Inhaltsverzeichnis
1. Abstract 1
2. Inhaltsverzeichnis 2
3. Vorwort 3
4. Die Entstehung der Tiandihui 3
4.1 Der Gründungsmythos um das Kloster Shao Lin 4
4.2 Ming Qing 5
4.3 Der Weg zum Verbrechertum 6
5. Die Freimaurer des Fernen Ostens? 6
5.1 Symbolisches Rituale 7
5.2 Kodex, Rangordnung, Organisation 8
6. Die Quellen der Macht 9
6.1 Das "Goldene Dreieck" 10
6.2 Von der ländlichen Protektion zum globalen Unterwelt-Imperium 12
7. Die größten Triaden 14
7.1 Die Rote und die Grüne Bande 15
7.2 14K 15
7.3 Sun Yee On 16
7.4 Sonstige 17
8. Stützpunkte international 18
8.1 Das Herz des Drachen - Hongkong 18
8.2 Macau, Oase der Spieler 19
8.3 Die Invasion Europas 29
8.4 Die Neue Welt und der ganze Rest 20
9. Tendenzen der Kooperation 22
10. Die Zukunft der "Mönche des Bösen" 22
11. Bibliographie 23
2
Vorwort
Am 1. Juli 1997 wurde die britische Sonderverwaltungszone Hong Kong erneut chinesischer Souveränität unterstellt, nach mehr als 150 Jahren der Fremdherrschaft. Mit diesem in der Bewertung ex ante schicksalsträchtigen Datum, dem von allen Seiten eifrig entgegengefiebert wurde, sollten eine Reihe brisanter und einschneidender Veränderungen vor sich gehen - so zumindest die allgemeine Einschätzung. Konkreter bedeutet dies, dass neben zahlreichen politischen Folgen im engeren Sinn, die hier allesamt zu vernachlässigen sind, vor allem Sicherheitsbehörden auf dem ganzen Erdball Bedenken hegten und ihrer Furcht Ausdruck verliehen, man hätte es demnächst mit einer globalen Bedrohung ungekannten Ausmaßes durch das ortsansässige organisierte Verbrechen zu tun, namentlich die Triaden, die wenigstens in der Prognose hoher Beamter bereits die Weltherrschaft an sich gerissen und aller Konkurrenz, der italienischen Mafia, den Kolumbianern, den Russen etc. im gleichen Atemzuge den Garaus machen würden, so sie ihnen nicht ohnehin schon längst den Rang abgelaufen hatten. 1 Ob dem so ist, oder aber warum nicht, soll diese Arbeit zeigen. Um den Wahrheitsgehalt dieser These zu prüfen, dessen Konfiguration im Wesentlichen nun allein schon durch den Faktor Zeit entschieden worden ist, kann ein kurzer Blick auf Geschichte, kulturelle Besonderheiten und bisherige Aktionsbereiche der fernöstlichen transnationalen organisierten Kriminalität kaum schaden, eher von größtem Nutzen sein.
Die Entstehung der Tiandihui
Die Tiandihui, d. h. "Himmel- & Erde-Gesellschaft" ist der eigentliche Kern des Ganzen, der Keim, der später zu dem werden wird, was wir gegenwärtig unter Triaden verstehen. Bis dahin musste aber erst ein gewaltiges Stück Weg zurückgelegt werden, der rückblickend so manche Kurve in seinem Verlauf nahm. Seine drei zentralen Stationen sollen nun im Folgenden kurz dargestellt werden, mit dem Vorbehalt im Hinterkopf, dass es sich streng genommen um zwei, wenn nicht mehr, sich vereinigende Straßen handelt, gleich ineinander mündender Ströme, derer manche den Namen "Historie", andere den der "Legende" führen und es vom Standpunkt des eines
1 Diese Befürchtung wird in der gesamten verwendeten Literatur laut, z. B. Posner, S. 396, loc. cit.
3
flüchtigen Blickes sich anheischig machenden westlichen Beobachters nicht ganz klar auszumachen ist, welches Liquid welcher Fluss mit sich brachte. 2
Der Gründungsmythos um das Kloster Shao Lin
Allseits bekannt ist der Gründungsmythos, auf den sich alle Triaden in der ein oder anderen Form berufen, nicht zuletzt weil sie in sieben überlieferten Versionen vorliegt, die von der Substanz her jedoch ein und dasselbe besagen, mit mehr oder minder großer Präzision in der Wiedergabe der Handlung, teils an anderen Orten, teilweise mit anderen Beteiligten oder wenigstens Namen. 3 Die hier gebotene Oberflächlichkeit und Knappheit kann allerdings über die Einwände des Sinologen hinwegsehen. Klar ist, dass es zu einem "barbarischen", und wenn auch nur um der Propaganda willen, Einfall der Eleuten aus dem Norden während der Qianlong-Periode der Qing-Dynastie kam. Die offiziellen Dokumente die von den Vorfällen berichten, entstammen allesamt aus den 1780ern. In allen Fällen bat das Imperium im oftmals auch so geschriebenen Shaolin Kloster um die Hilfe der kampferprobten Mönche, die es auch sofort bekam. Der Angriff konnte mühelos zurückgeschlagen werden und die in Aussicht gestellte Belohnung wurde von den asketischen Kriegermönchen bescheiden zurückgewiesen; man berief sich während der Audienz in der Verbotenen Stadt auf Pflicht, Treue und Loyalität zum Kaiserreich. Am Hofe gab es daraufhin, ganz dem Klischee verbunden, scheinbar eine Reihe von Ungunstbekundungen, die letztendlich sogar in Verrat innerhalb der Bruderschaft gipfelten, begleitet von dem Neid und der Angst, eine neue mächtige Partei im Staate könne sich breit machen. Man erließ also Order das Kloster niederzubrennen, mitsamt Insassen soweit möglich. Der entscheidende Erfolg wurde diesem tückischen Unternehmen durch Bestechung zuteil. Die Tore standen offen und gegen die geballten Kräfte des Herrschers konnten die wenig mehr als hundert ehemaligen Helden trotz Waffen und Kungfu nichts mehr ausrichten: lediglich 18 kamen mit dem Leben davon, nur fünf überstanden die nachfolgenden Strapazen.
2 Zur Quellenlage, Murray & Baoqui, loc. cit.
3 ibid., S. 197-228, loc. cit. zu der "siebenfachen" Xi Lu Legende.
4
Ming & Qing
Es gibt aber auch die wissenschaftlichere, weil vom soziologisch-politischen Standpunkt aus gesehen "realistischere" Zugangsweise, bei der die mystischmythologische Verbrämung einer nüchternen Lageanalyse der Situation eines vorindustriellen Chinas weicht.
Um 1761/62 herum, kam es in drei Provinzen Chinas zur Formierung neuer gesellschaftlicher Strömungen und zwar im südlichen Fujian, im östlichen Guangdong und auf Formosa, dem heutigen Taiwan. Die Gründe waren vielfältig: beginnende Kolonialisierung, Landflucht und damit einhergehendes Wachstum der Marktplätze; Verstädterung, verbunden mit der auf den Fuß folgenden Armut während der Umstellung weg von einer ruralen Ökonomie. Wo große Umwälzungen im Schwange sind, können Banditen nicht weit sein, die ihre große Chance und vor allem Beute wittern. Die Reaktion aus der Bevölkerung war doppelschneidig. Einerseits tat man sich in zunächst kleinen, doch rapide wachsenden Gruppierungen zusammen, den "hui", Assoziationen allgemein also, um sich gegenseitig Schutz zu gewähren. Andererseits waren die "guten" Bürger mit ihrer Idee der Stärke mithilfe von Masse nicht allein; soweit nicht Banden sowieso der Beweggrund der Entstehung von Vereinigungen wie den "Drei-Punkte", den "Drei-in-Einem" oder den Männern Hongs, der Triaden eben, waren, sondern vereinzelte Kriminelle, so kam man spätestens jetzt in deren Rängen ebenso zu dem Ergebnis, dem Zahn der Zeit Rechnung zu tragen. Jeder Schritt zieht den nächsten im Katz-und-Maus-Spiel von Räuber & Gendarm beinahe automatisch nach sich, so jedenfalls ließe sich das "yin" und das "yang" an dieser Stelle interpretieren. Der dritte Faktor in diesem Wust von Faktionen war dabei die den Entwicklungen immer machtloser gegenüberstehende Qing-Regierung, was ihr spätestens mit der 1851 beginnenden Taiping-Rebellion schmerzhaft bewusst wurde. Dass die mittlerweile wie Pilze aus dem Boden geschossenen Sekten, Gruppen & Clans, ganz in der Tradition der Gelben & Roten Turbane, z. T. mit den Worten "Werft die Qing nieder, setzt die Ming wieder ein!" freudig orchestrierten, wurde lediglich noch von den sich mehr und mehr einmischenden Europäern und Nordamerikanern übertrumpft, die im Rahmen der ersten beiden "Opiumkriege" ihren Beitrag zur Perfektion des Chaos leisteten. 4
4 Ter Haar, S. 221-402, loc. cit.
5
Der Weg zum Verbrechertum
Schon immer wimmelte es im südostasiatischen Raum, insbesondere im südchinesischen Meer, vor Piraten. Kontemporär kann es einem gar immer noch passieren, in der Strasse von Malacca zum Beispiel, diesen meist unsympathischen, weil lebensbedrohlichen Zeitgenossen zu begegnen. Wer hingegen damals schon ein gewisses Maß an Geschäftstüchtigkeit besaß, konnte die Wirren des tobenden Machtkampfes problemlos für sich instrumentalisieren. In Momenten der Unsicherheit müsste es ein leichtes gewesen sein, korrupte Staatsdiener zu gewinnen, die für das Wegschauen bezahlt wurden, bei dem Versuch, in Zusammenarbeit mit Freibeuterringen indisches Opium zu importieren, welches dann mit einer Anzahl von geneigten frisch entstandenen Triaden seuchenartig im Land verbreitet wurde - dort wo die politischen Ziele oder die Bestrebungen von lapidarem Selbstschutz auf der Strecke blieben, war der Rest nichts weiter als eine kümmerliche Vorform moderner Drogendealernetze. Obwohl diese etwas voreilige Aburteilung keinesfalls die von Anfang an erpresserischen Motivationen vernachlässigen darf, die allerdings erst nach einer leider nur skizzenhaften Betrachtung der Strukturmerkmale einer "hung mun", einer Geheimgesellschaft, in das Zentrum des Interesses gerückt werden können. 5
Die Freimaurer des Fernen Ostens?
Seitdem es in Europa in Mode geriet, sich einer elitären Verbindung anzuschließen, was in einer regelrechten Blütephase speziell im 19. Jahrhundert resultierte, machte sich auch die Behauptung in der einschlägigen Literatur breit, dass sich in China ähnliche Prozesse abspielen - ja man ging sogar vielfach soweit, von gemeinsamen Wurzeln in jahrtausendealter Vergangenheit zu schwärmen, da man im Brimborium der Riten beider Logenkulturkreise starke Analogien auszumachen glaubte. Weit davon entfernt, hier aus Platzgründen einen Vergleich anstellen zu wollen, den der dahingehend bewanderte Leser gerne in Eigenregie im Geiste bewerkstelligen darf, lohnt es nichtsdestotrotz, sich mit den Grundzügen triadischer Initiationsprozeduren, sowie mit den Schwüren und anderen Geheimnissen, etwas eingehender auseinander zu setzen. 6
5 Booth, S. 40-72, loc. cit.
6 Der Vergleich wird v. a. in der westlichen Forschungstradition angestellt und von Murray & Baoqin
6
Arbeit zitieren:
Oliver Köller, 2007, Schlangen im Schatten des Drachen - China, Opium & die Triaden, München, GRIN Verlag GmbH
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