Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Der Konstruktivismus 2
2.1 Begriff und historische Herleitung des Konstruktivismus. 2
2.2 Der „aktuelle“ oder auch „radikale“ Konstruktivismus. 4
2.2.1 Das Prinzip der undifferenzierten Codierung. 4
2.2.2 Die Theorie der Autopoiese. 5
2.2.3 Das Viabilitätskonzept. 6
2.3 Die Ethik des Konstruktivismus. 7
3 Schule und Konstruktivismus. 8
3.1 Konstruktivistische Ansätze bzgl. des Lernens und Lehrens. 9
3.2 Erkenntnisse bzgl. des Lernens gemäß der Gehirnforschung. 10
3.3 Die Projektmethode nach Karl Frey - ein Beispiel für informelles Lernen. 11
3.3.1 Die Curriculumtheorie. 11
3.3.2 Symbiose des „Was“ und „Wie“ - der Schlüssel zum Erfolg. 12
4 Fazit. 13
5 Literaturverzeichnis 14
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1 Einleitung
Das menschliche Erleben, Erkennen und Lernen ist ein selbstkonstruierender Prozess. Dies ist die Kernaussage des Konstruktivismus, welche von den aktuellen Ergebnissen der Hirnforschung gestützt wird.
Ich werde in dieser Arbeit untersuchen, welche Konsequenzen diese Theorien für das „Wie“ des Lernens in der Schule haben und ob diese Berücksichtigung im deutschen Schulsystem finden.
Einleitend gebe ich einen Überblick über die Inhalte konstruktivistischer Theorien. Dies geschieht zum einen aus der historischen Herleitung dieser ursprünglich philosophischen Strömung, und zum anderen über die spezifische Beleuchtung des „aktuellen“ oder auch „radikalen“ Konstruktivismus.
Letzteres werde ich über die Betrachtung der drei theoretischen Grundpfeiler des Konstruktivismus konkretisieren. Diese bilden sich aus dem Prinzip der undifferenzierten Codierung, der Theorie der Autopoiese und des Viabilitätskonzepts.
Die Vorstellung des Konstruktivismus schließe ich mit der Betrachtung aus ethischer Sicht ab. Im Hauptteil (Kapitel 3) stelle ich den Bezug zwischen Schule und Konstruktivismus her. Dies geschieht beginnend über die Fokussierung auf die Ziele schulischen Lernens, definiert durch den gesellschaftlichen Anspruch, und führt weiter über die öffentliche Diskussion bzgl. der erreichten „Lernerfolge“ von Schule.
Im Folgenden werden konstruktivistische Ansätze des Lernens und Lehrens erörtert, sowie die aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung bzgl. des Lernens betrachtet. Abschließend werde ich in Kapitel 3 die Projektmethode nach Karl Frey vorstellen, um die Möglichkeit einer praktischen Umsetzung des selbständigen, eigenverantwortlichen Lernens aufzuzeigen.
Im letzten Kapitel gehe ich auf die gesellschaftliche Position bzgl. der beleuchteten Lerntheo- rien und den damit verbunden Schlussfolgerungen ein.
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2 Der Konstruktivismus
Der Konstruktivismus fasst verschiedene philosophische Theorieansätze bzgl. der Wahrnehmung und Erkenntnisgewinnung zusammen, und ist so „ein äußerst dynamischer interdisziplinärer Diskussionszusammenhang“ (SCHMIDT, 2000: 7).
Der aus Kybernetik, Biologie, Psychologie und Philosophie entstammende Hauptargumentationsstrang besagt, dass keine objektive Wirklichkeit bestehen kann, da sie nicht wahrnehmbar ist. Jeder Mensch verarbeitet seine Sinneswahrnehmungen auf der Grundlage seiner persönlicher Erfahrungen und seines Weltverständnisses. Daraus resultiert der Schluss, dass jeder Mensch seine eigene, einzigartige Wirklichkeit konstruiert und diese mit keiner Wahrnehmung eines anderen Individuums übereinstimmt. Die Erfahrung eines jeden Menschen bildet die Welt, in der er lebt (vgl. WATZLAWICK, 2003: 9; PÖRKSEN, 2008a: 15; FOERSTER, 2008: 21; GLASERSFELD, 2003: 17).
2.1 Begriff und historische Herleitung des Konstruktivismus
Der Terminus des Konstruktivismus ist gegenwärtig populär und vielfach diskutiert, jedoch distanzieren sich einige Vertreter der theoretischen Richtung von dem Begriff des Konstruktivismus, bzw. verwenden diesen nicht, da dieser einen „Gleichklang des Denken“, impliziere, der durch die Subjektivität des Denkens nicht gegeben sei. Die Besonderheiten des individuellen Forschens werden überdeckt. (vgl. PÖRKSEN, 2008a: 17). So begreift sich von Foerster selber lieber als „Neugierologe“ (PÖRKSEN, 2008a: 17). Watzlawick begründet seine Abneigung zum Begriff des Konstruktivismus durch drei Argumente. Zum Ersten sei der Begriff durch die traditionelle Philosophie schon in einer anderen Bedeutung besetzt. Zum Zweiten beschreibe dieser Begriff eine kurzlebige Bewegung der Kunst und Architektur in der Sowjetunion in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zum Dritten sei der Begriff im Deutschen hässlich und könne besser durch die Bezeichnung Wirklichkeitsforschung beschrieben werden (vgl. WATZLAWICK, 2003: 10).
Die Wurzeln konstruktivistischem Denkens finden sich bereits im 5. Jh. v. Chr. unter den Vorsokratikern. Xenophanes formulierte hierzu, dass kein Mensch jemals die Wirklichkeit erfas- sen wird, da das, was er wahrnimmt immer nur der Anschein ist. Dies folgt aus der Argumen-
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tation raus, dass selbst wenn es jemandem gelänge, die Wirklichkeit zu beschreiben, so könne er nicht feststellen, ob dies so ist (vgl. GLASERSFELD, 2003: 24). Lambert und Kant definieren ihre Vorstellung, dass die „Konstruktion des Verstandes“ die Grundlage von Erkenntnis und Wirklichkeit sind. Wobei Kant Begriffe, welche nicht in Raum und Zeit realisiert werden können, als widerspruchsfrei und ohne anschauliche Realität bezeichnet. Er vollzieht eine Trennung zwischen der klassischen Philosophie und der konstruktiven Wissenschaft (vgl. JENSEN, 1999: 95).
Diese Grundideen entwickeln sich im deutschen Idealismus weiter und finden sich in der Psychologie, Naturphilosophie sowie der Logik wieder. Im Mittelpunkt steht die erkenntnis-theoretische Annahme, dass sich Dinge nur durch die Konstruktion im gedanklich formulierten Zusammenhang verstehen und erklären lassen (vgl. JENSEN, 1999: 95). Bereits Vico sprach dies schon aus (zit. von GLASERSFELD 2003: 26): „Gott allein weiß, wie die wirkliche Welt ist, weil er sie geschaffen hat und darum sowohl die Bausteine als auch den Bauplan kennt. Ebenso kann der Mensch stets nur das kennen, was er selber macht, denn nur der Erbauer selber kann von den Dingen, die er zusammenstellt (componit) wissen, was die Bestandteile sind und wie sie miteinander verbunden wurden.“ Vicos Aussagen sind für den radikalen Konstruktivisten von Glasersfeld beständige Bezugsgrößen (vgl. GLASERSFELD, 2003: 26-29). Die Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften kann fortan nicht mehr aufrechterhalten werden, da die Theorie sagt: „Wir konstruieren die Welt, in der wir leben - und zwar sowohl im erkenntnistheoretischem wie im praktischen Sinne“ (JENSEN, 1999: 96). Dem Schweizer Entwicklungspsychologen Jean Piaget gelang es durch zahlreiche Experimente im Bereich der kognitiven Entwicklung von Kindern zu beweisen, dass die Erzeugung von Wissen keine passive, erfolgte Informationsaufnahme ist, sondern als eine aktive, selbsttätige und schöpferische Tätigkeit zusehen ist (vgl. GLASERSFELD, 2008: 47). Die sogenannte „Abbildungstheorie“ wurde falsifiziert. Damit gilt Piaget maßgeblich als Wegbereiter des Konstruktivismus.
Diese historische Herleitung dient der Grundlage und dem Verständnis des sogenannten „aktuellen“ Konstruktivismus, dessen Vertreter sich in der (s.o.) Kybernetik, Biologie, Psycho- logie und Philosophie finden. Namentlich zu nennen wären hier insbesondere Paul Watzla-
Arbeit zitieren:
Nicole Schobert, 2011, Konstruktivismus - Bedeutung für die Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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