Inhaltsverzeichnis
Einleitung : Globalisierung im Mittelalter?? 3
I.Romania, Alexandria und Beirut: Tore zum Osten?? 6
I.1.Erste Schritte im Fernhandel: die Beziehungen zur Romaniaa 6
I.2.Venedigs Beziehungen zu den Mamluken und den Mongolen: Alexandria
und Syrienn 10
II.Ein Exkurs aufs Festland - Der Handel mit den Tedeschi : Brücke zu Mittel- und
Nordeuropaa 13
III.Vernetzung mit Westeuropa und Nordwestafrika: Flandern, Aque-Morte und
Berberk üstee 16
Schlussfolgerungg 18
Bibliographiee 20
2
Einleitung: Globalisierung im Mittelalter?
Globalisierung - ein Begriff den man heutzutage nur sehr schwer umgehen kann. Gleichzeitig gibt es kaum ein Konzept das derart vage und unbestimmt ist. Deshalb vorab eine Definition des angestrebten Globalisierungs-Konzept in dieser Arbeit.
Sebastian Conrad und Andreas Eckert unterscheiden zwischen „Globalisierung als Prozess und Globalisierung als Perspektive“. 1 Für diese Arbeit interessiert uns die Globalisierung als Prozess, da diese der Frage nach überregionalen und transkulturellen Vernetzungen und Austauschen in geschichtlicher Perspektive nachgeht. 2
Der Begriff der Globalisierung leitet sich ab vom Globus, also dem Erdball und impliziert auf diese Weise weltweite Vernetzung und weltumgreifenden Austausch. Ist die Verwendung dieses Begriffs im Rahmen einer Mittelalterbezogenen Arbeit also angebracht? Dies scheint auf Anhieb nicht der Fall, da es im Mittelalter nur schwerlich zu weltumgreifenden Beziehungen und Kontakten kommen konnte. Geht man jedoch andererseits von einer möglichen Vernetzung der gesamten zu jenem Zeitpunkt bekannten Erdregionen aus, und somit der Umfang der mittelalterlichen Welt gedeckt ist, ist die Anwendung des Begriffs meines Erachtens vertretbar.
Im Laufe des 9. bis zum 13. Jahrhundert hatte Venedig sich ein umfangreiches Handelsnetz vom Ärmelkanal, über Mittel-, Schwarzes, Kaspisches und Arabisches Meer hin zum Pazifik aufgebaut. 3
1 CONRAD, Sebastian / ECKERT, Andreas, Globalgeschichte, Globalisierung, multiple Modernen: Zur Geschichtsschreibung der modernen Welt, in: Globalgeschichte. Theorien, Ansätze, Themen, hg. v. Sebastian CONRAD, Andrea ECKERT, Ulrike FREITAG, Frankfurt am Main 2007, S. 20.
2 Ibid., S. 20; siehe hierzu auch BENTLEY, Jerry, „Cross-Cultural Interaction and Periodization in World History“, in: American Historical Review 101 (1996), S. 749-770.
3 Siehe hierzu: Karte der venezianischen Fernhandelsrouten vom 9. - 11. Jahrhundert, in: FELDBAUER, Peter / LIEDL, Gottfried / MORRISSEY, John (Hg.), Venedig 800-1600. Die Serenissima als Weltmacht, Expansion-Interaktion-Akkulturation, Historische Skizzen zur Europäisierung Europas und der Welt Band 18, Wien 2010, S. 157.
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Bei näherer Betrachtung dieses großen Netzwerkes ergibt sich nun folgende Fragestellung:
Kann man im Fall von Venedigs Handelsbeziehungen von einer überregionalen und transkulturellen Vernetzung der Lagunenstadt mit der gesamten damalig bekannten Welt ausgehen?
Venedig, eine Stadt deren Anfänge bis dato im Dunkeln liegen, 4 ist wohl eine der am meist und best untersuchten Städte des Mittelalters. So liest man oft in Einführungen zu Schriften zu der Geschichte Venedigs Sätze wie „Encore un livre sur lʻhistoire de Venise!“ 5 oder „Yet another book about Venice?“ 6 , Sätze die anderen Forschern in ihren Publikationen ebenfalls dazu dienen, den Forschungsstand zu diesem Thema zu beschreiben. 7 Um den Umfang der geleisteten Forschungsarbeit zu Venedigs Geschichte besser fassen zu können, möchte ich hier kurz ein von Marie Viallon angeführtes Beispiel nennen. Sie schreibt, dass bereits im 19. Jahrhundert ein Gelehrter aus Rouen, Auguste Boullier, eine Liste von 7791 Schriften zur Geschichte und den Institutionen Venedigs zusammentragen konnte. 8 Um diesem Problem des Überflusses an Sekundärliteratur zu umgehen, habe ich mich dazu entschlossen, mich vor allem an Peter Feldbauers, Gottfried Liedls und John Morrisseys 2010 erschienenen Monographie Venedig 800-1600 - Die Serenissima als Weltmacht zu orientieren, da diese einen umfassenden Einblick in die bisherige Forschungslage Venedig betreffend liefert. 9 Um einige Aspekte der folgenden Arbeit ausführlicher behandeln zu können, habe ich
4 Veneto selbst wird erst 537 in einem Brief des römischen Senators M. Aurelius Cassiodorus an die venetischen Seetribunen erwähnt: „Venetiae praedicabiles quondam plenae nobilibus, ab austro Ravennam Padumque contingunt, ab oriente jucunditate Ionii littoris perfruuntur; […]“; Auszug aus :M. Aurelius Cassiodorus, Variarum Libri XII, Liber XII, Epist. XXIV (Senatoris ad tribunes maritimorum), in: Gallica, Bibliothèque numérique, http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5503020w/f437.tableDesMatieres (30.03.2011)
5 VIALLON, Marie, Venise et la Porte Ottomane 1453-1566. Un siècle de relations vénéto-ottomanes de la prise de Constantinople à la mort de Soliman, Paris 1995, S. vii.
6 CROUZET-PAVAN, Elisabeth; COCHRANE, Lydia G., Venice triumphant: The Horizons of a Myth, Baltimore 2002, S. ix.
7 FELDBAUER, Peter / LIEDL, Gottfried / MORRISSEY, John (Hg.), Venedig 800-1600. Die Serenissima als Weltmacht, Expansion-Interaktion-Akkulturation, Historische Skizzen zur Europäisierung Europas und der Welt Band 18, Wien 2010, S. 11.
8 VIALLON, Venise et la Porte Ottomane, S. vii.
9 FELDBAUER et al., Venedig 800-1600. (siehe Anm. 6)
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diese Lektüre in einem zweiten Schritt um einige spezifische Thematiken betreffende Monographien und Aufsätze ergänzt. Untersuchungen verschiedener Quellentexte und archäologischer Funde sollen als Untermalung der folgenden Argumentation dienen.
Der Aufbau der Arbeit orientiert sich an dem ab 1346 von der venezianischen Regierung eingeführten System der muda. 10 Hierbei handelt es sich um den „Einsatz der Staatsgaleeren in streng reglementierten Flottenverbänden, die insbesondere zu Ostern und im September, aber auch zu Peter und Paul ausliefen.“ 11 Die sieben ab Ende des 14. Jahrhunderts und im Verlauf des 15. Jahrhunderts festgelegten regelmäßig befahrenen Galeerenrouten liefen die bis dahin mit Venedig vernetzten Häfen an und eignen sich somit die Beziehungen der Dogenrepublik in alle vier Himmelsrichtungen zu ordnen und zu untersuchen. 12
Auf diese Weise werden wir uns in einem ersten Schritt mit den Handelsrouten in die Romania, nach Alexandria und nach Beirut auseinandersetzen, da diese Linien Venedig den Zugang zum Nahen sowie zum Fernen Osten ermöglichten. Da es sich bei diesen Handelsrouten um die Haupteinnahmequelle und gleichzeitig um die am längsten bestehenden Fernhandelsbeziehungen der Serenissima handelt, wird die Untersuchung dieser Linien, vor allem jener in die Romania, den größten Teil dieser Arbeit beanspruchen. In einem zweiten Schritt werden wir einen Exkurs über die transalpine Landroute unternehmen, um die Handelsbeziehungen der Markusrepublik mit süddeutschen Städten und Wien zu analysieren, da diese Beziehungen den Weg zu indirekten Handelsbeziehungen mit Nord- und Zentraleuropa ebneten. Ein letzter Teil wird der Vernetzung Venedigs mit Westeuropa und Nordafrika sowie der Subsaharischen Regionen gewidmet. Um die Vernetzung zu verdeutlichen werde ich je nach Möglichkeit versuchen, kommerziellen sowie kulturellen Austausch zu belegen.
10 Ibid., S. 158-165; sowie HOCQUET, Jean-Claude, Venise au Moyen Âge, Paris 2004 2 , S. 176-178.
11 FELDBAUER et al., Venedig 800-1600, S. 162.
12 Ibid., S. 163.
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I. Romania, Alexandria und Beirut: Tore zum Osten?
I.1.Erste Schritte im Fernhandel: die Beziehungen zur Romania
Die erste staatlich festgelegte muda war jene in die Romania und nach Konstantinopel. Sie wurde 1255 vom Dogen Reniero Zeno eingeführt, um den Schiffen auf der Handelsroute entlang der dalamtinischen Küste über die Ägäis den bestmöglichen Schutz vor Slawischen Piraten zu bieten. 13
Schon sehr früh unterhielt Venedig Handelsbeziehungen zum byzantinischen Reich. Dies verdankte es wohl dem Umstand, dass es, anders als seine Handelsrivalen an der istrischen Küste Ravenna und Comacchio, mit denen es gemeinsam im 6. Jahrhundert unter byzantinische Herrschaft geriet, 751 nicht von den Langobarden eingenommen wurde, sondern unter romanischer Herrschaft verblieb. 14 Die byzantinischen Kaiser gestanden Venedig in verschiedenen Chrysobullen eine wachsende Anzahl an Handelsprivilegien, wie etwa Zoll- und Handelsfreiheit zu, die es der Serenissima schließlich erlaubten die Romania kommerziell zu unterlaufen und sich den Zugang zur Schwarzmeerregion zu ebnen. 15 Erwähnenswert sind hier vor allem die Chrysobullen von 992, 1082 sowie jene von 1265.
Die Chrysobulle von 992 war das Resultat der Konsolidierungspolitik des Dogen Pietro II Orseolo. In seinem Bestreben nach der Festigung Venedigs im überregionalen Fernhandel und der Annäherung mit Byzanz, erreichte er die
13 NICOL, Donald M., Byzantium and Venice. Study in diplomatic and cultural relations, Cambridge 1999 4 , S. 286-287.
14 CROUZET-PAVAN / COCHRANE, Venice triumphant, S. 57
15 Siehe hierzu MENZEL, Ulrich, Imperium oder Hegemonie? Venedig - Seemacht mit imperialem Anspruch 1381-1499, in: Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften, Nr. 83, Dezember 2007, S.
15-21; sowie BRANDES, Jörg-Dieter, Mare Venetiarum. Die Ägäis im Mittelalter, Leipzig 2008, S. 35-53.
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Arbeit zitieren:
Danielle Wilhelmy, 2011, Venedig, Drehscheibe des mittelalterlichen Weltmarktes , München, GRIN Verlag GmbH
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