Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Konfliktmanagement nach F. Glasl 5
2.1 Sozialer Konflikt 5
2.2 Konfliktdiagnose 7
2.2.1 Typologisierung nach Streitgegenständen 7
2.2.2 Typologisierung nach Erscheinungsformen 8
2.3 Phasenmodell der Eskalation 9
3. Filminterpretation 10
3.1 Stufe eins: Verhärtung 10
3.2.2 Stufe zwei: Verbale Gewalt 10
3.2.3 Stufe drei: Taten statt Worte 11
3.2.4 Stufe vier: Sorge um Image und Koalition 12
3.2.5 Stufe fünf: Gesichtsverlust 13
3.2.6 Stufe sechs: Drohstrategien 14
3.2.7 Stufe sieben: Begrenzte Vernichtungsschläge 15
3.2.8 Stufe acht: Zersplitterung 16
3.2.9 Stufe neun: Gemeinsam in den Abgrund 17
4. Schluss 17
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Sprache und Gespräche sind allgegenwärtig. Jeder von uns befindet sich mehrmals täglich in Kommunikationsprozessen, sei es in der Straßenbahn, im Büro oder zuhause mit dem Partner. Beginnend bei den strahlenden Mutteraugen lernt der Mensch mit dem ersten Wort „Mama“, dass Sprache etwas sehr wichtiges ist, etwas, das Emotionen hervorruft. Durch empirisch belegte Sprachentwicklung verfolgt die medizinische Fachkraft den sprachlichen Werdegang des Zöglings und stellt Mängel oder Förderungsbedarf fest. So sollten alle Buchstaben bis zum Schuleintritt richtig ausgesprochen und leichte Sätze formuliert werden können. Doch reicht dies allein schon aus?
Der Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun hat sich mit der Vielseitigkeit der menschlichen Kommunikation tiefgehend auseinander gesetzt. Das Kommunikationsquadrat ist das bekannteste und inzwischen auch am weitesten verbreitete Modell von ihm. Bekannt geworden ist dieses Modell auch als „Vier-Ohren-Modell“, welches die vier Ebenen der menschlichen Kommunikation beschreibt. Es ist also nicht nur wichtig, was wir sagen, sondern auch wie wir etwas sagen und der Empfänger unsere Mitteilungen versteht und interpretiert. Bei all den komplexen Theorien und Interpretationsmöglichkeiten des Gegenübers stellte sich mir schon immer die Frage: Wo lernt man, „richtig“ zu kommunizieren? Wie kann man Gespräche tatsächlich bewusst steuern?
So ging ich mit sehr großen Erwartungen in das Seminar „Pädagogische Gesprächsführung“ und wollte den Umgang mit der Komplexität der Sprache erlernen. Das bereits erwähnte Kommunikationsmodell von Schulz von Thun, sowie Paul Watzlawicks Kommunikationsthe-orie waren mir bereits aus der Fachoberschule bekannt. Ich war sehr neugierig, welche Wissenschaftler wir in dem Seminar behandeln würden und inwieweit deren Verständnis von Gesprächsführung mit meinem übereinstimmen werde. Insbesondere interessierten mich auch die von Fr. Sailer in der Kursausschreibung angekündigten „ethischen Prämissen (Menschen- bild,Werte, Möglichkeiten und Grenzen in der Anwendung des Modells im pädagogischen Bezugsrahmen)“ (digicampus, Seminar Pädagogische Gesprächsführung, WS 2010/2011).
Trotz der anfänglichen Furcht, dass die Konzentration und die Luft aufgrund der kleinen Größe des Seminarraumes schlecht seien könnten, fanden die Seminarteilnehmer schnell zusammen, und es entstand eine äußerst angenehme Atmosphäre. Da wir fast durchgehend im Stuhlkreis saßen, war der Blickkontakt stets gewahrt. Des Weiteren herrschte untereinander großer, gegenseitig erbrachter, Respekt. Inhaltlich besprachen wir Carl Ransom Rogers
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klientzentrierte Gesprächsführung, Eric Bernes Transaktionsanalyse, Marshall B. Rosenbergs Modell der gewaltfreien Kommunikation und Virgina Satirs Kommunikationsmodell. Des Weiteren behandelten wir die systemische Beratung und Coachingmodelle, sowie Friedrich Glasls Eskalationsstufenmodell.
Inhaltlich faszinierte mich neben Glasls Eskalationsstufenmodell insbesondere die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Das Werkzeug der „Wolf- und Giraffenspra- che“und das Ausdrücken „reiner Gefühle“ beschäftigten mich auch noch Monate danach in meinem Alltag. Dabei fiel mir selbstkritischerweise auf, wie voreilig man selbst Bewertungen tätigt und falsche Interpretationen des Gegenübers vornimmt. Dies führt natürlich wiederum zu Missverständnissen und eventuelles Sammeln von „Rabattmarken“, welche die Kommuni- kationzunehmend erschweren.
Glasls Eskalationsstufenmodell überraschte mich sehr. Ich war erstaunt, dass man einen Konflikt in neun so detailliert beschriebene Stufen untergliedern kann. Auch fand ich den Aufbau des Modells ungewöhnlich, da mir eine „Abwärts-Bewegung“ völlig neu war und ich eher ein gängiges Stufenmodell erwartet hatte. Die Dynamik eines Konfliktes, die Ausuferung der Handlungen und insbesondere Stufe fünf und neun erschreckten mich zutiefst. Man „kann … aus neurowissenschaftlicher Sicht feststellen, dass das Großhirn von Stufe 1 bis 9 zunehmend abgeschaltet wird und das Zwischenhirn die Verhaltenssteuerung übernimmt“ (Keller 2010, S. 20). Was müsste bei mir geschehen, um jemandem die Existenz abzusprechen? Das Referatsthema verleitete mich zu einem Moment der Selbstkonfrontation.
Die unterschiedlichen Wege, „richtig“ und professionell Gespräche zu führen und die selbstreflexive Auseinandersetzung mit den Themen haben das Seminar zu einem der inhaltlich wertvollsten meines bisherigen Studiums gemacht. Durch den bereits angesprochenen Praxisbezug waren die Themen allgegenwärtig und durch politische derzeit geschehene Umstände auch topaktuell. Die durchgängige hohe Anwesenheit der Kommilitonen, auch gegen Ende und in der Prüfungszeit des Semesters, war ein Indikator für die allgemeine Zufriedenheit mit Themen und Dozentin.
Doch auch die facettenreichen Referate seitens der Kommilitonen trugen einen großen Teil zur Abwechslung des Seminars und meiner allgemeinen Zufriedenheit bei. Wie in der ersten Sitzung besprochen, war stets der Praxisbezug ein wichtiger, zu realisierender Faktor. Dies wurde auch sehr gut umgesetzt. So durften wir zum Beispiel im Kontext der Familienberatung selbst Familienskulpturen bauen, aufmerksam dem Gegenüber einer Geschichte seiner Wahl
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zuhören und ihm „Wunderfragen“ stellen, einen Fragebogen ausfüllen, ob wir uns häufig in die Opfer-, Verfolger- oder Retterrolle begeben u.v.m. Durch den direkten Zugang und die lebensnahen Inhalte des Seminars wurde mir auch bewusst, wie vorsichtig ein Berater agieren muss. Insbesondere bei der Familientherapie und den Skulpturen kann es leicht zu sehr emotionalem Erleben führen und erschütternde Kindheitserinnerungen bzw. negative Erlebnisse wieder aufgewühlt werden. Selbst ein professioneller Berater, kann dies manchmal nicht auffangen. Es bedarf unbedingt eines Therapeuten, der im Sinne seiner Ausbildung handelt und das Erlebte mit dem Klienten aufarbeitet.
Auch mein Kommilitone Alexander Schwalm und ich hielten im Rahmen des Seminars ein dreistündiges Referat. Dabei behandelten wir die neun Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl, veranschaulicht anhand von Filmausschnitten. Auf diese und Glasls Definition von Konflikt, sowie zwei Modelle der Konfliktdiagnose wird nun im weiteren Verlauf des Portfolios näher eingegangen. Dabei stellt Glasl Buch Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte und Berater durchgängig meine Hauptliteratur dar. Des Weiteren werden die vorgestellten neun Eskalationsstufen, wie auch im Referat, beispielhaft mit Ausschnitten des Films Der Rosenkrieg (1989) von Danny DeVito illustriert. Zum Schluss erfolgt eine Zusammenfassung, verbunden mit einer weiterführenden Reflexion.
2. Konfliktmanagement nach F. Glasl
Friedrich Glasl wurde 1941 in Wien geboren und gilt als „Hauptvertreter der Konfliktfor- schungim deutschsprachigen Raum“ (Schreyögg 2008, S. 19). Sein Buch Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte und Berater, wurde in vielfachen Auflagen veröffentlicht und gilt als Grundlagenliteratur im Bereich des Konfliktmanagements.
Das Werk besitzt zwei direkt formulierte Ziele: „Zum ersten will es Hilfen zum Erkennen und Verstehen von Konflikten bieten, zum zweiten soll es bei der konstruktiven Bewältigung sozialer Konflikte theoretische und praktische Anregungen bieten“ (Glasl 1994, S. 11). Doch was genau versteht Glasl unter einem „sozialen Konflikt“? Und wie wurde der Begriff ge- prägtbzw. wie verwendet man ihn heute?
2.1 Sozialer Konflikt
Das Wort Konflikt besitzt lateinischen Ursprung und bedeutet wortwörtlich übersetzt Zusammenstoß. Durch das vorangestellte Wort sozial setzen wir den Zusammenstoß in Zusammenhang mit Interaktion und aktuellem Zeitgeschehen (vgl. Keller 2010, S. 12). Die heutigen
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Probleme wie „… die weltweiten ökologischen Missstände, … weltwirtschaftliche Fragen, … ungleiche Verteilung des Wohlstandes ...“ (Glasl 1994, S. 11) bringen neue Anforderungen für die Menschheit, wie es für die Elterngeneration noch nicht der Fall gewesen war. Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem sich unsere Kognitionen einer Revolution unterwerfen müssen. Wir müssen uns bewusst werden, dass sich das makrosoziale Umfeld in tiefergreifenden Umwälzungen befindet. Ebenso muss ein neues Verständnis für die Wechselwirkungen von volkswirtschaftlichem und wirtschaftlichem Umfeld und dem Innenleben der Organisation geschaffen werden. Spannungen werden übertragen und können sogar ausgehend von einzelnen Individuen zu einer Regierungskrise führen (vgl. ebd., S. 12). Bei aller Schärfe unseres Zeitalters betont Glasl aber auch, dass Medien den Konfliktbegriff missbrauchen. „Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen stürzen sich auf ‚attraktive Sensationen‘ und bezeichnen schon oft jede kleine Meinungsdifferenz oder Auseinandersetzung als Konflikt oder schwere Krise“ (ebd.).
Ausgehend von dieser Kritik und bereits vorangegangenen Definitionsversuchen beispielsweise von D. Berlew oder L. Brown, differenziert Glasl den Begriff Konflikt für sich sehr genau:
„Sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisati-
onen usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Den-
ken/Vorstellen/Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor
(anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen
anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge (ebd., S. 14).“
Konflikte beinhalten nicht immer Gewalt, sondern sind lediglich interaktiv, wobei auch nur ein Aktor die Unvereinbarkeit im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen erleiden kann und dem- entsprechendagiert. Dem hinzuzufügen ist, dass diese Unvereinbarkeit ein „Realisierungs- handeln(z.B. Kommunikation)“ benötigt (ebd., S. 15). So spricht Glasl noch nicht von einem Konflikt, wenn die Antinomie lediglich im Fühlen zu finden sei, wie zum Beispiel bei ver- schiedenemMusikgeschmack. „Erst wenn auf Grund dieser Vorliebe der Kampf um den ge- meinsamenPlattenspieler beginnt, kann dies zum Konflikt werden: Dann ist das Erleben der Beeinträchtigung in der Realisierung da“ (ebd., S. 16).
Des Weiteren fühlen sich die Parteien gegenseitig in ihrem Realisieren von Plänen durch Behinderung, Abwehr oder Widerstand eingeschränkt, ganz gleich ob bewusst oder unbewusst, willentlich oder unabsichtlich. Doch auch wenn nur eine Partei dies subjektiv so erlebt, zieht dies konfliktreiche Interaktionen nach sich. Als Beispiel hierfür verwendet Glasl einen versehentlichen Zusammenstoß mit dem Ellbogen. Solange diese Aktion nicht mit entsprechend
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Arbeit zitieren:
Jasmin Nicole Schmid, 2011, Der Rosenkrieg - Darstellung des Konfliktmanagement und Filmanalyse in Auszügen anhand der Konflikteskalationsstufen nach Friedrich Glasl, München, GRIN Verlag GmbH
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