Inhalt
Vorwort 1
Abstract 2
Theorie 3
1. Unternehmenskultur 4
1.1. Definition und Entstehung von Unternehmenskultur 4
1.2. Auswirkungen in Organisationen 7
2. Die Gruppe 10
2.1. Definition und Unterscheidung von Gruppen 10
2.2. Die Bildung und der Zweck von Gruppen innerhalb und außerhalb einer Organisation 14
2.3. Die Phasen einer Gruppe 17
2.4. Voraussetzungen für den Erfolg des Gruppenprozesses 19
2.5. Leistungsfähigkeit von reifen und unreifen Gruppen 24
2.6. Über Sinn und Unsinn von Gruppen 29
2.7. Individuum - Gruppe - Organisation: Ein Widerspruch 32
3. Management und Kultur 34
3.1. Managementprozess 35
3.2. Führung und Management - Unterscheidung und Aufgaben 36
3.3. Führung und Führungsstile als Einflussfaktor auf die Kultur 37
3.4. Welchen Einfluss hat Führung auf die Gruppe und welcher Einfluss ist „der Beste“ 39
Praxis 44
1. ACME Möbelhaus 44
2. ACME Versicherung 49
Fazit 54
Literaturverzeichnis 56
Abbildungsverzeichnis 59
II
Vorwort
Die Herausforderungen im 3. Jahrtausend an moderne Organisationen nehmen an Komplexität stetig zu. Dies spiegelt sich auch in den zunehmenden Herausforderungen wieder, denen sich Unternehmen und das Management gegenüber stehen. Teams und Gruppen im Generellen scheinen sowohl Modeerscheinung wie auch Allheillösung zugleich zu sein und das, obwohl sie als Instrument zur Problemlösung erst seit kurzem, dafür jedoch umso stärker im Trend liegen. Dieser scheinbare Trend ist jedoch nicht von einer vermeintlichen kurzen Dauer sondern spiegelt eine Neuordnung von Strukturen wieder, die darauf abzielen, mithilfe von Teams diese komplexen Herausforderungen zu meistern. Eine Organisation, die sich im Wandel befindet muss jedoch auch ihre Kultur in Hinblick auf diese Problemlösung hinterfragen und gegebenenfalls adaptieren. Das hat auch zur Folge, dass sich die Manager mit dem Thema intensiver befassen müssen und Gruppen zu der Lösung führen müssen. Das Führen von Gruppen versteht sich aber als ein anderes Managementinstrument als das Führen von Individuen, was im Widerspruch zwischen Gruppe und Organisation gipfelt. Diese Gratwanderung als erneute Herausforderung gilt es genauso zu meistern wie das Führen der Gruppen hin zu einer optimalen Lösung. Diese Arbeit soll veranschaulichen, wie Gruppen erfolgreich geführt werden können und welchen Einfluss die Unternehmenskultur auf die Führung von Gruppen ausübt. Aus Platzgründen ist es jedoch nur möglich einen exemplarischen Überblick über die Materie zu geben, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, da ein so hoch komplexes Thema in einer Vielzahl an Büchern, Studien, Artikeln, Abhandlungen behandelt wird. Vielmehr sollen verschiedene Theorien aus der Psychologie, Betriebswirtschaftslehre, Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Philosophie verbunden werden, um einen interdisziplinären Denkanstoß zu geben und einen Einblick in das Thema zu vermitteln. Veranschaulicht werden soll die Theorie, welche im ersten Abschnitt behandelt wird, durch ein erfolgreiches und ein nicht erfolgreiches Praxisbeispiel, insbesondere welche Auswirkung der Einfluss von Unternehmenskultur, im speziellen die Ausprägung von Unternehmenskultur als Führung auf Gruppen, in den jeweiligen Organisationen hat.
In diesem Text wird der Einfachheit halber nur die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.
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Abstract
Die Bedeutung von Unternehmenskultur und dessen Einfluss auf Gruppen, im Besonderen auf deren Leistungsfähigkeit, ist Thema unzähliger wissenschaftlicher Arbeiten und wird seit geraumer Zeit ausführlich in diesen diskutiert. Diese Arbeit will zum einen durch eine Zusammenführung wissenschaftlicher Erkenntnisse die Fragestellung bearbeiten, welchen Einfluss Unternehmenskultur hat, wie Gruppen funktionieren und wie Management und Führung darauf eingehen sollen, wobei die damit verbunden Herausforderungen unter zu Hilfenahme von Fachliteratur bearbeitet werden. Zum anderen ist das Aufzeigen von Empfehlungen und Herausforderungen, die mit zwei Praxisbeispielen veranschaulicht werden, als konkrete Hilfestellung für die Organisationspraxis gedacht und sollen außerdem Denkanstöße liefern.
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Theorie
Die Theorie soll hier als Einführung in das Thema der Unternehmenskultur und der Gruppendynamik dienen. Dies dient vor allem dem Zweck, die beiden Fallbeispiele im zweiten Kapitel besser verständlich zu machen. Während sich der theoretische Teil im ersten Kapitel hauptsächlich um die Klärung von Definitionen und die entsprechenden theoretischen Auswirkungen des Themas „Einfluss von Unternehmenskultur, im Besonderen Führung, auf die Arbeitsfähigkeit von Gruppen“ bemüht, ist, wie so oft in der Wissenschaft die Praxis erst dann relevant und ausreichend verständlich, wenn man sie mit der entsprechenden Theorie verknüpfen kann.
Aufgrund der immer wichtiger werdenden, viel zitierten Interdisziplinarität weise ich darauf hin, dass auch oder gerade wegen dieser Themenstellung eine strikte Abgrenzung zwischen den Wissenschaften wie der Psychologie, Soziologie, Philosophie, Betriebswirtschaft und Kommunikationswissenschaft nicht immer möglich ist. Diese strikte Abgrenzung wird jedoch von mir auch nicht forciert. Im Gegenteil, es soll eine Sichtweise aus verschiedenen wissenschaftlichen Blickrichtungen unter Einbindung verschiedener Theorien und Konzepte dargelegt werden. Dies hat auch zur Folge, dass gerade weil verschiedene Wissenschaften eingebunden sind - und der Themenkomplex sich als sehr umfangreich gestaltet, schließlich gibt es ganze Doktorarbeiten die sich ausschließlich mit dem Thema Unternehmenskultur beschäftigen- ich aus Platzgründen nur wenige, dafür jedoch prägnante Beispiele in meine Arbeit einbringen werde.
Ich möchte daher auch die Gelegenheit nutzen darauf zu verweisen, dass ich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit bei dieser Thematik habe, sondern genau jene Einführung schreiben möchte, die den Leser/die Leserin dazu anregt, sich weiter mit dieser Thematik zu beschäftigen. Gerade beim Thema Gruppe und Leistungsfähigkeit in Kombination mit Führung und Kultur haben viele Faktoren Einfluss. Dies ist mir durchaus bewusst und ich möchte betonen, dass es bei dieser Einflussnahme auf Menschen im betrieblichen Soziotop keine Laborbedingungen gibt und es daher auch sehr selten möglich ist eine Situation zu schaffen, die monokausale Einflüsse misst, auswertet und eine eindeutige Kausalität zwischen z.B. dem Verhalten der Führungskraft und den Auswirkungen auf das Team besteht. Es lässt sich jedoch feststellen, welche Faktoren der Unternehmenskultur hinderlich für die Gruppe oder auch förderlich sein können. Hierzu dient der Theorieteil als Erklärungsmodell.
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1. Unternehmenskultur
1.1. Definition und Entstehung von Unternehmenskultur
Organisationskultur, auch als Synonym Unternehmenskultur, wird als „ein Muster gemeinsamer Grundprämissen, das die Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme externer Anpassung und interner Integration erlernt hat, dass sich bewährt hat und somit als bindend gilt; und das daher an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz für den Umgang mit Problemen weitergegeben wird“ (Schein, Unternehmenskultur: Ein Handbuch für Führungskräfte, 1995, S. 25) verstanden. Kultur ist somit eine Gruppeneigenschaft. (Schein, 2010). Gruppen (siehe Definition in Kapitel 2.1 Definition und Unterscheidung von Gruppen) gibt es nun nicht nur in der Arbeit sondern sind auch in Familien, in der Freizeit und anderen Funktionen. All diese Gruppen entwickeln somit auch eine Kultur. (Schein, 2010) Wichtig ist in diesem Hinblick auch, dass es sich um eine Gruppe handelt und dass diese Gruppe auch eine gemeinsame Geschichte hat. Diese Geschichte beinhaltet gemeinsame Erlebnisse und gemeinsame Erfahrungen. (Schein, 2010) Kultur ist jedoch mehr als „nur“ die gemeinsame Erfahrung. Kultur gibt es auch auf regionaler und internationaler Ebene aufgrund „gemeinsamer Sprache, Ethnie, Religion“ (Schein, 2010, S. 29).
Nach der Definition von Schein (1995) ist die Unternehmenskultur vor allem eine Art Kodex der für alle Mitglieder dieses Soziotops bindend ist und für neue Mitglieder als „so tickt die Firma“ oder „so arbeiten wir eben“ erlebt wird. Diese Vorstellung ist jedoch zu einfach. Die weitläufige Definition lässt einen weiträumigeren Schluss zu, was alles unter Unternehmenskultur verstanden werden würde wie etwa Verhaltensweisen, formelle wie informelle, oder es beeinflusst auch die strategische Ausrichtung des Unternehmens. In der Tat ist Unternehmenskultur viel mehr als das bloße Klima eines Unternehmens, denn auch Rituale im Unternehmen, Grundwerte, Belohnungssysteme und auch das erwähnte Klima sind Manifestationen der Kultur. (Schein, 2010)
Da wir jedoch nicht nur Mitglied einer einzigen Gruppe sind, tragen wir folglich auch mehrere Kulturen der einzelnen Gruppen mit uns herum um uns, je nach Situation und Zugehörigkeit, spezifisch zu dieser Gruppe verhalten zu können und die entsprechenden Normen, Verhaltensmuster, Riten etc. implizit abzurufen. (Schein, 2010)
Allerdings sind nicht alle Kulturen gleich prägend und so spielt vor allem die Kultur des Unternehmens, in denen wir viele Jahre verbringen, eine entscheidende Rolle, da wir zahlreiche kulturelle Aspekte übernehmen und in anderen Kontext einbringen. (Schein, 2010)
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Da Unternehmenskultur so wie wir sie nun verstehen etwas Allumfassendes ist, was sich gerade im Unternehmen in allen Bereichen bemerkbar macht (Schein, 2010), ist eine genauere Betrachtungsweise für das weitere Verständnis hilfreich wie auch nötig. Schein (2010) unterscheidet zwischen drei Ebenen der Unternehmenskultur, um zu verdeutlichen, „dass Kultur aus mehreren Ebenen besteht und es gerade die tieferen Ebenen (s. Abb. 1.: Die drei Ebenen der Unternehmenskultur) sind, die man aufdecken und steuern muss.“ (Schein, 2010, S. 31)
Die erste Ebene, die Ebene der Artefakte, spiegelt jene Ebene wieder, die man sehen, hören und spüren kann. Die Kultur ist somit sehr klar und sie hat unmittelbare, auch emotionale Auswirkungen. Jedoch lässt diese Ebene keinen Rückschluss auf das Warum zu. Es ist lediglich die Fassade wie z.B. einen speziellen Stil, den das Unternehmen pflegt oder die Bürostruktur oder Verhaltensregeln bzw. Umgangsformen. Wieso so gehandelt wird oder speziell diese Regeln gelten, bleibt meist im Unklaren. (Schein, 2010)
Die zweite Ebene, die Ebene der öffentlich propagierten Werte gibt die nach außen vertretenen Werte wieder. Hier werden Ziele wie z.B. Kundenorientiertheit oder auch strategische Ziele nach außen und innen kommuniziert und vertreten. Wichtig hierbei ist, dass sich auf dieser Ebene die Firmenphilosophie findet. Diese Philosophien beschreiben die Identität eines Unternehmens. Jedoch lässt auch diese Ebene keinen Schluss zu, warum so gehandelt wird und wieso eine bestimmte Vision des Unternehmens propagiert wird. (Schein, 2010) Auf der dritten und letzten Ebene, der Ebene der grundlegenden unausgesprochenen Annahmen, wird das Unternehmen historisch betrachtet, da die Unternehmenskultur mit den Gründern und/oder einflussreichen Managern gewachsen ist und/oder auch verändert wurde. Diese ersten
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Werte und Annahmen über ein erfolgreiches Geschäft werden daher von den Gründern aufoktroyiert und durch den Erfolg des Unternehmens verstärkt. Für die MitarbeiterInnen scheint klar zu sein: diese anfänglichen Werte, Annahmen, Überzeugungen und Regeln, die vom Gründer oder der Gründergruppe kamen, führten zum Erfolg des Unternehmens und daher müssen diese Werte, Annahmen, Überzeugungen und Regeln (vermeintlich) auch richtig sein. Diese anfänglichen Normen und Werte können sich natürlich im Laufe der Zeit auch ändern oder an die Herausforderungen adaptieren. Diese anfängliche Kultur kann auch ins kollektive Bewusstsein des Unternehmens und deren Mitarbeiter übergehen. Derart implizite Unternehmenskultur wird selten hinterfragt und ist auch schwer aufzudecken und anzusprechen. (Schein, 2010)
Somit gibt diese letzte Ebene die tiefgreifenden Verhaltensmuster und Regeln wieder. Nach Schein (2010) ist hier mit Veränderungen anzusetzen. Da Kultur sehr ernst genommen wird (Schein, 2010), sind Veränderungen auf der Ebene der Artefakte wirkungslos da die Ebene der grundlegenden unausgesprochenen Annahmen diese Veränderungen determinieren. Sollten nun Veränderungen in der Kultur getroffen werden, z.B. indem neue Verhaltensregelungen im Umgang mit Kunden in die Unternehmenskultur implementiert wird, ist es wichtig sich hierbei anzusehen wieso sich die eigenen Mitarbeiter gegenüber den Kunden verhalten wie sie sich verhalten und was der Auslöser für ein solches Verhalten war. Denn nur durch einen neuen, Code of Conduct ist davon auszugehen, dass die impliziten Verhaltensweisen durch dieses Regelwerk nicht geändert werden, weil das eben die Art ist „wie die Firma tickt“. (Schein, 2010) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jedes Unternehmen eine eigene Kultur hat die dieses Unternehmen prägt. Diese Kultur kann, je nach Alter der Unternehmensgründung, implizit in das Verhalten der Mitarbeiter übergegangen sein und die Kultur wird von diesen auch getragen und weiterverbreitet. Unternehmenskultur wird sehr ernst genommen und sie ist sowohl breit als auch tief und umfasst mehrere Ebenen die sich gegenseitig determinieren sofern für die nach außen sichtbare Ausprägung der Kultur die Entstehung und Rechtfertigung dieser Kultur auf einer tieferen Ebene vorliegt.
Zur Vervollständigung sei noch erwähnt, dass die Definition nach Schein (1985) nicht die einzige Art ist, Unternehmenskultur zu betrachten. Diese Sichtweise hat sich jedoch als die praktikabelste jedoch auch differenzierteste Art, Unternehmenskultur zu betrachten, erwiesen und sie ergänzt sich mit anderen systemischen Ansätzen zu einem anwendungs- und erklärungsorientierten Modell.
Die Kulturtypologie nach Deal und Kennedy (2000) stellt ein zweidimensionales Modell mit den Dimensionen Risiko und Feedback dar. Wobei die Dimension von Feedback und Belohnung in schnell und langsam und das (finanzielle) Risiko, in niedrig oder hoch unterteilt wird. Dadurch
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ergeben sich vier Quadranten, wobei es nach Deal und Kennedy (2000) für schnelles Feedback und niedriges Risiko eine Work hard - Play hard Kultur gibt und für ein ebenso schnelles Feedback, jedoch ein hohes Risiko, eine Tough-Guy Macho Kultur. Bei einem langsam erhaltenden Feedback bzw. Belohnung und einem niedrigen Risiko für das Unternehmen stellt sich eine Process Kultur, die auch als Bürokratie umschrieben wird ein, während sich bei einem ebenso langsamen Feedback jedoch einem hohen Risiko eine Bet-your company Kultur einstellt. Dieses sehr vereinfachte jedoch durchaus populäre Bild der Kultur ist für die weiterführenden Annahmen nicht differenziert genug und beleuchtet verschiedene Aspekte der Kultur nicht mit dem für diese Arbeit jedoch notwendigen Tiefgang. Daher ist es als Erklärungsmodell und auch als weiterführendes, aufbauendes Modell für die Kultur eines Unternehmens nicht dienlich. Ein weiteres Modell soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Gerry Johnson beschreibt (1988) Organisationskultur als cultural web. Es beinhaltet ebenfalls die drei Ebenen nach Schein (2010), jedoch nicht hierarchisch übereinander sondern die Ebenen sind nebeneinander angesiedelt und es wird ein zusätzliches Element, das Paradigma, hinzugefügt. Beschrieben wird die Unternehmenskultur somit als Netz, das sieben Themengebiete beinhaltet, die sich überlappen: Geschichten und Mythen, Symbole, Machtstrukturen, organisatorische Strukturen, Kontrollsysteme, Rituale und Routinen und Paradigma.
1.2. Auswirkungen in Organisationen
Um die Auswirkungen in die Organisation festzustellen, sollte an dieser Stelle zuerst der Begriff der Organisation genauer definiert werden.
Wie sich die Kultur in Unternehmen auswirken kann, wurde im letzten Kapitel schon kurz angeschnitten, jedoch lässt sich dies mit Praxisbeispielen die auch medial eine Resonanz hatten ebenfalls gut und praxisnah veranschaulichen. Für eine tiefergehende Praxisdarstellung verweise ich an dieser Stelle auf das Kapitel Praxis ab Seite 43.
Die Ausprägungen von Unternehmenskultur sind, wie erwähnt wurde, sehr mannigfaltig. Die Kultur schlägt sich im Handeln der Mitarbeiter nieder, in impliziten wie auch expliziten Normen und auch in jedem Meeting bis zur Vision des Unternehmens und der Strategie. Den Schluss, dass es hier auch Verfehlungen geben kann lässt nicht nur die letzte Wirtschaftskrise zu. Die Frage ist jedoch ob eine kriminelle oder moralisch verwerfliche Tat wirklich nur Auswüchse eines Einzelnen sind oder ob die Kultur entsprechend der Nährboden für solch ein Fehlverhalten war? Die Kultur gibt jedoch ein sehr strenges Netz an gewünschten Verhaltensweisen nieder (meinst du wirklich nieder?). (Schein, 2010) Die Kultur gibt somit auch wieder, welches Verhalten ausdrücklich erwünscht wird, indem die Organisation ein entsprechendes Belohnungs- und
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Anreizsystem schafft oder welches Verhalten eben auch nicht geduldet wird, indem auch hier wieder ein Mahn- und Strafsystem dieses Verhalten unterbinden soll. (Schein, 2010) Somit liegt der Schluss nahe, dass ein Verhalten auch immer durch die Kultur geprägt ist und auch ein jahrelanges moralisches oder rechtliches Fehlverhalten kaum möglich ist ohne dass die Organisation ein solches Verhalten gemäß der Kultur fördert oder eben auch unterbindet. Hierzu möchte ich einige mediale Beispiele aufzeigen um meine Behauptung zu untermauern: Im Jahr 2009 erschütterten mehrere Selbstmorde den Französischen Telekommunikationsanbieter France Télécom. In Verbindung gebracht wurde diese Häufung mit der Telefongesellschaft, als sich die Anzahl der Selbstmorde häuften und die Gewerkschaft von unzumutbaren Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter sprach. Diese Arbeitsbedingungen wurden vor allem deshalb als unzumutbar bezeichnet, da in den Jahren 2006 - 2009 22.000 Stellen abgebaut wurden und die Mitarbeiter massiv unter Druck standen und um ihre Existenz fürchteten. (Spiegel.de, 2009)
Ein weiteres Beispiel aus dem Jahr 2009 zeigte die Praktiken der ÖBB, die sich auf unrechtmäßigem Wege die Krankengeschichten der Mitarbeiter aneigneten um daraus Maßnahmen in der Personalpolitik ableiten zu können. (Mayrhofer, 2009) Auch ein Manager der Telekom Austria gab 2009 in einem abgefilmten Gespräch mit Finanzanalysten zu, Mitarbeiter, die nicht mehr benötigt werden, aber unkündbar sind, durch Klagen zu einem golden-Handshake zu drängen. (Sokolov, 2009) All diese medialen Berichte sind Beispiele einer Unternehmenskultur und wie diese Verhaltensweisen losgelöst vom Milieu der eigenen Kultur mediale Aufmerksamkeit erzeugen können. Da all diese Beispiele nicht auf einen Einzeltäter zurückzuführen sind, sondern zum Teil hoch offizielle strategische Ausrichtungen sind (wie der Mitarbeiterabbau bei der France Télécom), ist stark davon auszugehen, dass diese medialen Berichte auch zum Teil die jeweilige Kultur in den Unternehmen wiederspiegeln kann.
Als symptomatisch für die Ausprägung einer Kultur, im positiven wie auch im negativen Sinne, kann das Betriebsklima betrachtet werden. Ein Betriebsklima kann geprägt sein durch Kameradschaft, Höflichkeit, Freundschaft, Aufgeschlossenheit, Verständnis und Vertrauen oder durch Neid, Missgunst und Misstrauen. Je nach Ausprägung des Betriebsklimas und ob dies so gewollt, geduldet oder forciert wird, ist auch die Einstellung des Mitarbeiters zur Organisation eine andere. (Wöhe, 2008) Im schlimmsten Fall kann es dazu führen, dass das Betriebsklima Verhaltensweisen hervorruft, die in tragischen Schicksalen münden, wie etwa bei Foxconn (Welt Online, 2010) oder der France Télécom (Spiegel.de, 2009).
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Somit ist jeglicher Aspekt von Kultur auch Aufgabe der Organisation. Daher ist auch die Zeit ein Teil der Unternehmenskultur (Reinbacher, 2009) und ebenfalls die Kultur als Teamkultur ist Aufgabe der Organisation (Vater, 2006).
Gruppen, welche im nachfolgenden Kapitel 2. Die Gruppe ausführlich thematisiert werden, können jedoch aufgrund ihrer besonderen Gestaltung eine eigene Kultur generieren (Santer, 2006), um mit den aufkommenden jedoch notwendigen Widersprüchen, wie z.B. Gruppe und Organisation, siehe hierzu Kapitel 2.8 Individuum - Gruppe - Organisation: Ein Widerspruch, umzugehen.
Ein weiterer Aspekt von Gruppen bzw. Teams, die im nachstehenden Kapitel genauer beschrieben werden, ist, dass sie als Entwicklungsmotor der Unternehmenskultur angesehen werden können, da Teams Veränderungen erzeugen können die in die restliche Organisation getragen werden. Teams können daher als eine Art Katalysator für Kultur fungieren. Jedoch ist eine zu stark ausgeprägte Teamkultur auch wieder ein Risiko, denn aufkommende Konkurrenz zu anderen Teams oder der Organisation könnte daraus resultieren. (Krejci, 2010)
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2. Die Gruppe
Der Begriff der Gruppe ist komplexer als man es auf den ersten Blick vermuten möchte. Eine Gruppe ist ein komplexes soziales Gebilde mit eigenen Abläufen die es zu beachten gilt. Allen voran steht jedoch die Frage: Ab wann sind wir eine Gruppe? Wo fängt eine Gruppe an, wo hört sie auf? Wer ist in der Gruppe und wie groß oder auch klein dürfen wir sein um noch als Gruppe zu gelten? Diese Fragen werden im Alltag jedoch selten gestellt. Meist wird in einer Organisation eine Arbeitsgruppe oder ein Team gebildet, der eine gewisse Anzahl von Personen beiwohnen, die vorher ausgesucht wurden oder sich vielleicht in einem Meeting zusammen gefunden haben. Gruppe oder auch Teams, diese Begriffe gilt es zu trennen, auch wenn sie meist als Synonym verwendet werden, da sie nicht zwangsläufig dasselbe bedeuten. Wieso dies der Fall ist, soll das nächste Kapitel klären.
2.1. Definition und Unterscheidung von Gruppen
Um etwas mehr Klarheit in das komplexe Thema der Gruppen zu bekommen macht es Sinn zuerst abzugrenzen was eine Gruppe überhaupt ist und ob es nur „eine“ Gruppe gibt. Es sei vorweg festzuhalten, dass eine Gruppe keinesfalls eine willkürliche Ansammlung von verschiedenen Menschen ist. Eine Gruppe aus 10 Personen ist etwas anderes als 10 Personen die sich zufällig an demselben Ort aufhalten. Das Ganze, sprich die Gruppe, ist etwas anderes als die Summe seiner einzelnen Teile, den Teilnehmern dieser Gruppe. Dies wird „Übersummenhaftigkeit“ genannt. (Krainz E., 2006)
Doch was unterscheidet nun eine Warteschlange im Supermarkt von einer Gruppe? Schließlich sind auch in einer Warteschlange meist mehrere Personen anwesend und wollen scheinbar in dieselbe Richtung: raus aus dem Supermarkt. Der Unterschied ist, dass die Personen im Supermarkt in keiner Beziehung zueinander stehen, die Arbeitsgruppe einer Organisation schon und die Warteschlange definiert kein kollektives Ziel sondern eine Ansammlung von Einzelzielen: jeder will für sich bezahlen und die Zielerfüllung ist unabhängig von den anderen Personen in der Warteschlange. (Krainz E., 2006)
Eine Gruppe muss jedenfalls eine bestimmte Größe erreichen, darf diese aber nicht überschreiten. Maßgeblich dafür ist die Möglichkeit, dass eine direkte Interaktion, der face-toface Kontakt, noch möglich sein muss und ein Mindestmaß an Interaktion gewährleistet sein muss (Krainz E., 1995). Eine hierarchische Verknüpfung der Kommunikationsstruktur ist somit ein Hemmnis für die Entwicklung der Gruppe und führt dazu, dass zwar eine Person, in Organisationen meist die Führung, die Informationshoheit besitzt, da die einzelnen Gruppenmitglieder untereinander keine Kommunikation austauschen und die Information zentral bei der Führung gesammelt und verteilt werden, sich jedoch keine Gruppe etablieren
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Arbeit zitieren:
Robert Weiß, 2011, Einfluss von Unternehmenskultur, im Besonderen Führung, auf die Leistungsfähigkeit von Gruppen, München, GRIN Verlag GmbH
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