Die späte Eisenzeit im Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Das Arbeitsgebiet. 4
2.1 Grenzen des Arbeitsgebietes. 4
2.2 Topographische Grundzüge des Arbeitsgebietes. 4
3. Forschungsgeschichte. 5
4. Die Befunde. 6
4.1 Die Gräber. 6
4.1.1.1 Lage, Erhaltungs- und Publikationsstand. 6
4.1.1.2 Bestattungssitte. 7
4.1.1.3 Ausstattung der Gräber. 8
4.2 Siedlungen. 9
5. Chronologisch ansprechbare Fundgattungen. 9
6. Chronologische Auswertung. 12
6.1 HAFFNERS Gliederung der Spätlatène und Übergangszeit. 12
6.2 MIRONS Gliederung der Spätlatène- und Übergangszeit. 14
6.3 Bewertung der Relativchronologien. 15
6.4 Absolute Chronologie. 18
7. Fazit. 20
I. Quellen- und Literaturverzeichnis
II. Abbildungen und Tabellen
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Die späte Eisenzeit im Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet
1. Einleitung
Das Hauptseminar “Kelten und frühe Germanen zwischen Alpen und Nordsee” behandelte die grundlegenden Veränderungen in Mitteleuropa in den Jahrhunderten um die Zeitenwende. Insbesondere wurden Fragen der Chronologie im keltischen und germanischen Gebiet im Zusammenhang mit den römischen Eroberungen im Raum nördlich der Alpen bearbeitet. Im Rahmen dieser Hauptseminarsarbeit wird das Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet untersucht. Zeitlich steht die Entwicklung und Gliederung der Spätlatèneperiode (SLT), ihre Abgrenzung zur vorangehenden Mittellatènezeit (MLT) und zur anschließenden Älteren römischen Kaiserzeit (ÄRKZ) im Mittelpunkt des Interesses. Dabei stützt sich diese Seminararbeit vornehmlich auf die Vorarbeiten von Alfred HAFFNER und Andrei MIRON. 1 Das Ziel der Untersuchung ist eine Gliederung des Fundmaterials und darauf aufbauend, die Überprüfung der bestehenden Chronologieschemata dieses Gebiets (vgl. 6). Dazu werden zunächst im Kapitel zum Arbeitsgebiet (2) die Grenzen (2.1) festgelegt und auf die topographischen Grundzüge (2.2) eingegangen. Das anschließende Kapitel zur Forschungsgeschichte (3) in der Region zielt weniger auf eine lückenlose Darstellung der Forschungsbemühungen, als vielmehr auf eine Hinführung zum aktuellen Forschungsstand. Im folgenden Teil der Arbeit werden die Befunde (4) getrennt nach Gräbern (4.1) und Siedlungen (4.2) vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Gräberfeldern, die im Kontext der Erstellung regionaler Chronologien die wichtigste Quellengattung darstellen, da die Chronologien überwiegend auf Kombinationsstatistiken aus geschlossenen Fundzusammenhängen beruhen, während Streufunde aus Siedlungen, auch wegen der oft unzureichend aufgenommenen stratigraphischen Zusammenhänge, weniger zu zeitlichen Gliederungschemata beitragen können. Es folgt eine kurze Übersicht über die chronologisch ansprechbaren Fundgattungen (5), die Aussagekraft haben für eine chronologische Auswertung (6). Im Einzelnen soll in diesem Kapitel vor allem auf die chronologischen Gliederungsvorschläge von HAFFNER (6.1) und MIRON (6.2) und auf die absolutchronologischen Zusammenhänge eingegangen (6.4) werden.
1 HAFFNER (1974a), 59-72; HAFFNER (1979), 405-409; MIRON (1991a), 151-169.
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Die späte Eisenzeit im Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet
2. Das Arbeitsgebiet 2.1 Grenzen des Arbeitsgebietes
Das engere Bearbeitungsgebiet umfasst die Regionen des Hunsrück-Nahe Gebietes und den südlichen Teil des Eifel-Mosel Gebietes westlich des Rheins (vgl. Abb. 1). Es liegt damit in den heutigen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland und beinhaltet die Kreise des Regierungsbezirks Trier: Bernkastell-Wittlich, Bitburg-Prüm, Daun und Trier-Saarburg, die linksrheinischen Kreise des Regierungsbezirkes Koblenz: Ahrweiler, Bad Kreuznach, Birkenfeld, Cochem-Zell, Mayen-Koblenz und den Rhein-Hunsrück-Kreis, sowie Mainz-Bingen und die Kreise Merzig-Wadern und St. Wendel im Saarland. Soweit nötig wurden darüber hinaus Fundplätze des westlich angrenzenden Großherzogtums Luxemburg hinzugezogen.
2.2 Topographische Grundzüge des Arbeitsgebietes
Das Untersuchungsgebiet liegt im Süden des Rheinischen Schiefergebirges, dem nordwestlichen Abschluß der mitteldeutschen Gebirgsschwelle. 2 Das Gebiet wird naturräumlich durch Flußläufe und Höhenzüge eingegrenzt, im Norden durch das Moseltal und das südliche Eifelgebirge, im Osten durch den Rhein mit der vorgelagerten Ebene des Maifeldes. Westlich davon schließen sich Voreifel, Eifel, der Salm- und der Kyllwald mit Höhenlagen zwischen 400 und 750 Metern an. Südwestlich folgt das siedlungsfreundliche Gebiet der Wittlicher Senke (180-200 m. ü. NN), die eine Fortsetzung der Talweite bei Trier darstellt und das Bitburger Gutland (ca. 400 m. ü NN), eine stufige, zerfurchte Hochebene. Im Westen wird das engere Arbeitsgebiet schließlich durch die Sauer und Saar begrenzt und im Süden durch die Nahe mit ihren angrenzenden Landschaften. Südlich der Mosel folgt mit Hunsrück und den bewaldeten Höhenzügen Hochwald, Idar- und Soonwald eine Mittelgebirgslandschaft, die sich bis heute durch eine hohe Walddichte auszeichnet. 3 Zwischen Hunsrück und dem sich südlich anschließendem Nahebergland erstreckt sich das besiedlungsfreundliche Hunsrückvorland. 4 In der Eifel bilden Hei- 2 Vgl.JOACHIM (1968), 7. Anm. 23, mit weiterführenden geographischen Übersichten. 3 EBEL (1989), 3. 4 WIEGERT (2002), 19. Anm. 18.
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Die späte Eisenzeit im Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet delandschaften auf Kalk und Schiefer, Grauwacke und vulkanischem Gestein charakteristische Elemente der heutigen Landschaft. 5 Das stark gegliederte Hunsrück- und Nah-ebergland ist aus alten Sandsteinen, Konglomeraten und Schiefern aufgebaut, sowie von vulkanischen Gesteinen durchsetzt. Der Wechsel von Wald-, Acker- und Weideflächen bestimmt den heutigen Landschaftscharakter. 6
3. Forschungsgeschichte
Anfang des 20. Jh. stellten Heinrich BALDES und Gustav BEHRENS angesichts fehlender Quellen zur MLT-Zeit im Hunsrück die These auf, daß die Frühlatènekultur hier [im Hunsrück] einen längeren Zeitraum als anderswo einnimmt, von einer nicht sehr ausgedehnten, germanischen Mittlelatènekultur abgelöst wird, die ihrerseits wieder der von Osten kommenden Trevererkultur weichen muß“. 7 Damit wären die Träger der SLT-Kultur in diesem Gebiet der von Caesar erwähnte keltische Stamm der Treverer, dessen Kerngebiet Caesar samt den von ihnen abhängigen Ebuoren in dieser Region verortete. 8 Auch wenn sich die Quellenlage mit den Entdeckungen der Gräberfelder Rückweiler (Abb. 2 9 , [9]), Hoppstädten [7], Horath [2] und Bäsch [3] stark verbesserte, gelang es nicht einen MLT-Horizont befriedigend zu definieren. Man rechnete nun mit einem Einsetzen der SLT-Kultur um 100 v. Chr., hielt aber auch ein zeitweiliges Überlappen mit der Hunsrück-Eifel-Kultur (HEK) für möglich. 10 Auf Ablehnung stieß die Periodisierung des jüngerlatènezeitlichen Fundmaterials des Saar-Mosel-Raumes durch Gustav MAHR, das vor allem auf einer stilkundlichen Analyse der Keramik und der Darstellung der Bestattungssitten basierte. 11 MAHR verkürzte in seinen Theorien zur absoluten Chronologie der
5 FRENZEL (1986), 310.
6 HAFFNER (1988), 19. 7 BALDES/ BEHRENS (1914), 58-59.
8 CAES. Gall. 1,37; 2,24; 3.11; 4,6.10; 5,2-4.24.47.53.55.58; 6,2-3.5-9.29.32.44; 7,63. 9 In Abb. 2 sind die behandelten Fundstellen eingetragen. Die Nummerierung im Text in Klammern hinter den Fundorten entspricht der Nummerierung der Abb. 2.
10 MIRON (1991a), 152. JOACHIM (1968), 152-153 nimmt Überschneidungen mit der ersten Stufe des Jüngeren Latène (JLT 1) an, meint HEK-Elemente bis in die zweite Phase des Jüngeren Latène ausmachen zu können und hält mit KERSTENS (1948), 58, der mit einem Fortbestehen der Jüngeren HEK (=HEK II) bis ins letzte Jahrhundert rechnet.
11 MAHR (1967). Zur Kritik an der relativchronogischen Periodisierung durch Mahr vgl. JOACHIM (1969), 548-552, besonders 548; HAFFNER (1969), 233- 243.
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Die späte Eisenzeit im Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet
kastell-Wittlich, Birkenfeld und Merzig-Wadern sind von MIRON systematisch erfaßt und publiziert worden. 16 Zusammen mit der Veröffentlichung der Gräberfelder von Trier-Biewer [5] und Trier-Eugen [6] im Landkreis Trier-Saarburg stellen sie eine vom Autor beabsichtigte, umfassende Materialvorlage für die latènezeitlichen Gräber des Saar-Mosel Raums dar. 17 Das mit außergewöhnlich reichen Beigaben ausgestattete, kleine Gräberfeld von Goeblingen-Nospelt [11], das außerhalb des engeren Arbeitsgebietes 14 km westlich der Stadt Luxemburg liegt, umfasst vier Reitergräber (A-D), deren Beigabenspektrum einen Einblick vermittelt vom Übergang der jüngeren, vorrömischen Eisenzeit (JVREZ) zur ÄRKZ, also dem Vorgang der Romanisierung im weiteren Treverergebiet. Trotz des fragmentarischen Charakters auch größerer Gräberfelder, wie Rückweiler, Frohnhausen (7) und Hoppstädten 18 , bedingt durch Grabungsbedingungen 19 oder methodische Mängel und Zerstörungen durch mittelalterlichen und neuzeitlichen Ackerbau 20 , ist aufgrund der großen Anzahl an fundführenden Gräbern sowie der zahlreichen Aufarbeitungen und Publikation des Materialbestandes in jüngerer Zeit eine gute Quellenbasis als Voraussetzung einer regionalen Feinchronologie mit Aussagekraft für die überregionale Diskussion gegeben. 21
4.1.2 Bestattungssitte
Bei den Bestattungen im Arbeitsgebiet handelt es sich, bis auf wenige Ausnahmen 22 in der MLT und SLT-Zeit, um Flachbrandgräber, die sich in vier Bestattungsarten gliedern: Gräber Typ Koosbüsch, 23 Leichenbrandschüttungen, Urnengräber und Urnengräber mit
16 Bernkastell-Wittlich: MIRON (1992), 129-191; Birkenfeld: MIRON (1991b), 171-240; Merzig-Wadern: MIRON (1986/87), 103-143.
17 MIRON (1984), 15. Materialvorlage Biewer und Eugen: MIRON (1984), 15-95. 18 HAFFNER (1969), 71.
19 Für unsachgemäße Grabung im Arbeitsgebiet und in diesem Fall zudem unglückliche Umstände bei der Publikation sei exemplarisch auf das Gräberfeld Trier-Biewer verwiesen. MIRON (1984), 16. 20 Vgl. etwa für Wederath, HAFFNER (1989a), 43: Sie [die Anzahl durch Pflug und anschließender Erosion zerstörter Gräber] dürfte 25 bis 35 % des ursprünglichen Gräberbestandes ausmachen. 21 Miron (1991a), 152-153: “(...) in unserem Raum [Hunsrück-Nahe-Raum] kann die Grundlage für die Chronologie des südlichen und westlichen Mitteleuropas geschaffen werden.” So auch STRIEWE (1996), 93, allerdings für das größere Arbeitsgebiet des Rhein-Main-Mosel-Raums.
22 Zu den seltenen Körperbestattungsbefunden vgl. MIRON (1986), Anm. 330. 23 HAFFNER (1974c), 58-70; HAFFNER (1976), 133-134.
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Arbeit zitieren:
M. A. Daniel Funke, 2007, Die späte Eisenzeit im Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet, München, GRIN Verlag GmbH
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