Allerdings lässt sich dies nicht verallgemeinern, da Intelligenz nicht gezwungenermaßen
durch die rhetorische Fähigkeit eines Menschen bestimmt wird. Autisten beispielsweise
neigen dazu, sich von ihrer sozialen Umgebung zu isolieren. Sie sind kaum in der Lage,
Gefühle anderer Menschen nachvollziehen zu können, geschweige denn diese zu
benennen. Ebenso verhält es sich mit der Fähigkeit, ihre eigenen Gefühle zu zeigen, oder
sich mitzuteilen. Und dennoch ist der Prozentsatz autistischer Menschen, die in einem
bestimmten Fachgebiet geradezu genial sind, relativ hoch. So beispielsweise ein britischer,
blinder Pianist, der ohne jemals etwas von Tonika, Subdominante und Dominante zu hören,
ein Jazzpiano spielt, wie es nur ein Albert Ammons vermochte. Ein weiteres Beispiel dafür:
ein Mann aus Manchester, welchem es möglich ist, sich binnen weniger Sekunden das
ganze Bild aus der Vogelperspektive einer ihm unbekannten Stadt einzuprägen und dann
„auswendig“ zu zeichnen. Diese Menschen leben in ihrer eigenen Welt, die in gewissen
Richtungen einen wesentlich weiteren Horizont aufweisen als die Menschen, die nicht unter
Autismus leiden. Die Notwendigkeit ihrer Welt besteht eben darin, musiktheoretische
Zusammenhänge und Strukturen sofort zu erkennen und zu verarbeiten, ohne dass eine
durchdachte Redekunst dabei eine Rolle spielt.
Daraus resultiert ebenfalls der Fakt, dass in Bezug auf meine eigenen Grenzen der Faktor
der Erbanlagen und im selben Zuge die Entwicklung meines Körpers, insbesondere die
meines Gehirns, eine wichtige Rolle spielen. Ein stummer Mensch ist trotz der Tatsache,
dass er sich nicht verbal mitteilen kann, im Stande, weltliche Zusammenhange zu
erschließen und sie bis zu einem bestimmten Punkt wie jeder andere zu begreifen. Er
benutzt Gebärdensprache, um zu kommunizieren, was einerseits eine Art von Abgrenzung
von nicht stummen Menschen bedeutet, allerdings mit dem Sprechen unterschiedlicher
Sprachen, also beispielsweise Chinesisch und Englisch, gleichzusetzen ist, somit also nicht
unbedingt als extrahierte, besondere Art, durch sprachliche Differenzen nicht zueinander zu
finden, anzusehen ist.
Andererseits ist Sprache ein Mittel der Identifizierung. Sie kann die Grenzen meiner
Welt so festlegen, dass sie nur für bestimmte Menschen zugänglich ist. Aus eigener
Arbeit zitieren:
Mitsie Sande, 2010, Die Grenzen meiner Sprache - Wittgenstein, München, GRIN Verlag GmbH
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