ÜBERSICHT
Einleitung S. 1
Die Stellung der Kunst im TI S. 2
Die Forderung nach der „neuen Mythologie“ S. 4
im TI im Vergleich zum „Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus
Mythologie in der „Philosophie der Kunst“ S. 6
1. Das Absolute S. 6 2. Das Universum S. 8 3. Die Mythologie S. 11
Die Differenzbestimmung von antiker und S. 19
moderner Poesie durch die Mythologie
Einige Abschlussbemerkungen S. 22
Literaturverzeichnis S. 23
Einleitung
In der folgenden Arbeit soll die Mythologiebestimmung in den kunstphilosophischen Frühschriften Schellings untersucht werden. Hierfür wurden die beiden Schriften“ System des transzendentalen Idealismus“ (1800) und “Philosophie der Kunst“ (aus dem Nachlass 1859) herangezogen, weil in beiden Schriften die Kunst eine herausragende Stellung einnimmt. Interessant erscheint mir ein Vergleich der Konzeption, wie sie im „System des transzendentalen Idealismus“ (abgekürzt: TI) aufgezeigt wird, mit dem sogenannten „ÄltestenSystemprogramm des deutschen Idealismus“, dieses nicht nur, weil die Urheberschaft des Manuskripts unter anderem auch Schelling zugeschrieben wird, sondern auch wegen der Forderung nach einer „Neuen Mythologie“, die den Abschluss beider Schriften bildet. Hauptgegenstand dieser Arbeit ist dann die „Philosophie der Kunst“ (abgekürzt : PhdK), weil in ihr eine Mythologiekonzeption Schellings voll entfaltet wird, während eine solche im TI nur angedeutet wird. Beide Schriften werden verschiedenen Systemen Schellings zugeschrieben, dem Transzendental- und dem Identitätssystem, darum ist es erforderlich, zu Beginn jeweils einen Teil des Inhaltes der Schriften wiederzugeben. Da aus dem TI nur wenig über den Mythologiebegriff zu entnehmen ist, habe ich hier entsprechend weniger Raum für die allgemeine Darstellung verwendet; dagegen war es in der Behandlung der PhdK erforderlich, hierfür einen verhältnismäßig großen Platz aufzuwenden. Hierzu wurde ich auch bestärkt durch viele Darstellungen in der Sekundärliteratur, die bei der Interpretation der Schellingschen Mythologiekonzeption Kategorien (wie z.B. Ideen, Götter usw.) verwenden, ohne deren genaue Bedeutung und ihre Stellung im System zu bestimmen.
Die Stellung der Kunst im TI
Die Aufgabe, die Schelling sich stellt, ist es, aus der Intelligenz die bewusstlose Natur abzuleiten. Dieses verlangt, als Ursprung eine absolute Identität zu setzen, in der die Antinomien ganz aufgehoben sind. Schelling postuliert diese als ein „absolutes Ich“, das sich in einem Prozess des Selbstbewusstwerdens in drei Hauptepochen zum “empirischen Ich“ entwickelt. Diesen Epochen stehen Epochen der unbewussten Naturproduktion gegenüber, die ursprünglich ebenfalls aus dem “absoluten Ich“ entstanden. Während dieses Prozesses verschwindet im Ich das Wissen von dieser ursprünglichen Einheit, die Natur erscheint als „Ding an sich“. Daraus ergibt sich als Problemstellung der Philosophie,
„als Naturphilosophie die Geschichte der unbewußten Tätigkeit des Selbstbewußtseins, der Natur, und als Transzendentalphilosophie die Entwicklungsgeschichte des Geistes als selbstbewußte Tätigkeit seiner selbst aufzuzeigen“ (STEGELMANN, 54).
Die Kunst erlangt in der Transzendentalphilosophie die
Abschlussfunktion als „ewige(s) Organon zugleich und Document der Philosophie“ (TI,627). Die ästhetische Produktion beruht auf einem Gegensatz, einem Widerspruch, „der das Letzte in ihm, die Wurzel seines ganzen Daseyns, angreift“ TI, 616). Dieser Widerspruch endet
„nach dem Bekenntniß aller Künstler, und aller, die ihre Begeisterung theilen, im Gefühl einer unendlichen Harmonie, und daß diese Gefühl, was die Vollendung begleitet, zugleich eine Rührung ist, beweist schon, daß der Künstler die vollständige Auflösung des Widerspruchs, die er in seinen Kunstwerken erblickt ,nicht allein sich selbst, sondern einer freiwilligen Gunst seiner Natur zuschreibt, …; denn so wie der
Künstler unwillkürlich, und selbst mit innerem Widerstreben zur Produktion getrieben wird (…), ebenso kommt auch das Objektive zu seiner Produktion gleichsam ohne sein Zuthun, d.h. selbst bloß objektiv, hinzu.“ (TI, 617)
Der Künstler muss ein Genie sein - „das Genie ist dadurch von allem anderen, was bloß Talent oder Geschicklichkeit ist, abgesondert, daß durch dasselbe ein Widerspruch aufgelöst wird, der absolut und sonst durch nichts andere auflösbar ist. In allem, auch dem gemeinsten und alltäglichsten Produciren wirkt mit der bewußten Thätigkeit eine bewußtlose zusammen; aber nur ein Produciren, dessen Bedingung ein unendlicher Gegensatz beider Thätigkeiten war, ist ein ästhetisches und nur durch Genie mögliches“ (TI, 624).
Ihm gelingt die Vereinigung eines unbewusst hervorbrechenden schöpferischen Triebes mit der freien, mit Bewusstsein gestalteten Tätigkeit. Der Kunst gelingt es, das objektiv darzustellen, was dem 2
Philosophen nur subjektiv darstellbar ist: die ästhetische Anschauung des Ich, „als höchste Potenz der Selbstanschauung des Ich, die ideelle Identität von Subjekt und Objekt“ (KÜSTER, 106) enthaltend, erlangt eine höhere Bedeutung als die intellektuelle Anschauung des Philosophen.
„Die intellektuelle Anschauung vergleicht Schelling mit dem Schöpfungsakt großer Kunstwerke, das heißt, er setzt philosophische Erkenntnis mit künstlerischer Genieleistung (im Sinne der Romantik) gleich. Dadurch wird die philosophische Erkenntnis bei Schelling zur Sache weniger Auserwählter, deren Aussagen sich jeder Nachprüfung entziehen.“ (Buhr in DIETZSCH, 23)
Kunst wird bei Schelling zur “einzige(n) und ewigen(n) Offenbarung“ (TI, 618), das uns von der „absoluten Realität jenes Höchsten“ (TI, 618)
überzeugen soll, es unterscheidet sich von allen anderen Produkten gründlich:
„Denn vom organischen Naturprodukt unterscheidet sich das Kunstprodukt hauptsächlich dadurch, daß das organische Wesen noch ungetrennt darstellt, was die ästhetische Produktion nach der Trennung, aber vereinigt darstellt; daß die organische Produktion nicht vom Bewußtsein, also auch nicht von dem unendlichen Widerspruch ausgeht, welcher Bedingung der ästhetischen Produktion ist. Das organische Naturprodukt wird also,,(…) ,auch nicht nothwendig schön seyn, und wenn es schön ist ,so wird die Schönheit, weil ihre Bedingung in der Natur nicht als existirend gedacht werden kann ,als schlechthin zufällig erscheinen, woraus sich das ganz eigenthümliche Interesse an der Naturschönheit, nicht insofern sie Schönheit überhaupt, sondern insofern sie bestimmt Naturschönheit ist, erklären läßt. Es erhellt daraus von selbst, was von der Nachahmung der Natur als Princip der Kunst zu halten sey, da, weit entfernt, daß die bloß zufällig schöne Natur der Kunst die Regel gebe, vielmehr, was die Kunst in ihrer Vollkommenheit hervorbringt, Princip und Norm für die Beurtheilung der Naturschönheit ist.“ (TI,621f)
Kunst ist unabhängig von äußeren Zwecken, sie ist heilig und rein,
„welches soweit geht, daß sie nicht etwa nur die Verwandtschaft mit allem, was bloß Sinnenvergnügen ist, welches von der Kunst zu verlangen der eigentliche Charakter der Barbarei ist, oder mit dem Nützlichen, welches von der Kunst zu fordern nur einem Zeitalter möglich ist, daß die höchsten Efforts des menschlichen Geistes in ökonomische Erfindungen setzt, sondern selbst die Verwandtschaft mit allem, was zur Moralität gehört, aussschlägt, ja selbst die Wissenschaft, welche in Ansehung ihrer Uneigennützigkeit am nächsten an die Kunst grenzt, bloß darum, weil sie immer auf einen Zweck außer sich geht, und zuletzt selbst nur als Mittel für das Höchste (die Kunst) dienen muß, weit unter sich zurückläßt.“ (TI, 622f)
Kunst und Wissenschaft haben in ihrer höchsten Funktion dieselbe Aufgabe, „so ist doch diese Aufgabe, wegen der Art sie zu lösen, für die Wissenschaft eine unendliche“ (TI, 623). Kunst bekommt eine
Vorbildfunktion für die Wissenschaft: „wo die Kunst sey, soll die Wissenschaft erst hinkommen“ TI,623). In der Wissenschaft gibt es keine Genies, weil die Wissenschaft ihre Aufgaben „mechanisch“ oder “scientifisch“ lösen kann.
„Nur das, was die Kunst hervorbringt, ist allein und nur durch Genie möglich, weil in jeder Aufgabe, welche die Kunst aufgelöst hat, ein unendlicher Widerspruch vereinigt ist.“ (TI, 612)
Die vollendete Philosophie wird wieder in die Poesie zurückfließen, wie sie aus ihr entstanden war, als ein Mittelglied dieser Rückkehr bezeichnet Schelling die Mythologie.
Arbeit zitieren:
Peter Keirat, 1980, Darstellung des Begriffs der Mythologie in den kunstphilosophischen Frühschriften Schellings, München, GRIN Verlag GmbH
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