nicht in Erscheinung. In der Ehe der beiden Hauptpersonen herrscht eine
triste Atmosphäre vor - unterstrichen durch das zweimal verwendete
Farbadjektiv „braun“ (Z. 14, 63f.) Menschliche Wärme ist zwischen den
Ehepartnern nicht vorhanden. Während die Tochter und sogar deren
Freund in der Geschichte namentlich genannt werden, bleiben Mann und
Frau namenlos, was die fehlende persönliche Beziehung verdeutlichen
soll.
Insgesamt schildert der Text einige Klischeevorstellungen vom Rollen-und Kommunikationsverhalten in einer länger bestehenden
Partnerschaft, verbunden mit der Hoffnung, dass es nicht bei jeder
Beziehung zu solchen Problemen kommen muss.
Der Mann denkt egoistisch an die Befriedigung seiner Bedürfnisse ohne
die seiner Partnerin zu verstehen. Er fühlt sich gut versorgt und möchte
seine Ruhe haben. Sowohl mit seiner Jugend als auch mit seiner jetzigen
Situation ist er zufrieden (vgl. Z. 53f.). Dabei hatte er schon zu Beginn
der Partnerschaft „komische dreiste Wünsche“ (Z. 24f.), die nicht denen
seiner Frau entsprachen (vgl. Z. 31f.). Er erkennt nicht, dass seine Frau
sich nach einem Gesprächspartner sehnt, sondern tut die Unterhaltung
zwischen seiner Frau und seiner Tochter als „ewiges Gegacker“ (Z. 58)
ab. Die Frauen vergleicht er hierbei mit Hühnern. Dem möglichen
Weggang seiner Tochter sieht er emotionslos entgegen (vgl. Z. 60f.), hat
aber Sorge, dass seine Frau dann noch mehr das Gespräch mit ihm
sucht. Dem versucht er zu entgehen, indem er sich hinter der Zeitung
verschanzt, hervorgehoben durch drei Metaphern („ knisterte die Wand
der Zeitung“, Z. 15; „der Schirm bedruckter Seiten tuschelte“, Z. 11;
„Abendversteck“, Z. 54f.), von denen die zweite noch eine
Personifikation aufweist. Der Mann redet dementsprechend kaum - nur
zwei Sätze während der gesamten Geschichte.
Die Frau bemüht sich in der Rolle als Hausfrau um ihren Mann (Socken
stopfen, kochen), gibt sich dabei viel Mühe und ist um sein Wohlergehen
bedacht („mit denen sie ihm sein Stück Fleisch geschmückt hatte“, Z.
42f.). Personal- und Possessivpronomen (ihm/sein) heben hervor, dass
sie an andere denkt, nicht an sich selbst. Auch als Mutter tut sie viel (vgl.
Z. 71f.), und scheint ein vertrautes Verhältnis zur Tochter zu haben (vgl.
60f.). Nicht so zu ihrem Mann. Die Frau fühlt sich unverstanden und
einsam (vgl. Z. 39f.). Sie bedauert, mit ihrem Mann nicht reden zu
können (vgl. S. 38f.), jammert und bemitleidet sich (vgl. Z. 37f.). Viel
nimmt die Frau von ihrem Mann nicht wahr („fette Krallen, mehr war
nicht von ihm da, keine Augen, kein Mund“, Z. 17ff.). Das Asyndeton
„keine Augen, kein Mund“ unterstreicht die Unverbundenheit der
Eheleute, der Parallelismus und die Anapher von „kein“ das völlige
Fehlen von Kontakt, sei es Blickkontakt oder Kommunikation.
Grundlegende Ursache des Kommunikationsproblems ist die
Beziehungsebene. In den Augen der Frau ist der Mann wie ein Tier, denn
sie beschreibt insbesondere seine Hände und Finger mit Bildern aus dem
Tierreich („fette Krallen“, Z. 17; „Krallenpfoten“, Z. 84). Zeilen 25f.
lassen eine Vermutung über das Entstehen dieser Abneigung zu. Als es
in der Anfangszeit der Partnerschaft noch zu Körperkontakt gekommen
ist, scheinen sich seine Krallen in ihren Körper eingegraben zu haben,
nun fühlt sie sich davon befreit, denkt aber immer noch mit Grauen
daran zurück (vgl. Z. 31f.). Selbst den Beginn ihrer Beziehung sieht die
Frau also in negativem Licht. Die Alliteration („Der fremde freche junge
Mann“, Z. 23) zeigt die Distanz und Abneigung. Die Frau bemitleidet sich
und sieht sich als Opfer, was in der Metapher „Opferlämmer“ (Z. 32)
deutlich wird.
Die Frau verachtet ihren Mann und beginnt ihr Gespräch mit einem
Vorwurf, in dem sie dem Mann Gleichgültigkeit gegenüber der Tochter
unterstellt. Dieser reagiert darauf nicht und wird mit einem Appell von
seiner Frau zum Nachdenken aufgefordert, was sich zwischen Tochter
und Freund abspielen könnte. Nachdem er auch darauf nicht reagiert,
wiederholt die Frau dreimal „Ich versteh’s nicht“. Bei dem Mann kommt
nur die Sachaussage an, dass sie nicht ahnt, was über ihnen geschieht
und antwortet seinerseits mit einem Vorwurf. Er merkt nicht, dass seine
Frau mit ihm über ihre Partnerschaft reden will, und will dies auch gar
nicht. Stattdessen verschanzt er sich hinter seiner Zeitung, womit er
nonverbal sein Desinteressen an den Sorgen seiner Frau verdeutlicht.
Bei dieser steigert sich, verstärkt durch die Sorge um ihre Tochter und
einer Ahnung, was im Obergeschoss vor sich geht, Wut und Erregung.
Hierbei spielt das Stopfei eine große Rolle. Die braune Wollsocke steht
symbolisch für den Mann. Zu diesem hat sie keinen Körperkontakt mehr,
aber dafür steht ersatzweise seine Socke, die sie zuerst reibt (vgl. Z.
18f.), dann mit der Faust (= Wut) behandelt (vgl. 43f.), schließlich mit
einer Nadel durchbohrt (vgl. Z. 86f.) Mit dieser sich steigernden
Handlung rächt sie sich quasi durch Umkehrung an dem früheren
Verhalten ihres Mannes, der sich mit seinen Krallen in sie eingebohrt hat.
Nonverbal zeigt die Frau mit der Faust und der Nadel ihre Einstellung
ihm gegenüber. Ganz anders ist die Einstellung zu ihrer Tochter, auf die
sie sehr stolz ist.
Die Tochter gibt der Mutter Lebensfreude („Sie lächelte“, Z. 70;
Farbadjektive (blau, golden; vgl. 72ff). Die Tochter gibt ihrer Ehe einen
positiven Aspekt, auch wenn durch „seine und ihre Tochter“ (Z. 87/89) in
zweifacher Wiederholung die Distanz der Eheleute betont wird. Zugleich
Arbeit zitieren:
Andreas Thäwel, 2010, Analyse der Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar", München, GRIN Verlag GmbH
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