Zwang „totalitärer Regierungsformen“(Z. 11,12) ausgehend von der Sowjetunion gegeben.
Wiederum beteuert er, es ginge der USA genau darum, dies in Staaten wie Polen und
Bulgarien zu verhindern. Ebenfalls genannt wird hierbei die Konferenz von Jalta, dessen
Vereinbarung Stalin verletzt haben solle („Verletzung der Vereinbarungen von Jalta“(Z.16)),
wobei er höchstwahrscheinlich auf die prozentuale Aufteilung bestimmter Länder anspielte,
da die Sowjetunion weiterhin Kriege in bspw. Griechenland führte um dort den
Kommunismus voranzutreiben, obwohl es klare Vereinbarungen bezüglich der prozentualen
Aufteilung dieser Nationen gab.
Im Anschluss darauf benennt er erstmalig die klare Spaltung der Welt in zwei Lager: zum
einen dieses, welches auf dem „Willen der Mehrheit“(Z. 24,25) basiere und „durch freie
Institutionen, repräsentative Regierungsform, freie Wahlen, Garantien für die persönliche
Freiheit, Rede- und Religionsfreiheit und Freiheit von politischer Unterdrückung“ (Z. 25-29)
gekennzeichnet sei. Er präsentiert somit die „richtigen, guten, die eigenen“ Ziele und
Wertvorstellungen der USA; er stellt seine Nation als Retter aller Länder der Welt vor der
Sowjetunion und ihrer kommunistischen Gesinnung dar, welche er abermals im Gegenzug
zu seinen vorausgegangenen Ausführungen erläutert:
Die Sowjetunion basiere auf dem „Willen einer Minderheit“ (Z. 30,31), die der Allgemeinheit
ihre Denkweise „gewaltsam aufzwingt“ (Z. 31,32). Truman wirft der Sowjetunion vor, deren
politische Inhalte würden sich auf „Terror und Unterdrückung, auf die Zensur von Presse und
Rundfunk, auf manipulierte Wahlen und auf den Entzug der persönlichen Freiheiten“ (Z. 32-35), die nicht einmal vor „bewaffnete[m] […] äußeren Druck“ (Z. 38,39) zurückschrecken,
beschränken, also im Grunde genommen all das, wogegen sich die Vereinigten Staaten
einsetzen.
Truman nennt seine Zielsetzungen, die aber rein plakativ und ohne konkreten Inhaltes sind,
in Bezug auf die Hilfe für „alle freien Völker“ (Z.40,41): „wirtschaftliche und finanzielle Hilfe“
(Z.44) und verspricht somit eine Stabile Lage in diesen Ländern in politischer wie auch
wirtschaftlicher Hinsicht (Z. 45,46).
Abschließend geht er auf die Stellung der Vereinigten Staaten als Nation in der Welt ein.
Truman sieht sie in der „Führungsrolle“ und in der Verantwortung, „den Frieden der Welt“ (Z.
49,50) zu ermöglichen und zu sichern.
Als Reaktion darauf hält Shdanow im Herbst 1947 die Rede auf der Konferenz der
kommunistischen Parteien Europas; er greift die Zwei- Lager- Theorie auf und stellt sie aus
„sowjetischer Sicht dar“:
Auffällig ist hierbei zunächst, dass Shdanow, anders als Truman, welcher sich grundsätzlich
nur unter dem rhetorischen Deckmantel der eigenen Nation und der „bösen“ anderen Nation
äußerte, die politischen Lager des Kapitalismus und des Sozialismus (Z. 2,3) direkt benennt.
Shdanow beginnt seine Rede mit einer Reaktion auf die in der aufgeführten Quelle letzte
Aussage Trumans, nämlich der, die USA befände sich in einer „Führungsrolle“ (Z. 49), sei
also politisch gesehen an oberster Stelle. Er beteuert, „die Bedeutung der Außenpolitik des
Sowjetstaates“ habe sich erhöht (Z. 4,5), sei also mindestens auf gleicher Ebene mit der der
USA.
Genau wie Truman erklärt der Parteisekretär, es sei das ausgemachte Ziel der Sowjetunion,
„gerechten, demokratischen Frieden“ (Z. 7) zu sichern. Allerdings benennt er hierbei
zusätzliche Maßgaben wie Antiimperialismus und Antifaschismus. Truman hatte in seiner
Rede die „Einschüchterungen in Polen, Rumänien und Bulgarien“ (Z. 14,15) erwähnt und
dazu aufgerufen gegen, diese Unterdrückung zu protestieren. Auch darauf nimmt Shdanow
Bezug: er proklamiert, Länder wie „Polen, die Tschechoslowakei und […] Rumänien“ seien
im Kampf „für den Frieden, für die Demokratie und für ihre Freiheit“ (Z.14-23) an der Seite
der Sowjetunion und völlig unabhängig von den „USA und England“, die mit ihren Aktivitäten
allemal nur das Ziel befolgen würden, eben jene Staaten wieder zurück in den Imperialismus
zu drängen (Z. 23-25). Der Vorwurf, die Vereinigten Staaten und England hätten mit Zwang
den Krieg in die Länge gezogen, um „die UdSSR ausbluten zu lassen und die faschistischen
Aggressoren vor einer vollständigen Zerschmetterung zu retten“(Z.30-33), zeigt schließlich
klar benannte Kritikpunkte der Sowjetunion an den USA und an England auf. Entgegen der
Darstellung Trumans, die Sowjetunion unterdrücke alle Länder, versichert Shdanow, „die
Sympathien der Volksmassen in der ganzen Welt“ (Z. 43,44) lägen bei der Sowjetunion,
wodurch sich die USA nicht „getraut“ hätten, der UdSSR als offenen Gegner
gegenüberzustehen. Letztendlich verweist Shdanow erneut auf die Zusammengehörigkeit
„der Sowjetunion und der demokratischen Länder“ (Z. 50,51) sowie auf die Rechtmäßigkeit
(hier: Legitimität (Z.50)) der sowjetischen Gesinnungen und Ziele, und kritisiert abermals die
Sturheit der USA („nicht gewillt“ (Z. 50)) in Bezugnahme auf die Berliner Konferenz im Juli
1945.
Inhaltlich ist beiden Quellen also gemein, dass sich die Nationen gegenseitig beschuldigen,
sie würden Länder unterdrücken, sie zwängen diesen ihren politischen Willen auf, würden
sich gegen die Freiheit aller Nationen einsetzen und Demokratie verhindern. Gleichzeitig
aber beteuern beide Redner genau dieser Gesinnung entgegenzustehen und sich für
Demokratie und Freiheit einzusetzen.
Unterschiede zeigen sich in der Teilung der Welt: Shdanow zieht hierbei eine Grenze
zwischen den imperialistischen, antidemokratischen und kapitalistischen USA und der
antiimperialistischen, demokratischen und sozialistischen Sowjetunion. Truman hingegen
benennt diese Unterschiede nicht konkret, sondern führt lediglich die Kritikpunkte politischen
Zwangs und Unterdrückung auf.
Dies lässt sich dadurch erklären, dass Shdanows Rede natürlich eine Reaktion auf die von
Truman war. Er nimmt Bezug auf dessen angesprochenen Punkte und wirkt zudem
wesentlich aggressiver, da er zum einen die USA als Gegner direkt benennt (im Gegensatz
zu Truman) und zum anderen die gesamte Rede in der Vergangenheit formuliert ist- alles,
was geschehen ist, was die USA getan haben soll, wird ihr vorgeworfen, wohingegen
Trumans Rede als Zielsetzungen für die Zukunft formuliert wurden.
Arbeit zitieren:
Mitsie Sande, 2010, Quellenvergleich „Truman Doktrin“ und „Zwei-Lager-Theorie“, München, GRIN Verlag GmbH
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