Institut für Medienwissenschaften
Wintersemester 2002/2003
Seminar: Medienstars – Transmediale Inszenierung von Geschlecht und Identität
Die Entstehung des Starwesens
Peter Schubert
Gliederung:
Einleitung Seite 1
1. Modelle zur Entstehung des Stars Seite 1
1.1. Literaturübersicht Seite 1
1.2. Die Theorie des Filmdiskurses Seite 3
1.3. Kritik am Diskursmodell Seite 5
2. Die Filmindustrie vor 1910 Seite 8
2.1. Die USA Seite 8
2.2. Frankreich Seite 10
Schlussbemerkungen Seite 12
Literaturliste Seite 14
II
Einleitung
Überblickt man die Literatur zum Thema Genese des Stars unterscheiden sich die Autoren auf den ersten Blick vor allem in zwei grundlegenden Aussagen. Zum einen wirkt die Frage nach der Datierung der Herausbildung des Filmstars und der Datierbarkeit solcher Ereignisse überhaupt polarisierend. Zum anderen scheint dieser Frage eine grundsätzlich verschiedene Beurteilung hinsichtlich der Charakteristiken des Filmstars voraus zu gehen: Ist der Filmstar durch den Filmdiskurs entstanden und nur mit ihm ein Star oder genügt es Attribute wie Ruhm und Internationalität für die Kennzeichnung des Stars anzuführen. Eng mit diesen beiden Fragestellungen ist das Problem der Namensnennung des Stars verbunden. Kann man einen Filmakteur also nur dann einen Star nennen, wenn auch sein bürgerlicher Name dem Publikum vertraut ist? Diese Fragen sollen in dieser Arbeit anhand von ausgewählten Autoren diskutiert werden, um dadurch eine reflektierteren Erklärungsansatz für die Genese des Stars zu erhalten.
1. Modelle zur Entstehung des Stars
1.1. Literaturübersicht
Zieht man zum Überblick über den Star und Starkult ein Filmlexikon heran erhält man für die hier zu thematisierenden Fragen etwa folgende Erklärungsansätze 1 : Der Star wird definiert, als sowohl von den Studios als auch vom Publikum gemacht. Seine Starqualität leitet sich davon ab „in den Rollen Träume zu binden und zu befriedigen“ 2 . Er ist also nicht nur berühmt, sondern auch begehrt. Weiterhin zeichnet sich der Star durch seine Internationalität aus. Er ist streng genommen keine lokale Größe. Seine Bedeutung für die Industrie liegt in der Möglichkeit Filme mit den Darstellern anzupreisen und somit die Produkte unterscheidbar zu machen: „Wenn ein Darsteller so populär wurde, daß er für das Publikum die Filme prägte, war er 1 Die folgenden Äußerungen beziehen sich beispielhaft auf: Rainer Rother: Star, in: ders. [Hrsg.]: Sachlexikon
Film, Reinbek 1997, Seite 276-278.
2 Ebenda Seite 276.
1
zum Star geworden.“ 3 Der Filmstar ist daher ebenso durch seinen internationalen Ruhm geprägt, als auch auf der Rezeptionsebene durch seine Fähigkeit Identifikationsangebote darzustellen, sowie auf der Produktionsebene eine Produktdifferenzierung zu gewährleisten.
Obwohl alle drei Charakteristika des Stars auf eine längerfristige Entwicklung hindeuten, überrascht Rother mit der Angabe eines genau datierbaren Ereignisses der Entstehung des Filmstars:
„Mit der Abwerbung der beim Publikum als Biograph Girl bekannten Florence Lawrence durch den unabhängigen Produzenten Carl Laemmle begann eine Entwicklung, die schon vor 1920 zum Starsystem in Hollywood führte.“ Damit greift Rother auf die klassischen Erklärungsansätze der Filmgeschichte 4 zurück, nach denen sich folgendes Erklärungsschema der Genese des Filmstars ergibt 5 : Obwohl das Publikum die Namen der Darsteller erfahren will, halten die Produzenten diese geheim, da sie zum einen, die aus dem Theaterbetrieb bekannte, Gagenspirale vermeiden wollten und zum anderen die Schauspieler bei Bekanntgabe ihrer Namen um ihre Reputation fürchteten. Carl Laemmle, der mit seiner unabhängigen Filmfirma Marktanteile gewinnen will, durchbricht die Vereinbarungen des Filmtrusts, wirbt Florence Lawrence ab und veröffentlicht ihren Namen. Diese erste Bekanntgabe des Namens gilt als Geburt des Filmstars. Spätestens in den 1970er Jahren ändert sich die Darstellung der Entwicklung des Filmstars. 6 Die klassischen Erklärungsmuster werden zunehmend kritisiert, wie etwa von Tino Balio:
„Myth has it that the star system was introduced by the independents against the Trust. A conservative enterprise, the MPPC manufactured a standardized product with anonymous actors. The fear was that the public acclaim for performers might lead to demands for higher salaries. Actually, the star system evolved during the heyday of the Trust, although not all members embraced it. ” 7
3 Ebenda Seite 277.
4 Etwa Terry Ramsaye: A Million and One Nights – A History of the Motion Picture Industry, New York 1964; Lewis Jacobs: The Rise of the American Film – A Critical History, New York 1939; oder in abgewandelter Form Alexander Walker: Stardom – The Hollywood Phenomenon, New York 1970.
5 Zur Kategorisierung der Literatur vgl. Richard deCordova: Picture Personalities – The Emergence of Star System in America, Urbana/ Chicago 1990, Seite 5f..
6 Als Beispiele seien aufgeführt: Anthony Slide: Aspects of American Film History Prior to 1920, Metuchen/ London 1978; und wie im folgenden dargestellt: Tino Balio [Hrsg.]: The American Film Industry, Madison/ London 1976.
7 Vgl. Balio(1976), Seite 113f..
2
Arbeit zitieren:
Peter Schubert, 2003, Entstehung des Starwesens, München, GRIN Verlag GmbH
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