Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Rahmenbedingungen der Aus- und Weiterbildung 5
3 Anforderungsermittlung kollaborativer E-Learning-Fortbildungen. 8
3.1 Problem- und Bedarfsanalyse 8
3.2 Adressatenanalyse - Lehrkräfte als Seminarteilnehmer 9
3.3 Wissensanalyse 10
3.4 Ressourcenanalyse 10
4 Strategische Konzeption für E-Lehrerfortbildungen 11
4.1 Zielsetzung und eine Vision. 12
4.2 Systemische Strategieentwicklung. 13
4.2.1 Die Perspektive „Organisation“ 13
4.2.2 Die Perspektive „Mensch“ in Lerngemeinschaften 14
4.2.3 Die Perspektive „Technik“ - the never ending story 15
4.3 Förderliche und hemmende Bedingungen 17
5 Just do it: Die Realisierung der entwickelten Strategie. 18
5.1 Fünf-Phasen-Modell der Wissensschaffung 19
5.2 Aufbau von Methodenwissen im Blended Learning. 20
5.3 Kooperative Selbstqualifikation. 21
5.4 Lernen durch Reflexion. 21
5.5 Dokumentation und Evaluation. 22
6 Zusammenfassung, Ausblick und ein erster Schritt 23
Literaturverzeichnis 25
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1 Einleitung
Der Fremdsprachenunterricht an der Berufsschule sollte geprägt sein von kommunikativen und innovativen Unterrichtsmethoden, die Schülerinnen und Schüler motivieren, die erlernte Fremdsprache auch zu gebrauchen. Solche Methoden eröffnen Zugänge zu Inhalten und bahnen Lernsituationen an, bei denen Schülerinnen und Schüler Handlungskompetenzen entwickeln (Esslinger-Hinz, 2007, S. 154). Einige wenige Methoden genügen dafür nicht, die Lehrkraft sollte vielfältige Methoden in ihrem Repertoire zur Verfügung stehen haben. Der Spruch „Teachersteachastheyweretaught, not astheyweretaughttoteach“ beschreibt ein Lehrerhandeln, das maßgeblich von den eigenen Lernerfahrungen geprägt wurde (Busian & Pätzold, 2004, S. 2). Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer an Berufsschulen hatten das Glück, in den Jahren vor ihrer Matura (bzw. Reifeprüfung) von methodisch exzellent ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern in einer Fremdsprache unterrichtet worden zu sein. Gerade Berufsschullehrerinnen und -lehrer sind oft Späteinsteiger in den Lehrberuf, eine solide Ausbildung in Unterrichtsmethoden speziell für Fremdsprachen sollte für alle neu eingestellten Lehrkräfte vorgesehen sein.
Das vorliegende Methodentraining in Form eines Seminarkonzepts beschreibt einen möglichen Weg, wie sich Lehrerinnen und Lehrer kollaborativ über praxisnahe Unterrichtsmethoden austauschen können. Dies erfolgt möglichst ressourcenschonend, was Vertretungsstunden, Reisekosten und Abwesenheitszeiten betrifft. Zudem entsteht eine praxisnahe Methodensammlung im Internet, die anderen Kolleginnen und Kollegen ermöglicht, die erprobten Methoden zu verwenden, auch wenn sie am Seminar nicht teilgenommen haben.
Zwar ist das zugrunde liegende didaktische Konzept nicht Inhalt dieser Arbeit, aber zumindest muss die Grobstrukturim Vorfeld dargestellt werden, um die späteren Argumentationen nachvollziehen zu können. Exemplarisch wird es anhand
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des Unterrichtsfaches „Englisch“ dargestellt, weil dies die am häufigsten unterrichtete Fremdsprache an österreichischen Berufsschulen ist. Das Seminar läuft folgendermaßen ab:
1. Pro Berufsschule, die am Seminar teilnimmt, melden sich zwei Lehrerinnen bzw. Lehrer an, die nachfolgend Lehrer-Tandem genannt werden. 2. In einer eintägigen Präsenzveranstaltung gibt die Seminarleitung nach der Kennenlern-Phase Infos über den Ablauf des Seminars und führt in die grundlegende Benutzung der zu verwendenden Internet-Werkzeuge (Wikis und Blogs) ein.
3. In den nächsten zwei Monaten recherchiert das Lehrer-Tandem Methoden für den Englisch-Unterricht, trifft eine kleine Auswahl von geeigneten Methoden, plant die Einbindung in den Unterricht, führt diese geplanten Un-terrichtsstunden in den eigenen Berufsschulklassen durch, reflektiert die Methoden und hält Methoden und Reflexion strukturiert in einem Wiki fest.
4. Zu einem festgesetzten Zeitpunkt berichtet dieses Lehrer-Tandem den anderen Seminarteilnehmern in einer Internet-Konferenz über Erfahrungen mit diesen Methoden und ergänzt das Wiki gemäß den Anmerkungen und Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
5. Einige der vorgestellten Methoden werden innerhalb einer bestimmten Frist (ca. 2 Monate) von den anderen Seminarteilnehmerinnen undteilnehmern ausprobiert und wiederum reflektiert.
6. Während dieser Phasen ist es die Aufgabe der Seminarleitung, durch kleinere Zwischenaufgaben, Informationen, Anweisungen zur Peer-Review etc. eine Diskussion über Methoden via Blog (oder Forum) am Laufen zu halten.
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Bei dieser Vorgehensweise ergeben sich zwei grundlegende Fragen: 1. Welche Anforderungen an die Organisation und welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um diese Art der dezentralisierten Weiterbildung von Methodenkompetenz für den Fremdsprachenunterricht (hier: Englisch-Unterricht) zu ermöglichen?
2. Welche Strategien ermöglichen einen kollaborativen, schulübergreifenden Austausch von Methodenwissen und welche Barrieren sind dabei absehbar? Im Folgenden werden die derzeitigen Rahmenbedingungen für die Aus- und Weiterbildung von Englisch-Lehrerinnen und Lehrern an österreichischen Berufsschulen beschrieben. Anschließend erfolgt eine Darstellung möglicher Analysewege zur Erhebung des Bedarfs, eine Analyse der Adressaten undeine Analyse des zu vermittelnden Wissens und der benötigten Ressourcen. Im Kapitel „Konzeption“ wird das Ziel der Fortbildung erläutert und Strategien bezüglich Organisation, Mensch und Technik festgelegt, wobei besonderes Augenmerk auf förderliche und hemmende Bedingungen gelegt wird. Anschließend werden unter Zuhilfenahme von Modellen aus dem Wissensmanagement und aus Erkenntnissen des Blended-LearningsHinweise zur Durchführung dieses Lernarrangements gegeben. Ob eine Chance besteht, dieses Konzept innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen realisieren zu können, darüber wird im letzten Kapitel nachgedacht.
2 Rahmenbedingungen der Aus- und Weiterbildung
Das Studium „Berufsschulpädagogik“, das für Berufsschullehrer innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Aufnahme in den Lehrdienst zu absolvieren ist, wird an den Pädagogischen Hochschulen des jeweiligen Bundeslandes angeboten. Es ist in weiten Teilen von einer kontinuierlichen Parallelität von Studium und Unterricht geprägt. Während des sechssemestrigen Studiums ist das erste und des letzte Studienjahr berufsbegleitend geblockt zu absolvieren, sodass nebenbei an der Berufsschule, meist im Ausmaß einer vollen Lehrverpflichtung von 23 - 26,5 Wochen-
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stunden, unterrichtet werden kann. Das 3. und 4. Semester wird im Vollzeitstudium angeboten.Dies, und der rasche Einstieg in das Unterrichten sofort im Anschluss an eine mindestens dreijährige Tätigkeit in der Wirtschaft, ermöglichen eine frühzeitige Praxiserfahrung schon während des Studiums. Da die Studierenden als voll integrierte Lehrende tätig sind, ist eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis möglich (Mathies, 2009, S. 115).
Was die Englisch-Ausbildung während dieses Studiums betrifft, wird Englisch einsemestrig als Wahlpflichtmodul im Ausmaß von 2,5 SWS angeboten, allerdings in Konkurrenz zu drei bis vier weiteren Wahlpflichtmodulen. Dieses Modul ist keineswegs Voraussetzung, um an der Berufsschule Englisch zu unterrichten. Es ist Usus, das (vor Jahren) erlangte Matura- bzw. Reifeprüfungsniveau vorläufig als ausreichende Befähigung für das Fach „Berufsbezogenes Englisch“ zu akzeptieren, bis später (freiwillig) ein sechssemestriger Lehrgang „Berufsbezogene Fremdsprache Englisch“ besucht wird. Bei weitem nicht alle Lehrkräfte, die dieses Fach unterrichten, haben diesen Lehrgang besucht.
Die Fortbildungsplanung (bis zur Pensionierung) ist traditionell Aufgabe der einzelnen Lehrperson. Mit zunehmender Autonomisierung und Profilierung der Schulen wird der Wunsch nach einer koordinierten Bildungssteuerung laut. Auch bildungspolitische Rahmenbedingungen (z. B.: der „Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen - GERS“) machen eine Koordination von Fortbildungen notwendig. Ein erster Schritt war, dass seit 2007 die PädagogischenHochschulen allein hauptzuständig für die Fortbildung der Pflichtschullehrerinnen und -lehrer sind(Mayr & Neuweg, 2009, S. 115). In Oberösterreich bieten (als Sonderfall) sowohl die Pädagogische Hochschule des Bundes als auch die Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz Seminare für Berufsschullehrerinnen und -lehrer an.
Anlässlich einer Rechnungshof-Prüfung der Hochschulen im Jahr 2007 wurde das Fehlen von statistischen Daten zum Fortbildungsverhalten von Lehrkräften bei
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den Schulbehörden bemängelt. Zwar existiert eine überprüfbare gesetzliche Fortbildungsverpflichtung für Pflichtschullehrer in einem Stundenausmaß von 15 Stunden pro Jahr (vgl. Lehrbeauftragtengesetz LDG 1986, § 43, Abs. 3), aber in welche Themen und Seminare diese Zeit investiert wird, ist nach Meinung des Rechnungshofes völlig intransparent. Ebenso wurde kritisiert, dass Fortbildungsmaßnahmen keinen unmittelbaren Einfluss auf das Gehalt haben und nur ein Viertel der formellen Fortbildungen in der Freizeit stattfinden, was in direkter Folge erhöhte Kosten für Vertretungsstunden zur Folge hat. Vorwiegend werden deshalb kurze Fortbildungen angeboten (Mayr & Neuweg, 2009, S. 117). Im Rahmen dieser Fortbildungsverpflichtung steht es den Lehrkräften völlig frei, sich in der Fremdsprache weiterzubilden. Derzeit stehen zwei Möglichkeiten offen:
1. Derschon erwähnte berufsbegleitende, sechssemestrige Lehrgang „Berufsbezogene Fremdsprache Englisch“ im Ausmaß von 30 ECTS, der auch formell dazu berechtigt, das Fach „Berufsbezogenes Englisch in Berufsschulen“ zu unterrichten. Jedoch wird dieser Lehrgang nicht jährlich angeboten bzw. ist die Teilnehmeranzahl begrenzt. 2. Die Nutzung des Seminarangebotes der beiden Pädagogischen Hochschulen in OÖ 1 .
Die Implementierung dieses Seminarkonzepts wäre in beiden oben angegebenen Varianten möglich.
Nachfolgend wird ein ressourcenschonendes Seminarkonzept für Fremdsprachen (am Beispiel Englisch) vorgestellt, das Praxisnähe, Kollaboration und Nachhaltigkeit mit Hilfe von E-Learning-Elementen verbindet.
1 Im Schuljahr 2011/12 sind für den Berufsschulbereich vier eintägige Seminare („Useitor lose it“, „Designing Worksheets andtests“, „Leistungsbeurteilung im Englischunterricht“) und ein zweitägiges Seminar („Classroom-Management“) vorgesehen (Prieler, 2001, S. 61; Lux, 2011, S. 95).
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Päd. Werner Prüher, 2011, Kollaboratives Fremdsprachen-Methodentraining für Pädagogen an österreichischen Berufsschulen , München, GRIN Verlag GmbH
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