-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie-
Inhaltsverzeichnis
Einleitung : Zur Person des Aristoteles und der Quelle im Kontext seines Werkes. 1. 3
Die solonischen Reformen. 2. 6
2.1 Der Gesetzgeber Solon. 6
2.2 Solon als Gesetzgeber. 7
2.2.1 Zeitpunkt der Reformgebung. 7
2.2.2 Stellung Solons als Archon mit gesetzgeberischen Vollmachten. 8
2.2.3 Form der Publikation des Gesetzeswerkes. 9
3. Der Inhalt der Reformgesetze Solons zur Neuordnung der Polis und Institutionalisierung seines
Eunomia -Programms. 10
3.1 Die Beseitigung der gestörten Ordnung (dysnomia) in Form der Oligarchie. 10
3.2 Die Sozialreform: Seisachtheia - Die Befreiung der Bauernschaft. 10
3.3 Die Verfassungsreform: Timokratie oder Hoplitenpoliteia als Begründung einer gemäßigten
Demokratie auf der Grundlage einer Mischvervassung. 12
3.3.1 Das oligarchische Element: Die Reform des Areopag. 14
3.3.2 Das aristokratische Element: Das passive Wahlrecht der ersten drei Vermögensklassen. 15
3.3.3 Das demokratische Element. 16
3.3.3.1 Die Heliaia (Volksgericht) 16
3.3.3.1.1 Die Berufungsklage (ephesis) gegen Entscheidungen und Urteile der Archonten
w ährend ihrer Amtszeit durch das Volksgericht. 17
3.3.3.1.2 Die Popularklage: Das Klagerecht eines Unbeteiligten stellvertretend für das Opfer vor
dem Volksgericht. 17
3.3.3.2 Die Ekklesia (Volksversammlung) 18
3.3.3.2.1 Aktives Wahlrecht: Wahl der Beamten und Qualifikationsprüfung (dokimasie)
durch die Volksversammlung. 19
3.3.3.2.2 Euthynai: Die Beamtenkontrolle durch die Volksversammlung als Vorraussetzung
des Eintritts der gewesenen Archonten in den Areopag. 20
3.3.3.3 Die Eisangelia-Klage: Das Recht und die Pflicht im Falle einer Verschwörung gegen
die Verfassung Anklage beim Areopag zu erheben 20
-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie-
4. Die Bewertung der solonischen Reformen in aristotelischer Zeit: Progressive und bewahrende
Elemente der solonischen Reform. 21
4.1 Rat und Wahl der Beamten als bewahrendes Element. 21
4.2 Das Volksgericht als progressives, demokratisches Element. 21
4.3 Die Kritik zu aristotelischen Zeiten an der bestehenden, vermeintlich durch Solon geschaffenen
Demokratie. 22
Die Entwicklung von der gemäßigten Demokratie zur radikalen Demokratie der klassischen Zeit. 5. 23
5.1 Die Entwicklung zur radikalen Demokratie im Sinne einer Herrschaft des Pöbels (Ochlokratie) 23
5.2 Die Entmachtung des Areopags durch die Maßnahmen des Ephialtes und Perikles 462/461 v. Chr. 23
5.3 Die Einführung der Diäten als demagogische Maßnahme des Perikles. 24
6. Die Intention des solonischen Reformwerkes als gemäßigte Demokratie im Gegensatz zu der
weiteren Entwicklung hin zu einer radikalen Demokratie. 26
6.1 Die Perserkriege und die Gründung der attischen Seeherrschaft durch das Volk als historische
Voraussetzung für die Entstehung der radikalen Demokratie. 26
6.2 Die timokratische Verfassungsidee des Solon mit eng eingeschränkter politischer Teilhabe
des demos. 27
6.2.1 Die Rolle des demos. 27
6.2.2 Die Beamten. 28
6.2.3 Die Theten. 29
6.2.4 Die Ablehnung der Forderung des demos nach einer Neuaufteilung des Landes in gleich
gro ße Parzellen (isomoiria) durch Solon. 29
7. Fazit: Die Bedeutung der solonischen Reformen und ihre Bewertung durch Aristoteles im Kontext
der von Aristoteles abgelehnten radikalen Demokratie seiner Zeit. 30
I. Quellen- und Literaturverzeichnis
-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie- 1. Einleitung: Zur Person des Aristoteles und der Quelle im Kontext seines Werkes
Der im Rahmen dieser Hauptseminararbeit von mir zu interpretierende Quellentext entstammt den „Politika“ des Aristoteles.
Aristoteles wurde 384 v. Chr. in der Polis Stageira auf der Halbinsel Chalkidike als Sohn des Nikomachos, eines Leibarztes am Hofe des makedonischen Königs Amyntas II., geboren. 1 Er starb 322 v. Chr. in der Polis Chalkis auf der Insel Euboia. Von 367/366 v. Chr. bis zu Platons Tod 348/347 v. Chr. war er zunächst Schüler an dessen Akademie in Athen, später in dieser mit selbständigen Aufgaben betreut. Nach dem Tod des Lehrmeisters übernahm dessen Neffe Speusippos die Leitung der Akademie. Aristoteles schied aus der Akademie aus und ging nach Assos in Kleinasien, dem Ruf des Herrschers Hermeias von Atarneus folgend, wo er eine platonische Schule gründete. 2 Zu dieser Zeit heiratete er Pythias, die Nichte des Hermeias. Als der Herrscher 345 v. Chr. gestürzt wurde, begab er sich nach Mytilene auf Lesbos. Von 342 v. Chr. bis 340 v. Chr. unterrichtete Aristoteles im Auftrag des makedonischen Königs Philipp II. dessen Sohn Alexander in Pella. 335 v. Chr. kehrte Aristoteles nach Athen zurück und gründete dort eine eigene Hochschule, das sog. Lykeion, später auch als Peripatos bezeichnet. Diese bestand bis etwa 40 v. Chr., und aus ihr ging die philosophische Schule der Peripatetiker her-vor. 323 v. Chr., nach dem Tode Alexanders, verließ Aristoteles Athen erneut, da er als Anhänger der nun heftig verfolgten, makedonischen Partei galt und ihm deswegen ein Prozeß drohte. Er wich diesem auf sein Landgut in Chalkis aus, wo er im folgenden Jahr 322 v. Chr. verstarb. 3
Die erhaltenen Werke des Aristoteles umfassen nur einen kleinen Teil seines aus antiken Zitationen und aus einigen, an antike Biographien angehängten Schriftenverzeichnissen, bekannten Œuvres. Aus diesen ergibt sich, daß Aristoteles nahezu 200 Titel verteilt auf 550 Bücher verfasste. 4 Im Werk lassen sich exoterische Schriften, also solche die vom Verfasser zur Veröffentlichung bestimmt waren, von Lehrschriften in Form von Vorlesungsmanuskripten für den Gebrauch in der Schule trennen. Von den erstgenannten sind 20 Titel bekannt, die z. T.
1 In Attika war er also zeitlebens ein Metöke (freier “Mitbewohner” ohne Bürgerrecht und damit abseits des politischen Sys-
tems stehend). Die biographischen Angaben zu Aristoteles stützen sich weitgehend auf DÖRRIE (1979), 582-591.
2 DIOG. LAERT. 5,3.
3 DIOG. LAERT. 5,6.
4 Wobei mit Büchern im antiken Sinne Papyrusrollen gemeint sind.
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-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie- nachdem Vorbild Platons in Dialogform abgefasst wurden. Keines von diesen Werken ist erhalten. 5 Erhalten sind hingegen die zweitgenannten sog. esoterischen Schriften oder Pragmatien, die durch die Ausgabe des Andronikus von Rhodos im 1. Jh. v. Chr. erstmals einem breiteren Leserkreis zugänglich gemacht wurden und deren Wirkung seit ihrer abendländischen Wiederentdeckung im 12. Jh. n. Chr. bis heute anhält. 6 Zu diesen Schriften gehörten auch die „Politika“ des Aristoteles in acht Büchern, die man nach SPAHN als “Summe historischen, empirischen und theoretischen Wissens über die Polis verstehen kann”. 7 Das heutige Verständnis der Politik als Wissenschaft gründet sich maßgeblich auf diese Schrift des Aristoteles. Das empirische Material für die Politika ergibt sich aus den von Aristoteles und seinen Schülern gesammelten Beschreibungen der Verfassungen und Geschichte von 158 griechischen Stadtstaaten. Aus diesem Material ist nur die Atheneion Politeia, die Beschreibung der Polis Athen, auf einem Papyrus erhalten geblieben, der 1890 entdeckt worden ist. Ob Aristoteles die Schrift verfasst hat oder jemand seiner Schule, ist umstritten, wenn auch die Mehrheit der Forscher dazu neigt, Aristoteles als Verfasser anzunehmen. 8 Die Schrift wurde zwischen 329 v. Chr. und 322 v. Chr. geschrieben und ist in zwei Teilen aufgebaut. 9 Der erste Teil, von Kapitel 1-41, bietet eine geschichtliche Abhandlung der Verfassungsentwicklung Athens von der zu einer Oligarchie entarteten Adelsherrschaft der nachkyklonischen Zeit, etwa vom Ende des 7. Jh. v. Chr. an, bis zur Herrschaft der Dreißig 403 v. Chr. Die übrigen Kapitel 42-69 haben systematischen Charakter und liefern eine detaillierte Beschreibung der Amtsträger und Institutionen der radikalen Demokratie zu Lebzeiten des Autors. Der im Rahmen dieser Arbeit zu behandelnde Quellentext stammt aus dem 2. Buch der Politika, ist somit laut SCHÜTRUMPF während oder kurz nach Aristoteles Aufenthalt in Assos, also um 345 v. Chr,, verfasst worden. 10 Für die Reformen Solons stützt sich Aristoteles vor allem auf die solonischen Gedichte, aus denen wiederholt zitiert wird, und den Gesetzeskodex des Solon. Die wichtigsten und zeitlich nächstgelegenen Quellen zu Solon und seinem Wirken sind seine, aus späteren Sekundärquellen kompilierten und fragmentarisch erhaltenen Dichtungen. Daneben können
5 Sie sind nur durch spätere Zitationen in knappen Resten überliefert.
6 DAHLHEIM (1992), 269-270.
7 SPAHN (1988), 434.
8 Vgl. zur Forschungsdiskussion: KEANEY (1992), 5-19.
9 Die Abfassungszeit der Ath. pol. liegt nach STAHL (2003a), 178, zwischen 329/328 v. Chr. und 322 v. Chr., nach CHAMBERS
(1990), 83, zwischen 329/328 v. Chr. und 325 v. Chr., nach RHODES (1981), 52, zwischen 335/334 v. Chr. und 322 v. Chr.
10 SCHÜTRUMPF (1991), 95.
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-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie- die,bei anderen antiken Autoren meist indirekt zitierten, Solonischen Gesetzestexte herangezogen werden. In der Mitte des 5 Jh. v. Chr. widmete Herodot (ca 485-425 v. Chr.) Solon einige Passagen seiner histories apoxis, 11 worin Solons politisches Wirken jedoch nur am Rande Erwähnung findet. Ferner schenkte ihm die im 5 Jh. v. Chr. einsetzende historische Literatur nur wenig Aufmerksamkeit. Als Gesetzgeber greifbar wird er erst wieder im 4. Jh. v. Chr., wo er sowohl von oligarchischer Partei als auch von Seiten radikaler Demokraten 12 vereinnahmt und seine Bedeutung als Urheber der Demokratie ausgebaut wird. 13 In diese Diskussion greift die aristotelische Schrift der Politik ein, in der Solon als Begründer der gemäßigten Demokratie dargestellt wird, die wiederum der bestehenden, radikalen Demokratie als positives Gegenstück gegenübergestellt wird. 14 Eine weitere in dieser Arbeit genutzte Quelle stellt Plutarchs (um 45 - um 125 n. Chr.) Parallelbiographie Solon-Poplicola dar, die zwar zeitlich weit entfernt von den behandelten Ereignissen steht, aber durch ihre umfangreiche Quellenbasis ergänzende Informationen liefern kann. 15
11 Vgl. HDT. 1,29-33. 86,3-5.
12 So sieht zum Beispiel der Hauptvertreter der oligarchischen Strömung und promakedonisch eingestellte Isokrates (436 -
338 v. Chr.) Solon als Schöpfer einer gemäßigten Demokratie. ISOKR. 16-17. Der Wortführer des Widerstandes gegen Make-
donien und Verteidiger der bestehenden Demokratie Demosthenes (384-322 v. Chr.) dagegen kennzeichnet ihn als ersten
radikalen Demokraten.
13 Solon wird von Historikern des 4.Jh. häufig als Begründer der demokratischen patrios politeia angesehen. Der Begriff
jener “Väterverfassung” entstand im Zuge des Peloponnesischen Krieges (431 - 404 v. Chr.) als die Forderung einer Abkehr
von der radikalen Demokratie und eine Rückbesinnung auf die früheren “Verfassungen” Drakons, Solons und Kleisthenes
laut wurden. Vgl. hierzu RUSCHENBACH (1958), 398; JAKOBY (1973), 77; HÖLKESKAMP (1999), 55.
14 Da es sich jedoch um eine Lehrschrift handelt, ist ihre unmittelbare Wirkung auf die Schüler des Lykeion beschränkt.
15 Vgl. zur Bedeutung und Quellenbasis Plutarchs: RUSCHENBUSCH (1994), 375.
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-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie- 2. Die solonischen Reformen
2.1 Der Gesetzgeber Solon
Der griechische Lyriker und Staatsmann Solon wurde um 640 v. Chr. als Sohn des Exekestides aus dem Geschlecht der Metondidai in Athen geboren. 16 Seine Mutter war mit der Mutter des Peisistratos verwandt. 17 Als Lyriker trat er schon 604 v. Chr. im Krieg gegen Megara um Salamis in Erscheinung, in dem er in einer Elegie den Anspruch Athens bekräftigte und die Athener zu zähem Kampf aufforderte. 18 In sozialer und wirtschaftlicher Krise Athens wurde er 594/593 v. Chr. zum Archon und Schiedsmann () mit besonderer Vollmacht gewählt, was der Stellung eines Aisymneten entsprach. 19 In dieser Funktion reformierte Solon die soziale, wirtschaftliche und legislative Ordnung Athens. Im Bereich der Gesetzgebung ordnete er die athenische Verfassung und die geltende drakonische Gesetzgebung des ausgehenden 7. Jh. v. Chr. neu. Die inneren Kämpfe wurde durch die Reform jedoch nicht beendet. 20 Nachdem Solon 590 v. Chr. als Vertreter Athens den Amphiktyonen zum Krieg gegen Krisa geraten hatte, verließ er Athen und reiste in Handelsgeschäften nach Ägypten und Zypern. 21 Solon erlebte wohl noch den Beginn der Tyrannis des Peisistratos, bevor er 560 v. Chr. starb. 22
Nicht scharf zu trennen von Solons politischem Wirken sind dessen Dichtungen, die er meist direkt in den Dienst seiner politischen Ideen stellte. Von den ursprünglichen 5000 Versen der Elegien, den Iamben und Epoden, sind 220 Verse der Elegien und 70 aus Iamben und Trochä-
16 VOLKMANN(1979), 262; Nach STAHL (2003a), 229. wegen Todesdatums Geburt um 630-620 v. Chr., so allerdings Archon-
tat und Rolle des in recht jungen Jahren.
17 PLUT. Sol. 1; DIOG. LAERT. 1,49.
18 Vgl. SOL. F 2D.
19 Zur Bekleidung des Archontats um 594/593 v. Chr.: DIOG. LAERT. 1,62. An der Reformtätigkeit zum Zeitpunkt des Ar-
chontats und dessen Datierung kamen unlängst Zweifel auf: STAHL meint, daß man "Solons Archontat von seiner eigentlichen
politischen Aufgabe als diallaktes zu trennen (hat)", STAHL (2003a), 230. So u. a. auch THIEME, die die Gesetzgebung auf
570 v. Chr. herabdatiert. THIEM (2000), 82. Anm. 378, mit Liste weiterer Spätdatierungen. Dagegen halten die meisten Histo-
riker, u. a. OLIVA (1988), 48: WELWEI (1992), 158-159, Anm. 55; FADINGER (1996), 182. Anm. 12, daran fest, daß Solon in
den Jahren 594/593 v. Chr. an der Spitze Athens stand und wahrscheinlich während seines Archontats große Teile seines Re-
formwerks verwirklichen konnte.
20 Zum Wiederauflammen der Stasis in der Folgezeit, in der die Aristokraten aufgrund der solonischen Refomen zwar nicht
mehr so hemmungslos ihre Gemeindegenossen ausbeuten konnten (vgl. Seisachtheia 3.2), aber Ressourcen von außen für
den inneren Widerstreit mobilisierten, was letztlich zur Etablierung der tyrannis führte: STAHL (2003a), 252-254.
21 SOL. F 6D. 7D. HDT. 1,30,1. ARISTOT. Ath. pol. 11,1. PLUT. Sol. 26,1.
22 PLUT. 30; DIOG. LAERT 1,49. Zum Todesdatum: Solons. PLUT. Sol. 32.
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-Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie- enauf uns gekommen. Solon pries das gesunde Maß, die rechte Mitte und mahnte zur rechten Ordnung (μ), welche er als Mittel gegen die hybris und Zwietracht (dychostasie) der gestörten Ordnung (dysnomia) vor seinem Reformwerk ansah. 23 Um den Zustand der Eunomia erreichen zu können, sollte die Gesamtheit der attischen Bürgerschaft in den politischen Prozeß miteinbezogen werden. Die Verantwortung für das Wohl der polis würde damit von allen Bürgern getragen werden.
Auffällig ist die Wortwahl . Auf die zeitgenössische Debatte geht Aristoteles hier wie auch an später an anderer Stelle nur verallgemeinernd ein. 24
2.2 Solon als Gesetzgeber 2.2.1 Zeitpunkt der Reformgebung
Die Ursache für die soziale und wirtschaftliche Krise der Polis Athen liegt in Entwicklungen begründet, die im Zusammenhang mit der griechischen Kolonisation (um 750 v. Chr - um 550 v. Chr.) in der Archaik (um 800 v. Chr. - um 500 v. Chr.) stehen. Während in anderen Poleis das Bevölkerungswachstum zu Kolonisationsbewegungen führte, nahm Athen als Gemeinde an diesen nicht teil, sondern kompensierte zunächst das Wachstum durch eine attische Binnenkolonisation. 25 Dennoch gerieten die bäuerlichen unter Druck. Eine Entwicklung die begünstigt wurde durch das Erbrecht, welches eine reale Aufteilung des Bodens unter allen Erbberechtigten vorsah und so zu einer starken Zersplitterung der Äcker führte. In der Folge gerieten immer mehr Kleinbauern in die Schuldsklaverei. Der Zusammenhalt der Polis war dadurch im ausgehenden 7. Jh. v. Chr. bis zum beginnenden 6. Jh. v. Chr. massiven Spannungen ausgesetzt und die Gefahr stieg zunehmend, daß ein Aristorkrat durch soziale Versprechungen den demos hinter sich versammeln könnte, um eine tyrannis zu errichten. 26 In dieser Situation wurde Solon 594/593 v. Chr. zum Archon mit gesetzgeberischen Vollmachten
23 SOL. 1D; 3D,30: „Dies die Athener zu lehren, befiehlt mir mein Herz, dass dysnomia der Stadt sehr viel Unglück bereitet,
eunomia, aber alles wohlgeordnet und wie es sein soll hervorbringt und scharenweise den Ungerechten Fesseln umlegt“. Die
Eunomia war in der griechischen Mythologie eine der Horai. Mit ihren Schwestern Dike und Eirene, den Töchtern der Zeus
und der Themis wurde sie von Hesiod aus dem ursprünglichen Mythos als Verkörperungen der Jahreszeiten in die sittlich-po-
litische Sphäre erhoben. Eunomia (Wohlordnung), Dike (Gerechtigkeit) und Eirene (Frieden) sicherten demnach dem Staate
Bestand. HES. erg. 75; theog. 901. Zum Konzept der Eunomia, des möglichen Ursprung aus der ägyptischen Ma`at-Lehre und
der spezifisch griechischen Ausprägung durch Solon, vgl. FADINGER (1996), 179-218.
24 Vgl. ARISTOT. pol. II 9, 1274a, 3: “Darum tadeln ihn auch einige: [...]” (hier 4.3).
25 STAHL (2003a), 191.
26 Vgl. SOL. F 10D. Möglicherweise war zudem schon die Wehrfähigkeit des Hoplitenheeres, das sich auf freie Bauern stütz-
te, gefährdet. Vgl. MEIER, (1993), 76. WELWEI (1998), 143 bezweifelt die akute Gefährdung, mit Hinweis auf den Kampf um
Salamis. Aber schon die Tendenz und eine absehbare Schwächung in Zukunft schufen einen dringenden Handlungsbedarf.
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M. A. Daniel Funke, 2007, Die Bedeutung der solonischen Reformen im Kontext der Entstehung und Entwicklung der attischen Demokratie , München, GRIN Verlag GmbH
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