Inhaltsverzeichnis
1 Definition von „Propaganda“ 3
1.1 Wortbedeutung 3
1.2 Propaganda in der Antike 4
2 Das Monumentum Ancyranum 5
2.1 Entstehung der „Res gestae (divi Augusti)“ 5
2.2 Veröffentlichung der „Res gestae (divi Augusti)“ 5
2.3 Wiederentdeckung und Erforschung des Monumentum Ancyranum 6
2.3.1 Wiederentdeckung im Jahre 1555 durch Busbecq 6
2.3.2 Erforschung durch Theodor Mommsen 8
2.4 Inhalt des Monumentum Ancyranum 9
3 Kritische Untersuchung von zwei Textstellen 10
3.1 Kapitel 5: Annahme der Aufsicht über die Getreidebeschaffung, Zurückweisung
der Diktatur und des Konsulats auf Lebenszeit 10
3.1.1 Inhalt des Kapitels. 10
3.1.2 Sprachliche und formale Gestaltung 11
3.1.3 Annahme der Aufsicht über die Getreidebeschaffung 12
3.1.4 Zurückweisung der Diktatur und des Konsulats auf Lebenszeit 14
3.2 Kapitel 25: Sieg über Sextus Pompeius und Schlacht bei Actium 18
3.2.1 Inhalt des Kapitels. 18
3.2.2 Formaler Aufbau des Kapitels 19
3.2.3 Sieg über Sextus Pompeius 19
3.2.4 Schlacht bei Actium 22
3.2.5 Bedeutung der Zahlen im Kapitel 26
4 „Herrscherliche Selbstdarstellung“ und Propaganda in der jüngeren Geschichte und
Gegenwart 27
5 Quellenverzeichnis 30
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1 Definition von „Propaganda“
1.1 Wortbedeutung
Das Wort „Propaganda“ hat seinen etymologischen Ursprung im Lateinischen: „propagatio“ bedeutet „Fortpflanzung, Erweiterung, Verlängerung, Ausdehnung“ 1 . Mit dem lateinischen Wort „propagatio“ und mit seinem dazugehörigen Verb „propagare“ („fortpflanzen, erweitern, verlängern“ 2 ) ist sehr stark ein räumlicher und zeitlicher Gesichtspunkt verbunden. 3
Der Begriff „Propaganda“ taucht „erstmals im Zusammenhang mit der Gründung der Congregatio de Propaganda Fide unter Papst Gregor XV. im J. 1622 zur Verbreitung des christl. Glaubens“ 4 auf. Die Kongregation wurde vor allem zur Glaubensverbreitung in den Missionsländern ins Leben gerufen. 5
Heute kann Propaganda allgemein als „publizist. Beeinflussung“ 6 bezeichnet werden, d. h. als eine Veröffentlichung bzw. Publikation mit dem Ziel, „die Meinung anderer [so] zu beeinflussen“ 7 , dass diese zu einem bestimmten Handeln motiviert werden oder die politische Meinungsbildung dieser Personen gelenkt oder sogar manipuliert wird. Dabei kann Propaganda als „Form der Werbung“ 8 dieses Ziel in verschiedenen Bereichen erfüllen: Es kann sowohl geistigen, politischen, religiösen als auch wirtschaftlichen Charakter haben. 9 Werbung bedeutet, den anderen immer positiv von sich zu überzeugen, bis hin zu überreden bzw. ihn für die betreffenden Inhalte einzunehmen. 10 Propaganda ist eine „geistige Tätigkeit, um eine Idee od. deren Träger, eine Sache od. eine Meinung in günstigem Sinn einem bestimmt umgrenzten Kreis od. der gesamten Öffentlichkeit
1 siehe Hardetert, Peter, 1998, S. 7.
2 siehe Stowasser, J. M. / Petschenig, M. / Skutsch, F., 2006, S. 410.
3 vgl. Weber, Gregor, 2001, Bd. 10, Sp. 412.
4 siehe Weber, Gregor, 2001, Bd. 10, Sp. 412.
5 Auch im Zusammenhang mit dieser Kongregation kommt die zuvor genannte Bedeutung von „propagatio“ im Sinne von „Erweiterung, Ausdehnung“ zum Tragen, denn die Einrichtung hatte folgende Ziele: Loslösen der Mission von weltlichen Einflüssen und dadurch Ausdehnung des kirchlichen Einflusses, Vertretung der römischen Zentralgewalt durch apostolische Nuntien, Aufbau eines einheitlichen Klerus, Vermehrung der Missionsdiözesen. (vgl. Hausberger, Karl, Prof. em. Dr., Lehrstuhlinhaber für Mittlere und Neue Kirchengeschichte, Regensburg, Gespräch vom 11.01.2010.)
6 siehe Weiß, Joachim, 2005, Bd. 11, S. 557.
7 siehe Das Große Duden-Lexikon, 1967, Bd. 6, S. 560.
8 siehe Zwahr, Annette, 2006, Bd. 22, S. 162.
9 vgl. Zwahr, Annette, 2006, Bd. 22, S. 162.
10 Für den modernen Begriff „Propaganda“ ist die Bedeutung von „persuasio“ / „persuadere“ („Überzeugung“ / „überreden, überzeugen“) sehr treffend. (vgl. Weber, Gregor, 2001, Bd. 10, Sp. 412 sowie Stowasser, J. M. / Petschenig, M. / Skutsch, F., 2006, S. 377 f.)
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bekannt zu machen“ 11 , d.h. der Absender will einen Adressaten in seinem Sinne - nach der Bedeutung von „persuasio“ 12 - beeinflussen.
Dabei hat man Gregor XV. schon „machtpolitische Motive“ 13 vorgeworfen, weshalb das Wort „Propaganda“ bis heute mit einer negativen Konnotation behaftet ist. Von seinen Gegnern wurde der Versuch unternommen, diese Propaganda zu entlarven. 14
1.2 Propaganda in der Antike
Auch wenn der Begriff „Propaganda“ erst sehr spät - nämlich im 17. Jahrhundert 15 - zum ersten Mal genannt worden ist, war das Phänomen, Werbung in eigener Sache zu machen, schon in der Antike bekannt. Caesars Aussage - „Um die Macht zu erringen und sie zu behalten, braucht man Geld und Soldaten“ 16 - ist ein Beleg für das Vorhandensein von Propaganda in der Antike. Bereits Caesar erkannte die Bedeutung von Münzen, auf denen die Bilder des jeweiligen Spenders abgebildet waren. 17 Als Mittel der Propaganda verwendete man in der Antike neben Münzen auch historiographische Werke, Mythen, Reden, Vasen, Gemälde und - wie im Falle des Monumentum Ancyranum - auch Inschriften und Bauten. 18
Will man nun diese Erkenntnisse über Propaganda mit dem Monumentum Ancyranum in Verbindung bringen, so tauchen folgende Fragen auf:
Zunächst wird man nach dem Inhalt des Monumentum Ancyranum fragen. Ferner ist interessant, wofür Augustus eigentlich wirbt und an wen er sich wendet. Von besonderer Bedeutung ist schließlich die Suche nach Belegen, an denen man festmachen kann, dass es sich beim Monumentum Ancyranum um Werbung in eigener Sache handelt. Im Folgenden werden Antworten auf diese Fragen gegeben.
11 siehe Der große Herder, 1934, Bd. 9, S. 1181.
12 vgl. hierzu die Anmerkung Nr. 10.
13 siehe Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001 Plus.
14 vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001 Plus.
15 vgl. hierzu die im Kapitel »1.1 Wortbedeutung« behandelte Gründung der Congregatio de Propaganda Fide durch Papst Gregor XV. im Jahre 1622.
16 siehe Hardetert, Peter, 1998, S. 7.
17 vgl. Hardetert, Peter, 1998, S. 7.
18 vgl. Weber, Gregor, 2001, Bd. 10, Sp. 412 sowie Zwahr, Annette, 2006, Bd. 22, S. 162.
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2 Das Monumentum Ancyranum
Um dem Themenkomplex gerecht zu werden, soll nun die Entstehungsgeschichte der „Königin der Inschriften“, wie Theodor Mommsen das Monumentum Ancyranum bezeichnete 19 , genauer beleuchtet werden.
2.1 Entstehung der „Res gestae (divi Augusti)“
Als Nachlass verfasste Augustus vor seinem Tod fünf Schriften: ein Testament, Anweisungen für sein Begräbnis, Angaben über die militärische und finanzielle Lage des römischen Staates und schließlich einen Tatenbericht, die „Res gestae“, auch „Monumentum Ancyranum“ genannt. 20 Der genaue Zeitpunkt, an dem Augustus den Tatenbericht verfasste, kann in der Forschung nicht eindeutig geklärt werden. 21 Die Aussage „[…Cum scri]psi haec, annum agebam septuagensu[mum sextum]“ 22 deutet auf eine Fertigstellung in seinem 76. Lebensjahr 23 hin. Vermutlich wurde der Text in Rom verfasst. 24 Ob der Tatenbericht als Ganzes auf einmal oder über einen längeren Zeitraum hinweg verfasst worden ist, ist ebenfalls unklar. 25 Neben der These, dass der Endausgabe „mehrere frühere Fassungen vorausgingen“ 26 - erste Arbeiten sollen sogar bis ins Jahr 13 v. Chr. datiert werden 27 - existiert auch die Annahme, Augustus habe seinen Tatenbericht zurückblickend im Jahre 14 n. Chr. verfasst 28 .
2.2 Veröffentlichung der „Res gestae (divi Augusti)“
Sämtliche fünf von Augustus vor seinem Tod verfassten Schriften 29 wurden nach dem Tod des Imperators vor dem Senat vorgelesen. Außerdem wurde der Tatenbericht - Augustus hatte dies selbst in seinem Testament befohlen - vor seinem Mausoleum auf zwei
19 vgl. Weber, Ekkehard, 2004, S. 7.
20 vgl. Rehrmann, Franz Anton, 1937, S. 625.
21 vgl. Giebel, Marion, 1975, S. 45 sowie S. 56 f.
22 siehe R. Gest. div. Aug., c. 35. Das Zitat bezieht sich auf folgende Textausgabe: Weber, Ekkehard, 2004. Die eckigen Klammern in den lateinischen Zitaten beinhalten Ergänzungen des Herausgebers nicht erhaltener Stellen.
23 Es handelt sich um das Jahr 13 bzw. 14 n. Chr. (Augustus wurde im Jahre 63 v. Chr. geboren), also unmittelbar vor seinem Tod (19. August 14 n. Chr.).
24 vgl. Hollstein, Nina, 2005, S. 6.
25 vgl. Hollstein, Nina, 2005, S. 6.
26 siehe Schmalzriedt, Egidius, 1988, Bd. 1, S. 858.
27 vgl. Galsterer, Hartmut, 2001, Bd. 8, Sp. 388.
28 vgl. Weber, Wilhelm, 1936, S. 102 sowie S. 105 f.
29 vgl. hierzu das Kapitel »2.1 Entstehung der „Res gestae (divi Augusti)“«.
6
Bronzepfeilern eingraviert. 30 Augustus entschied sich vor seinem Tod dazu, das Dokument „in allen Teilen des Römischen Reiches“ 31 zu verbreiten. Zur Bekanntmachung der „Res gestae“ in den Provinzen schickten die amtierenden Konsuln den Text auch dorthin. 32 Die Veröffentlichung in den Provinzen kann durch drei Funde belegt werden. 33 In diesem Zusammenhang taucht auch die Frage auf, ob die Zielgruppe ein bestimmter Kreis oder die gesamte Öffentlichkeit war. Durch die öffentliche Anbringung des Schriftstücks war es zwar der gesamten Bevölkerung zugänglich, doch die beschränkte Lesefähigkeit im Römischen Reich erschwerte die Verbreitung des Inhalts. Diese Problematik wurde allerdings durch die Abfassung von griechischen Übersetzungen, welche neben der lateinischen Inschrift angebracht wurden, relativiert 34 .
Zusammenfassend kann man also feststellen: Augustus richtete sich mit seinen „Res gestae“ sowohl an den Senat als auch an die Bevölkerung Roms als auch an die Provinzbevölkerung. Die „Res gestae“ waren somit an die gesamte Bevölkerung des römischen Reiches adressiert.
2.3 Wiederentdeckung und Erforschung des Monumentum Ancyranum
2.3.1 Wiederentdeckung im Jahre 1555 durch Busbecq
Eine Gesandtschaft des späteren römischen Kaisers Ferdinand I. 35 an den Sultan Suleiman II. 36 entdeckte im Jahre 1555 in der Stadt Angora, die in der Antike Ankyra 37 hieß, eine Kopie der „Res gestae (divi Augusti)“. 38 Der Leiter dieser Gesandtschaft 39 , Ghiselin de
30 vgl. Galsterer, Hartmut, 2001, Bd. 8, Sp. 388 sowie Eck, Werner, 1998, S. 7.
31 siehe Bergemann, Johannes: Die Res Gestae Divi Augusti. http://www.pharos.rub.de/typo3/quickstart/index.php?1 (02.11.2009).
32 vgl. Eck, Werner, 1998, S. 7.
33 Dabei handelt es sich um Funde in Angora, Apollonia und Antiocha. Diese werden im Kapitel »2.3.1 Wiederentdeckung im Jahre 1555 durch Busbecq« näher erläutert.
34 vgl. Galsterer, Hartmut, 2001, Bd. 8, Sp. 388 sowie Eck, Werner, 1998, S. 7.
35 Ferdinand I. (1503-1564) war zu diesem Zeitpunkt Römischer König und ermöglichte im selben Jahr (1555) den Augsburger Religionsfrieden. Später (seit 1556) war er Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 1973, Bd. 8, S. 641.)
36 Suleiman II. (bzw. Sulaiman II., 1494-1566) war ein osmanischer Sultan (seit 1520). Er war einer der bedeutendsten Herrscher seiner Zeit und trat sowohl als Feldherr als auch als Förderer der Literatur und der Architektur hervor. (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 1978, Bd. 23, S. 17.)
37 Ankyra (bzw. Ancyra) war die Hauptstadt der Provinz Galatien. Die Stadt, die früher von den Europäern Angora genannt wurde, heißt heute Ankara und ist seit 1923 die Hauptstadt der heutigen Türkei. (vgl. Zwahr, Annette, 2006, Bd. 2, S. 80 f.)
38 vgl. Weber, Ekkehard, 2004, S. 6.
39 Der Hintergrund dieser Gesandtschaft sind die Auseinandersetzungen zwischen Türken und Europäern im 16. Jahrhundert. Als Vorwand für die Plünderungen, die durch die osmanischen Türken vorgenommen wurden, gaben diese die Eroberungen im Namen Allahs an. Nach der Übernahme der Regierung in
7
Busbecq, interessierte sich sehr für die Antike. Deshalb unternahm er auf seinen Reisen, die er im Auftrag Ferdinands I. durchführte, auch Forschungen auf diesem Gebiet und stieß in Angora auf die Überreste einer Kopie des Tatenberichts des Augustus. 40 Es handelte sich dabei um eine Inschrift in lateinischer und griechischer Sprache, die an den Wänden eines antiken Bauwerks angebracht war. Das Gebäude war ein Tempel, der der Göttin Roma und Augustus geweiht war. 41 In einem seiner Briefe 42 schrieb Busbecq Folgendes über den Zustand des Gebäudes und der Inschrift: „Sie [die Inschrift] steht eingemeißelt in die marmornen Wände eines nun zerstörten und dachlosen Gebäudes, welches vielleicht einst das eines Statthalters gewesen ist, so dass den Eintretenden eine Hälfte zur Linken, eine zur Rechten erscheint. Die obersten Teile [der Inschrift] sind beinahe unbeschädigt, die mittleren sind nur teilweise erhalten, die untersten aber wurden mit Keulen- und Beilschlägen so ruiniert, dass sie nicht mehr gelesen werden können.“ 43 Aufgrund der östlichen Lage des Fundortes und der dort vorherrschenden griechischen Sprache wurde auch eine griechische Übersetzung an dem Tempel angebracht. Beschädigungen in der Wand des Bauwerks sind dafür verantwortlich, dass die Inschriften teilweise große Lücken 44 aufweisen. Der Autor der griechischen Abschriften kann nicht eindeutig identifiziert werden. Vermutungen sprechen für Polybios, der Freigelassener und Sekretär des Augustus war. 45 Bereits Busbecq erkannte die Bedeutung der Inschrift, denn er schrieb
Österreich durch Ferdinand I. im Jahre 1521 hatte Österreich schon große Gebiete an die Türken abtreten müssen. Ferdinand I. nahm bei den Konflikten eine bedeutende Stellung auf europäischer Seite ein. 1526 gelang den Türken unter der Führung von Suleiman II. ein bemerkenswerter Vorstoß gegen Ungarn. Weitere Kämpfe folgten, bis es 1547 zu einem Waffenstillstand kam, der allerdings nur bis 1552 währte. 1555 reiste Ogier Ghiselin de Busbecq, Botschafter Ferdinands I. im Osmanischen Reich, nach Amasya, um dort auf den Sultan Suleiman II. zu treffen. Nachdem er dem Sultan die Botschaft Ferdinands I. überbracht hatte, erhielt er ein Antwortschreiben, das einen sechswöchigen Waffenstillstand bescheinigte. Auf der Reise nach Amasya kam Busbecq mit seinem Gefolge auch nach Angora (Ankara), wo er das Monumentum Ancyranum entdeckte. (vgl. Sutter Fichtner, Paula, 1986, S. 33 und S. 50-61 sowie Laubach, Ernst, 2001, S. 626-633 sowie Toberer, Severin: Biografie Ogier Ghiselin de Busbecq. http://www.mike-epidavros.com/busbecq/biografie.html (04.11.2009).)
40 vgl. Toberer, Severin: Über die „Epistolae“ http://www.mike-epidavros.com/busbecq/epistolae.html (04.11.2009).
41 vgl. Weber, Ekkehard, 2004, S. 6.
42 Busbecq schrieb fiktive Briefe an den Diplomaten Nicolas Michault, der ebenfalls im Dienste Ferdinands I. stand. Die Briefe waren ursprünglich in lateinischer Sprache verfasst. Bei den hier verwendeten Zitaten handelt es sich um die deutsche Übersetzung. (vgl. Toberer, Severin: Über die „Epistolae“. http://www.mike-epidavros.com/busbecq/epistolae.html (04.11.2009).)
43 siehe Toberer, Severin: Deutsche Übersetzung der Textpassage. http://www.mike-epidavros.com/busbecq/deutschu.html (04.11.2009).
44 Diese Lücken konnten allerdings durch weitere Funde in Apollonia in Pisidien (in griechischer Sprache; 1821 geringfügige Funde, 1930 weitere, umfangreichere Funde) und in Antiochia, ebenfalls in Pisidien, (in lateinischer Sprache; Grabungen in den Jahren 1914 und 1924) geschlossen werden. Von der Inschrift, die vor dem Mausoleum des Augustus auf Bronzetafeln angebracht war, konnten keine Überreste gefunden werden. Da der größte Teil des Tatenberichtes in Ancyra gefunden wurde, nennt man den aus den Funden gesicherten Text „Monumentum Ancyranum“.
(vgl. Giebel, Marion, 1975, S. 78 sowie Weber, Ekkehard, 2004, S. 7.)
45 vgl. Weber, Ekkehard, 2004, S. 6-8.
8
in seinen Briefen: „Dies [die Beschädigungen der Inschrift] ist gewiss ein grosser [sic!] Schaden für die Wissenschaft, der es wert ist von den Gelehrten beklagt zu werden.“ 46
Über die Erforschung des Monumentum Ancyranum in der Folgezeit gibt es wenig Hinweise. Prof. Dr. Heinz Schmitz aus Neftenbach (Schweiz), der sich mit der Thematik um Busbecq und das Osmanische Reich eingehend beschäftigte, nimmt an, „dass [nach der Entdeckung durch Busbecq] nichts geschah. Für Westeuropäer war ja Ankara extrem abgelegen, und die Osmanen hatten wohl kein Interesse an der Sache.“ 47
2.3.2 Erforschung durch Theodor Mommsen
Wirklich erforscht wurde das Monumentum Ancyranum durch Theodor Mommsen, dessen Arbeiten im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften standen. 48 „Am 1. Juli 1882 kamen wir in Angora an“ 49 , schreibt er selbst in der von ihm herausgegebenen Textausgabe. Zu diesem Zeitpunkt fungierte der ehemalige Tempel der Roma und des Augustus als ein zu einer Moschee gehörender Friedhof. 50 Mommsen erstellte zusammen mit seinen Begleitern zunächst Gipsabdrücke von der Inschrift bzw. von den Marmorquadern, auf denen die Inschrift angebracht war. 51 Insgesamt benötigte man zur Konservierung der „Res gestae“ 78 Gipsplatten zu je „60 Centimeter Länge und Breite“ 52 . Da der Gips nicht alles widerspiegeln konnte, wurde der Text mit bereits vorhandenen Abschriften verglichen. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass Teile der griechischen Inschrift durch drei Häuser, die an die Wand des Tempels angebaut waren, verdeckt wurden. 53 Doch auch dieser Umstand war für Mommsen kein Hindernis, denn er selbst schreibt: „Durch directe und persönliche Verhandlung gelang mir die Verständigung mit den Eigenthümern bald, indem ich jedem ein paar Lira zahlte und natürlich die abgerissenen Mauern wieder herstellte…“ 54 . Zur Anfertigung der Gipsabdrücke für die griechische Übersetzung wurden wiederum 116 Gipsplatten benötigt. 55 Diese Platten wurden in Kisten verpackt mit Hilfe von Lastpferden zum Königlichen Museum nach
46 siehe Toberer, Severin: Deutsche Übersetzung der Textpassage. http://www.mike-epidavros.com/busbecq/deutschu.html (04.11.2009).
47 Schmitz, Heinz, Prof. Dr., Brief vom 05.11.2009.
48 vgl. Hollstein, Nina, 2005, S. 6.
49 siehe Mommsen, Theodor, 1883, S. XXVIII.
50 vgl. Mommsen, Theodor, 1883, S. XXVIII.
51 vgl. Mommsen, Theodor, 1883, S. XXIX.
52 siehe Mommsen, Theodor, 1883, S. XXIX.
53 vgl. Mommsen, Theodor, 1883, S. XXX f.
54 siehe Mommsen, Theodor, 1883, S. XXXI.
55 vgl. Mommsen, Theodor, 1883, S. XXXI.
9
Berlin transportiert. Die Gipsabdrücke ermöglichten Theodor Mommsen im darauffolgenden Jahr die Veröffentlichung einer Textausgabe. 56 Sie befinden sich heute im Berliner Pergamonmuseum. 57
2.4 Inhalt des Monumentum Ancyranum
Der Text des Monumentum Ancyranum beginnt mit einer kurzen Einleitung, welche den folgenden Teil der Inschrift als eine Abschrift der „Res gestae divi Augusti“ ausweist. Diese einführenden Worte wurden vermutlich von Tiberius verfasst. 58 In den sich daran anschließenden 35 Kapiteln blickt Augustus auf seine sowohl militärischen als auch politischen Erfolge zurück. Dabei kann der Text in vier Teile untergliedert werden: Nach der Erwähnung seiner Ehrungen geht Augustus auf die aus seinem privaten Vermögen bezahlten Investitionen für das Allgemeinwohl ein. Anschließend erfolgt ein Bericht über seine militärischen Taten, bevor eine Zusammenfassung über die Stellung des Augustus im römischen Staat sowie die Angabe seines Alters zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser Schrift folgt. Den Schluss des Monumentum Ancyranum bilden vier Zusätze, in denen die Ausgaben, die Augustus für das allgemeine Wohl leistete, noch einmal zusammengefasst werden. Es wird vermutet, dass diese - wie die Einleitung - erst nach dem Tod des Augustus hinzugefügt wurden. 59
Nun kann bereits ein erstes Fazit gezogen werden. Der Tatenbericht des Augustus ist eine Werbung 60 für dessen Herrschaft. Der Verfasser erwähnt bewusst seine Verdienste um das Allgemeinwohl und die durch ihn erlangte Ausdehnung des römischen Reiches, wobei er geschickt einen Bezug zum römischen Imperialismus herstellt. 61
56 vgl. Hollstein, Nina, 2005, S. 6.
57 vgl. Hollstein, Nina 2005, S. 6 sowie Volkmann, Hans, 1969, S. 4.
58 vgl. Giebel, Marion, 1975, S. 43.
59 vgl. Galsterer, Hartmut, Bd. 8, 2001 S. 388 sowie Kytzler, Bernhard, 1989, Bd. 5, S. 2811.
60 Bereits im Kapitel »1.1 Wortbedeutung« wurde Propaganda als eine „Form der Werbung“ definiert.
61 Hier ist eine Parallele zu Cicero erkennbar. Auch er plädiert in seinem Werk „De re publica“ für die Sorge um das Allgemeinwohl. Der Staat sei - so Cicero - eine Gemeinschaft, die sich durch „iuris consensu“ und „utilitatis communione“ auszeichnet (Cic. rep. I, 39). (vgl. Zimmermann, Johannes, 1967, S. 20.) Augustus stellte jedoch die Republik nur scheinbar wieder her (vgl. hierzu auch Kapitel »3.1.4 Zurückweisung der Diktatur und des Konsulats auf Lebenszeit«).
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Matthias Sperl, 2010, Augustus’ Selbstdarstellung im Monumentum Ancyranum, München, GRIN Verlag GmbH
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