Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Die Theorie des Neorealismus 2
1.2 Die Außenpolitik der Bush-Administration und der 3
„offensive Realismus“
2. Der Fall Irak 7
2.1 Der Sicherheitsaspekt: Irak im Fokus 7
2.2 Geostrategisches, ökonomisches und militärisches 9
Interesse am Irak
Zusammenfassung 12
Literatur 14
1
Einleitung
In dieser Arbeit soll die Motivation der amerikanischen Administration für den Golfkrieg aus Sicht der politischen Theorie des Neorealismus erklärt werden. Entscheidend für die Legitimation eines Einmarsches im Irak galt der Bush-Administration die angebliche Verstrickung des irakischen Regimes in den internationalen Terrorismus, und somit die ernste Bedrohung für die weltweite Sicherheit. Wie wir heute wissen lag diese weltweite Bedrohung durch den Irak nicht vor, der Schutz der Sicherheit als Legitimation für einen Krieg ist hingegen ein wichtiger Teil der neorealistischen politischen Theorie. Im ersten Teil der Arbeit wird daher zunächst die politische Theorie des Neorealismus mit seinen unterschiedlichen Sichtweisen dargestellt, die versuchen politisches Handeln von Staaten hinsichtlich ihrer Motivation zu erklären. Nach einer kurzen Chronologie des Golfkriegs folgt im Hauptteil der Arbeit die Anwendung der politischen Theorie auf dessen Ereignisse. In der Zusammenfassung sollen die Auswirkung des Glaubens an die Theorie auf die Handlungsweise der amerikanischen Administration kritisch betrachtet und anhand von alternativen Theorien und Handlungsweisen hinterfragt werden.
1. Die Theorie des Neorealismus
Die Theorie geht zurück auf den Politologen Kenneth Waltz, der 1959 die Ursachen für Krieg und Möglichkeiten für den Frieden näher betrachtete. Die Theorie untersucht die drei Analyseebenen des 1. Zusammenhangs zwischen menschlichem Verhalten und internationalen Konflikten, 2. dem Einfluss der Gesellschaftsordnung auf zwischenstaatliche Konflikte und 3. dem Zusammenhang zwischen „internationaler Anarchie“ und internationalen Konflikten. Als „internationale Anarchie“ bezeichnete Waltz das Fehlen eines zuverlässigen Prozesses zur Regulierung von Konflikten. Die Theorie ist stark beeinflusst von der Systemtheorie. So beeinflusst die Struktur des Systems auch die Handlungen seiner Akteure und politische Strukturen sind nach Waltz gekennzeichnet durch: 1.Ordnungsprinzipien, 2. Eigenschaften der Akteure, 3. Stärkeverhältnisse der Akteure untereinander. Die Ordnungsprinzipien der Systeme werden unterschieden in: 1. Das einzelstaatliche System welches zentralistisch und hierarchisch geordnet ist 2. Das internationale System, welches dezentral und „anarchisch“, also ohne „überge-ordnete Regelinstanz“ existiert.
Die im internationalen System vorhandene anarchische Struktur birgt nach Waltz letztendlich das Risiko für gewaltsame Konflikte. Durch die Dezentralität befinden sich die Einzelstaaten in einem ständigen politischen und ökonomischen Wettbewerb, nach Krell ein sozialdarwinis-
2
tischer Ansatz innerhalb der Theorie. 1 Innerhalb dieses Wettbewerbs herrscht ein Kampf um die Erhaltung nationaler Sicherheit und Macht, wobei nach Krell insbesondere die Frage der Sicherheit „weiter politologisch aufgelöst“ werden muss, da sie nicht „unabhängig von Wahrnehmungen, Interpretationen und Interessen ist“, die ideologiekritisch hinterfragt werden müssen. 2 Innerhalb des Neorealismus gibt es zwei Ausprägungen. Zum einen der „defensive Realismus“, dessen wichtigster Vertreter Grieco seine Position auch als „Positionalismus“ bezeichnete, da er der Meinung war die Motivation von Staaten läge darin ihre eigene Position nicht zu verschlechtern. 3 Der „offensive Realismus“, vertreten durch John Mearsheimer geht hingegen davon aus, dass Großmächte sich in einer „prinzipiell unsicheren Umwelt“ befinden und daher dazu verdammt sind ihr Machtpotenzial zu maximieren. 4 1.2 Die Außenpolitik der Bush-Administration und der „offensive Realismus“ Es ist offensichtlich, dass das Paradoxon zwischen der Schaffung von Sicherheit, vor allem für die amerikanische Zivilbevölkerung im In- und Ausland einerseits und dem Hegemoniebestreben Amerikas mit scheinbar wahllos wechselnden Verbündeten im Nahen Osten nicht gelöst werden kann. Warum die amerikanische Administration dieses Paradoxon, sowie die Entstehung des islamistischen Terrors ignoriert und stattdessen den Weg der militärischen Intervention verfolgt, soll ebenfalls eine Fragestellung in dieser Arbeit sein. Aus Sicht des offensiven Realismus führt ein fundamentales Ungleichgewicht hinsichtlich der Machtressourcen zur Verringerung bewaffneter Konflikte. Gelingt es also einem Staat mehr Macht in sich zu vereinen als einem anderen, werden sich dem Stärkeren andere Staaten anschließen. Ein so entstehendes ‚unipolares System’ wird in der politischen Theorie als stabiler eingeschätzt als ‚multipolare Systeme’. Colin Gray fasste den Sachverhalt wie folgt: „Nach Überzeugung der offensiven Realisten reagieren Staaten auf die internationale Anarchie […] als Machtmaximierer. Sie streben nach Überlegenheit, […] da nur Überlegenheit Sicherheit verspricht.“ 5 In der politischen Forschung besteht weitestgehend Einigkeit darüber, dass die Vereinigten Staaten über alle Merkmale eines Hegemons verfügen und es wurde darauf hingewiesen, dass ein Hegemon keineswegs eine ‚status quo-Macht’ ist, sondern eine, die die Machtbestrebungen anderer Staaten bereits in ihrer Entstehung gezwungen ist zu unterbinden
1 Krell, Gert, Weltbilder und Weltordnung, Studienkurs Politikwissenschaft, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-
Baden, 2003, S. 156
2 Ebd., S. 161
3 Ebd., S. 158
4 Ebd., S. 163
5 Hasenclever, Andreas, Analytisches Raster: Hypothesen aus verschiedenen Denkschulen zum Phänomen der
militärischen Intervention, Tübingen, 1999, in: Wagner, Jürgen, Das ewige Imperium: Die US-Außenpolitik als
Krisenfaktor, VSA-Verlag, Hamburg, 2002, S.14
3
und gleichzeitig ihre ökonomischen Wachstumsraten zu erhöhen. 6 Nach Hans Binnendijk, Leiter der National Defense University, die dem Pentagon nahe steht, lässt sich das internationale System in fünf Akteursgruppen einteilen: 1. die Marktwirtschaften, in erster Linie die USA, Japan und die EU 2. die potentiellen Großmächte Russland und China
3. die sog. Schurkenstaaten Iran, Irak oder Nordkorea, deren Ziel es ist den amerikanischen Einfluss zu schwächen
4. sog. gescheiterte Staaten wie Afghanistan oder andere durch interne Krisen oder Kriege destabilisierte Staaten, die Ausgangspunkt von Destabilisierungen ganzer Regionen werden könnten 5. nicht-staatliche Gruppen wie Al-Quaida
Ein eindeutig zu erkennender Trend hinsichtlich der Merkmale des internationalen Systems ist eine Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung. Die Gewinner, demokratische Marktwirtschaften, stehen dabei den ökonomisch ausgegrenzten Verlierern der Globalisierung gegenüber, deren Möglichkeiten zur Herstellung und zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen für die USA eine massive Bedrohung darstellt. Sehr treffend charakterisierten die konservativen Herausgeber des Weekly Standard, Robert Kagan und William Kristol das Selbstverständnis der USA:
„Das heutige Weltsystem besteht nicht mehr auf einem Mächtegleichgewicht, sondern auf der amerikanischen Hegemonie. Die internationalen Finanzinstitute wurden von Amerikanern geschaffen und dienen amerikanischen Interessen. Die internationalen Sicherheitsstrukturen sind hauptsächlich Zusammenstellungen von amerikanisch geführten Bündnissen. Und da die heutigen, relativ segensreichen internationalen Verhältnisse, das Ergebnis unseres hegemonialen Einflusses sind, so würde jede Verringerung dieses Einflusses es anderen ermöglichen, sich ihrerseits eine größere Rolle bei der Gestaltung der Welt zu verschaffen, um auf diese Weise ihren eigenen Interessen zu dienen.“ 7
Während der Amtsperiode Clintons hatte die Schwächung Moskaus nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes Priorität. So wurde die eigene Militärallianz auf Kosten
6 Wagner, Jürgen (A), Das ewige Imperium, VSA-Verlag, Hamburg, 2002, S.15
7 Zit. Nach Pfaff, William, Die Frage der Hegemonie, in: Europäische Rundschau 2001/2, S. 57
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Arbeit zitieren:
MA Guido Maiwald, 2004, Der Dritte Golfkrieg aus der Sicht des (Neo-) Realismus, München, GRIN Verlag GmbH
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