Dominik Dautzenberg 1. Einleitung
In meiner Arbeit als Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer Station zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen setze ich mich täglich mit den einzelnen Biografien und besonderen Lebensumständen unserer Patienten auseinander. Als Grundsatz meiner Arbeit gilt, dass eine konstruktive Arbeit mit dem Patienten nur möglich ist, wenn eine Vertrauensbasis zwischen dem Team und dem Patienten herrscht. Durch die besondere Lebensführung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen kommt es oft zu einer mehrjährigen Zusammenarbeit, denn das Krankheitsbild eines Menschen, mit zum Beispiel einer Heroinabhängigkeit, ist leider häufig mit Rückfällen und immer wieder neuen stationären Aufenthalten geprägt. So arbeiten wir mit dem Grundsatz, jeden Patienten dort abzuholen, wo er gerade steht und sehen unsere Behandlung als einen Baustein einer multiprofessionellen Behandlung. Diese beginnt häufig mit dem Besuch beim Hausarzt und geht nach einer Kontakt- und Motivationsphase über in eine körperliche Entgiftung in unserer Einrichtung. Wir überlegen dann gemeinsam mit dem Patienten, ob zum Beispiel eine Langzeittherapie möglich und notwendig ist oder ob es ausreicht den Patienten mit ambulanten Kontakten in einer dafür geschaffenen Gruppe weiter zu begleiten. Es entstehen also erste Parallelen zum Konzept des Case Managements. Da dieses Konzept aber nicht konsequent genug umgesetzt wird, bzw. den meisten Beteiligten vermutlich nicht bekannt ist, kommt es immer wieder zu Kommunikationsfehlern zwischen den einzelnen Einrichtungen selber, aber auch gegenüber den Patienten.
In dieser Arbeit möchte ich die verschiedenen Möglichkeiten, die das konsequente Nutzen des Konzepts hervorbringt, näher beleuchten und einige Vorschläge für die praktische Anwendung aufzeigen. So beschäftige ich mich im ersten Teil der Arbeit primär mit der Entwicklung und dem theoretischen Konzept „Case Management“, bevor ich im zweiten Teil eine Möglichkeit zur praktischen Umsetzung für die Arbeit auf der Station vorstelle.
Seite 2 von 11
Dominik Dautzenberg
2. Das Konzept Case Management und seine Entwicklung Das Konzept des Case Managements wurde zunächst zur Erweiterung der Einzelfallhilfe in den USA entwickelt. Es soll Fachkräfte im Sozial- und Gesundheitswesen dazu befähigen, unter komplexen Bedingungen Hilfe-Möglichkeiten abzustimmen und vorhandene institutionelle Ressourcen koordinierend heranzuziehen. Aufgabe des Case Managers ist es dann, in diesem System die Zusammenarbeit zu organisieren und zu kontrollieren. So erstellt der Case Manager einen Hilfeplan für und mit der betroffenen Person unter Einbeziehung der institutionellen Ressourcen und Rahmen-Bedingungen. So hat der Case Manager die Aufgabe, die Bedürfnisse der Klienten einzuschätzen, Prioritäten zu setzen und die Planung und Sicherung der Bereitstellung medizinischer und sozialer Dienstleistungen zu koordinieren. Es wird unterschieden zwischen „Fallmanagement“ (Optimierung der Hilfe in einem konkreten Fall) und „Systemmanagement“ (Optimierung der Hilfe für einen bestimmten Zuständigkeitsbereich) (vgl. CASE MANAGER, 19.16.2011).
Die Entwicklung des Modells Case Management begann im Jahre 1970 in den USA. Im Zuge der Reorganisierung der sozialen Versorgung in Amerika wurden chronisch kranke, behinderte und pflegebedürftige Menschen aus stationären Unterkünften entlassen. Das „Abschieben“ in Heime galt nicht mehr als vertretbar. So nahm die Bettenzahl der staatlichen Psychiatrien in Kalifornien zum Beispiel von 37.000 im Jahre 1967 auf 5.000 im Jahre 1984 ab (vgl. Rothmann 1992:2). Für diese Menschen galt es nun ein ambulantes Betreuungsnetz zu installieren, das die Organisation der sozialen und medizinischen Dienste übernimmt. So wurde im Jahre 1975 das Konzept des Case Managements für Behinderte im Gesetz der USA verankert. 1975 wurde dann festgelegt, dass Case Manager sich ebenfalls um Menschen mit psychischen Krankheiten sorgen müssen. So sollten die Case Manager Kontakt zum Erkrankten halten, egal welche Anzahl an Diensten bereits mit der Person zusammen arbeiten. Im Jahre 1981 wurde Case Management dann erstmals von verschiedenen Definitionen geprägt und in vier Modelle unterteilt:
Seite 3 von 11
Dominik Dautzenberg 1. Das „broker modell“:
Der Case Manager übernimmt Vermittlungstätigkeiten und unterstützt das Zusammenfinden von Klient und Dienstleistung. 2. Das „rehabilitation model“:
Der Case Manager unterstützt den Klienten bei der Eingliederung. 3. Das „program for assertive“: Der Case Manager begeitet den Klienten auf dem Weg zum selbständigen Leben im Gemeinwesen. 4. Das „strength model“:
Damit Menschen mit psychischen Erkrankungen einen Weg finden um in der Realität zurecht zu kommen, hat der Case Manager die Aufgabe, diesen Menschen ihre Stärken bewusst zu machen und mit Möglichkeiten der Lebensführung zu verknüpfen. (vgl. Wendt, 2010, S. 18)
In England kam im Jahre 1980 die Forderung der Regierung nach einem kosteneffizienteren Gesundheitswesen auf. So sollte eine Reform geschaffen werden, die sich an der freien Wirtschaft orientiert und den Wettbewerb fördert. Eine, von dem Unternehmer Rox Griffiths geleitete Kommission arbeitete die Mängel des bisherigen Systems heraus und erarbeitete einen Modellversuch. In dem vorgeschlagenen Modell des „Case Managements“ bekamen Sozialarbeiter zur Betreuung pflegebedürftiger Menschen zwei Drittel der Kosten eines Heimaufenthaltes zur Verfügung gestellt. Mit diesem Budget galt es eine kosteneffizientere Versorgung mit Hilfe von ambulanten und teilstationären Behandlungen zu ermöglichen. Dieser Modellversuch erwies die “Kostenwirksamkeit“ des Case Managements (Challis/Davies, 1986). 1990 begann die Regierung landesweit mit dem Konzept des „Care Managements“. Der Begriff „Case Management“ wurde duch den Begriff „Care Management“ ersetzt, weil der Prozess der Versorgung und nicht die einzelne Person als „Fall“ zu managen sei (vgl. Wendt, 2010, S. 21). Getrennt wird der “Care Manager“ zudem vom “Community Care“. Dieses kauft angebotene Leistungen ein und schließt Verträge ab. Der „Leistungssuchende“ wählt dann mit Hilfe eines “Care
Seite 4 von 11
Arbeit zitieren:
Dominik Dautzenberg, 2011, Case Management in der Behandlung von Abhängigen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pflegemanagement / Sozialmanagement: Case Management in der Behandlung von Abhängigen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pflegemanagement / Sozialmanagement: neuer Titel erschienen: Case Management in der Behandlung von Abhängigen
Dominik Dautzenberg hat einen neuen Text hochgeladen
Alter, Sucht und Case Management
Case Management als sinnvolles...
Christina Derr, Elke Brecht, Barbara Bojack, Jost W. Kramer, Andreas von Schubert, Karl Wolfhart Nitsch, Gunnar Prause, Andreas Weigand, Joachim Winkler
Falleinschätzung und Hilfeplan...
Heiko Kleve, Britta Haye, Andreas Hampe-Grosser, Matthias Müller
Fall- und Systemsteuerung in d...
Peter Löcherbach, Wolfgang Klug, Ruth Remmel-Faßbender, Wolf R. Wendt
0 Kommentare