suches, durch fehlende curriculare Sequenzierung und durch die ständige Präsenz von dinglichen Exponaten. Dennoch scheinen beide Parteien in den letzten Jahrzehnten eine natürliche Beziehung zueinander aufgebaut zu haben. Für Museen stellen Schulklassen die wichtigste Besuchergruppe überhaupt. Oftmals machen diese in der Gesamtbesucherstatistik einen Anteil von über 40% aus. 1 Umgekehrt gilt das gleiche für die Schulen. Unter allen außerschulischen Einrichtungen stehen Museen als Partner an erster Stelle. 2 Beide Seiten haben jedoch unterschiedliche Motive für eine Kooperation untereinander. Für die Schule bietet das Museum die gegenständliche Anschauung, welche sie im regulären Unterricht nicht bieten kann. Gerade für den Geschichtsunterricht bietet das historische Museum zahlreiche Möglichkeiten, um Kindern und Jugendlichen ein Verständnis für die eigene Vergangenheit näher zu bringen.
„Einerseits werden positive Entwicklungslinien in der Geschichte her-vorgehoben und als Zeugnis menschlicher Größe und Leistung vorgezeigt und in Anspruch genommen: andererseits lassen sich die Unmenschlichkeiten und Regressionen vergangener Zeiten als Warnsignale vor analogen Gefahren oder als Apell zur Korrektur gegenwärtiger Tendenzen wahrnehmen.“ 3
Das Museum kann durch zahlreiche Besuche von Schulklassen seinen Existenzanspruch berechtigen. Doch ergibt sich hieraus eine weitere Frage. Inwiefern ist es möglich, die Zusammenarbeit von beiden Bildungseinrichtungen zu verbessern?
Das Museum soll schulische Defizite ausgleichen und durch die Anschaulichkeit der Exponate Schule interessanter gestalten. Deshalb stellt sich für das Museum an dieser Stelle das Problem der richtigen Präsentation für die entsprechende Altersgruppe.
„Uniforme Wände, dezentes künstliches Licht, keine Möbel - außer einer Sitzgruppe aus Leder in der Mitte des Raumes - keine Teppiche, an den Wänden einige Bilder und andere Exponate, die Glasvitrinen spiegeln, die Ausstellungsgegenstände sind immer nur von einer Seite sichtbar, für den älteren Herrn sind die Schildchen mit 4 Zeilen Be-
1 Parmentier,Michael: „Museum und Schule. Zur Geschichte einer noch immer unterschätzten Beziehung.“ In: Museumslandschaften (2009) 71/72. S. 30.
2 ebd. S.30.
3 Hug, W. (Hrsg.): Das historische Museum im Geschichtsunterricht. Eine didaktische Anleitung mit Unterrichtsbeispielen. Freiburg/Würzburg 1978. S.23.
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schriftung nur mit Nah- Brille zu entziffern, ein ständiger Platzwechsel: lesen, bücken, aufrichten, zurücktreten - alles natürlich schweigend. Berühren verboten! in den Räumen respekteinflößendes Aufsichtspersonal.“ 4
Schnatterbeck beschreibt hier anschaulich ein Bild von Museen, welches wohl die Meisten haben. Doch lässt sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr ein museumspädagogischer Wandel erkennen. Museen sollen Orte werden, an denen sich alle wohlfühlen. Hierbei sollte aber vor allem im Vordergrund stehen, dass die jüngere Generation im Museum selbst tätig werden kann. Schnatterbeck stellt deshalb folgende Zielsetzungen an die Museen: Museen sollten den Charakter der Andachtsstätten verlieren und zum Aktionsraum werden. Er fordert weiterhin, mehr sozialgeschichtliche Akzente zu setzten, um Kinder und Jugendliche mehr für ihre eigene Geschichte begeistern zu können. Desweiteren sollte es verschiedene Möglichkeiten geben, den Unterricht in das Museum zu verlagern. 5 Sogenannte Mitmachbereiche stehen bei der Gestaltung von neuen Ausstellungen hoch im Kurs. Diese sind vor allem auf die jüngeren Besucher ausgelegt und laden dazu ein, Geschichte hautnah zu erfahren. Doch auch bei allen Bemühungen der modernen Museumspädagogik ist es nicht möglich, einen Museumsbesuch mit einer Schulklasse als Selbstläufer zu betrachten. In der schulischen Realität dienen Museumsbesuche oft dazu, um Wandertage zu füllen, oder erleichtern einem Lehrer die Arbeit bei mangelnder Zeit zur Unterrichtsvorbereitung. Dies ist jedoch kein Ausgangspunkt für eine sinnvolle Unterrichtsgestaltung.
Die fragmentarische Darstellungsweise im Museum verlangt von den Schülerinnen und Schülern, eigene Vorstellungen und Kenntnisse mit einzubringen. 6 Gelernt wird im Museum anhand von gegenständlichen Quellen, welche eine schwierigere Interpretation als schriftliche Quellen zu Folge haben. Dennoch ist die Motivation der Schülerinnen und Schüler hierbei höher. 7 Sie dürfen
4 Schnatterbeck, Werner: „Didaktische Erneuerung unserer Museen.“ In: Fiebig, Peter; Pellens, Karl; Schnatterbeck, Werner (Hrsg.): Schüler im Museum. Freiburg 1983. S 18.
5 vgl. ebd. S. 21.
6 vgl. Museumspädagogischer Dienst Berlin (Hrsg.): Schule und Museum. Vom Nutzen des Museums für die Schule. Anregungen für den Unterricht in den Fächern Geschichte, Deutsch, Physik, Bildende Kunst, Erdkunde/Sachkunde. Milow 1998. S. 10.
7 vgl. Hey, Bernd: „Exkursion, Lehrpfade, alternative Stadterkundungen.“ In: Bergmann, Klaus; Fröhlich, Klaus; Kuhn, Anette et. al. (Hrsg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik. Hannover 5 1997. S. 729.
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Arbeit zitieren:
Julia Rudloff, 2011, Museumsbesuche als Ergänzung des Geschichtsunterrichts , München, GRIN Verlag GmbH
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