Gliederung
1. Einleitung S.3
2. Erläuterung des Begriffs Passiv S.4
3. Passivformen S.6
3.1. Vorgangspassiv (werden- Passiv) S.6
3.1.1. Agensangabe und Aussparung der Agensangabe S.9
3.2. Zustandspassiv (sein- Passiv) S.11
3.2.1. Beschränkungen und Abgrenzung gegenüber anderen S.13
Konstruktionen
4. Passivfunktionen S.14
4.1. syntaktisch- semantische Funktionen S.14
4.2. Textfunktionen S.15
5. Passivbildung- Beispiele S.16
6. Passivperiphrasen (Konkurrenzformen des Passivs) S.17
7. Fazit S.20
Literaturverzeichnis S. 21
2
1. Einleitung
Wenn man verschiedene Sprachen betrachtet, merkt man sofort, wie einzigartig jede von diesen Sprachen ist, denn sie besitzen beispielsweise entsprechende, angepasste Formen um das Mitzuteilende auszudrücken.
In meinen Ausführungen werde ich auf eine dieser Formen eingehen und zwar auf das Passiv, das, trotz des Nennens als zweite, vom Aktiv abgeleitete, Form, immer noch in den Sprachen existiert und sogar auf die ähnliche Art und Weise vermittelt wird. Um das zu beweisen, werde ich mich mit dem deutschen, polnischen und portugiesischen Passiv auseinandersetzen.
Daraus ergibt sich die Frage: was ist überhaupt „Passiv“ und welche Rolle spielt es in den Sprachen?
Die Gliederung meiner Arbeit soll dem Begriff „Passiv“ und die damit verbundenen Eigenschaften näher bringen.
Im Folgenden werde ich zu erklären versuchen, was sich hinter dem Begriff „Passiv“ verbirgt und zwar am Beispiel der von mir behandelten Sprachen, die mir übrigens während der ganzen Ausführung als Hilfe und Beweis zur Verfügung stehen werden. Im weiteren Teil meiner Arbeit werde ich auf die Formen des Passivs eingehen, d.h. auf Vorgangs- und Zustandspassiv, von dem jede etwas anderes zum Ausdruck bringt und sich noch in weitere Arten untergliedern lässt, was eben auch sehr wichtig ist. In den von mir behandelten Sprachen kommen sie doch in unterschiedlichen Bildungen zustande, was man eben zu sehen bekommt. Dabei nimmt die Agensangabe und ihre Aussparung eine wichtige Stelle ein, sie wird meistens beim Vorgangspassiv gebraucht, aus diesem Grund ist folgende Frage zu beantworten: was bedeutet „Agensangabe“ und warum wird sie im Passiv meistens weggelassen.
Weiterhin komme ich zu den Funktionen des Passivs, hier liegt die Frage nahe, wozu braucht man Passiv, wenn man sich genauso verständlich im Aktiv ausdrücken kann, wann wird man es gebrauchen? Auf diese und andere Fragen versuche ich zu antworten, denn es ist mir bewusst, dass die Mehrzahl der Verbformen und Verbalkomplexe aktivische Ausdrucksformen sind und zu den anderen weniger gebrauchten eben die passivischen Formen gehören.
Weiter versuche ich mit Hilfe von Beispielen aus der deutschen, polnischen und portugiesischen Sprache die Bildung des Passivs zu verdeutlichen, daraus entsteht auch die Möglichkeit des Vergleichs der Formen, mit denen Passiv in den Sprachen gebildet wird.
Zum Schluss werde ich auf die Konkurrenzformen des Passivs eingehen, denn nicht selten wird Passiv mit anderen Konstruktionen ausgedrückt, und das geschieht nicht nur im Deutschen sondern auch in den anderen Sprachen, was man aus meiner Arbeit auch ersehen kann.
Am Rande kann ich noch erwähnen, dass das Passiv nicht immer zum Ausdruck kommen kann, es gibt bestimmte Verben, die nicht passivfähig sind: z.B. Verben mit einem Akkusativobjekt, das einen Körperteil bezeichnet (* Der Kopf wird von mir geschüttelt), Verben der haben- Beziehung (* Ein Haus wird von mir gehabt), unpersönliche Ausdrücke (* Viele Mäuse werden gegeben) 1 etc.
1. Duden: „Grammatik der deutschen Gegenwartsprache“, s. 179
3
2. Erläuterung des Begriffs „Passiv“
Passiv wird als das Gegenteil vom Aktiv verstanden, d.h. es bezeichnet eine Form des Verbs, die es ermöglicht, in einer Konstruktion die handelnde Person nicht zum Subjekt des Satzes zu machen, was eben der Fall im Aktiv ist. Mit Hilfe der passivischen Formen wird es nicht nur im Deutschen, aber auch in anderen Sprachen (hier: Polnisch, Portugiesisch) ausgedrückt. Passiv wird immer dann verwendet, wenn die Handlung wichtig ist und wenn man sie besonders betonen möchte, es aber unwichtig oder unbekannt ist, wer die Handlung ausübt, z.B.:
In diesem, ins Polnisch und Portugiesisch übersetzten, Satz wurde eben die Handlung hervorgehoben ohne den Handelnden zu nennen bzw. zu berücksichtigen, der Handelnde wird eben weniger wichtig und oft bleibt er sogar ganz getilgt. In sich allein, bedeutet Passiv das Untätige, Teilnamelose und wird deswegen auch als Leideform bezeichnet, eben weil sich hier ein Vorgang am Subjekt vollzieht, d.h. das Subjekt des Satzes ist nicht selbst der Handelnde, sondern der Leidende und jener wurde deswegen in den Hintergrund verschoben.
Passiv ist ein Genus Verbi, durch das das Subjekt als Erleider der durch das Verbum bezeichneten Handlung hingestellt wird. 2 Es wird sowohl im Deutschen, als auch im Polnischen und Portugiesischen mit Hilfsverben gebildet. So unterscheiden sich Aktiv und Passiv im Wesentlichen folgendermaßen: Im Aktiv steht häufig der Handelnde, der Auslöser oder Träger des Vorgangs (Agens) im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit; also das Subjekt eines Aktivsatzes ist selbst der Handelnde und führt eine Handlung selbst aus (Tätigkeitsform, Tatform). Jedenfalls spielt der Handelnde neben der Handlung eine sehr wichtige Rolle, was im Passiv, wie schon erwähnt, es nicht der Fall ist und das Agens zurücktreten muss 3 . „Passiv wird als Zweitform bezeichnet, als vom Aktiv abzuleitende Kontrastform und muss deshalb unabhängig von der Bedeutung des Verbs als eine Sehweise betrachtet werden“ 4 .
Bei der Umformung der Aktiv- in die Passivform wird das Subjekt zum Präpositionalbzw. Akkusativobjekt und ein Objekt (meistens das direkte) zum Subjekt. Im Polnischen und im Portugiesischen wird das Passiv viel weniger als im Deutschen verwendet.
Um das „Bauplan“ des Passivs besser zu verstehen reicht es meistens, wenn man sich ein paar Beispiele ansieht und eben aus diesem Grund setzte ich mich mit ein- und demselben Satz aus der deutschen, polnischen und portugiesischen Sprache auseinander.
In allen diesen drei Sprachen sieht der als Beispiel genannter Satz, formal betrachtet, ähnlich aus, der Unterschied betrifft die Stellung der Agensangabe (im Polnischen und Portugiesischen- die Endstellung):
2. vgl. wissen.de „Universal Lexikon“, s. 698
3. Engel, Ulrich: „Deutsch- polnische kontrastive Grammatik“, Band 1, s. 648
4. Duden: „Grammatik der deutschen Gegenwartsprache“, s. 173
4
Deutsch
Aktiv: Die Mutter zieht das Mädchen an.
Passiv: Das Mädchen wird (von der Mutter) angezogen.
Polnisch
Aktiv: Matka ubiera dziewczynke.
Passiv: Dziewczynka zostanie ubrana (przez matke).
das Objekt wird zum Subjekt des Passivsatzes, nicht weglassbar
Portugiesisch
Aktiv: A mae veste a menina.
Passiv: A menina esta sendo vestida (pela mae)
5
3. Passivformen
3.1. Vorgangspassiv (werden- Passiv)
Das Vorgangspassiv wird im Deutschen auch werden- Passiv genannt; es stellt einen Sachverhalt als Vorgang, Prozess, Handlung dar. Es wird mit werden+ Partizip Perfekt gebildet, als Beispiel dafür: Das Buch wird gelesen.
Das Vorgangspassiv teilt sich in drei verschiedene Typen, „deren Struktur als Ergebnis der Umwandlung (Transformation) entsprechender Aktivtypen beschrieben wird“ 5 Die Unterscheidung dieser drei Typen des Vorgangspassivs richtet sich nach der Art der Verbergänzungen:
Typ A: wird mit den Verben mit einem Akkusativobjekt (= transitive Verben) gebildet, z.B.: Aktiv: Arnika (= Handelnder) malt (= Handlung) ein Bild (= Objekt) Passiv: Das Bild wird [von Arnika] gemalt.
Die inhaltliche Größe „Handelnder“ (Agens) besetzt im Aktiv die Subjektstelle, im Passiv dagegen die fakultative Stelle „Agensangabe“. Die Größe „Objekt“ (Patiens) besetzt im Aktiv die Stelle eines Akkusativobjekts, im Passiv dagegen die Subjektstelle. Die Größe „Handlung“ (Aktion) schließlich erhält im Aktiv die Aktivform und im Passiv die Passivform.
Typ B: wird mit den (intransitiven) Verben mit Genitiv-, Dativ-, oder mit einem Präpositionalobjekt gebildet,
z.B.: Aktiv: Wir (= Handelnder) helfen (= Handlung) dem Junge (Dativobjekt). Passiv: Dem Junge wird [von uns] geholfen. Es wird dem Junge [von uns] geholfen.
Die inhaltliche Größe „Handelnder“ (Agens) besetzt im Aktiv die Subjektstelle, im Passiv die fakultative Stelle „Agensangabe“, dabei kann die Subjektstelle formal auch mit dem inhaltsleeren Platzhalter- es besetzt werden oder unbesetzt bleiben. Das Objekt ändert seine Stelle im Aktiv und Passiv nicht; es tritt in beiden Strukturen entweder als Dativ-, Genitiv-, oder Präpositionalobjekt auf, in unserem Beispiel eben als Dativobjekt. Die inhaltliche Größe „Handlung“ (Aktion) erhält im Aktiv die aktive Form, im Passiv die passive Form.
Typ C: wird mit den intransitiven Verben (ohne Objekt) gebildet, z.B.: Aktiv: Die Frauen (=Handelnder) sangen (=Handlung). Passiv: Es wurde [von den Frauen] gesungen. Von den Frauen wurde gesungen. Aktiv: Man singt. Passiv: Es wird gesungen.
Die inhaltliche Größe „Handelnder“ (Agens) rückt aus der aktivischen Subjektstelle in die fakultative Passivposition „Agensangabe“. Die Größe „Handlung“ wird aus der
5. Duden: „Grammatik der deutschen Gegenwartsprache“, s. 173
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Arbeit zitieren:
Sylwia Tomaszczyk, 2004, Passiv-Formen und Funktionen, München, GRIN Verlag GmbH
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