INHALTSANGABE
Konrad von Seidlitz - ein junger aufstrebender Yuppie-Anwalt - manipuliert einen 14- tägigen Gefängnisaufenthalt durch konsequentes Nicht-Bezahlen diverser Strafzettel wegen Falschparkens. Er hofft dadurch seine Kanzlei in die Schlagzeilen und sich selbst zum Staranwalt zu befördern. Während seiner Abschiedsparty vor der Haft wird er Augenzeuge eines Mordes. Ungeachtet dessen gibt Seidlitz seine Verlobung mit Cornelia Volkerts bekannt - der Tochter des Justizrats.
Seidlitz gelingt es zwar - dank seines juristischen Wissens und seiner Beziehungen - das Machtgefüge innerhalb des Gefängnisses souverän und zu seinen Gunsten zu bestimmen, aber sein snobistisches Auftreten und seine Reserviertheit schaffen ihm viele Feinde - allen voran Czernetzky. Kurz vor seiner Entlassung finden die Wärter 200 Gramm Kokain in seiner Zelle; Kokain, das ihm von Mitgefangenen untergeschoben wurde. Seidlitz wird daraufhin zu zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt.
Zurück im Gefängnis durchläuft Seidlitz ein Spalier der Demütigung. Die gesamte Institution - Wärter, wie Häftlinge - spotten über den gescheiterten Ikarus. Bei dem Versuch den sich heftig wehrenden Seidlitz zu vergewaltigen, verunglückt ein Häftling schwer. Seidlitz drohen daraufhin zwei weitere Jahre Haft. Währenddessen verläuft seine Revision im Sand und Häring - sein ehemaliger Partner - übernimmt die Kanzlei und zugleich Seidlitz’ Ex-Verlobte. Seidlitz ist von nun an auf sich allein gestellt.
Inzwischen wird Ramon eingeliefert - er zeichnet bereits für die Ermordung des Bittstellers aus der Exposition verantwortlich. Er setzt Seidlitz unter Druck Czernetzky zur Flucht zu überreden. Durch Akteneinsicht erfährt Seidlitz, daß Czernetzky und Ramon einen Überfall auf einen Geldtransporter verübt haben in dessen Verlauf 5 Millionen DM verschwunden sind. Ramon will seinen Anteil vom Geld, aber Czernetzky hat die gesamte Beute bereits in einer Bananenplantage verspekuliert. Seidlitz steht zwischen den Fronten und wird gezwungen zu fliehen um sich selbst zu rehabilitieren und zugleich dem Druck durch Ramon zu entgehen.
Unter Mithilfe der verliebten Gefängnispsychologin gelingt den Dreien die Flucht, doch bereits wenige Meter hinter den Gefängnistoren zückt Ramon eine Waffe: er will das Geld! Czernetzky verursacht einen Unfall und entkommt darauf hin zusammen mit Seidlitz. Während Czernetzky untertaucht, kehrt Seidlitz freiwillig zurück ins Gefängnis. Kurze Zeit später korrigieren die einstigen Verschwörer ihre Falschaussagen, Seidlitz wird zur Folge freigesprochen und Häring - der eigentliche Drahtzieher der Kokain-Aktion - wandert für 5 Jahre ins Gefängnis.
Seidlitz’ Freiheit währt nicht lange, denn bereits vor dem Gericht wartet Ramon auf ihn und zwingt Seidlitz ihn zu Czernetzkys Versteck zu führen. Im Frachtraum eines Tankers kommt es zum Showdown, bei dem Ramon von Seidlitz erschossen wird. Czernetzky und Seidlitz trennen sich und Seidlitz geht in eine geläuterte Zukunft.
FIGURENCHARAKTERISTIK
NAMENSGEBUNG
Im Zentrum der Erzählung steht der junge Yuppie-Anwalt Konrad von Seidlitz. Das „von“ in seinem Namen ist bewußt gewählt - es transportiert adelige Arroganz und Überheblichkeit zugleich. Eine Assoziation, die sehr gut mit der anfänglichen Exposition der Figur übereinstimmt. „Konrad“ klingt aber auch ähnlich wie „Cornelia“, eine namentlich wohlklingende Liaison und zugleich eine intelligente Parallele für eine auf Äußerlichkeiten bedachte Beziehung.
Ganz im Gegensatz zu dem Gegensatzpaar Ramon /Czernetzky, wobei
bezeichnenderweise nicht der Pole „Ramon“ .ODQJIDUEH OHLGHQVFKDIWOLFK
IHXULJ DEHU DXFK XQEHKHUUVFKW einen ausländischen Nachnamen trägt,
sondern sein Gegenspieler „Czernetzky“. Einmal schimpft Czernetzky Ramon „Polackensau!“, woraufhin Ramon höhnisch zurückbellt: „Czernetzky!“. Vielleicht ähneln sich die beiden - nicht nur auf sprachlicher Ebene - mehr, als es Czernetzky lieb ist?
Der Name „Häring“ schließlich weckt Assoziation mit einer Fischart und begünstigt so den wendigen Charakter dieser Figur.
KONRAD VON SEIDLITZ
Von Seidlitz ist der Protagonist der Handlung. „14 Tage Lebenslänglich“ ist die Geschichte seiner Charakterwandlung - der Transfer eines altertümlichen Bibelstoffes in die Moderne: aus Saulus wird Paulus und aus dem arroganten Schnösel Seidlitz wird ein sozial verträgliches Individuum. Nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus entpuppt sich unter dem Kopfverband ein neuer Seidlitz. Sein Blick in den Spiegel korrespondiert mit der ersten Szene. Von Seidlitz ist eine Fassade abgefallen, er ist bereit sich selbst neu kennenzulernen.
Es ist eine Qualität des Buches, daß die Figur des Seidlitz, entgegen allen Widrigkeiten und trotz ihrer Läuterung ihre spröde und ungebrochene Eigenständigkeit bewahrt. Seidlitz wird bis zum Ende des Films seine Stellung auf der roten Bank im Gefängnishof beibehalten, entgegen den Forderungen seiner Mitgefangenen dieses Symbol der Unterdrückung zu meiden und entgegen jeglicher Zuschauererwartung, die Seidlitz’ Verzicht auf die Bank als Symbol der Anpassung an die Gefängniswelt interpretieren würde. Aber Seidlitz bleibt nonkonform, er ist ein Individualist und hat im Grunde nichts mit der Welt der Kriminellen gemein. Die Bank symbolisiert Niemandsland und es scheint als würde Seidlitz am Ende des Films von seinen Mitgefangenen in seiner Aussenseiterstellung akzeptiert werden - die Benutzung der Bank wird ihm stillschweigend gewährt. Auch die konsequente Weigerung von Seidlitz
Czernetzkys Schuhe zu putzen, die letztendlich darin mündet, daß der Anwalt in der letzten Szene dem Häftling die Schuhe vor die Füße wirft, ist ein Symbol von Seidlitz’ unbeugsamen Willen. Diese Standhaftigkeit ist es letztendlich auch, die ihn bei dem Kampf mit Ramon immer wieder hoffnungslos gegen den offensichtlich Stärkeren anlaufen läßt. Durch seine Beharrlichkeit gewinnt er Czernetzkys Respekt und bringt ihn dazu sich ihm und Ramon anzuschließen - auf seine Art hat Seidlitz den Kampf gewonnen.
Seidlitz eigentliche Biographie versteckt sich in der Konfrontation zwischen ihm und dem Gefängnisdirektor. Auf die Frage von Seidlitz - „Wissen Sie wer ich bin?“ - referiert der Direktor kurz die Erfolgsgeschichte des Yuppies: ein mittelmäßiger Schüler, der als Anwalt brillierte. Seidlitz wirkt nicht, als würde er mit Leib und Seele hinter seinem Beruf stehen: „Ich habe schließlich nicht Jura studiert um anschließend in den Genuß eines guten Rufes zu gelangen“. Geld regiert seine Welt.
Die Exposition von „14 Tage lebenslänglich“ ist vorbildlich - ein schneller, unmittelbarer Einstieg in die Welt des Protagonisten: Seidlitz zählt Geld, kokst und hat einen schnellen, harten, kalten Fick ohne jegliche Emotion. Draußen wartet bereits die Party. Seidlitz zeigt sich auch hier als Herr des Geschehens. Er kennt alle und jeden, serviert überall eine leichte Prise Small-Talk und wird offensichtlich anerkannt. Die virtuose Steadycam-Fahrt visualisiert hervorragend die Professionalität und Souveränität seines Auftritts. Er dominiert die Szene und hat alle Fäden fest im Griff. Der erste Einschnitt ist die Ermordung des Bittstellers, welche Seidlitz bezeichnenderweise stillschweigend ignoriert.
Seidlitz’ „Achillesferse“ ist die körperliche Berührung. Sex ist für ihn ein schnelles Geschäft ohne emotionale Beteiligung. Auf verschiedene Berührungen reagiert Seidlitz gereizt. So wird der Bittsteller, der begütigend seine Hand auf Seidlitz’ Schulter legt, ebenso schroff abgewiesen wie Kleinschmidt, der nach erfolgter Kloreinigung Seidlitz kameradschaftlich die Wange tätschelt: „Fassen Sie mich nicht an!“. Die resolute Ablehnung intensiviert die Vergewaltigung-Szene umso schmerzlicher, da der Zuschauer um Seidlitz’ Berührungsängste weiß.
Das dramaturgische Ziel von Seidlitz ist anfangs „Erfolg“, für sich und seine Kanzlei. Später wird dieses Ziel um definiert in „Freiheit“ verbunden mit einer Rehabilitierung. Der weitere Fortgang seiner Biographie bleibt offen. Es ist unklar, ob Seidlitz nach seinen Erlebnissen in die Gerichtswelt zurückkehren oder sich gänzlich von ihr abwenden wird. Das ist meines Achtens auch das Grundproblem der Endszene - Schmidt weiß nicht, wohin Seidlitz Weg führen
wird. Er ist frei und nun...? Dem männlichen Abgang von Czernetzky 'HU /RWVH JHKW YRQ %RUG hat Seidlitz RGHU VHLQ 'UHKEXFKDXWRU wenig
entgegenzusetzen. Seidlitz beschließt darauf hin „noch ein paar Schritte zu gehen“. Was der Drehbuchautor damit andeuten will, bleibt unbeantwortet: ein
Mann geht seinen Weg? Ob mit oder ohne psychoanalytischen Beistand GHU
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Michael Rösel, 1999, 14 Tage Lebenslänglich - Drehbuchanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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