1. Einleitung
„Slavery is the reverse of liberty.“ 1 - George Ramsay
Die Sklaverei besteht seit unzähligen Zeiten in verschiedensten Formen. Sie hat sich morphologisch geändert, doch ist die Unterdrückung von Menschen bis zur heutigen Zeit in vielen Formen, so auch als Sklaverei durch vertragliche Bindung, erhalten geblieben. 2 Im 18. und 19. Jahrhundert aber wurden in Großbritannien Siege gegen den Sklavenhandel und die Sklaverei durch die abolitionistische Bewegung errungen. Der Zweck dieser Hausarbeit liegt darin zu untersuchen, welchen Beitrag die Frauen zu dieser Abolition geleistet haben. Dieser Aspekt ist besonders interessant zu beleuchten, da die Frauen damals eine niedrigere Stellung in der Gesellschaft als Männer und somit historisch wenig bekannte Rollen einnahmen. 3 Somit gilt für mich zu erforschen, welchen geschichtlichen Beitrag eine von ihnen geleistet hat. Dies werde ich anhand von Hannah More und ihrem Werk The Sorrows of Yamba; or, The Negro Woman's Lamentation 4 darlegen.
Dabei werde ich zuerst auf die abolitionistische Bewegung in England zu dieser Zeit eingehen, sowie auf deren Mitglieder. Ein besonderes Augenmerk werde ich dabei auf die Person Hannah More haben. Daraufhin setze ich mich in dieser Hausarbeit mit dem zu untersuchenden Text und dem dazugehörigen Zeitgeschehen am Ende des 18. Jahrhunderts auseinander. Im Folgenden werde ich schließlich reflektierend auf meine Fragestellung bezüglich des Beitrags der Frauen zur Abolition, besonders der Bedeutung des gewählten Textes von Hannah More, eingehen. Mit diesen Betrachtungen werde ich diese Arbeit abschließen.
1 Ramsay, George: Political discourses, Edinburgh 1838, S. 29.
2 Vgl. Heinz, Wolfgang S.: Von der Sklaverei zum Menschenhandel, in: Elisabeth Hermannn-Otto (Hrsg.): Unfreie Arbeits- und Lebensverhältnisse von der Antike bis in die Gegenwart, Hildesheim/ Zürich/ New York 2005, S. 298-316, S. 301
3 Vgl. Scheuermann, Mona: In praise of property. Hannah More counters Thomas Paine and the Radical Threat, Lexington 2002, S. 209.
4 More, Hannah: The Sorrows of Yamba; or, The Negro Woman's Lamentation, London 1797 wird folgend meist mit The Sorrows of Yamba abgekürzt genannt werden.
2
2. Abolition im 18. Jahrhundert in England
2.1. Definition
Der Abolitionismus stellt sich als Kampf der britischen Bürger gegen den vorherrschenden Sklavenhandel und die Sklaverei dar. 5 Dabei formt sich die abolitionistische Bewegung aus kritisch Denkenden, die die Missstände bezüglich Gewalt und eines hierarchischen Systems in der Gesellschaft aufzeigen und beseitigen wollten. Dieses System wurde über Jahrhunderte für selbstverständlich und dienlich erachtet. 6 Diese Kritiker sind namentlich die Abolitionisten. 7 Doch es ist nicht so, dass sie eine geschlossene groß auftretende Gruppe zu den Anfängen der abolitionistischen Bewegung darstellten. Ganz im Gegenteil waren es zuerst einzelne Personen, darunter aktivistische Religiöse, die auf die Disharmonie aufmerksam machen wollten. Im Folgenden entstand eine „gesamtbritische Massenbewegung“ 8 , darunter führende Geschäftsleute, der es gelang die Zwänge der Sklaverei zu zerschlagen. Im Jahre 1834 kam es zur endgültigen Zerschlagung der Sklaverei in Großbritannien. 9 Somit ist die Definition zum britischen Abolitionismus dargelegt. Ich gehe nun auf den Verlauf der britischen Abolition ein, um Weiteres über die Bewegung zu erfahren.
2.2. Verlauf
Es war der humanitäre Granville Sharp, der die abolitionistische Bewegung in Gang setzte. Nach dem erfolgreichen Sklavenaufstand in St. Domingue, dem heutigen Haiti, welches eine Kolonie Frankreichs war, wurde sich Sharp der Missstände der Sklaven bewusst. Von da an, ab den 1760ern, stand er für die Belange der Sklaven ein und versuchte die Sklaverei abzuschaffen. 10
Zum Abolitionismus hinzu kam auch der Londoner Bischof Porteus. Dieser setzte sich verstärkt für die Abschaffung des Sklavenhandels ein. 11 Auch die Quäker taten sich in der Rolle der Abolitionisten hervor. 12 Auf diese Weise konnten sie verstärkt ihrer
5 Vgl. Osterhammel, Jürgen: Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München ³2009, S. 775.
6 Vgl. ebd., S. 775.
7 Vgl. ebd., S. 1191.
8 Vgl. ebd., S. 775.
9 Vgl. ebd., S. 775.
10 Vgl. Midgley, Clare: Woman against slavery. The British campaigns 1780 - 1870, London 1992, S.
11.
11 Vgl. Oldfield, John R.: Popular politics and British anti-slavery. The Mobilisation of Public Opinion against the Slave Trade, 1787-1807, Manchester ²1998, S. 129.
12 Vgl. ebd., S. 128.
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Missionstätigkeit nachgehen. 13 Ebenfalls abolitionistisch tätig waren die anglikanischen Evangelikalen. Sie hatten, wie auch die Quäker, großen Anteil an der nationalen Kampagne gegen den Sklavenhandel. 14
So wurde 1787 das „Committee for the Abolition of the Slave Trade“ 15 gegründet. Dieses wurde auch „Society for the Abolition of the Slave Trade“ 16 und „London Committee“ 17 genannt. Es hatte zum Anliegen, dass der britische Sklavenhandel vollends abgeschafft wird. 18
Einen Aufschwung erfuhr die Bewegung durch die Veröffentlichung der Lebensgeschichte des Olaudah Equiano im Jahre 1789, welche für großes Aufsehen aufgrund seiner Authentizität sorgte. 19 Dieser war ein ehemaliger Sklave und ging den verschiedensten Berufen nach, wobei er nahezu die ganze Welt bereiste. 20 Allmählich ließ sich demnach eine Formierung und Gruppenbildung unter den Abolitionisten erkennen.
Durch die Aktivisten des Abolitionismus wurde die Bevölkerung auf die Missstände der Sklaven aufmerksam gemacht. Sie schrieben viele Bücher sowie Kommentare in Zeitungen und versuchten auf diese Weise das britische Volk zu erreichen. Dazu gehören Thomas Clarkson's Summary View of the Slave Trade, der Account of the Slave Trade on the Coast of Africa von Alexander Falconbridge, Thoughts upon the African Slave Trade von John Newton, sowie Dean of Middleham's Letter to the Treasurer of the Society instituted for the Purpose of effecting the Abolition of the Slave Trade und James Ramsay's Objections to the Abolition of the Slave Trade, with Answers. Diese Werke stammen alle aus dem Jahre 1788. 21
Jedoch dauerte der Vorgang bis zur formalen Befreiung vom Sklavenhandel und der Sklaverei sehr lange an. Über viele Jahrzehnte im 18. Jahrhundert fruchteten die Bestrebungen der Abolitionisten nicht. Letztlich wurde es aber geschafft den britischen Sklavenhandel und dann auch die britische Sklaverei zu beseitigen. Diesen Triumph der Abolitionisten werde ich folgend erläutern.
13 Vgl. Midgley: Woman against slavery, S. 54.
14 Vgl. Brown, Christopher Leslie: Moral Capital: foundations of British abolitionism, Chapel Hill 2006, S. 19.
15 Oldfield: British anti-slavery, S. 1.
16 Osterhammel, Jürgen: Sklaverei und die Zivilisation des Westens, München 2000, S. 59.
17 Oldfield: British anti-slavery, S. 1.
18 Vgl. ebd., S. 1.
19 Vgl. Brown: Moral Capital, S. 296.
20 Vgl. Oldfield: British anti-slavery, S. 125.
21 Vgl. ebd., S. 44.
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2.3. Durchsetzung der Abolition
Durch das gemeinschaftliche Ringen um Befreiung vom Sklavenhandel im 18. und 19. Jahrhundert gelang es der Bevölkerung in Britannien, dass der African Slave Trade abgeschafft wurde. Dies wurde gefördert durch die Veröffentlichung des Letter to the Inhabitents of Yorkshire von William Wilberforce. In diesem macht er kenntlich, dass die bestehenden Sklaven sich Mut fassen und ihr eigenes Schicksal formen sollten. 22 Ein erster Versuch wurde im Mai 1788 angefangen mit der Abolition Bill. 23 Im Jahr 1807 gab das Parlament das Verbot zum Sklavenhandel auf britischen Schiffen frei. Im Jahre 1833 kam es dann zum Slavery Abolition Act., welcher den britischen Sklaven Freiheit garantierte. 24 Es folgte erst 1834 die endgültige Durchsetzung der Abschaffung von Sklaverei im Britischen Reich. 25
Britannien war im Zuge der Befreiung von Sklaverei und Sklavenhandel nicht allein. Zur gleichen Zeit wurde die Abolition in Frankreich und anderen europäischen Ländern betrieben. In Frankreich bildete sich schon 1788 die Société des Amis des Noirs. Dies war die erste organisierte Bürgerbewegung Frankreichs, welche sich für die Rechte von Schwarzen und Sklaven erhob. 26 Durch die Französische Revolution, die Haitianische Revolution und die Erklärung der Menschenrechte wurde 1794 bestimmt, dass die Sklaven in Frankreich und den französischen Kolonien zu befreien seien. 27 Jedoch war dies nicht umgesetzt worden und die Sklaverei nahm durch Napoleon die Form von Zwangsarbeit an. 28 Zu dieser Zeit war Haitis Gouverneur Toussaint L'Ouverture. Dieser hatte Bestrebungen gegen Sklaverei und für freie Arbeiterschaft auf Saint Domingue. Er wurde jedoch von Napoleon gefangen genommen, da er diesem im Weg stand. Napoleon war nämlich mit den Sklavenhaltern in Bunde. 29 Ein Jahr vor der
22 Vgl. Matthews, Gelien: Caribbean slave revolts and the British abolitionist movement, Baton Rouge 2006, S. 56.
23 Vgl. Ferguson, Moira: Subject to others. British woman writers and colonial slavery, 1670-1834, New York 1992, S. 8.
24 Vgl. Richardson, Angelique: The difference between human beings'. Biology in the Victorian Novel, in: O'Gorman, Francis (Hrsg.): A concise companion to the Victorian novel, Malden/ Oxford 2005, S. 202-231, S. 216.
25 Vgl. Osterhammel: Verwandlung, S. 775.
26 Vgl. Dorigny, Marcel: Mirabeu and the Société des Amis des Noirs. Which Way to Abolish Slavery?, in: Dorigny, Marcel: The Abolitions of Slavery. From L. F. Sonthonax to Victor Schoelcher, 1793, 1794, 1848, New York/ Oxford 2003, S. 121-132, S. 121.
27 Vgl. Gauthier, Florence: The Role of the Saint-Domingue Deputation in the Abolition of Slavery, In: Dorigny, Marcel: The Abolitions of Slavery. From L. F. Sonthonax to Victor Schoelcher, 1793, 1794, 1848, New York/ Oxford 2003, S. 167-179, S. 170.
28 Vgl. Matthewson, Tim: Dessalines, Jean-Jaques (1758-1806), in: Hinks, Peter/ McKivigan, John/ R. Owen Williams (Hrsgg.): Encyclopedia of antislavery and abolition, Westport 2007, S. 215-217, S. 215.
29 Vgl. ebd., S. 215.
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Arbeit zitieren:
Lisa Blech, 2011, Der Beitrag einer Frau zur Abolition in England im 18. und 19. Jh. anhand von Hannah More's "The Sorrows of Yamba; or, The Negro Woman's Lamentation", München, GRIN Verlag GmbH
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