Martin Rottmann Financial Advisory Service
Inhaltsverzeichnis
I. Abbildungsverzeichnis
1. Einführung in die Freigeldtheorie 2
2. Die Brakteaten des Mittelalters 3
3. Die Freigeldtheorie von Silvio Gesell 4
4. Kritische Würdigung der Freigeldtheorie 6
II. Quellen- und Literaturverzeichnis (chronologisch) 9
I. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Auswirkung der Umlaufsicherung auf die Zinshöhe 5
(entnommen Creutz: Das Geldsyndrom, 1997)
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„Es gibt in der Volkswirtschaft keine kleinen Fehler. Der geringste Missgriff zieht unberechenbare Folgen nach sich. Wer von einer irrigen Theorie geleitet seinen Weg fortsetzt, gelangt unfehlbar auch zu irrigen Resultaten.“
Silvio Gesell, Die Verstaatlichung des Geldes (1892), in: Gesammelte Werke Band 1, S. 167.
1. Einführung in die Freigeldtheorie
Sowohl Freigeld, als auch Brakteaten im Rahmen der Geldtheorie, sind Thesen der Freiwirtschafttheorie. Bevor die beiden Begriffe genauer erläutert werden, will ich zuerst auf die historischen Grundlagen der Freiwirtschaftstheorie eingehen. Die Freiwirtschaft beschäftigt sich mit dem Geldkreislauf einer Volkswirtschaft, der nach freiwirtschaftlicher Auffassung durch einen sogenannten "Geldstreik" behindert wird. Die Freiwirtschaftstheorie geht auf Silvio Gesell (1862-1930) zurück, der seine Theorie auf den Überlegungen von Pierre Joseph Proudhon (1809-1865) und Henry George (1839-1897) aufbaute. Proudhons Ziel war es, die Dominanz des Geldes über die Waren aufzuheben indem er Tauschbanken gründete. Diesen war jedoch kein Erfolg 1 Henry George gehörte zu den Bodenreformern, die für eine Vergesellschaftung des beschieden.
Bodens eintraten. Gesell befasste sich in seinen Schriften vor allem mit den monetären Auswirkungen auf eine Volkswirtschaft und stellte dabei den Zins in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Er erklärte mit seiner Kapitaltheorie wie Wirtschaftskrisen entstehen und wie 2 diese mit Hilfe von „Freigeld“ zu verhindern seien.
Die Kernthesen seiner Theorie resultieren aus Beobachtungen, dass die Wirtschaftsteilnehmer investierten wenn die Zinssätze niedrig waren und dass sie sparten, wenn diese höher lagen. Auf der Kreditgeberseite hat er festgestellt, dass es bei Zinssätzen unter 2,5% p.a. zu einer Zurückhaltung bei der Darlehensvergabe und damit zu einer Verringerung der Investitionen kam. Erst bei steigenden Zinsen wurden wieder vermehrt Kredite zur Verfügung gestellt. Insofern hat das Geldsystem nach freiwirtschaftlichen Gedanken den Fehler, dass Geld prinzipiell gespart werden kann und damit dem Wirtschaftskreislauf nicht mehr zur Verfügung steht. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Um dieses Problem einzudämmen, werden Zinsen für das Leihen von Geld bezahlt, wodurch das Geld wieder nachfragewirksam wird. Zinsen unterstützten aber langfristig die Kapitalkonzentration und Monopolbildung und tragen
1 Vgl.: Gesell, Silvio: Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld 1920, Gauke Verlag 2008, S. 37.
2 Vgl.: Edb. S.199ff
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nach Ansicht der Freiwirtschaft zu einer "wachsenden Kluft zwischen Arm und" bei. Neuordnung des Geldwesens ist folglich das Kernstück der Freiwirtschaftslehre, denn für die Freiwirte stellen die Geldhortung und der Zins die Ursache von Stockungen im Volkswirtschaftlichen Kreislauf 3 , 4 dar.
John Maynard Keynes, der allerdings nicht als Vertreter der Freiwirtschaftstheorie anzusehen ist, machte später in vielen Punkten dieselben Erkenntnisse und verbreitete sie 298ff. Bereits im Hauptwerk von Keynes „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ von 5 und dessen Auswirkungen auf 1936 sind wichtige Kernpunkte wie das Wissen über den Zinsfuß 6 nachzulesen. den Konjunkturzyklus
2. Die Brakteaten des Mittelalters
Bereits im Hochmittelalter zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert wurde in Europa Geld verwendet, welches man Brakteaten nannte. Dabei diente es nicht nur dem Austausch von Waren und Dienstleistungen, sondern auch als Mittel, Steuern zu erheben. Landesfürsten ließen die damaligen Münzen ein- bis dreimal jährlich einziehen und gaben neu geprägte Münzen mit niedrigerem Wert aus. Dabei wurden sie zu einem Stichtag bis zu 25% abgewertet, und dieser Teil als Schlagschatz- oder Prägesteuer einbehalten, welches einer Umlaufgebühr entspricht, die auch für Freigeld charakteristisch ist. Gegen eine bestimmte Anzahl alter Münzen gab es erheblich weniger neue Münzen. Die neuen Münzen hatten zwar dasselbe Gewicht und Feingehalt, aber unterschieden sich im Münzbild wesentlich von den vorangegangenen. Fortan hatten nur noch die neuen Münzen Gültigkeit, die alten durften für den Zahlungsverkehr nicht mehr verwendet werden. Da niemand daher dieses Geld behalten wollte, investierte die Besitzer in Sachwerte und alles was seinen Wert zu behalten oder sogar zu steigern versprach, was auf eine "Umlaufsicherung" des Geldes hinausläuft. Damit wurde die Umlaufgeschwindigkeit der Münzen natürlich stark gesteigert.
Der in dieser Epoche stattfindende rasante Wirtschaftsaufschwung wird von den Anhängern der Freiwirtschaft auf das vorhandene Geldsystem zurückgeführt. Durch die Steuereintreibung und die dadurch regelmäßige Abwertung der Münzen, war das Freigeld nicht beliebt. Deshalb wurde
3 Vgl.: Kennedy, Margrit: Geld ohne Zins und Inflation, Goldmann Verlag, 1.Auflage, 1. September 1991, ISBN 3442123410, S.15.
4 Vgl.: Onken, Werner: Silvio Gesell und die Natürliche Wirtschaftsordnung, Gauke Verlag Lütjenburg, 1999 ISBN 3879984395.
5 Vgl.: Keynes, John Maynard: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Verlag Duncker&Humblot Berlin,
11 Ausgabe Juni 2009 , S. 139ff.
6 Vgl.: Ebd. S. 266ff.
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Arbeit zitieren:
Martin Rottmann, 2010, Brakteaten und Freigeldtheorie nach Silvio Gesell, München, GRIN Verlag GmbH
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