Gliederung
1. Einleitung 3
2. Fragestellung 5
3. Forschungsstand 6
4. Variablen und Konzepte 9
5. Methoden 13
6. Fallauswahl 15
7. Umsetzung des Forschungsdesigns 17
8. Literaturliste 19
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1. Einleitung
Die Idee des demokratischen Friedens existiert schon seit einigen Jahrhunderten in der Politikwissenschaft. Immanuel Kant hat schon 1795 in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ versucht, Korrelationen zwischen der republikanischen Regierungsform und dem Frieden in den internationalen Beziehungen festzustellen. „Wenn die Beistimmung der Staatsbürger dazu erfordert wird, um zu beschließen, ob Krieg sein solle, oder nicht, so ist nichts natürlicher, als dass, da sie alle Drangsale des Krieges über sich selbst beschließen müssten, sie sich sehr bedenken werden, ein so schlimmes Spiel anzufangen: Da hingegen in einer Verfassung, wo der Untertan nicht Staatsbürger, die also nicht republikanisch ist, es die unbedenklichste Sache von der Welt ist, weil das Oberhaupt nicht Staatsgenosse, sondern Staatseigentümer ist, an seinen Tafeln, Jagden, Lustschlössern, Hoffesten u. d. gl. durch den Krieg nicht das mindeste einbüßt, diesen also wie eine Art von Lustpartie aus unbedeutenden Ursachen beschließen, und der Anständigkeit wegen dem dazu allezeit fertigen diplomatischen Korps die Rechtfertigung desselben gleichgültig überlassen kann“. 1 Diese berühmte Zitat lässt den Gedanken herauslesen, der ausgesprochen logisch erscheint: Wenn der Bürger eines Staates über den Krieg entscheidet und er auch die Kosten davon zu tragen hat, führt es zum friedlicheren Verhalten dieses Staates und als Folge zur Minimierung der Kriege in den internationalen Beziehungen insgesamt. Noch ein wichtiger Faktor, der zur Verhinderung der Kriege führt, ist laut Kant ein Staatenbund mit dem gemeinsamen Zweck der Friedenserhaltung. Die Befunde von Kant werden in der Politikwissenschaft kontrovers diskutiert. Forscher entwerfen verschiedene Erklärungsansätze, um die Theorie des demokratischen Friedens zu begründen oder suchen nach den alternativen Erklärungen, die das friedliche Verhalten der Demokratien verursachen können.
Von den Politikern der demokratischen Staaten wird diese Idee, dass Demokratien keine Kriege mit einander führen und es zu mehr Frieden in den internationalen Beziehungen führt, oft hochstilisiert. Mit der Friedfertigkeit der demokratischen Staaten erklären sie ihre Politik gegenüber den Schwellenländern und die Notwendigkeit des Demokratietransfers in Nicht-Demokratien. Die Politiker der demokratischen Staaten glauben daran, dass je mehr Staaten demokratisch regiert werden, desto friedlicher sind die internationalen Beziehungen und weniger Kriege brechen aus. Die Tatsache, dass Demokratietransfer selbst meistens nicht ganz friedlich erfolgt und erstmal neue Kriege verursacht, wird oft außer Acht gelassen. Auch die Friedfertigkeit der Staaten, die sich in der Übergangsphase zur Demokratie befinden, ist nicht ausreichend erforscht. In der Politikwissenschaft wird die Meinung vertreten, dass die Schwellenländer noch aggressiver sind als die autokratischen Staaten bis sie vollständig demokratisch regiert werden. Diese These ist aber umstritten.
Die Theorie des demokratischen Friedens existiert schon lange, die empirische Basis ist aber immer noch nicht vollständig untersucht. Deshalb ruft die Idee der Friedfertigkeit der Demokratien Kontroversen in den wissenschaftlichen und politischen Kreisen hervor. Der Forschungsbedarf auf diesem
1 Kant, Immanuel (1977) : Zum Ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf, in: Weischedel, Wilhelm (Hg.): Immanuel Kant Werkausgabe, Bd. 11: Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik, Frankfurt a. M., 205-206 ~ 3 ~
Untersuchungsfeld ist noch hoch. Dieses Forschungsdesign wird sich auf den synchronen Vergleich eines Schwellenlandes mit einem demokratischen Land konzentriert, um die Korrelationen zwischen dem Demokratisierungsgrad und Friedfertigkeit eines Staates im 21. Jahrhundert festzustellen. Das Thema lautet: Demokratischer Frieden in Bezug auf Schwellenländer und Demokratien im 21. Jahrhundert am Beispiel des synchronen Russland-Frankreich-Vergleichs.
Der Idee des Demokratietransfers liegt die Theorie des demokratischen Friedens zugrunde. Politiker der Staaten, die sich gegenseitig als entwickelte Demokratien anerkennen, verteidigen gerne die Idee der größeren Friedfertigkeit der Demokratien im Vergleich zu den Nicht-Demokratien. Damit wird häufig die Notwendigkeit der Demokratisierung der Länder mit einem autoritären politischen Regime begründet. Auch Schwellenländer, die sich in der Übergangsphase zur Demokratie befinden, sollen diesen Weg gehen. Die Entwicklung wird mit den Argumenten untermauert, dass eine Autokratie oder ein Schwellenland eine größere Gefahr für den internationalen Frieden ist als eine etablierte Demokratie. Die gesellschaftliche Relevanz des gewählten Themas besteht darin, ein Ergebnis zu bekommen, ob Schwellenländer tatsächlich aggressiver als Demokratien sind und gefährlicher für den internationalen Frieden sind. Aus diesem Befund lässt sich die Schlussfolgerung ableiten, inwiefern Demokratietransfer gerechtfertigt ist, und ob es zu mehr Frieden und Sicherheit in den internationalen Beziehungen führt. Damit wird eine gesellschaftlich wichtige Frage beantwortet: Ob der Demokratisierungsprozess in den Schwellenländer vom Außen vorangetrieben werden soll auf Grund der Bestrebung zu mehr internationalen Sicherheit? Oder ist der Demokratietransfer vom Außen eher unbegründet und die Demokratisierung eines Landes soll als ein binnenstaatlicher Prozess ohne Eingriffe vom Außen verlaufen, weil die Schwellenländer ungefährlich für die internationalen Beziehungen sind. Wissenschaftliche Studien zum demokratischen Frieden im Bezug auf die Schwellenländer gibt es nicht so viele. Deren Ergebnisse sind nicht eindeutig und teils strittig. Deswegen gibt es auf diesem Gebiet noch Forschungsbedarf.
Dieses Forschungsdesign bezieht sich auf die neusten Daten vom 2009. Damit liefert es ein aktuelles Bild der Situation, was nur wenige Studien leisten. Die Theorie des demokratischen Friedens wird oft im historischen Kontext untersucht und mit Fakten untermauert. Wichtig ist aber zu prüfen, ob der demokratische Frieden auch heutzutage funktioniert und ob die Befunde dieser Theorie auch auf die Schwellenländer angepasst werden können. Die wissenschaftliche Relevanz des Themas ist gegeben, weil die Arbeit einen Beitrag zur Theorie des demokratischen Friedens in Bezug auf Schwellenländer in der heutigen Zeit leistet und eine vergleichende Analyse eines Schwellenlandes mit einer Demokratie durchführt.
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2. Fragestellung
Im Zentrum dieses Forschungsdesigns steht die Frage: Wie wirkt sich der Demokratisierungsgrad auf die Aggressivität eines Staates und sein Gefahrenpotenzial für die internationale Gemeinschaft aus? Der zentrale Gedanke der Theorie des demokratischen Friedens besteht darin, dass Demokratien keine Kriege mit einander führen. Die Idee über die größere Friedfertigkeit der demokratischen Staaten im Vergleich zu den nicht demokratischen, lässt sich empirisch nur schwer beweisen und ist deswegen höchst umstritten. Sie existiert aber trotzdem.
In dieser Untersuchung soll die Auswirkung der Demokratisierung eines Staates auf seine Aggressivität bzw. Friedfertigkeit im Zentrum der Analyse stehen. Es wird nach einem Kausalmechanismus zwischen dem Demokratisierungsgrad und Aggressivität eines Staates gesucht. Die Untersuchung möchte herausfinden, ob es einen Kausalmechanismus gibt und wie er aussieht. Die Forschungsfrage besteht aus zwei Unterfragen: die erste nach dem Kausalmechanismus führt zur zweiten Frage, ob die Staaten mit einem höherem Demokratisierungsgrad weniger bedrohlich für die internationale Gemeinschaft und den internationalen Frieden sind als Staaten mit einem niedrigeren Demokratisierungsgrad. Der thematische Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der Untersuchung der Schwellenländer. Es wird ein Theorietest der Theorie des demokratischen Friedens in Bezug auf ein Schwellenland im Vergleich zu einer Demokratie gemacht. Es wird getestet, ob die zentralen Aussagen der Theorie des demokratischen Friedens in Bezug auf Schwellenländer zutreffend sind und ob sich bei diesen Staaten eine besondere Kausalität feststellen lässt.
Die Forschungsfrage der Arbeit selbst ist nicht neu. Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Demokratie und Frieden sind zahlreiche Analysen durchgeführt worden. Die Entscheidung, diese Frage in Bezug auf Schwellenländer zu testen, unterstreicht die Neuheit und Relevanz des Themas. Diese Frage lässt sich sehr gut mit der Auswahl der Fallbeispiele konkretisieren.
In der Untersuchung wird die Auswirkung der Demokratisierung eines Staates auf seine Aggressivität bzw. Friedfertigkeit analysiert und davon ein Zusammenhang zwischen Demokratisierungsgrad und Gefahrenpotenzial eines Staates abgeleitet. Der Untersuchung liegt ein x-zentriertes Forschungsdesign zugrunde. Die unabhängige Variable x - Demokratisierung steht im Zentrum des Forschungsdesigns. Die Auswirkung der unabhängigen Variable x - Demokratisierung eines Staates auf die abhängigen Variablen - Aggressivität bzw. Friedfertigkeit und Gefahrenpotenzial eines Staates wird analysiert. Ein Theorietest sieht ein deduktives Vorgehen vor und spricht damit auch für ein x-zentriertes Forschungsdesign. Das deduktive Vorgehen vom Allgemeinen zum Konkreten geht von einer theoretischen Grundlage aus. Aus der Theorie werden Hypothesen abgeleitet und in Bezug auf empirische Fallbeispiele getestet. Wenn schon bestehende Hypothesen auf den empirischen Beispielen getestet werden, steht im Zentrum eine unabhängige Variable. Das Forschungsdesign ist x-zentriert.
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3. Forschungsstand
Der Befund, dass Demokratien keine Kriege gegen einander führen, existiert in der Politikwissenschaft schon seit langem und wird von den Politikern oft instrumentalisiert. Oft wird die Idee des demokratischen Friedens besonders von den Berufspolitikern zu sehr pauschalisiert. Dabei gerät der wichtigste Aspekt langsam in Vergessenheit, dass die Demokratien nicht per se friedlicher als die Nicht-Demokratien sind. Richtig ist, dass Demokratien fast keine Kriege gegeneinander führen. Dafür kann das Verhalten gegenüber den Nicht-Demokratien durchaus kriegerisch und aggressiv sein. Die Forschung der Theorie des demokratischen Friedens sucht nach Erklärungsansätzen, dass Demokratien zwar keine Kriege miteinander führen, aber durchaus kriegerisches Verhalten gegenüber den Nicht-Demokratien zeigen. Man findet zahlreiche Publikationen aus den neunziger Jahren, die verschiedenen Erklärungen des demokratischen Friedens gewidmet sind. Zu nennen sind Studien von Bruce Russett 2 , Christopher Layne 3 , Thomas Nielebock 4 und Bruce Bueno de Mesquita und David Lalman 5 . Wenn man die verschiedenen Erklärungsansätze zusammenfasst, können drei Gruppen gebildet werden: strukturell-institutioneller, kulturell-normativer und konstruktivistischer Ansatz. Außerdem gibt es in der wissenschaftlichen Literatur noch einige Alternativen. Sie spielen aber eine vergleichsweise kleinere Rolle in dieser Forschung.
Die Hauptvertreter des strukturell-institutionellen Ansatzes sind Bruce Russett und John R. Oneal 6 . Die beiden Politikwissenschaftler betonen die Bedeutung der internationalen Institutionen bei der friedlichen Beilegung der zwischenstaatlichen Konflikte. Durch zahlreiche Verpflichtungen im Rahmen der internationalen Institutionen stehen die Demokratien in engerer Verbindung miteinander als Nicht-Demokratien. Die Entscheidungsprozesse sind zeitaufwendiger durch demokratische Strukturen. Generell werden Demokratien für ihre langsame Entscheidungsprozesse häufig kritisiert. Im Fall eines Konfliktes führt es zur Verzögerung der Entscheidung über die Konfliktlösung. Dabei wird der Konflikt entschärft. So wird die nötige Zeit für die Verhandlungen genommen was zur friedlichen Konfliktbeilegung im Rahmen der Institutionen führt. Die wichtige Entscheidung wird also nicht in der Krisenphase getroffen sondern danach wenn die Auseinandersetzungen milder geworden sind. Bei den Institutionalisten wird auch die Kants Idee angesprochen über den Einfluss der Bürger auf die staatlichen Entscheidungen über den Krieg. Sie wird durch die zeitaufwendigen Entscheidungsprozesse ausgedrückt. Heutzutage sind aber viele Nicht-Demokratien auch in internationalen Organisationen vertreten und dadurch miteinander und mit den Demokratien durch viele Verpflichtungen verbunden. So sollten sie
2 Russett, Bruce (1993): Grasping the Democratic Peace: Principles for a Post-Cold War World, Princeton.
3 Layne, Christopher (1994): Kant or Cant: The Myth of the Democratic Peace, in: International Security 19 2, 5-49.
4 Nielebock, Thomas (1993): Frieden zwischen Demokratien: Ein empirisches Gesetz der Internationalen Beziehungen auf der Suche nach seiner Erklärung, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 22 2, 179-193.
5 De Mesquita, Bruce Bueno/Lalman, David (1992): War and Reason: Domestic and International Imperatives, New Haven.
6 Oneal, John R./Russett, Bruce (1999): The Kantian Peace: The Pacific Benefits of Democracy, Interdependence and International Organizations, 1885 - 1992. In: World Politics. A Quarterly Journal of International Relations, Vol. 52, No. 1, 1 - 37. ~ 6 ~
Arbeit zitieren:
Olga Siemers, 2009, Demokratischer Frieden in Bezug auf Schwellenländer und Demokratien im 21. Jahrhundert , München, GRIN Verlag GmbH
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