Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Soziale Morphologie Seite 4-5
2.2 Raum und seine Archivfunktion Seite 6-7
2.3 Sportliche Morphologie Seite 7
3. Stadien
3.1 Wandel der Stadionarchitektur Seite 7-8
3.2 Die besondere Architektur eines Stadions Seite 9-10
3.3 Umgang mit Stadien aus der Vergangenheit Seite 11
4. Fazit Seite 11-12
5. Anhang Seite 13-14
6. Literaturverzeichnis Seite 15
2
1. Einleitung
Raum ist nicht nur ein theoretisches Konzept. Er ist allgegenwärtig und hat auch soziale Funktionen. Raum ist gemeinschaftsstiftend und verbindet Menschen gleicher Interessen. Andererseits kann er auch als Grenze funktionieren, indem er Klassen voneinander trennt. Es ist nicht einfach, dem Raum eine gemeingültige Definition zu geben. Der größte Unterschied der Theorien besteht in den Begriffen des absoluten und des relativen Raumkonzeptes. Das absolute Raumkonzept ist auf Einstein zurückzuführen und beschreibt einen Containerraum, der nur als Hülle für Dinge oder Menschen dient. Bei dem relativen Raumbegriff von Newton „[...] ist ein Raum keine schlichte Gegebenheit mehr, vielmehr wird nach diesem Verständnis ein Raum durch soziale Operationen erst konstruiert“ 1 . Der Mensch und sein Handeln gibt dem Raum erst seine Bedeutung. Wie diese Emotionen an Orten entstehen und wie wichtig sie sind, wird in dieser Arbeit auf den Grund gegangen. Das relative Raumkonzept hat sich im Laufe der Zeit durchgesetzt und bildet auch die Basis von sozialwissenschaftlichen Theorien. Diese Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf den Text von Markus Schroer „Materielle Formen des Sozialen. Die ‚Architektur der Gesellschaft’ aus Sicht der sozialen Morphologie“ von 2009. Die darin beschriebenen Theorien von Émile Duckheim und Maurice Halbwachs werden eingangs beschrieben, um sich im Anschluss damit am Beispiel von Stadien auseinanderzusetzen. Dabei ist es auch wichtig, die Funktion des Raumes als Erinnerungsort und Archiv nicht außer Acht zu lassen. Das kollektive Gedächtnis einer Gruppe hat auch Auswirkungen auf den Umgang mit Orten. Im Beispiel der Fußballstadien ist die um das Spiel entstehende Fankultur in Deutschland sehr ausgeprägt. Was macht ein Stadion zu einem so besonderen Ort? Wie kann Atmosphäre entstehen und die Menschen mitreißen? Diesen Fragen wird in dieser Arbeit nachgegangen. Die Architektur eines solchen Ortes ist außergewöhnlich und beeinflusst auch die Menschen in einem Stadion maßgeblich. Ohne den vorhandenen Raum wäre eine solche Atmosphäre nicht möglich. Auch die Frage nach dem Umgang mit alternden und baufälligen Stadien wird im Abschluss versucht zu beantworten. Gebäude besitzen einen archivierenden Charakter, der wichtig für die Menschen ist. Emotionen entstehen in ihnen und beeinflussen Handeln und Gefühle von Personen, die sich an bestimmten Orten oder Räumen befinden.
1 Schroer, 2006, S. 44 3
2. Theoretische Grundlagen
2.1 soziale Morphologie
In diesem Kapitel soll die soziale Morphologie von Émile Duckheim näher erläutert werden. Anschließend werden Kernpunkte des Schülers Duckheims, Maurice Halbwachs, dargelegt, die das Thema weiterführen.
Für Durkheim besteht die Soziologie aus zwei Bereichen. Der sozialen Physiologie, die sich gesellschaftlichen Beziehungen und Funktionen widmet und der sozialen Morphologie, welche die sichtbaren Auswirkungen einer Gesellschaft untersucht. Dazu zählen exemplarisch die „...Ausdehnung einer Gesellschaft, [...] die Größe, Dichte und Verteilung der Bevölkerung auf einem Territorium, sowie Dinge und Sachverhältnisse, die das kollektive Leben prägen“ 2 . Das Besondere an Durkheims Theorie ist die Verbindung vom einzelnen Menschen mit allen Dingen, die diesen in der äußeren Umgebung begegnen. So sind Verhaltensweisen ebenso zu der Sozialwelt zuzuordnen, wie beispielsweise die Kleidung. Das Materielle wird mit der Gesellschaft verbunden. Dieser Zusammenhang führt dazu, dass Durkheim stets das Kollektiv vor dem Individuum sieht. Der Einzelne vermag es nicht, eine Zeit oder eine Generation zu formen. Dagegen prägen frühere Generationen stets das Leben der Nachfolgenden. Auch der menschliche Habitus wird in bestimmten Fällen durch ein Gebäude geprägt. Beispielsweise verhalten sich Menschen in barocken Schlössern andächtiger, als sie es normalerweise tun würden. Die Gegenwart alter Gebäude wirkt sich auf Menschen aus. Dies lässt sich auch an der Stadtarchitektur veranschaulichen. Gebäude bestehen über einen langen Zeitraum und prägen das Bild einer Stadt. Das Vergangene ist demnach ständig präsent. Seien es Fachwerkhäuser oder alte Schlösser, die nun in Museen oder Ähnliches umgebaut wurden. Die „[...] Architektur ist es, die vergangene Gesellschaften anwesend hält, die selbst die ‚enthaupteten Aristokraten überlebt’: die ‚antike Säule an der Fassade’ nachrevolutionärer Wohnungen perpetuieren noch einen Habitus, ein Selbst- und Gesellschaftsbild. Dank ihrer Materialität ist Architektur ebenso sozialkonservierend, wie sie Medium des Neuen sind“ 3 . Der Umgang mit den Gebäuden kann sich im Laufe der Zeit ändern, jedoch wird die Erinnerung an die Geschichte nicht verschwinden. Das Kollektiv prägt eine Gesellschaft.
2 Schroer 2009, S. 21
3 Delitz, 2009, S. 175 4
So hat sich auch der Schüler Duckheims, Maurice Halbwachs mit der sozialen Morphologie auseinandergesetzt. 4 Er beschäftigt sich vor allem mit der bereits bei Durkheim angesprochenen Verbindung von Materialität und Gesellschaft. „Die Basisannahme seiner Untersuchung lautet, dass es keine Gesellschaft gibt, ‚die sich nicht auch in ihren räumlichen Umrissen zeigte, nicht eine Ausdehnung und materielle Unterlage hätte’“ 5 . Halbwachs stellt heraus, dass sich diese materielle Manifestierung in fast allen gesellschaftlichen Bereichen nachweisen lässt. Exemplarisch betrachtet er dabei Institutionen, die eine materielle Form besitzen. Die Architektur ist greifbar und mit allen fünf Sinnen zu erleben. Das Material bestimmt ein Gebäude. Es wird der wichtigste Bestandteil einer räumlichen Erfahrung. So ist in diesem Zusammenhang auch die von Halbwachs beschriebene politische Morphologie zu betrachten. Die Entwicklung von Gesellschaften ist demnach auch von räumlichen Gegebenheiten abhängig. So entstehen die ersten Demokratien am Meer, da dort der Handel über den Seeweg möglich ist. Andere fremde Zivilisationen lassen sich erkunden. Verknüpfung von Städten und Kulturen können entstehen.
In der ökologischen Morphologie von Halbwachs wird unter anderem die Klassenbildung in Städten untersucht. So ist zu beobachten, dass „[...] die verschiedenen ökonomischen Klassen dazu neigen, sich auf verschiedene Quartiere der Stadt zu verteilen“ 6 . Diese räumliche Abgrenzung von verschiedenen Gruppierungen ist exemplarisch auch in Berlin zu beobachten. So gibt es Viertel, in denen beispielsweise nur Russen wohnen und sich sogar eine eigene Infrastruktur gebildet hat. Es gibt russische Einkaufsmärkte, Apotheken, in denen die Verkäufer russisch reden und sogar Bestattungsunternehmen, die sich auf russische Rituale spezialisieren. Anzufügen ist, dass die Abgrenzung von der Gesellschaft keineswegs nur auf Menschen mit Migrationshintergrund zutrifft. Einkommen, Bildung, Kultur und auch Gewohnheiten können ebenfalls zu einer Separierung führen. Im Kapitel 3 wird dies auch am Beispiel der Fankultur im Fußball thematisiert.
4 Die Theorien des Schülers Marcel Mauss sollen hier nicht näher erläutert werden, da
sie nicht im direkten Bezug zu dem Hauptthema der Arbeit stehen. Es geht bei ihm unter
anderem um das Gesellschaftsgefühl in Abhängigkeit zu Jahreszeiten
5 Schroer, 2009, S. 24
6 ebd., S. 25 5
Arbeit zitieren:
Josephine Königshausen, 2011, Theorien der Sozialen Morphologie, München, GRIN Verlag GmbH
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