Humboldt-Universität zu Berlin
Winckelmann-Institut, Seminar für Klassische Archäologie
Seminar: Griechische Architektur WiSe 02/03
Die griechische Stoa
Daniel Funke
Klassische Archäologie/ Ur-u. Frühgeschichte/ Alte Geschichte
Inhalsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
2
2. Ursprung des Bautyps
2.1
Einfluß mykenisch-minoischer Architektur
2.2
Äußerer Einfluß
2.3
Entstehung aus griechischer Tempelarchitektur
2.4
Entstehung als eigenständiger Bautyp
3. Entwicklung der Stoa
3.1
Archaische Periode
3.2
Klassische Periode
3.3
Hellenistische Periode
4. Funktion des Gebäudetyps
5. Fallbeispiel: Die Südstoa von Korinth
5.1
Grabungsbericht
5
5.2
Rekonstruktion des Gebäudes
5
5.3
Datierung und Deutung
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6. Resümée
7
Anhang
I. Abbildungen
II. Abbildungsverzeichnis
III. Literaturverzeichnis
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1.
Einleitung
Die Stoa ist ein freistehender, gestreckter Bau, dessen Fassade durch eine Säulenreihe
geöffnet und deren Seiten- und Rückwand geschlossen sind. Als solche ist sie eines der
ältesten Bautypen griechischer Architektur, seit dem 7. Jh. verbreitet sowohl auf dem
Festland und der Peloponnes, wie auch im griechischen Kleinasien und den Westkoloni-
en. Hauptsächlich auf der Monographie J.J. Coultons »The architectural development of
the greek stoa« von 1974 basierend, soll zunächst ein Überblick über die Stoa gewon-
nen werden, von dem ausgehend der Befund der Südstoa von Korinth, publiziert durch
O. Broneer, behandelt wird.
1
Für den allgemeinen Teil mußte ich mich aus Platzgründen
auf wenige Themen beschränken, so wählte ich den Ursprung des Bautyps, die Ent-
wicklung der Stoa und die Funktionen, die dem Bau zugesprochen werden. Die Südstoa
soll in Hinblick auf die Grabungsgeschichte, die Rekonstruktion und ihre Datierung so-
wie Deutung untersucht werden.
2.
Ursprung des Bautyps
2.1
Einfluß mykenisch-minoischer Architektur
In bronzezeitlicher mykenisch-minoischer Palastarchitektur finden sich architektonische
Elemente, die einer Stoa ähneln. So etwa an der Südostflanke des Palastes bei
Tiryns(Abb.1).
2
Trotz der Ähnlichkeit der Form unterscheiden sich derartige Elemente
in ihrer Konzeption jedoch in einem wesentlichen Punkt von der späteren griechischen
Stoa; sie sind in einen Komplex eingebunden, also nicht freistehend errichtet.
3
Für die
mögliche Theorie, daß hier ein Bauelement vom Komplex isoliert wurde und sich zur
freistehenden Stoa wandelte, ist es nötig, daß die Griechen das Bauelement als ein sol-
ches verstanden, also vom Komplex lösen konnten. Dagegen spricht, daß die Elemente
stark variierten, also keine Einheit in ihrer Dimensionierung oder Form aufwiesen.
2.2
Äußere Einflüße
Ähnlich mykenisch-minoischer Architektur finden sich in ägytischer Monumentalarchi-
tektur Säulenreihen, hier jedoch aus Stein, eingebunden in Gebäudekomplexe, wie Tem-
pelhallen oder als Umrandung innerer Plätze. Die Proportionierungen der Elemente und
stärker noch die Anordnung nach innen unterscheiden sich in ihrem Charakter von der
offenen, freizugänglichen Stoa derart, daß davon auszugehen ist, daß sie den Bautyp
der Stoa nicht direkt beeinflußten.
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In syrischer Architektur findet sich ein Gebäudetyp
mit vorderer Säulenstellung, der mitunter freistehend errichtet wurde. Allerdings be-
1
Broneer (1954).
2
An der Südostflanke sind 4 von ursprünglich 12 steinernen Basen erhalten sind. Diese trugen vermutlich Holzsäulen, die
eine Front bildeten, hinter der sich an der Rückwand Kammern anschloßen. vgl. dazu Der Kleine Pauly (1979) 376-377 s. v.
Stoa (Oppermann).
3
Coulton (1976) 18.
4
Coulton (1976) 19.
2
steht die Säulenstellung nur aus 1 bis 3 Säulen in einer ansonsten geschlossenen Front-
mauer. Phönizische und phrygische Architektur liefern keinen Hinweis auf einen Ge-
bäudetyp, der als Vorläufer zur Stoa in Frage käme.
2.3
Entstehung aus griechischer Tempelarchitektur
Wenn also äußere Einflüße bei der Entstehung des Bautyps keine entscheidende Rolle
gespielt haben (vgl. 1.2), dann ist er vielleicht aus einem anderem griechischen Gebäu-
detyp hervorgegangen. Eine weit verbreitete Theorie ist, daß sich die Stoa aus dem grie-
chischen Tempelbau (Abb. 2) entwickelte, indem der Pronaos von der Cella losgelöst
und als eigenständiges Gebäude errichtet wurde. Dafür spricht die Offenheit beider nach
außen hin. Ein Zwischenraum zwischen Gebäude und Äußerem wird geschaffen und
zumindest pragmatische Funktionen, wie dem Schutz vor Wettereinflüßen, dürften bei-
de im 7. Jh. gemein haben. Trotz einiger Vorzüge, gibt es berechtigte Kritik an der The-
orie; so schreibt J.J. Coulton, daß es in der Architektur unwahrscheinlich ist, daß ein
strukturell einfacheres Gebäude aus einem komplizierteren hervorgeht.
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2.4
Entstehung als eigenständiger Bautyp
Verfolgt man den Gedanken weiter, daß die Stoa ursprünglich ein einfaches Gebäude
war, das elementare Funktionen diente (z.B. Schutz vor Regen), dann scheint die Mög-
lichkeit plausibel, daß die griechische Architektur sie frühzeitig und unabhängig von an-
deren Bauten hervorbrachte.
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Bestehende Ähnlichkeiten mit Langhallen oder Tempeln
könnten eher die Folge gemeinsamer architektonischer Zwänge sein, als ein Hinweis
auf eine nahe Verwandtschaft der Bautypen. Solange es aber keine eindeutigen Funde
von Stoen vor der archaischen Periode gibt, bleibt auch eine eigenständige Entwicklung
spekulativ.
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3.
Entwicklung der Stoa
3.1
Archaische Periode (650-480 v. Chr.)
8
In archaischer Zeit sind Stoen vergleichsweise kleindimensioniert und häufig bei Heil-
igtümern zu finden, obwohl sie auch schon vereinzelt bei Agorai auftreten können.
9
Die
Stoen der archaischen Periode unterscheiden sich in ihrer Form schon recht stark vonei-
nander. Sie können einschiffig sein wie die Südstoa bei Didyma oder zweischiffig wie
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Coulton (1976) 21. »what this theory overlooks, however, is that the stoa is in essence a very simple type, much more than
the peripteral temple or any of the colonnaded buildings of the Near East. It is inherently unlikely that a simple type should
be derived from a more complex one; the combination of simple elements to make more complex one is the normal develop-
ment.«
6
Coulton (1976) 22.
7
Zu einer möglichen Stoa aus geometr. Zeit vgl. Coulton (1976) 26.
8
Periodeneinteilung entspricht der von J.J. Coulton genutzten.
9
Von den bekannten Stoen dieser Zeit sind die Südstoa bei Samos (69,95m x 5,91m)und die Nordstoa bei Argive Heraion
(62,10m x 9,20m) durch ihre Größe herausstechend, im allgemeinen sind die Stoen deutlich kleiner.
3
die Südstoa von Samos, ohne vordere Säulenstellung wie die Nordstoa von Megara Hy-
blaia und sogar L-förmig wie die Stoa der Naxier auf Delos (Abb. 3). Neben dem häufig
verwendeten Holz für die Säulen finden sich bei der Nordstoa des argivischen Heraion
steinerne Säulenreihen.
3.2
Klassische Periode (480-323 v. Chr.)
Durch Vereinheitlichungen im Entwurf kristallisieren sich in der klassischen Periode
Haupttypen der Stoa heraus. Entscheidende Impulse gehen im 5. Jh. von Zentralgrie-
chenland aus, so findet sich in der Zeusstoa im Nordosten der Agora von Athen das frü-
heste gesicherte Beispiel einer Säulenreihenordnung, die sich als allgemeiner Standard
für zweischiffige Stoen durchsetzen wird.
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Eine dorische Säulenreihe bildet die Front
der Stoa vor einer inneren ionischen (Abb.4). Die ionische Säule der inneren Reihe ist
meist schlanker und erreicht eine größere Höhe, womit sie den Giebel des Daches unter-
stützen kann, ohne den Innenraum der Stoa allzu sehr einzunehmen. Während in Zen-
tralgriechenland und der Peloponnes gestreckte, zweischiffige Stoen dominieren, setzen
sich in Kleinasien L und pi-förmige Stoen durch, oft mit Räumen, die sich im hinteren
Bereich anschließen. Spätestens im 4. Jh. werden Stoen auch zweistöckig gebaut, stehen
dann aber nicht frei, sondern lehnen sich mit ihrer Rückwand an Hänge oder schon bes-
tehende Mauern an.
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3.3
Hellenistische Periode (323-50 v. Chr.)
In der hellenistischen Periode gewinnt die Stoa als raumordnendes Element an Bedeu-
tung. Die Gestaltung der Archetypen fällt weitgehend in die klassischer Zeit, jedoch
wurden die Proportionen der Stoa nie kanonisiert. Ihre Länge ist nicht durch innere Ge-
setzmäßigkeiten festgelegt,bleibt also theoretisch unendlich verlängerbar und so bestens
dazu geeignet, in Gruppen angeordnet, Platzanlagen fast vollständig zu umschließen.
Diese Eigenschaft wird in hellenistischer Zeit exzessiv genutzt und prägt nun vielerorts
das Stadtbild, etwa bei den Marktplätzen von Milet (Abb. 5). Die schon in der klassi-
schen Zeit einsetzende Steigerung der Dimensionen findet in der hellenistischer Zeit mit
Längen bis zu 200 m ihren Höhepunkt.
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4.
Funktion des Gebäudetyps
In archaischer Zeit diente die Stoa wohl noch vor allem dem einfachen Witterungs-
schutz. Ihre Anpassungsmöglichkeit an konkrete Bedürfnisse und die Fähigkeit der
Strukturierung offener Plätze machten sie jedoch rasch beliebt als rahmender Bau um
Agorai. In Heiligtümern konnten Stoen dazu verwendet werden, kleinere Votivgaben
10
Für die früher gebaute Stoa Poikile in Athen ist eine solche Säulenreihenordnung wahrscheinlich. vgl. Coulton (1976) 100.
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Lauter (1986) 122.
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Eine der längsten bekannten Stoa ist die von Kameiros mit cirka 207 m.
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