1. Einleitung
Die mittelalterlichen Judengemeinden von Mainz, Worms und Speyer, die zusammengefasst als die Schum-Gemeinden bezeichnet werden, gehörten neben der Judengemeinde in Köln zu den ältesten jüdischen Niederlassungen in Deutschland. 1 Sie waren die wirtschaftlichen und religiösen Zentren des mittelalterlichen deutschen Judentums. Ein bedeutender Umstand in der Entwicklung der Schum-Gemeinden war, dass die jüdischen Gemeinden seit dem Babylonischen Exil zunehmend in der Diaspora lebten. Dies setzte sich im Mittelalter in Europa fort, als Juden in ihrem christlichen Umfeld stets eine religiöse und kulturelle Minderheit bildeten. 2 Diese Arbeit soll die enge Verbindung der Gemeinden näher betrachten, welche sich in der internen Zusammenarbeit und der gemeinsamen Außenwirkung wiederspiegelte. Dabei soll vor allem näher auf die Rolle des Rheins, an dem alle drei Gemeinden lagen, als Kommunikations- und Handelsweg eingegangen werden. Untersuchungszeitraum ist größtenteils das späte Frühmittelalter und das Hochmittelalter, in dem die drei Gemeinden ihre Blütezeit hatten. Ein ungefähres Ende der Untersuchung werden die Pestpogrome von 1348/49 und ihre Auswirkungen darstellen, da danach keine eigenständige, auf Dauer ausgerichtete Ansiedlung von Juden in den Schum-Gemeinden mehr erfolgte und die jüdischen Gemeinden nie wieder ihre alte Bedeutung erreichten. 3
Zu Beginn wird ein kurzer, allgemeiner Überblick über die Geschichte des Judentums im Reich sowie die mittelalterliche jüdische Gemeinde gegeben, um den historischen Zusammenhang zu erläutern, in dem die Schum-Gemeinden entstanden und der ihre Entwicklung mitbestimmte. Der Begriff „Reich“ bezieht sich in dieser Arbeit auf das römisch-deutsche Reich, das „regnum Teutonicum“. Anschließend wird die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Mainz, Worms und Speyer dargestellt, um daraufhin näher auf die wirtschaftlichen, religiösen und politischen Beziehungen der Schum-Gemeinden einzugehen. Die deutsche Mediävistik beschäftigte sich schon zum Ende des 19. Jahrhunderts mit der Geschichte der mittelrheinischen jüdischen Gemeinden. Zu nennen sind hierbei vor allem Heinrich Boos, Moses Mannheimer und Leopold Rothschild. Die bundesrepublikanische Mediävistik befasst sich mit dem mittelrheinischen Judentum verstärkt seit den 1980er Jahren.
1 Vgl. STEINTHAL, Fritz Leopold: Speyer, in: Jüdisches Lexikon Bd. 5, Berlin 1930, Sp. 546-547, Sp. 546.
2 Vgl. CLUSE, Christoph: Zu den räumlichen Organisationsformen von Juden im christlichen Umfeld, in: Zwi-
schen Maas und Rhein, Beziehungen, Begegnungen und Konflikte in einem europäischen Kernraum von der
Spätantike bis zum 19. Jahrhundert, Versuch einer Bilanz, hg. v. Franz IRSIGLER (Trierer Historische For-
schungen 61) Trier 2006, S. 285-296, S. 285.
3 Vgl. TRANSIER, Werner: Speyer. Die jüdische Gemeinde im Mittelalter, in: Europas Juden im Mittelalter.
Beiträge des internationalen Symposiums in Speyer vom 20. bis 25. Oktober 2002, hg. v. Christoph CLUSE,
Trier 2004, S. 420-431, S. 420. Seite 1 von 20
2. Das Judentum im Mittelalter
Spätestens ab dem 9. Jahrhundert waren Juden im deutschen Sprachraum kontinuierlich ansässig. 4 Die Juden des mittelalterlichen Nordfrankreichs und Westdeutschlands wurden nach dem hebräischen Namen „Aschkenas“, der Bezeichnung für den Kulturkreis nördlich der Alpen, benannt. 5 Aschkenas bildete im Mittelalter neben dem babylonischen und sefardischen einen dritten jüdischen Kulturkreis. Alle hatten grundsätzliche kulturelle Gemeinsamkeiten im Kultgebaren, bildeten aber mit der Zeit klare Eigenidentitäten aus. 6 Juden kamen auf Einladung in die Ballungsräume der Karolinger, später dann der Kapetinger und Ottonen. 7 Die ersten jüdischen Zuwanderer kamen aus Italien und Südfrankreich 8 . Sie gehörten zur geistigen und sozialen Elite ihres Herkunftslandes und waren meist vermögend und gebildet. 9 Grundlegend ist festzustellen, dass bedeutende Judensiedlungen zum einen zunächst in Kathedralstädten auftraten, welche auch für die Christen die größten Zentren waren und die als „Mutterstädte“ der mittelalterlichen Urbanisierung bezeichnet werden können. 10 Zum anderen kamen jüdische Gemeinden insbesondere in christlichen Stadtgemeinden vor, „deren Status zumeist in den Jahrzehnten um 1200 eine gewisse […] verfassungsrechtliche Festigung erhielt“. 11 Die Emanzipationsbewegungen der städtischen Bürgerschaften hatten einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Judengemeinden. 12 Die Juden konnten von der Ruhe und Stabilität profitieren, die von der Emanzipation der Städte ausging. 13 Zudem boten ihnen die Städte die besten Entfaltungsmöglichkeiten in wirtschaftlicher, kultischer und politisch-sozialer Hinsicht. 14
4 Vgl. SIMON, Bettina: Judendeutsch und Jiddisch, in: Die Juden in ihrer mittelalterlichen Umwelt, hg. v. Alfred
EBENBAUER/ Klaus ZATLOUKAL, Wien/ Köln/ Weimar 1991, S. 251-260, S. 251.
5 Vgl. TRANSIER, Werner: Die SchUM-Gemeinden. Wiegen und Zentren des Judentums am Rhein im Mittelal-
ter, in: Europas Juden im Mittelalter, hg. v. Historischen Museum der Pfalz Speyer, Speyer 2004, S. 59-67, S. 59.
6 Vgl. TOCH, Michael.: Juden, -tum, A: Siedlungs-, Sozial,- und Wirtschaftsgeschichte des aschkenasischen
Judentums, in: Lexikon des Mittelalters (LexMA) Bd. 5, München/ Zürich 1991, Sp. 781-783, Sp. 781.
7 Vgl. ebd., Sp. 781.
8 Vgl. MÜLLER, Jörg R.: Juden im Westen des Deutschen Reiches, Einflüsse, Eigenständigkeiten und Wirkun-
gen im hohen und späten Mittelalter, in: Zwischen Maas und Rhein, Beziehungen, Begegnungen und Konflikte
in einem europäischen Kernraum von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert, Versuch einer Bilanz, hg. v. Franz
IRSIGLER (Trierer Historische Forschungen 61) Trier 2006, S. 403-434, S. 405.
9 Vgl. TRANSIER, Werner: Die SchUM-Gemeinden, S. 59.
10 Vgl. HAVERKAMP, Alfred: Juden und Städte. Verbindungen und Bindungen, in: Europas Juden im Mittelal-
ter. Beiträge des internationalen Symposiums in Speyer vom 20. bis 25. Oktober 2002, hg. v. Christoph CLUSE,
Trier 2004, S. 72-85, S. 78.
11 CLUSE, Christoph: 1307, Die Koblenzer Juden werden Bürger, in: Quellen zur Geschichte des Rhein-Maas-
Raumes, Ein Lehr- und Lernbuch, hg. v. Winfried REICHERT/ Gisela MINN/ Rita VOLTMER, Trier 2006, S.
113-130, S. 126.
12 Vgl. BATTENBERG, Friedrich: Das europäische Zeitalter der Juden, Zur Entwicklung einer Minderheit in der
nicht-jüdischen Umwelt Europas, Bd.1: Von den Anfängen bis 1650, Darmstadt 1990, S. 60.
13 Vgl. ebd., S. 56.
14 Vgl. ZIWES, Franz-Josef: Jüdische Niederlassungen am Rhein, in: Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, hg. v.
Franz IRSIGLER (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde Beiheft VIII/7) Köln 2002, S. 3. Seite 2 von 20
Die ersten Judenverfolgungen ereigneten sich im Reich während des Ersten Kreuzzuges im Jahr 1096, als Christen auf ihrem Marsch nach Osten zuerst in den rheinischen Bischofsstädten die „ungläubigen“ Juden angriffen. 15 Die spätere Rechtsminderung begann mit der von Kaiser Heinrich IV. im Jahr 1090 initiierten Schutzherrschaft über die Wormser Juden. Heinrich IV. bezeichnete die Juden als „seiner Kammer zugehörig“. 16 Die Juden mussten den königlichen bzw. kaiserlichen Schutz in der Folgezeit immer teurer bezahlen. Die sogenannte „Kammerknechtschaft“ wurde zunehmend zur Finanzquelle für das Königtum. 17 Von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des Judentums im Reich war das Ende der staufischen Dynastie im Jahr 1266 und der damit einhergehende Macht- und Einflussverlust des Königtums. Die jüdischen Gemeinden verloren einen ihrer wichtigsten Beschützer. Die bischöfliche Macht in den Städten sank ebenfalls, die des städtischen Bürgertums hingegen stieg. 18 Die Juden wurden in dem komplexen politischen Beziehungsgeflecht zum Spielball und Opfer der konkurrierenden Herrschaftsträger König, Bischof und Stadt. 19 Die Judengelder wurden zunehmend verpfändet und die Abgabelasten stiegen unaufhörlich. Die Leistungsgrenze der jüdischen Gemeinden war zusehends erreicht. 20 Die Pestverfolgungen von 1348/49 stellten den folgenträchtigsten Umbruch für das westeuropäische Judentum in der mittelalterlichen Geschichte dar. Die gewachsenen Strukturen gemeindlicher Organisation wurden zerstört. 21 Dem Massenmord an den Juden gingen die Vorwürfe der Brunnenvergiftung, der Ritualmorde und der Hostienschändigung sowie vor allem politische und materielle Interessen der Christen voraus. 22 Die jüdische Bevölkerung konnte sich nach den Pestpogromen nur schwer erholen, da auf diese temporäre als auch langzeitige Vertreibungen der Juden aus dem Reich folgten. Der jüdischen Bevölkerung wurde entweder die Ansiedlung in den Städten nur noch auf Zeit gewährt oder sie wurde ganz aus den Städten vertrieben. 23 Als Konsequenz dieser Vertreibungen verlagerten sich die jüdischen
15 Vgl. REUTER, Fritz: Warmaisa, Das jüdische Worms, Von den Anfängen bis zum jüdischen Museum des
Isidor Kiefer 1924, in: Geschichte der Stadt Worms, hg. v. Gerold BÖNNEN, Stuttgart 2005, S. 664-690, S. 669.
16 Vgl. BATTENBERG, Friedrich: Worms, in: Handwörterbuch zur Deutschen Rechtsgeschichte (HRG), hg. v.
Adalbert ERLER u. a., Bd. 5, Berlin 1998, Sp. 1519-1528, Sp. 1521.
17 Vgl. KOBER, Adolf: Aus der Geschichte der Juden im Rheinland, in: Zur Geschichte und Kultur der Juden im
Rheinland, hg. v. Falk WIESEMANN, Düsseldorf 1985, S. 11-98, S. 21f.
18 Vgl. TRANSIER, Speyer, S. 426.
19 Vgl. ZIWES, Jüdische Niederlassungen am Rhein, S. 3.
20 Vgl. TRANSIER, Speyer, S. 426.
21 Vgl. MÜLLER, Juden im Westen des Deutschen Reiches, S. 422.
22 Vgl. HAVERKAMP, Alfred: Zur Siedlungs- und Migrationsgeschichte der Juden in den deutschen Altsiedel-
landen während des Mittelalters, in: Juden in Deutschland, hg. v. Michael MATHEUS (Mainzer Vorträge 1)
Stuttgart 1995, S. 9-32, S. 23.
23 Vgl. REUTER, Das jüdische Worms, S. 671.
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Siedlungsorte nach Osten und Italien 24 oder in die ländlichen Gebiete. Der Teil der jüdischen Bevölkerung, der nicht fliehen konnte oder wollte, verelendete in den Städten. 25 Diese Verelendung der Judenschaft im Reich wurde am Ende des 14. Jahrhunderts durch wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen der königlichen Zentralgewalt noch beschleunigt, wozu Geldwechselverbote, Schuldentilgungen und die Erhebung von Sondersteuern zu zählen sind. 26 Die Juden wurden rechtlich ausgegrenzt und verloren dazu ihre Haupteinnahmequelle als Geldleiher. 27
3. Die jüdische Gemeinde
Nach jüdischer Auffassung wird von einer jüdischen Gemeinde gesprochen, wenn sich in dieser mindestens zehn Männer zusammenfinden. Denn mit dieser Anzahl an Männern könne dann ein geregelter religiöser Alltag sichergestellt werden. 28 Die Juden siedelten im Reich zunächst vor allem in den Stadtzentren und orientierten sich dabei am Markt und dem ihnen Schutz bietenden Bischofssitz. Zudem erfolgte die Ansiedlung zunächst um die Synagoge, die der geistige und rechtliche Mittelpunkt jeder jüdischen Gemeinde war. 29 Der geistige Führer und die Autorität einer jeden Gemeinde war der Rabbiner, der das jüdische Recht an Tora und Talmud überprüfte. Zudem entschied er mit dem Rabbinatsgericht über religiöse Angelegenheiten. 30
Von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde war eine über Jahrhunderte eingeübte „innere Solidarität“. 31 Diese Verbundenheit wurde vor allem durch die auf Dauer gerichtete religiöse Gemeinschaft bestärkt. Alfred Haverkamp betont, dass Gemeinschaften „auf möglichst feste räumliche Gestaltung angewiesen oder sogar davon abhängig“ 32 waren, d.h. auf soziale, wirtschaftliche, religiöse und herrschaftliche Kontinuitäten. Besonders Religiosität und Verwandtschaft förderten Gemeinschaften und deren soziale Beziehungen, da dadurch eine kulturell-religiöse Bindung entstand. 33 Auch war
24 Vgl. HAVERKAMP, Alfred: „Concivilitas“ von Christen und Juden in Aschkenas im Mittelalter, in: Jüdische
Gemeinden und Organisationsformen von der Antike bis zur Gegenwart, hg. v. Robert JÜTTE/ Abraham P.
KÜSTERMANN (Aschkenas Beiheft 3) Wien/ Köln/ Weimar 1996, S.103-136, S. 112f.
25 Vgl. TRANSIER, Speyer, S. 429.
26 Vgl. ebd., S. 429.
27 Vgl. GRAUS, František: Die Juden in ihrer mittelalterlichen Umwelt, in: Die Juden in ihrer mittelalterlichen
Umwelt, hg. v. Alfred EBENBAUER/ Klaus ZATLOUKAL, Wien/ Köln/ Weimar 1991, S. 53-65, S. 60f.
28 Vgl. REUTER, Fritz: Die heilige Gemeinde Worms, Zur Geschichte des Oberrheinischen Judentums, in: Ju-
den in Deutschland, hg. v. Michael MATHEUS (Mainzer Vorträge 1) Stuttgart 1995, S. 61-84, S. 67.
29 Vgl. REUTER, Fritz: Warmaisa, 1000 Jahre Juden in Worms (Der Wormsgau 29) Worms 1984, S. 28.
30 Vgl. STEINTHAL, Fritz Leopold: Mainz, in: Jüdisches Lexikon Bd. 3, Berlin 1929, Sp. 1328-1332, Sp. 1331.
31 Vgl. TOCH, Michael: Die Juden im mittelalterlichen Reich, in: Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Bd. 44,
hg. v. Lothar GALL u.a., München 1998, S. 85.
32 HAVERKAMP, Alfred: Gemeinschaften und Räume während des Mittelalters, Einige Thesen, in: Zwischen
Maas und Rhein, Beziehungen, Begegnungen und Konflikte in einem europäischen Kernraum von der Spätanti-
ke bis zum 19. Jahrhundert, Versuch einer Bilanz, hg. v. Franz IRSIGLER (Trierer Historische Forschungen 61)
Trier 2006, S. 247-283, S. 253.
33 Vgl. ebd., S. 255.
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die Ausgrenzung seitens der Christen ein Mittel zur Gemeinschaftsbildung, welches das „Wir-Gefühl“ der jüdischen Gemeinden stärkte. 34
Über Friedhöfe verfügten nur große jüdische Gemeinden. Diese lagen außerhalb der eng besiedelten Flächen und waren weit getrennt von der Synagoge. 35 Neben Synagogen und Friedhöfen hatten auch jüdische Gemeindehäuser, Mikwen und Hospize kultisch-kulturelle Zentralitätsfunktionen. Nach jüdischer Rechtsauffassung waren Gemeinden mit Friedhof gegenüber anderen jüdischen Gemeinden in Sachen Gerichtsbarkeit autonom. Der Friedhof hatte eine solch herausragende Bedeutung, weil dieser auf Dauer angelegt war. 36
4. Das mittelrheinische Judentum
Die jüdischen Namen von Mainz, Worms und Speyer lauten Magenza, Warmaisa und Schpira. Von diesen leitet sich die Abkürzung „Schum“ ab. Verbunden durch den Rhein trennen Mainz und Worms ca. 40 Kilometer. Die Entfernung zwischen Worms und Speyer liegt bei ca. 35 Kilometern. Geographisch gesehen liegen Mainz, Worms und Speyer am Oberrhein. In der Fachliteratur wird jedoch von den Schum-Gemeinden am Mittelrhein gesprochen. Jüdische Gemeinden waren im Reich nicht vor dem 10. Jahrhundert aufzufinden. Bis zum 12. Jahrhundert waren sie wohl ausschließlich in den Kathedralstädten an Rhein, Mosel, Main und Donau gelegen. Das mittlere Rheingebiet um die Kathedralstädte Worms und Speyer war der Kernbereich der salischen, später staufischen Stammlande. Es wurde zu einer Verdichtungszone jüdischer Existenz, auch weil die Privilegien der Könige zuerst in ihren Stammlanden erteilt wurden. 37
Zur Zeit der Merowinger und Karolinger kamen Juden über Spanien, Frankreich und Italien an den Rhein. 38 Sie siedelten in Mainz, Worms und Speyer, weil diese wichtige Orte der „administrativen und fiskalischen Zentrierung“ 39 waren. Zunächst kamen vor allem einzelne Kaufleute und deren Familien, die schon in ihren Herkunftsorten Ansehen genossen hatten. Später zogen weitere jüdische Personenverbände nach. 40 Die linksrheinischen Siedlungen waren aufgrund der antiken Wurzeln stark vom Urbanisierungsprozess im frühen und hohen Mittelalter beeinflusst. 41 Die antike Tradition verschaffte den Städten am Rhein einen wirtschaftlichen und kulturellen Vorsprung gegenüber den Städten im Norden des Reiches. 42 Die
34 Vgl. GRAUS, Mittelalterliche Umwelt, S. 57.
35 Vgl. HAVERKAMP, Gemeinschaften und Räume, S. 275.
36 Vgl. CLUSE, Koblenzer Juden, S. 127.
37 Vgl. HAVERKAMP, Siedlungs- und Migrationsgeschichte, S. 14.
38 Vgl. REUTER, Die heilige Gemeinde Worms, S. 61.
39 CLUSE, Räumliche Organisationsformen, S. 291.
40 Vgl. MÜLLER, Juden im Westen des Deutschen Reiches, S. 409.
41 Vgl. CLUSE, Koblenzer Juden, S. 123.
42 Vgl. MÜLLER, Juden im Westen des Deutschen Reiches, S. 407.
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