noch geklärt werden, welche Rolle die Institution Schule innehat. „Die Funktion der Schule basiert grundlegend auf Aufgaben der gesellschaftlichen Reproduktion.“ 6 Hierbei hat die Schule drei unterschiedliche Funktionen, nämlich diejenigen der Qualifikation, der Selektion und der Integration. Bei dem Punkt der Qualifikation sollen die Lehrkräfte den SuS im Unterricht „[…] Kenntnisse und Fertigkeiten zur Reproduktion des kulturellen Systems vermitteln […].“ 7 Bei der Selektionsfunktion werden die SuS nach Erfolg und Leistung ausgelesen, sprich: Wer nicht gut genug ist, muss die Schulform gegebenenfalls verlassen und in eine angemessenere wechseln (Beispiel: Realschule Hauptschule; Gymnasium Realschule). Zu guter Letzt bekommen die SuS Werte und Richtlinien vermittelt, damit sie zur „[…] Reproduktion des gesellschaftlichen Wertesystems […] beitragen [können].“ 8 Kurzgefasst soll die Schule zur Sozialisation der Menschen beitragen. Bedauerlicherweise weist die Schule auch Unstimmigkeiten und Doppeldeutigkeiten auf: Teamarbeit vs. Konkurrenzverhalten, Lehren von Selbstständigkeit vs. Eingliederung uvm. Grundpositionen
Die Schulsozialarbeit und die Schule haben drei verschiedene Grundpositionen entwickelt, um den SuS Halt und Orientierung zu bieten, nämlich die “Sozialarbeit in der Schule“, die “Sozialpädagogik in der Schule“ und die “sozialpädagogische Schule“. „Oftmals ist ein gemeinsamer Weg nur mühsam gefunden worden, wurden die
5 Ebd. S. 11
6 Vgl. Thomas Olk
7 Ebd.
8 Ebd.
3
Fachpersonen aus der sozialen Arbeit über Anstellungs-oder
Unterstellungsbedingungen zu Hilfslehrkräften degradiert. Vielfach waren auch die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter nicht bereit, ihre kritische Distanz zur Schule zu reflektieren und den gemeinsamen Weg zu suchen.“ 9 Es stellt sich nun die dringende Frage, welche der drei Grundpositionen die beste Problembeseitigung darstellt. Beginnen möchte ich mit der Sozialarbeit in der Schule. Die Sozialarbeit schenkt vor allem den Jugendlichen ihre Aufmerksamkeit, die ungerecht behandelt und missachtet werden. Die Ausgrenzung dieser Schüler bewirkt, dass sie sich nicht richtig in der Klassengemeinschaft entfalten können und sie bestimmte Kompetenzen wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit nicht erlernen. „Sozialarbeit an der Schule versteht sich als politische Arbeit. Es gilt, […] denjenigen zur Seite zu stehen, sie aufgrund sozialer oder persönlicher Probleme zu Drop-outs oder schulischen Randgruppen gehören.“ 10 Sozialarbeit soll darum schon in der Schule eingreifen und nicht nachher, wenn es bereits zu spät ist. Die Sozialarbeiter möchten ein Teil der Schularbeit sein und nicht nur nebenherlaufen, ebenso wollen sie regelmäßig helfen und nicht nur ab und zu tätig sein. Ein wichtiges Anliegen der Arbeiter ist es, die Kinder nicht nur als Schüler wahrzunehmen, sondern auch in anderen Kontexten, wie z.B. als Bestandteil einer Familie oder Mitglied der Peergroup. Die Arbeit einer Lehrkraft und eines Sozialarbeiters, sind strikt zu trennen. Ein Sozialarbeiter mischt sich nicht in das Tätigkeitsfeld des Lehrers ein, ebenso wenig darf ein Schulsozialarbeiter nicht für schulinterne Zwecke, wie Pausenaufsicht, missbraucht werden. „Die Sozialarbeit muss den Jugendlichen [hingegen] die Möglichkeiten bieten zu lernen, wie sie mit diesen Problemen der Abhängigkeit von der Schule und den damit verbundenen Konflikten umgehen können.“ 11
Bei dem Konzept der Sozialpädagogik an der Schule ist das zentrale „[…] Anliegen […] durch Einbringung sozial- und reformpädagogischer Sichtweisen und Methoden die Schule zu befähigen, eigene neue Qualitäten zu entwickeln.“ 12 Dabei werden nicht nur die SuS angesprochen, sondern auch die Lehrkräfte. Nicht nur die Wissensvermittlung ist wichtig, sondern auch andere Kompetenzen, die die SuS auf ihrem späteren Lebensweg weiterbringen, wie z.B. Teamarbeit. „[…] Vermittlung sozialer Qualifikationen, Engagement für “Problemschülerinnen und -schüler“ und ein partnerschaftliches Lehrer-Schüler-Verhältnis: Dies ist die Ausrichtung, an der es sich
9 Vgl. Thomas Drilling
10 Ebd. S. 40
11 Ebd. S. 41
12 Ebd. S. 41
4
Arbeit zitieren:
Melanie Harth, 2010, Inwiefern wirkt Schulsozialarbeit der sozialen Ungleichheit in Schulen entgegen? , München, GRIN Verlag GmbH
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