2
aufzustocken. Man kann also festhalten, dass sich vor allem die Liquidität der großen Banken infolge der aus der „Septemberwahl“ verstärkten Unsicherheit ihrer ausländischen Gläubiger verschlechterte. 2 Nicht nur diese politische Komponente verstärkte die Probleme im deutschen Bankenwesen, sondern auch ein strukturelles Grundproblem verschärfte jetzt die angespannte Situation: die deutschen Banken besaßen - entweder aus spekulativen Gründen oder zur Absicherung vergebener Darlehen - gewaltige Aktienpakete zahlreicher inländischer Unternehmen. Im Zuge der Wirtschaftskrise, die ihren globalen Charakter mit dem „Schwarzen Freitag“ an der New Yorker Börse erhielt, verloren diese Aktien jedoch immer mehr an Wert. Somit belasteten diese Wertpapiere die Banken zusätzlich und konnten nichtwie eigentlich geplant - als Reserve fungieren. Eine der ersten Banken, die auf diese Weise in arge Liquiditätsschwierigkeiten geriet, war die österreichische Creditanstalt (kurz: CA). Am 11. Mai 1931 veröffentlichte sie ihre Bilanzen, die einen Jahresverlust von annähernd 140 Mio. Schilling aufzeigte. Diese Summe verschlang fast das gesamte Eigenkapital der Bank. Die Nachricht verursachte einen regelrechten „Run“ in- und ausländischer Gläubiger. Erst ein Kredit in Höhe von 150 Mio. Schilling konnte diese bedrohliche Situation abwenden. Hätte die CA in diesen Tagen ihren Zahlungsverkehr nicht wieder aufgenommen, wären aufgrund der internationalen Verflechtung - vor allem zu Deutschland - viele Banken in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zu dieser Zeit zeichneten sich auch in Deutschland ähnliche Entwicklungen ab. Der Zusammenbruch der größten österreichischen Geschäftsbank erschütterte auch das Vertrauen vieler ausländischer Kreditoren in das deutsche Bankenwesen, was bis Mai 1931 zu einem Kapitalabzug in Höhe von 288 Mio. RM führte. 3 Genau an dieser Stelle tritt die Reichregierung unter Brüning auf den Plan. Anstatt, wie es dem Reichskanzler von vielen Experten u.a. dem Reichsbankpräsidenten Luther geraten wurde, durch beruhigende Verlautbarungen das Vertrauen der Kreditoren zu stärken und ihnen zu versichern, dass Deutschland weiterhin kreditwürdig war, nutze Brüning die Situation um erneut das Problem der Reparationszahlungen auf den Plan zu bringen. Durch den Young-Plan vom 17. Mai 1930 war das Reich zu monatlichen Zahlungen - überwiegend in Devisen - verpflichtet. Brüning veröffentlichte am 9. Juni 1931 den sog. „Tributaufruf“, in dem er weitere Reparationen als wirtschaftlich untragbar bezeichnete und zu einer erneuten Revision der entsprechenden Vereinbarungen aufrief. Dieser Aufruf verschärfte die Situation zusätzlich. Viele ausländische Gläubiger fürchteten einen Staatsbankrott und versuchten nun
2 Vgl. Ebd., Seite 58f.
3 Vgl. G.D. Feldman: Die Deutsche Bank vom Ersten Weltkrieg bis zur Weltwirtschaftskrise 1914-1933. In: L.
Gall (Hrsg.), Die Deutsche Bank 1870-1995, München 1995, Seite 294f.
3
verständlicherweise ihre Mittel aus Deutschland abzuziehen. So wurden innerhalb der ersten Woche nach dem „Tributaufruf“ annähernd 400 Mio. RM abgezogen. 4 Zwischen dem 1.- 17. Juni 1931 musste die Reichsbank, die den Geschäftsbanken zur Deckung der abgerufenen Kredite das Kapital zur Verfügung stellte, mehr als die Hälfte ihres Gold- und Devisenbestandes - ca. 1,4 Mill. RM - veräußern. 5 Dieses Verhalten - das aus heutige Sicht und eingedenk der Tatsache, dass die Geschäftsbanken nicht in der Lage gewesen wären, ihren Verpflichtungen selbstständig nachzukommen - brachte jedoch nur eine kurzfristige Beruhigung der Lage. Am 17. Juni 1931 kam die nächste ‚Hiobsbotschaft’. Die Norddeutsche Wollkämmerei (kurz: „Nordwolle“) musste aufgrund spekulativer Geschäfte und dubioser Machenschaften - besonders sticht hier der Konkursbetrug des Vorstandsvorsitzenden Carl Lahusen hervor - hohe Verluste verzeichnen. 6 Der kaum mehr abzuwendende Zusammenbruch der „Nordwolle“ läutete die akute Phase der deutschen Bankenkrise ein. Wie bereits erwähnt wurde, hatten sich aus diversen Gründen viele Geldinstitute an Unternehmen beteiligt. Entweder durch den Erwerb von Aktien oder durch die unbedachte Vergabe gigantischer Kredite. So hatten sich auch die Darmstädter und Nationalbank (kurz: DANAT-Bank) unter dem Vorstandsvorsitzenden Jacob Goldschmidt und die Dresdner Bank immens am Nordwolle-Konzern beteiligt. Und obwohl der Bankrott der „Nordwolle“ kaum mehr abzuwenden war, versuchte Goldschmidt weitere Mittel für den angeschlagenen Konzern aufzutreiben, da weder die Mittel der DANAT-Bank noch die der Dresdner Bank zur Deckung der Schulden ausreichten. 7 Die Verstrickung der DANAT-Bank in die Nordwolle-Affäre - gemeint ist hier die Konkursverschleppung des Vorstandsvorsitzenden Lahusenwurde schnell publik, sodass die Kündigungen ausländischer Kreditoren wieder in vollem Umfang einsetzten. Und abermals musste die Reichsbank mit ihren Gold- und Devisenreserven einspringen, um die überforderten Geschäftsbanken zu unterstützen. Auf Dauer konnte sie dies jedoch nicht betreiben. Der bereits erwähnte Young-Plan schrieb eine Deckungsgrenze von 40% vor. Diese Grenze lag jedoch am 19. Juni 1931 nur noch bei umgerechnet 100 Mio. RM. Bei der Unterschreitung dieser 40% würde Deutschland offiziell als zahlungsunfähig gelten. In dieser schweren Situation kam „Uncle Sam“ zur Hilfe. Am 20./21. Juni verkündete US-Präsident Herbert Hoover ein Moratorium, in dem er die Reparationsforderung für 1 Jahr aussetzte. Damit verfehlte er den gewünschten Zweck nicht: in Hoffnung der Konsolidierung des Reichshaushaltes verminderten die ausländischen
4 Vgl. Ebd., Seite 295.
5 Vgl. Ebd., Seite 295
6 Anmerkung DM: Die Norddeutsche Wollkämmerei war europaweit das größte und von daher weit
verzweigeste Unternehmen auf dem Gebiet der Wollverarbeitung.
7 Vgl. K. E. Born: Die deutsche Bankenkrise, Seite 74ff
Arbeit zitieren:
Daniel Meyer, 2009, Die deutsche Bankenkrise 1931, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg: neuer Titel erschienen: Die deutsche Bankenkrise 1931
Daniel Meyer hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare