Abstract
The Increasing Foreign Direct Investments of Companies from India - an Opportunity for Germany as a Business Location?
The worldwide increase of foreign direct investment (FDI) is one of the most significant effects of the ongoing economic globalization. Traditionally driven mainly by transnational companies (TNCs) from the most developed countries, today more and more enterprises from emerging markets are beginning to contribute to global FDI flows. While the most successful emerging markets located in East- and Southeast Asia are active in crossborder investments for some decades now, outward FDI from the economically fast growing BRIC countries are still a rather new phenomenon. Maybe the most interesting example is the one of companies from India, which are - despite the relative low stage of development of their home country - already investing noticeable funds not only on the world market but also in the developed economies.
This study follows a narrowing approach from basic theory on FDI over an outline of the special features of emerging-market-FDI towards the remarkable case study of Indian enterprises. Its main part consists of an empirical examination of the investment activities of Indian companies in Germany, drawing on statistics as well as a series of guideline-based interviews with experts in the field. The study gives an overview about the spatial and sectoral distribution of Indian companies in Germany and identifies different types of enterprises with particular characteristics in their motivational background and form of investment. Their direct influence on the German economy is observed to be relatively low in terms of employment creation and other visible effects. However, it is pointed out that Indian FDI has a potential to further increase and play a role as a catalyst for the interconnection of the German and Indian economy. This is considered to be an advantageous long term effect for German companies, since by this means they can better benefit from the continued expansion of the Indian economy.
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 8
1 Einleitung 9
1.1 Motivation 9
1.2 Ziel und Fragestellung 10
1.3 Verlauf der Untersuchung 11
1.4 Literaturlage 12
2 Theorie ausländischer Direktinvestitionen 13
2.1 Begriffe und Abgrenzung 13
2.2 Kategorisierung und Motivation der Unternehmen 14
2.3 Das „Eklektische Paradigma“ und der „Investment Development Path“ 17
2.4 Das „Uppsala-Modell“ der Internationalisierung 22
2.5 „Born Globals“ und die „Latecomer Theory“ 24
Exkurs : Die statistische Erfassung von FDI 26
3 Ausländische Direktinvestitionen aus Entwicklungs- und Schwellenländern 29
3.1 Die Entwicklung von FDI aus Entwicklungs- und Schwellenländern 29
3.2 Die veränderten Rahmenbedingungen für Emerging-Market-FDI 33
3.3 Geographische Verteilung und die Motive der Unternehmen 35
3.4 Die Wirkung auf „Host“-Staaten unter Berücksichtigung der Marktein-
trittsstrategie 37
4 Indiens Weg auf den Weltmarkt 41
4.1 Der lange Weg zur Wirtschaftsmacht 41
4.2 Indiens Rolle in der Weltwirtschaft 44
4.3 Theorie und Wirklichkeit ausländischer Direktinvestitionen - ist Indien „on-
track “? 47
4.4 Geographische und sektorale Verteilung indischer Outward-FDI 50
4.5 Einfluss der Rahmenbedingungen und Motive der Unternehmen 52
5 Indische FDI in Deutschland 56
5.1 Methodischer Ansatz 56
5.2 Literaturüberblick 57
5.3 Quantitative Bestandsaufnahme 59
5
Inhaltsverzeichnis
5.3.1 Die deutsch-indische Handelsbilanz 59
5.3.2 Die FDI-Daten der Bundesbank 63
5.3.3 Indische Unternehmen in der Amadeus-Datenbank 65
5.3.4 Weitere statistische Quellen 75
5.3.5 Beschäftigung 78
5.4 Qualitative Untersuchung 78
5.4.1 Allgemeine Entwicklung und Potenzial 78
5.4.2 Klassifikation nach Branchen, Unternehmensgrößen und internatio-
naler Erfahrung 79
5.4.3 Motivation und Investitionsart 80
5.4.4 Standortfaktoren Deutschlands 83
5.4.5 Wirkung auf den Wirtschaftsstandort Deutschland 85
5.4.6 Informationsstand und Networking indischer Unternehmer 90
5.5 Unternehmensbeispiele 92
5.5.1 Infosys Technologies 92
5.5.2 CDP Bharat Forge 93
5.5.3 BSV BioScience 94
5.6 Typisierung indischer Unternehmen 95
5.6.1 Merkmale 95
5.6.2 Wirkung 97
6 Indische Investitionen als Chance für Deutschland? 99
6.1 Die Chancen 99
6.2 Die Relevanz der Risiken 100
6.3 Herausforderungen 101
7 Fazit 103
Literaturverzeichnis 104
Anhang 115
6
Abbildungsverzeichnis
1 Internationalisierungsmotive von Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . 16 2 Das Eklektische Paradigma von Dunning . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 3 Das Modell des Investment Development Path . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 4 Anwendung des Investment Development Path Modells 2009 . . . . . . . . . 20 5 Das Uppsala-Modell von Johanson/Vahlne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
6 Entwicklung der OFDI-Flows . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 7 Entwicklung der OFDI-Stocks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 8 OFDI aus den BRIC-Staaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
9 GDP und Außenhandel Indiens 1980 - 2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 10 Anteil von Gütern und Dienstleistungen am Export 2009 . . . . . . . . . . . 44 11 Export nach Wirtschaftszweigen 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 12 FDI aus und in Indien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 13 China und Indien im IDP-Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 14 Die regionale Verteilung indischer Greenfield-OFDI-Flows vor und nach 1990 51 15 Die sektorale Verteilung indischer Greenfield-OFDI-Flows 1990-2007 . . . . 53
16 Deutscher Güterhandel mit Indien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 17 Deutscher Dienstleistungshandel mit Indien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 18 Inward-FDI-Flows aus Indien 1995-2009 nach Daten der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 19 Indische FDI-Stocks in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 20 Indische Unternehmen in Europa nach Wirtschaftszweigen . . . . . . . . . . 67 21 Die sektorale Verteilung indischer Unternehmen in Deutschland . . . . . . . 69 22 Indische Unternehmen in Deutschland nach Bundesländern . . . . . . . . . 73 23 Indische Unternehmen in Deutschland nach Städten . . . . . . . . . . . . . 76
7
Tabellenverzeichnis
1 Investitionsmotive und Standortfaktoren indischer Unternehmen in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 2 Indische FDI-Stocks in Deutschland und Kenngrößen der Unternehmen . . 64 3 Unternehmen der Suzlon Energy Ltd. (Ultimate Owner) in Deutschland . . 66 4 Die 20 umsatzstärksten indischen Unternehmen in Deutschland . . . . . . . 72 5 Schema der Merkmale der beiden wichtigsten Unternehmenstypen . . . . . 96 6 Schema der Wirkungen der beiden wichtigsten Unternehmenstypen . . . . . 98
A.1 Die wichtigsten Investorenländer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 A.2 Liste mittlerer und großer indischer Unternehmen in Deutschland . . . . . . 122 A.3 Liste der durchgeführten Interviews . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
8
1 Einleitung
1.1 Motivation
Die weltweite Zunahme ausländischer Direktinvestitionen (FDI) 1 ist ein viel diskutierter Aspekt der Globalisierung. Zum einen eine Folge der „kleiner“ werdenden Welt, sind FDI gleichzeitig auch eine Triebkraft hinter der Vernetzung der globalen Wirtschaft. Durch sie entstehen und expandieren multinationale Unternehmen, die über Landesgrenzen hinweg neue Verflechtungen und Interdependenzen schaffen.
Lange Zeit lagen die Quellen von FDI nahezu ausschließlich in den etablierten Wirtschaftszentren der westlichen Welt, insbesondere der Triade aus Nordamerika, Europa und Japan. Später, etwa ab den 1980er Jahren, begannen auch Unternehmen aus den sogenannten Tigerstaaten Ost- und Südostasiens (Hongkong, Singapur, Südkorea und Taiwan) vermehrt im Ausland zu investieren und sich somit stärker international zu vernetzen.
Relativ neu hingegen ist die Investitionstätigkeit einer dritten Gruppe von Staaten, den sogenannten BRICs 2 . Während der Einfluss dieser Staaten auf den Welthandel schon seit längerer Zeit wächst, steigt ihre Bedeutung als Quelle ausländischer Direktinvestitionen erst seit der Jahrtausendwende signifikant an. Diese junge Entwicklung verdient hohe Aufmerksamkeit, denn aufgrund ihrer Größe und wachsenden Wirtschaftsmacht haben diese Staaten großes Potenzial, durch FDI nachhaltigen Einfluss auf die Weltwirtschaft zu nehmen.
Ein besonders interessanter Fall ist hierbei Indien. Unternehmen vom Subkontinent investieren etwa seit 2005 massiv im Ausland, insbesondere in wissens- und technologieintensive Branchen in den westlichen Industrienationen. Angesichts des allgemeinen Entwicklungs-standes des Landes 3 kommt diese Entwicklung überraschend und verdient schon daher eine nähere Betrachtung. Vor dem Hintergrund des enormen Wachstumspotenzials Indiens hat sie aber auch wichtige Implikationen für die Weltwirtschaft und nicht zuletzt für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Denn wenn die Steigerung indischer FDI mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Subkontinent Schritt hält, könnten indische Unternehmen schon bald auch in Deutschland einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen.
1 Foreign Direct Investment; im Folgenden werden durchgängig die englischen Abkürzungen verwendet, da diese in einigen Fällen gebräuchlicher sind oder es keine exakte deutsche Entsprechung gibt (z.B. M&A).
2 Brasilien, Russland, Indien, China.
3 Im Human Development Index der UN belegt Indien 2010 den 119. Rang von 169 Staaten (Klug- man 2010,S.166).
9
Einleitung
In entwickelten Staaten wird die Expansion von Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern dabei häufig als Bedrohung für die etablierte Wirtschaft gesehen. Auch in Deutschland befürchtet man Produktionsverlagerungen ins Ausland und den „Ausverkauf“ deutscher Technologie. Doch wie ein einfaches Beispiel zeigt, können durch Investitionen aus Indien auch neue Chancen entstehen: So kaufte der zur Kalyani Group gehörende Schmiedekonzern Bharat Forge 2004 das hoch spezialisierte Traditionsunternehmen Carl Dan Peddinghaus (CDP) in Ennepetal. Folgen waren aber nicht nur ein Know-how-Transfer ins Stammwerk im indischen Pune, sondern auch der Ausbau der Produktionskapazitäten in Ennepetal sowie massive Investitionen in CDPs Forschungs- und Entwicklungszentrum (Müller 2006, S.79f).
1.2 Ziel und Fragestellung
Ob der Fall von CDP Bharat Forge ein typisches Beispiel ist und indische FDI in Deutsch-land somit allgemein mehr Chancen als Risiken bieten, ist eine spannende und wichtige Frage. Die vorliegende Arbeit folgt einem breiten Untersuchungsansatz, um diese zu be-antworten und einen Überblick über die Investitionstätigkeit indischer Unternehmen am Standort Deutschland zu schaffen.
Dabei ist zunächst zu ermitteln, wie die Entwicklung indischer Direktinvestitionen in Theorie und Praxis von FDI einzuordnen ist. Welche Faktoren determinieren allgemein das internationale Investitionsverhalten von Unternehmen und wie wirkt sich dies auf die weltweiten Investitionsströme aus? Entwickeln sich indische FDI ähnlich wie die anderer Entwicklungs- und Schwellenländer und lassen sich aus der Erfahrung heraus Schlüsse für die weitere Entwicklung indischer FDI ziehen? Welche Besonderheiten der indischen Wirtschaft beeinflussen das Investitionsverhalten der Unternehmen und wirken als Triebkräfte der internationalen Expansion?
Bei der Betrachtung indischer FDI am Standort Deutschland sind die Fragen zu beantworten, wie groß bereits der Bestand indischer FDI in Deutschland ist, mit welcher Dynamik er sich entwickelt und wie er räumlich und sektoral verteilt ist. Wichtig ist es aber auch zu verstehen, welche Motivation hinter dem Engagement indischer Unternehmen in Deutsch-land steht und welche Ziele die Unternehmen mit ihren Expansionsbemühungen verfolgen. Inwiefern unterscheiden sich Unternehmen verschiedener Branchen in dieser Hinsicht - lassen sich verschiedene Unternehmenstypen mit unterschiedlicher Wirkung auf den Standort Deutschland erkennen?
Erst mit dem Verständnis der Beweggründe, die indische Unternehmen speziell nach Deutschland treiben, ist eine Grundlage geschaffen, um die Chancen und Risiken, die sich aus wachsenden indischen FDI in Deutschland ergeben, zu diskutieren. Ist eine Steigerung indischer FDI am Ende wünschenswert und welche Herausforderungen müssen gemeistert werden, damit alle Seiten vom Engagement indischer Unternehmen profitieren können?
10
1.3 Verlauf der Untersuchung
Die Arbeit verfolgt einen einengenden Untersuchungsansatz 4 , der sich von der allgemeinen Theorie ausländischer Direktinvestitionen in mehreren Schritten dem konkreten Thema der indischen Direktinvestitionen in Deutschland annähert.
Das zweite Kapitel bildet eine theoretische Einführung in den Themenkomplex der ausländischen Direktinvestitionen. Es wird geklärt, welche Formen von Direktinvestitionen es gibt und welche unternehmerischen Motive ihnen zugrunde liegen können. Darauf folgt eine Erläuterung der wichtigsten relevanten Erklärungsansätze und Modelle, sowohl auf mikroökonomischer als auch auf makroökonomischer Ebene. Ein Exkurs am Ende des Kapitels weist auf die Problematik der statistischen Erfassung von FDI hin und schafft eine Grundlage für das bessere Verständnis der im Folgenden verwendeten Daten.
Das dritte Kapitel befasst sich spezieller mit FDI aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Besonders die Rolle der BRIC-Staaten wird herausgestellt und ein Vergleich zu FDI aus entwickelten Staaten unternommen. Es wird gezeigt, welche Rahmenbedingungen dafür verantwortlich sind, dass wachstumsstarke Staaten heute schon viel früher im Ausland investieren als, klassischen Theorien folgend, zu erwarten wäre. Darüber hinaus wird erläutert, welche Motive Unternehmen speziell aus Entwicklungs- und Schwellenländern mit der internationalen Expansion verfolgen, welche Markteintrittsstrategien sie bevorzugt wählen und welche Wirkung auf die Zielländer der Investitionen damit verbunden ist.
Im vierten Kapitel steht die Wirtschaft Indiens im Vordergrund. Auf einen kurzen Abriss der Wirtschaftsgeschichte folgt eine Darstellung der heutigen Rolle Indiens auf dem Weltmarkt. Anschließend findet eine Einordnung in die Thematik der ausländischen Direktinvestitionen statt und es wird untersucht, welche landesspezifischen Faktoren dazu führen, dass indische Unternehmen schon heute massiv im Ausland investieren.
Das fünfte Kapitel umfasst den Hauptteil der Untersuchung. Nach einer Erläuterung der gewählten Methodik und einem Überblick über die zum speziellen Thema vorhandene Literatur wird eine quantitative Bestandsaufnahme unternommen, die klärt, wie stark deutsche und indische Wirtschaft schon heute verflochten sind. In einem zweiten Schritt wird mithilfe eines qualitativen Forschungsansatzes genauer untersucht, welche unternehmerischen Motive und Interessen indische Unternehmen mit ihrer Expansion nach Deutschland verfolgen, welche wirtschaftlichen Aktivitäten sie planen und welche Standortfaktoren es sind, die Deutschland für sie als Investitionsziel reizvoll machen. Dabei kann im Verlauf der Untersuchung eine Unterscheidung verschiedener Typen indischer Unternehmen in Deutsch-land entwickelt werden. Die Vorstellung von drei Unternehmensbeispielen illustriert die gewonnenen Erkenntnisse.
Im sechsten Kapitel erfolgt eine zusammenfassende Diskussion der Chancen, Risiken und Herausforderungen, die sich durch das Engagement indischer Unternehmen am Standort Deutschland ergeben. Im Fazit werden die Ergebnisse der Untersuchung kurz zusammengefasst.
4 Im Gegensatz zu einem verallgemeinernden Untersuchungsansatz (Brink 2007, S. 160).
11
Einleitung
1.4 Literaturlage
Die Kapitel 2-4 der Untersuchung basieren weitgehend auf vorhandener Literatur. Die Theorie der Direktinvestitionen ist zwar mit ersten Ansätzen in den 1960er und 70er Jahren noch eine vergleichsweise junge Forschungsdisziplin. Trotzdem ist sie mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftsgeographie und verwandter Disziplinen gereift und hat Einzug in einschlägige Lehrbücher gehalten. Als Basis- und Nachschlagewerk zu den verschiedenen Ansätzen der Direktinvestitionstheorie dient für die vorliegende Arbeit das Sammelwerk „Internationale Wirtschaft“, herausgegeben von Haas/Neumair. Ergänzungen und divergierende Darstellungen sind jedoch auch anderen Lehrbüchern entnommen. Zur Erläuterung der vorgestellten Erklärungsmodelle werden auch die Schriften der Urheber herangezogen, insbesondere die des britischen Ökonomen John Harry Dunning, der mit dem „Eklektischen Paradigma“ und dem „Investment Development Path“ zwei der wegweisenden Modelle ausländischer Direktinvestitionen entwickelt hat.
Bei Direktinvestitionen aus Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Rolle der „United Nations Conference on Trade and Development“ (UNCTAD) zu betonen. Deren jährlich veröffentlichter World Investment Report (WIR) sowie die online verfügbare, umfangreiche Statistikdatenbank „UNCTADstat“ bieten eine Grundlage für die Abhandlung in Kapitel 3 der Arbeit. Weitere relevante wissenschaftliche Schriften zum Thema stammen direkt aus dem Umfeld der UNCTAD, etwa vom ehemaligen Chefredakteur des WIR, dem Deutschen Karl Peter Sauvant, der heute das „Columbia Program on International Investment“ an der New Yorker Columbia Universität leitet und dort auch Arbeiten anderer Forscher des Gebiets herausgibt. Weitere relevante Autoren in diesem Bereich sind u.a. der Brite Peter Dicken und der Singapurer Henry Wai-chung Yeung.
Literatur zur Wirtschaftsgeschichte Indiens und dem Aufstieg zur neuen Wirtschaftsmacht ist sowohl aus landeskundlicher als auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive in großem Umfang vorhanden. In Bezug auf indische Direktinvestitionen in der Welt hat sich vor allem der zurzeit an der Universität von Ahmedabad forschende Ökonom Jaya Prakesh Pradhan hervorgetan, der auch in Zusammenarbeit mit der UNCTAD und Karl Peter Sauvant bereits mehrfach zu indischen Direktinvestitionen publiziert hat. Als Grundlage für seine Analysen dient ihm u.a. eine FDI-Datenbank des „Institute of Industrial Development“ (ISID) in Neu-Delhi. Diese Daten werden auch in Kapitel 4 dieser Arbeit auszugsweise verwendet.
Wissenschaftliche Literatur speziell zur Rolle indischer Investoren in Deutschland ist bislang relativ wenig vorhanden. Die umfassendsten Publikationen stammen von dem indischen Ökonom Rajnish Tiwari, der an der Technischen Universität Hamburg-Harburg das Forschungsprojekt „Global Innovation“ leitet. U.a. haben Tiwari et. al. 2010 eine Befragung unter indischen Unternehmen in Deutschland durchgeführt, deren Ergebnisse in Kapitel 5.2 kurz vorgestellt werden.
Die Abhandlungen in Kapitel 5-6 basieren weitgehend auf eigenen Untersuchungen, deren Methoden in Kapitel 5.1 näher erläutert werden.
12
2 Theorie ausländischer Direktinvestitionen
2.1 Begriffe und Abgrenzung
Theoretische Definition
Im Allgemeinen versteht man unter Direktinvestitionen „Kapitalanlagen in Form von Unternehmensbeteiligungen mit der Absicht, auf die Unternehmenspolitik einen entscheidenden Einfluss zu nehmen“ (Haas 2009, S. 80; Neumair 2006b, S.215). Sie können in Form von Beteiligungskapital, reinvestierten Gewinnen, Grundbesitz sowie Finanz- und Handelskrediten auftreten. Zu den ausländischen Direktinvestitionen zählt eine Direktinvestition dann, wenn Investor und Investitionsempfänger in unterschiedlichen Staaten ansässig sind und durch die Investition ein zwischenstaatlicher Kapitalfluss zustande kommt.
Innerhalb der Kategorie der „Auslandsinvestition“ ist es vor allem notwendig, eine Abgrenzung zur Portfolioinvestition vorzunehmen. Diese besteht darin, dass durch Portfolioinvestitionen kein maßgeblicher Einfluss auf die Unternehmenspolitik ausgeübt wird (Haas 2009, S. 80). Während Investoren mit einer Direktinvestition unmittelbare Managementkontrolle anstreben, sind Portfolioinvestitionen rein ertragswirtschaftlich motiviert oder dienen der Risikodiversifikation. In der Praxis kommt es häufig vor, dass verschiedene Motive bei der Investitionsentscheidung eine Rolle spielen - jedoch stellt das Kontrollmotiv das entscheidende Kriterium zur Bestimmung einer Direktinvestition dar (Neumair 2006b, S. 215).
Ein zweiter wichtiger Unterschied zwischen Direkt- und Portfolioinvestitionen ist die Trans-aktionsform. Während es bei Portfolioinvestitionen zu einer rein monetären Kapitalübertragung kommt, können Direktinvestitionen neben dem Geldtransfer auch Sach- und Vermögenstransfers umfassen. Dazu gehört auch die Übertragung intangibler Vermögenswerte, wie Markenrechte, Technologie und Know-how (Neumair 2006b, S. 216).
Praktische Definition
Auch wenn die definitorische Abgrenzung somit klar ist, bleibt die praktische Abgrenzung zwischen Direkt- und Portfolioinvestition problematisch. Denn das Kontrollmotiv des Investors ist häufig nicht ohne weiteres erkennbar. Eine Einflussnahme vonseiten des Investors auf ein Unternehmen kann gegebenenfalls auch hinter den Kulissen erfolgen und von der Öffentlichkeit unbemerkt bleiben. Genauso kann ein finanziell stark involvierter In-vestor dem Management des Unternehmens die Entscheidungsfreiheit überlassen und auf
13
Theorie ausländischer Direktinvestitionen
Einflussnahme freiwillig verzichten. Beide Varianten bleiben in der gängigen Definition unberücksichtigt.
Zur Erfassung von Direktinvestitionen sind statistische Ämter daher darauf angewiesen, eine vereinfachte Definition zu verwenden. So gilt bei den meisten nationalen und internationalen Organisationen ein Beteiligungsgrad von 10% am Zielunternehmen als Grenze, ab der von einer beabsichtigten Einflussnahme auf das Management ausgegangen wird.
Dass diese 10%-Grenze problematisch ist, beweist allein die Tatsache, dass die Deutsche Bundesbank sie im Zuge internationaler Vereinheitlichung mehrfach geändert hat (Deut- scheBundesbank 2010a, S. 65). Bis 1989 erfasste die Bundesbank FDI erst ab einem Beteilungsgrad von 25% und bis 1998 von 20% der Anteile oder Stimmrechte an einem Unternehmen. Seit 1999 folgt die Bundesbank nun der 10%-Grenze, die das Zahlungsbilanz-Handbuch des Internationalen Währungsfonds empfiehlt (International Monetary Fund (IMF), S. 86f). Den Vorgaben des IMF folgen in diesem Punkt auch alle anderen relevanten internationalen Organisationen, wie die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD 2006, S. 37) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD 2008, S. 48).
Die teils problematischen Methoden der statistischen Erfassung von FDI werden in einem Exkurs ab Seite 26 näher behandelt.
2.2 Kategorisierung und Motivation der Unternehmen
Arten von FDI
Ausländische Direktinvestitionen lassen sich sowohl nach ihren Erscheinungsformen als auch nach der ihnen zugrunde liegenden Motivation kategorisieren.
In der Form kann man zunächst nach vollbeherrschten Unternehmen und Unternehmensbeteiligung unterscheiden (Neumair 2006b, S. 216f). Vollbeherrschte Unternehmen entstehen entweder durch die Neugründung von Tochtergesellschaften oder Aus-landsniederlassungen - in Anlehnung an den Begriff der „Grünen Wiese“ spricht man hier auch von „greenfield investments“ - oder aber durch 100%-ige Übernahme eines bestehenden Unternehmens (Akquisition). Eine Sonderform bilden sogenannte „brownfield investments“, die Übernahmen bezeichnen, bei denen nach dem Erwerb ein weitreichender Austausch von Produktionsgütern und Personal vorgenommen wird (Lukas 2004, S. 83) 5 . Bei Unternehmensbeteiligungen liegt der Anteil, den ein Unternehmen an einem anderen hat, unter 100%. Dies ist bei Neugründung eines Gemeinschaftsunternehmens, dem sogenannten „joint venture“, oder bei nicht-vollständigen Akquisitionen und Fusionen der Fall. Für Akquisitionen und Fusionen wird häufig auch der aus dem Investment Banking stammende Begriff M&A (Merger & Acquisition) verwendet.
5 Andere Autoren, etwa Neumair 2006b, Tiwari 2009, Pradhan 2008b, verwenden den Begriff des „brownfield investments“ synonym zur Akquisition.
14
Differenzieren kann man auch nach der im Vergleich zum Mutterunternehmen relativen Position des Tochterunternehmens in der Wertschöpfungskette. Horizontale Direktinvestitionen erfolgen auf der gleichen Wertschöpfungsebene, auf der das Mutterunternehmen hauptsächlich tätig ist. Sie dienen häufig der besseren Marktbearbeitung im Ausland und der Vermeidung von Transportkosten. Sie wirken naturgemäß außenhandelsmindernd. Vertikale Direktinvestitionen sind hingegen der im Inland angesiedelten Tätigkeit vor-oder nachgelagert, weswegen auch weiter nach vorwärts oder rückwärts gerichteten FDI differenziert werden kann. Während vorwärts gerichtete FDI etwa den Ausbau eines Vertriebsnetzes im Ausland umfassen können, dienen rückwärts gerichtete FDI häufig der Beschaffung oder Veredelung von Rohstoffen und Zwischenprodukten. Vertikale Direktinvestitionen erfolgen häufig zur Nutzung internationaler Faktorpreisunterschiede und wirken grundsätzlich außenhandelsfördernd. Konglomerate Direktinvestitionen schließlich bezeichnen Fälle, bei denen keine direkte Verbindung zwischen den Geschäftstätigkeiten des Investors in dessen Heimatland und der neu aufgenommenen Tätigkeit im Ausland besteht. Sie dienen meist der Unternehmensdiversifikation und Risikominimierung (Neu- mair 2006b,S. 217).
Motivation
Ein wichtiges Unterscheidungskriterium von FDI ist jedoch auch die unternehmerische Motivation, die den Expansionsbestrebungen zugrunde liegt.
Markt- und absatzorientierte Motive („market-seeking“) 6 stehen mit der Erschließung und Pflege ausländischer Märkte im Zusammenhang. Diese können binnenorientiert sein, sofern man mit einer Investition vor allem den Binnenmarkt bedienen will, oder ex-portorientiert, wenn die Investition darüber hinaus Kapazitäten für den Export schaffen soll. In einigen Bereichen, wie etwa der Automobilindustrie, spielt die Kundennachfolge eine wichtige Rolle. Automobilzulieferer stehen häufig unter hohem Druck, ihren Kunden ins Ausland nachzufolgen, um auch auf dem Heimatmarkt keinen Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt zu sein. Schließlich können FDI ein Mittel zur Umgehung von Handelshemmnissen sein. Durch die Produktion vor Ort können im Vergleich zum Export Zölle gespart und nicht-tarifäre Handelshemmnisse, etwa verschiedenste Auflagen oder Importquoten, umgangen werden (Haas 2009, S. 80).
Bei Direktinvestitionen mit dem Hintergrund der Beschaffung geht es einerseits um die Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen oder den günstigen Erwerb von Vorprodukten, vor allem von Öl, Gas und Mineralien („resource-seeking“). Zunehmend spielt aber auch der Erwerb von sogenannten „created-assets“, also geschaffenem Vermögen eine Rolle („created-asset-seeking“). Solche Created Assets können Patente oder Markenrechte sein, aber auch spezielles Technologie- oder Management-Know-how (Haas 2009, S. 80).
Kosten- und ertragsorientierte FDI streben die effizientere Organisation des Wertschöpfungsprozesses innerhalb des Unternehmens an („efficiency-seeking“). Durch die
6 Die UNCTAD unterscheidet, etwas von der Darstellung von Haas abweichend, nach den vier Motiven „market-seeking“, „efficiency-seeking“, „resource-seeking“ und „created-asset-seeking“ (UNCTAD 2006, S. 157ff).
15
Theorie ausländischer Direktinvestitionen
optimale Nutzung verschiedener Märkte und Standorte soll das Unternehmen profitabler werden. In den Industrieländern sind diese Art der FDI häufig umstritten, da sie Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer und damit einen Arbeitsplatzverlust am Heimatmarkt bedeuten können (Haas 2009, S. 80f).
Die politischen Rahmenbedingungen gehören einerseits zu den Standortfaktoren, die Unternehmen bei der Wahl des Standorts für eine Direktinvestition berücksichtigen. Andererseits sind sie immer häufiger aber auch direkter Auslöser von Direktinvestitionen. In vielen Staaten werden ausländische Investoren durch monetäre Anreize und Regionalmarketing aktiv angeworben. Gleichzeitig werden inländische Unternehmen aktiv dabei unterstützt, Investitionen im Ausland zu tätigen. Dies geht so weit, dass staatliche oder teil-staatliche Unternehmen selbst durch FDI im Ausland aktiv werden, wie im Fall staatlicher Energiekonzerne aus China und Indien (UNCTAD 2006, S. xxvii).
Insgesamt ist es sicherlich eher die Regel als die Ausnahme, dass es mehrere Motive gleichzeitig sind, die ein Unternehmen zu FDI veranlassen. Welche Motive speziell für multinationale Unternehmen (TNCs) 7 aus Schwellenländern von Bedeutung sind, wird in Kapitel 3.3, die Motive indischer Unternehmen in Kapitel 4.5 erläutert.
Eigene Darstellung in Anlehnung an Haas 2009, S. 80f und UNCTAD 2006, S. 157ff.
7 TNC = Transnational company.
16
2.3 Das „Eklektische Paradigma“ und der „Investment
Development Path“
Entstehung
In den 1960er und 70er Jahren entwickelten Forscher verschiedener Disziplinen erste partialanalytische Ansätze zur Erklärung der damals rasant zunehmenden internationalen Investitionsströme. In der Geographie ergänzte beispielsweise Vernon die etablierte Pro-duktlebenszyklustheorie um eine internationale Komponente, die vor allem Direktinvestitionen aus Industrieländern in weniger entwickelte Länder mit niedrigeren Lohnkosten erklären kann (Vernon 1966 zit. in Lukas 2004, S. 60ff). Tesch diskutierte ausländische Direktinvestitionen auf Basis von Standorttheorien und entwickelte ein Konzept, in dem die optimale Kombination von unternehmerischen Standortanforderungen und nationalen Standortbedingungen im Vordergrund steht (Tesch 1980 zit. in Neumair 2006b, S. 224). In den Wirtschaftswissenschaften bauten erste Ansätze auf kapitalmarktorientierten Theorien, wie Zinssatz- und Portfoliotheorie, sowie betriebswirtschaftlichen Ansätzen der Unternehmensorganisation auf (Neumair 2006b, S. 220ff).
Was lange Zeit fehlte, war ein umfassendes Theoriegebäude, das verschiedenen Theorieansätze in einem Modell vereinte. Ein solches schuf der britische Ökonom John Harry Dunning mit seinem 1979 vorgestellten Eklektischen Paradigma, das zum Ausgangspunkt vieler weiterer Forschungsansätze auf dem Gebiet wurde.
Die OLI-Vorteile
Dunning identifizierte in seinen Arbeiten drei wesentliche Vorteilskategorien, die sogenannten „OLI-Vorteile“, die darüber entscheiden, ob ein Unternehmen ausländische Direktinvestitionen tätigen sollte oder nicht (z.B. Dunning 1979, S. 275; Dunning 1981, S. 32).
Die erste Vorteilskategorie basiert auf der Theorie des monopolistischen Vorteils, die von Hymer 1960 entwickelt wurde (Hymer 1960 [erstmals veröffentlicht 1976] zit. in Lukas 2004, S. 54f). Sie benennt firmenspezifische Eigentumsvorteile, sogenannte „ownership advantages“ (O-Vorteile) als Bedingung dafür, dass Unternehmen erfolgreich ins Ausland expandieren können. Eigentumsvorteile haben Unternehmen, wenn sie sich von potenziellen Konkurrenten im Ausland dadurch abheben, dass sie ihm Besitz entscheidender Wettbewerbsvorteile sind. Diese können z.B. bestimmte Patente oder Markenrechte sein, hochwertiges Humankapital, branchenspezifisches Know-how oder eine große Marktmacht durch die Unternehmensgröße. Hinzu kommen spezifische, aus der Multinationalität des Unternehmens resultierende Eigentumsvorteile, wie die optimierte Nutzung unterschiedlicher Faktorausstattungen verschiedener Länder, ein guter Marktüberblick oder auch die Risikodiversifikation durch Tätigkeit in verschiedenen Währungsräumen. Auch die Möglichkeit der Nutzung zentraler Unternehmenseinheiten durch verschiedene dezentrale Abteilungen kann entscheidende Kostenvorteile bieten (Neumair 2006b, S. 232).
17
Theorie ausländischer Direktinvestitionen
Um als Bedingung für eine mögliche Internationalisierung ausreichend zu sein, müssen diese Eigentumsvorteile größer als die Nachteile sein, die Unternehmen im Ausland naturgemäß haben - etwa höhere Informations- und Kommunikationskosten, Diskriminierung durch ausländische Behörden und Geschäftspartner, oder Wechselkursrisiken bei Investitionen in fremden Währungsräumen. Man spricht daher auch von Nettoeigentumsvorteilen als Differenz zwischen Eigentumsvorteilen und -nachteilen (Neumair 2006b, S. 232).
Die zweite Vorteilskategorie ist die der Internalisierungsvorteile („I-Vorteile“), ein Konzept, das erstmals von Teece und Buckley/Casson aus den Annahmen der Trans-aktionskostentheorie zu einem Erklärungsansatz für ausländische Direktinvestitionen entwickelt wurde (Teece 1981, S. 3ff; Buckley 1991 zit. in Neumair 2006b, S. 229). In-ternalisierungsvorteile bestehen, wenn es für ein Unternehmen günstiger ist, bestimmte Geschäftsprozesse über Grenzen hinweg intern auszuführen, als dafür Leistungen auf dem freien lokalen Markt in Anspruch zu nehmen. Dies kann der Fall sein, weil so Verhandlungs- und Transaktionskosten vermieden werden und eine bessere Kontrolle über den Geschäftsprozess besteht. Das Risiko von Urheberrechtsverletzungen, niedrigeren Qua-litätsstandards oder sonstigen Abweichungen vom beabsichtigten Geschäftskonzept kann so minimiert werden (Neumair 2006b, S. 228ff). Hat ein Unternehmen diese Internalisie-rungsvorteile nicht oder nur in geringem Maße, kann es den ausländischen Markt bearbeiten, indem es seine Eigentumsvorteile durch die Vergabe einer Lizenz an ein Partnerunternehmen im Zielland verkauft oder vermietet.
Modifizierte Darstellung nach Neumair 2006b, S. 233, in Anlehnung an Dunning 1981, S. 32.
Die dritte Vorteilskategorie umfasst ausländische Standortvorteile, sogenannte „location advantages“ („L-Vorteile“), die es weniger attraktiv machen, den ausländischen Markt lediglich über den Export zu bedienen. Solche Standortvorteile, die von Tesch besonders umfassend untersucht wurden, können schlicht die geographische Nähe zum Markt und damit niedrigere Transportkosten sein, aber auch Kostenvorteile bei den Produkti-onsfaktoren, gute Infrastruktur, politische und rechtliche Rahmenbedingungen oder die Möglichkeit der Umgehung von Handelshemmnissen (Tesch 1980 zit. in Neumair 2006b, S. 225).
Nur wenn ein Unternehmen alle drei OLI-Vorteile hat, unternimmt es die Internationali-
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sierung durch eine Direktinvestition (siehe Abbildung 2).
Übertragung auf die Makroebene
Das „Eklektische Paradigma“ versuchte Dunning infolge weiterer Forschungen von der Unternehmens- auf die nationalstaatliche Ebene zu übertragen. 1981 untersuchte er in einer Studie den Zusammenhang zwischen Net-Outward-Investments pro Kopf (NOI/capita) und Bruttonationaleinkommen pro Kopf (GNI/capita) 8 von 67 Staaten für den Zeitraum von 1967-1978. Dabei fand er heraus, dass im Allgemeinen ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Struktur der ausländischen Direktinvestitionen und dem wirtschaftlichen Entwicklungsstand besteht. Daraus leitete er einen theoretischen Entwicklungspfad abden „Investment Development Path“ (IDP). Nach diesem durchlaufen aufstrebende Staaten auf dem Weg ihrer wirtschaftlichen Entwicklung verschiedene Phasen, die durch Grenzwerte des GNI/capita getrennt sind. In jeder Phase entsprechen die einfließenden und ausfließenden Direktinvestitionen dabei einem jeweiligen Muster, das durch eine jeweils unterschiedliche Konfiguration der „OLI-Vorteile“ bestimmt ist (Dunning 1981, S. 35ff; Dunning 1993, S. 88f).
In der ersten Phase des IDP ist der Entwicklungsstand der Wirtschaft niedrig. Einheimische Unternehmen verfügen kaum über ausreichende Eigentumsvorteile, um ins Aus-land zu expandieren, und es gibt kaum Standortvorteile, die ausländische Unternehmen zu Investitionen im Land bewegen könnten. Folglich sind einfließende und ausfließende Direktinvestitionen auf niedrigem Niveau.
In der zweiten Phase steigt das GDP/capita und ausländische Unternehmen sehen zunehmend Chancen, ihre Eigentumsvorteile in dem wachsenden Markt auszunutzen (Asset-
8 Dunning verwendetedas Bruttonationaleinkommen damals aufgrund der besseren Verfügbarkeit der Daten. Heute wird stattdessen meist das Bruttoinlandsprodukt (GDP) verwendet.
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Theorie ausländischer Direktinvestitionen
Exploiting), sei es durch die Erschließung eines wachsenden Konsummarktes oder die Nutzung eines großen Reservoirs an billigen Arbeitskräften. Die Eigentumsvorteile der einheimischen Unternehmen bleiben hingegen weiterhin gering und lassen sich, sofern vor-handen, noch ausreichend durch Export ausschöpfen. Daher kommt es zu einer Zunahme der Inward-FDI, während Outward-FDI weiterhin niedrig bleiben. Die Net-Outward-Investments (NOI) werden also negativ.
In der dritten Phase hat sich die Wirtschaft, u.a. durch Lerneffekte von den im Land tätigen internationalen Unternehmen, dahingehend weiterentwickelt, dass nun auch inländische Unternehmen über Eigentumsvorteile verfügen und ins Ausland expandieren. Ausländische Unternehmen investieren aber weiterhin stärker im Inland als die inländischen im Ausland, sodass die Differenz zwischen Inward- und Outward-FDI zwar schrumpft, die NOI aber weiterhin negativ bleiben.
In der vierten Phase kehren sich die NOI schließlich ins Positive. Eigentums- und Interna-lisierungsvorteile der einheimischen Unternehmen sind so groß, dass diese FDI im großen Umfang nutzen, um international zu expandieren und ihre Eigentumsvorteile im Ausland auszunutzen. Inward-FDI finden zwar weiterhin statt, werden aber durch Outward-FDI übertroffen.
In neueren Publikationen findet sich noch eine fünfte Phase, in der Inward- und Outward-FDI auf sehr hohem Niveau liegen, was schwankende bzw. unbestimmte NOI zur Folge hat (Dunning 1998b, S. 2).
Abbildung 4: Anwendung des Investment Development Path Modells 2009
Eigene Darstellung, Beschriftung selektiv, Trendlinie polynomisch 4. Ordnung, Datenquelle: UNC-TAD 2010c.
Abbildung 4 stellt eine Anwendung des Investment Development Path auf aktuelle Daten
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von 2009 dar. Die Darstellung bestätigt die wellenförmige Form des Investment Development Path weitgehend. Abgesehen von den Ausreißern Taiwan und Panama haben lediglich Staaten mit sehr hohem GDP/capita positive NOI. Das Gros der Entwicklungs-und Schwellenländer liegt weit im linken Bereich des Diagramms, wo die NOI bei geringem GDP/capita deutlich negativ sind. Lediglich die asiatischen Tigerstaaten Hongkong und Singapur scheinen dem IDP-Modell folgend in ihrem Investitionsverhalten weit fortgeschritten zu sein.
Verzerrend wirkt in der Darstellung jedoch die Nichtberücksichtigung der Landesgrößen. Kleine Staaten haben naturgemäß ein größeres Bedürfnis, sich international auszurichten, als Staaten mit einem großen Binnenmarkt. Insbesondere bei den bevölkerungsreichen BRIC-Staaten wird die rege Investitionstätigkeit einiger fortschrittlicher Wirtschaftssek-toren durch die Masse der Bevölkerung so sehr relativiert, dass sie nahe der Abszisse zu finden sind. Eine Einteilung der einbezogenen Staaten in die fünf Phasen ist daher anhand der Abbildung kaum möglich 9 .
Kritik
Dunnings Modelle haben in Theorie und Forschung bis heute eine prominente Stellung eingenommen und schaffen für die Diskussion von FDI aus Entwicklungs- und Schwellenländern, auch speziell aus Indien, eine gute Diskussionsgrundlage. Gleichwohl unterliegen Eklektisches Paradigma und Investment Development Path einer Reihe von Einschränkungen, die ihre Gültigkeit in vielen Fällen in Fragen stellen.
Offensichtlich ist beispielsweise, dass im Eklektischen Paradigma längst nicht alle Alternativen der Marktbearbeitung berücksichtigt werden. So unterscheidet eine aktuellere Studie von Buckley/Casson zwischen zwölf verschiedenen Markteintrittsstrategien (Buckley 1998, S. 547f). Insbesondere moderne Kooperationsformen, wie Franchising und Joint Ventures, finden bei Dunning keine Erwähnung. Auch zwischen verschiedenen FDI-Formen wie Greenfield Investments und M&A findet keine Unterscheidung statt.
Da das Modell ursprünglich für private Unternehmen aus dem produzierenden Sektor konzipiert war, stellt sich zudem die Frage nach der Relevanz für den Dienstleistungssektor und für staatliche Unternehmen, die in einigen Emerging Markets für einen großen Teil der Outward-FDI verantwortlich sind. Schließlich ist der statische Charakter des Modells häufig Gegenstand der Kritik. Zwar bilden die Phasen im Investment Development Path auch den Versuch, eine Dynamik des Eklektischen Paradigmas abzubilden - doch die Antworten auf die Fragen nach den drei Vorteilskategorien bleiben im Wesentlichen exogen bestimmt (Neumair 2006b, S. 234; Yeung 1999, S. 18).
9 Einige Autoren nehmen die Einteilung dennoch nach dem GDP/capita vor (UNCTAD 2006, S. 144; Fonseca 2007, S. 17ff). Die meisten orientieren sich hingegen an qualitativen Merkmalen, was zu einer Einteilung einiger Staaten (z.B. Indien und China) in höhere Phasen führt, als Abbildung 4 nahelegt (Dunning 2008, S. 170; Hansen 2008, S. 16; Kumar 1998, S. 377; Yeung 1999, S. 14; Sathye 2008, S. 304ff).
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Theorie ausländischer Direktinvestitionen
Für das Modell des Investment Development Path stellt sich insbesondere die Frage, ob dieses auch die heutige Generation von multinationalen Unternehmen und deren Heimatländer noch treffend beschreibt. Denn wie in Kapitel 3.1 näher betrachtet wird, treten heutzutage auch Unternehmen aus wirtschaftlich rückständigen Staaten als Investoren auf dem Weltmarkt in Erscheinung treten. Dunning modifizierte seinen Investment Development Path 2009 noch dahingehend, dass Entwicklungs- und Schwellenländer heutzutage wesentlich früher auch im Ausland investieren und die Phase negativer FDI nicht so stark bzw. wesentlich kürzer ausfällt (Dunning 2008, S. 164).
2.4 Das „Uppsala-Modell“ der Internationalisierung
Lernprozesse im Fokus
Am Kritikpunkt der mangelnden Dynamik, die das Eklektische Paradigma von Dunning charakterisiert, setzen andere Theorien an, die den Fokus bei der Erklärung von ausländischen Direktinvestitionen auf die Lernprozesse legen, die Unternehmen bei der Auslandsmarktbearbeitung durchlaufen. Das Uppsala-Modell, das 1977 von den schwedischen Forschern Johanson und Vahlne entwickelt wurde, ist der bekannteste dieser Theorieansätze. Er basiert auf der sogenannten behavioristischen Theorie der Internationalisierung, die der israelische Wissenschaftler Aharoni zur Erklärung von Direktinvestitionen entwickelte (Aharoni 1966 zit. in Neumair 2006b, S. 234f).
Prämisse des Uppsala-Modells ist, dass Unternehmen im nationalen Rahmen entstehen und es ihnen deshalb zunächst an Wissen und Erfahrung über Auslandsmärkte mangelt. Dieses Wissen, das zur Investitionsentscheidung notwendig ist, muss erst in einem langwierigen Prozess erlernt werden (Rehner 2006, S. 695ff). Wie Abbildung 5 veranschaulicht, besteht dieser Prozess aus vier Hauptelementen, jeweils zwei Zustandskriterien („State aspects“) und zwei Veränderungskriterien („Change aspects“), die in einer wechselseitigen Beziehung zueinander stehen. Die Wirkungskette verläuft dabei hauptsächlich zirkular, es kommt aber auch zu Wechselwirkungen innerhalb der beiden Kategorien.
Als Ausgangspunkt des Prozesses kann man das Marktwissen heranziehen. Vor der Entscheidung über die Auslandsexpansion ist dieses noch in geringem Maße vorhanden. Zwar können sich die Führungskräfte des Unternehmens objektives Wissen „anlesen“, jedoch fehlt das Erfahrungswissen, sogenanntes „tacid knowledge“, das sich nur durch Selbsterfahrung erlernen lässt (Perlitz 2004, S. 113). Das Marktwissen bildet jedoch die wichtigste Grundlage für die Entscheidung darüber, welche Unternehmensressourcen wie stark an welchen Markt gebunden werden sollen. Bei geringem Marktwissen ist die Unsicherheit bei der Entscheidung hoch und es wird daher eine Geschäftsaktivität vor Ort gewählt, die mit möglichst wenigen Ressourcen auskommt.
Zu Beginn der zweiten Phase ist das Marktwissen nun jedoch schon gewachsen, denn die Entscheidungsträger des Unternehmens haben mehr Zeit gehabt, um sich über den Markt zu informieren und erste eigene Erfahrungen gesammelt. Daher wird in der zweiten Phase die Entscheidung über die Marktbindung bereits etwas optimistischer ausfallen und
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Eigene Darstellung in Anlehnung an Johanson 1977, S. 26, vgl. auch Rehner 2006, S. 696; Lukas 2004, S. 70; Perlitz 2004, S. 114.
die Geschäftstätigkeit ein neues Niveau erreichen. Über mehrere Phasen hinweg wächst also das Wissen über den neuen Markt und es findet nach und nach eine tiefergehende Marktbearbeitung statt.
Laut Johanson und Vahlne ändert sich daher die Geschäftstätigkeit vor Ort in kleinen Schritten und es kommt zur Entwicklung einer sogenannten „establishment chain“. Modellhaft kann diese für ein Unternehmen des produzierenden Gewerbes in etwa so aussehen (Rehner 2006, S. 695):
1. Gelegentliche Exporte
2. Regelmäßige Exporte über Mediatoren
3. Einrichtung eigener Vertriebsniederlassungen (nachgelagerte vertikale Direktinvestition)
4. Aufbau einer eigenen Produktion (horizontale Direktinvestition)
Kritik
Gerade diese stringente Abfolge der „establishment chain“ war in vielen Folgepublikationen ein Ansatzpunkt für Kritik, denn in der Realität werden häufig Stufen übersprungen oder
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Theorie ausländischer Direktinvestitionen
es werden Sonderformen wie die Gründung eines Joint Ventures gewählt.
Jedoch ist festzuhalten, dass der Wert des Uppsala-Modells weniger in seinen konkreten Vorhersagen über den Internationalisierungspfad einzelner Unternehmen liegt, sondern in der Hervorhebung der Bedeutung, die Lernprozesse für die Internationalisierung von Unternehmen haben. Hierzu liefert die Theorie wertvolle Erkenntnisse, die auch für die Investitionsentscheidungen indischer Unternehmen am Standort Deutschland von Bedeutung sind.
2.5 „Born Globals“ und die „Latecomer Theory“
Neue Wege für junge Unternehmen
Seit den 1990er Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr junge Unternehmen früher und in schnellerer Abfolge Direktinvestitionen unternehmen, als es klassische Internationalisierungsmodelle, wie das Uppsala-Modell, vorhersagen. Dieser Trend hat auch die Entwicklung neuer Theorieansätze gefördert.
Madsen/Servais identifizieren beispielsweise eine Klasse von Unternehmen, die bereits kurz nach der Gründung international expandieren, und für die ihre internationale Ausrichtung ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells ist. Diese Unternehmen, für die sich in der Literatur der Begriff der „Born Globals“ durchgesetzt hat, werden häufig von Managern neugegründet, die schon über viel Erfahrung und gute Kontakte in einer durch hohe Internationalisierung geprägten Branche verfügen. Sie sind dabei oft innovativer als ihre größeren Konkurrenten, weil sie stärker mit anderen Unternehmen kooperieren, sich auf ihre Kernkompetenzen beschränken und in ihren Organisationsstrukturen flexibel sind (Madsen 1997, S. 576ff).
Die Vorteile der Nachzügler
Dieses frühere internationale Auftreten durch ausländische Direktinvestitionen gilt nicht nur für einzelne Unternehmen aus den entwickelten Industrieländern. Wie in Kapitel 3.1 näher gezeigt wird, treten auch junge Unternehmen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern zunehmend als Investoren auf dem Weltmarkt auf. Für sie gelten dabei oft besondere Rahmenbedingungen aufgrund der relativen Rückständigkeit ihres Heimatlandes.
Die sogenannte „Latecomer Theory“, die als eine ökonomische Entwicklungstheorie ursprünglich entwickelt wurde um zu erklären, warum sich rückständige Staaten unter bestimmten Bedingungen rasant zu „Technologieführern“ entwickeln können, liefert hierzu interessante Aspekte. Ihre Grundidee ist, dass es in aufstrebenden, aber noch rückständigen Staaten weniger restriktive Elemente gibt, die der Verwendung neuester Technologie
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und effizienter Systeme entgegenstehen 10 . Übertragen auf die Theorie der ausländischen Direktinvestitionen und multinationalen Unternehmen argumentieren heute einige Autoren, dass es auch in der heutigen, globalisierten Wirtschaftswelt neue Akteure gibt, die durch ihre relative Rückständigkeit durchaus Vorteile im Wettbewerb mit den etablierten Akteuren haben, da sie nicht den Beschränkungen über längere Zeiträume gewachsener Strukturen, wie etwa komplexen Unternehmenshierarchien und ineffizienten Geschäftsprozessen, unterliegen.
„The key idea of the latecomer theory is that a new breed of MNEs has arisen that is exceptionally effective in exploiting the opportunities offered by globalization. The internationalization of these MNEs is happening in an accelerated manner that contradicts the earlier trend of gradual internationalization. These MNEs are not contrained by Western management orthodoxies, and they are, therefore, positioned to incorporate new ideas and innovations much more effectively than incumbents. The developing country context gives these MNEs a number of advantages, including flexibility, low overheads, cost effectiveness, and network-based business models.“ (Buckley 2007, zit. nach Hansen 2008, S. 35)
Diese „Born Globals“ aus Entwicklungs- und Schwellenländern zeichnen vor allem vier unternehmerische Verhaltensweisen aus (Hansen 2008, S. 35ff):
1. Sie kompensieren den Mangel an firmenspezifischen Eigentumsvorteilen durch den Erwerb von „komplementären Assets“, vor allem Technologie, Know-how und Marketinginstrumente, wie Markennamen, durch Kooperation oder Übernahme mit bzw. von westlichen Unternehmen.
2. Sie sind in ihren Unternehmensstrukturen flexibel und ihren Strategien innovativ. Sie bilden ausgeprägte Netzwerke, die es ermöglichen schnell über verschiedene Kanäle zu lernen und ihre Fähigkeiten zu erweitern.
3. Sie verknüpfen ihre im Ausland gelernten Fähigkeiten geschickt mit der weniger fortgeschrittenen Heimatbasis, die sich durch günstige Faktorkosten auszeichnet, und erhöhen dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu westlichen TNCs.
4. Sie expandieren mit einem hohen Tempo, da sie, unter Anwendung der oben genannten drei Schritte, nur so zu den etablierten TNCs aufschließen können.
„Latecomer Theory“ und das Konzept der „Born Globals“ liefern somit vor allem Erklärungsansätze für besonders schnell expandierende Unternehmen, deren Internationalisierungsprozess mit den Mitteln der etablierten theoretischen Ansätze nicht ausreichend zu beschreiben ist.
10 Veblen versuchte so schon die schnell aufholende Industrialisierung Deutschlands im Vergleich zu England vor dem Ersten Weltkrieg zu erklären (Veblen 1915 [Reprint 1939] zit. nach Ozawa 2004, S. 379f). Gerschenkron entwickelt mit dem Konzept der „Backwardness“ ähnliche Aspekte weiter (Ger- schenkron 1962).
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Arbeit zitieren:
Michael Logen, 2011, Die wachsenden ausländischen Direktinvestitionen indischer Unternehmen – eine Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland?, München, GRIN Verlag GmbH
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