Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Die Bindungstheorie. 1
2.1 Der Begriff der Bindung 1
2.2 Die Bindungstheorie von Bowlby 2
2.3 Entwicklung des Bindungsverhaltens 3
2.4 Die „fremde Situation“ von Mary Ainsworth 4
2.5 Die 4 Bindungstypen 4
3 Ursachen unterschiedlicher Bindungsqualitäten. 6
4 Einfluss der Bindungsqualität auf den Lebensverlauf. 7
4.1 Im Kindergarten. 7
4.2 Im Schulalter 8
4.3 Im Erwachsenenalter 9
5 Aktualität der Bindungstheorie. 10
6 Literaturverzeichnis 12
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1 Einleitung
Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann ohne zwischenmenschliche Beziehungen nicht leben. Das Thema dieser Ausarbeitung ist die Relevanz der Bindungsqualität für die verschiedenen Lebensbereiche und Lebensabschnitte. Nach gängiger Theorie wird das Bindungsverhalten maßgeblich in den ersten 3 Lebensjahren ausgebildet und beeinflusst das gesamte Leben eines Menschen. Für den Einstieg in diese Thematik werde ich im zweiten Kapitel die Entstehung und die Inhalte der Bindungstheorie erläutern. Hierbei nehme ich Bezug auf die Definition des Wortes „Bindung“ sowie die Entwicklungsarbeit und Grundannahmen bzgl. der Bindungstheorie von John Bowlby. Dem schließen sich die Schritte der Entwicklung von Bindungsverhalten an. Im Folgenden gehe ich auf die empirische Belegung der Bindungstheorie mit Hilfe der „fremden Situation“ von Mary Ainsworth sowie die vier verschiedenen Bindungstypen ein.
Im dritten Kapitel beleuchte ich die Ursachen der verschiedenen Bindungsqualitäten. Inhalt des vierten Kapitels ist der Einfluss von Bindungsqualitäten auf die Entwicklung des Menschen in verschiedenen Lebensphasen.
Das abschließende Kapitel 5 bezieht sich auf die Aktualität der Bindungstheorie im Bereich der Prävention bzw. Intervention, Kindertageseinrichtungen und Schulen.
2 Die Bindungstheorie
Die Bindungstheorie, als deren Begründer John Bowlby gilt, wurde und wird als therapeutische Basis für die klinische Praxis genutzt, um Ursachen für die Entwicklung von Fehlanpassungen im Kindes-und Jugendalter sowie der daraus möglich entstehenden Psychopathologie im Erwachsenenalter zu untersuchen und zu erklären (vgl. G. SUESS, 2001: S. 11). Innerhalb der letzten 20 Jahre gewann die Bindungstheorie immer mehr an Bedeutung. Bei den Forschungen wurde ein besonderes Augenmerk auf Präventions- bzw. Interventionsmöglichkeiten in Risikogruppen gelegt und damit ein zusätzliches Praxisfeld erschlossen.
2.1 Der Begriff der Bindung
Der Begriff der Bindung (engl.: attachment) bezeichnet eine enge, emotionale, dauerhafte Bezie- hung zwischen zwei Menschen. Bowlby definiert den Begriff der Bindung wie folgt: „Eine (passive
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oder aktive) Bindung setzt ein durch spezifische Faktoren gesteuertes starkes Kontaktbedürfnis gegenüber bestimmten Personen voraus und stellt ein dauerhaftes, weitgehend stabiles und situationsunabhängiges Merkmal des Bindungssuchenden dar“ (BOWLBY, 1981: S. 22). Das Bindungsbedürfnis ist angeboren und führt zu einer speziellen Beziehungsentwicklung zwischen einem Neugeborenen und seiner direkten Bezugsperson (meistens Mutter, bzw. Eltern) und legt damit den Grundstock für ein spezifisches Bindungssystem. Dieses bleibt in den Grundzügen während des ganzen Lebens relativ konstant. Basierend auf den Bindungserfahrungen entsteht das Bindungssystem, welches wiederum die Entwicklung „internaler Arbeitsmodelle“ ermöglicht, die situationsspezifische Handlungsmuster generieren und damit das Beziehungs- bzw. Sozialverhalten des Individuums maßgeblich steuern bzw. beeinflussen (vgl. ZIMMERMANN, 2006: S. 42). Hieraus ergibt sich, dass gerade das erste Lebensjahr und die damit verbundenen ersten Beziehungserfahrungen mit der primären Bindungsperson von besonderer Bedeutung für den weiteren Lebensverlauf sind. Durch die ständige Verfügbarkeit und feinfühlige Interaktion mit der Bezugsperson bekommt das Kind eine sichere Basis, ist emotional gefestigt und kann sich demnach voll dem Explorationsverhalten hingeben, um sein Umfeld zu erforschen und zu erfahren und dadurch die „sichere Basis“ weiter auszubauen. Grossmann beschreibt Bindung wie folgt: „Bindung ist ein Band, das zwei Personen über Raum und Zeit hinweg in ihren Gefühlen verbindet […] sie regulieren von Anfang an Wahrnehmung sozialer Ereignisse, Gefühle und Erwartungen, Absichten und Wünsche. Bindungen strukturieren innere physische und psychische Prozesse eines Kindes bis zur Strukturierung seines Gehirns“ (GROSSMANN, 2009: S. 29).
2.2 Die Bindungstheorie von Bowlby
John Bowlby (1907 bis 1990) studierte Medizin und Psychologie am Trinity College in Cambridge. Nach seinem Abschluss 1928 unterrichtete er zwei Jahre in Internaten für verhaltensauffällige Kinder. Die Erfahrungen mit den Auswirkungen früher Kindheitsstörungen gaben ihm den Impuls, sich in der entstehenden Fachrichtung Kinderpsychiatrie ausbilden zu lassen und parallel dazu eine psychoanalytische Ausbildung zu absolvieren. Seine Tätigkeit und Erfahrungen als Kinderpsychiater in Heimen für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche im nachkriegszeitlichen England waren sicherlich die Initialzündung für sein lebenslanges Forschungsprojekt. Die Kinder, die während des Krieges von ihren Eltern getrennt worden waren, wiesen zum Teil erhebliche Persönlichkeitsstörun- gen auf, die mit den herkömmlichen Psychoanalyse nicht hinreichend zu erklären waren.
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Diese Erfahrungen gemischt mit evolutionären Ansätzen Darwins sowie den ethologischen Erkenntnissen von Tinbergen, Lorenz (Gänseküken-Prägung) und Harlow (Makaken- und Menschenaffen-Mutterattrappen-Experiment), bildeten die Grundlage der Bindungstheorie (vgl. BOWLBY, 1981: 20f). Die 3 zentralen Erkenntnisse der Bindungstheorie sind zusammengefasst (vgl. GROSS- MANN/GROSSMANN, 2009:S. 29):
1.) Der Bindungsaufbau und die Bindung zwischen Säugling und der primär versorgenden Bezugsperson ist eine überlebenswichtiges, angeborenes Bedürfnis, wie die Phylogenese beweist. Für die seelische Gesundheit des Kindes ist die Qualität der Bindung von Bedeutung.
2.) Die Angst vor Trennung und die unfreiwillig erlebte Trennung von der Bindungsperson kann seelische und körperliche Folgen haben und löst mit dem Versuch des Erhalts der Nähe negative Gefühle wie z.B. Ärger, Wut, Aggression aus.
3.) Die Trauer des Kindes nach Verlust der Bindungsperson ist nicht kognitiv beeinflusst, sondern liegt in der Natur der Bindung begründet. Den Trauerprozess beschreibt Bowlby in den Phasen des Protests, der Verzweiflung und der Entfremdung.
2.3 Entwicklung des Bindungsverhaltens
Bowlby unterscheidet die Entwicklung der Bindung des Kleinkindes zur Mutter bzw. primären Bezugsperson in vier Phasen (vgl. RESCH, 1996):
1.) In der Vorbindungsphase (bis ca. 8. Lebenswoche) ist der Säugling sozial ansprechbar und reagiert auf alle Personen mit einem universellen Muster, d.h. er lächelt Personen an oder weint beim Verlassen werden.
2.) In der Bindungsentwicklungsphase (ca. 3. bis 6. Lebensmonat) lernt das Kind durch Interaktion zwischen vertrauten und fremden Personen zu unterscheiden. Es richtet seine Signale bzw. Bindungsverhaltensweisen an vertraute Personen.
3.) Die eigentliche Bindung setzt ca. im 6. bis 8. Lebensmonat ein. Dem Kind ist es gemäß der erreichten Entwicklungsschritte möglich, sich fortzubewegen (Lokomotion). Es kann sich aktiv in die Nähe der Bezugsperson bewegen oder auch weg von ihr (Individuationsphase). Es zeigt ein selektives Bindungsverhalten orientiert an der Bindungsperson. Die kognitive Entwicklung ermöglicht die sogenannte Objektpermanenz bzw. Personenpermanenz, d.h.
Arbeit zitieren:
Nicole Schobert, 2010, Sichere Bindung – Basis fürs Leben, München, GRIN Verlag GmbH
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