Abstrakt
Im vorliegenden Beitrag wird die Staatsverschuldung in kompakter Weise mit aktuellen Informationen und Hintergründen veranschaulicht. Dabei werden die Sachverhalte kurz und prägnant fokussiert, so dass der interessierte Leser sich unkompliziert mit dem Themengebiet auseinandersetzen kann.
Schlüsselwörter:
Staatsschulden, Gläubiger, Schuldenquote, Staatsverschuldung, Anleihen, Bundeswertpapiere
Inhaltsverzeichnis
1. Zur aktuellen Verschuldung ............................................................................. 3 2. Entwicklung der Schuldenquote ..................................................................... 5 3. Staatsschulden mittels Bundeswertpapieren............................................. 7 3. Gläubiger des Staates......................................................................................... 9 4. Ausblick .................................................................................................................. 11 Literaturverzeichnis................................................................................................. 12
© 2011 Stephan Hens, Ph.D,
1. Zur aktuellen Verschuldung
Nach der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 27.09.2011 war die Bundesrepublik Deutschland zum Jahresende 2010 bei ihren kreditgebenden Gläubigern mit 2.035,9 Mrd. € verschuldet, was rechnerisch einer Schuldenlast von ca. 25.000 € je Einwohner entspricht [vgl. STBU11a]. Mit 64% entfällt auf den Bund der größte Anteil an öffentlichen Schulden, gefolgt von den Ländern mit 29% und den Gemeinden mit einem Anteil von 6%. Ursächlich für den überproportionalen Anstieg der Schulden des Bundes gegenüber dem Vorjahr war die Übertragung von Risikopapieren der Hypo Real Estate in die FMS Wertmanagement, der in München ansässigen größte Bad Bank Deutschlands, die im Juli 2010 gegründet wurde, um Kredite mit hohen Ausfallrisiken, bei denen die Schuldner bereits in Verzug geraten sind oder auch Termingeschäfte (Derivate), die sich zu Schrottpapieren entwickeln, zu übernehmen. Sie hat im Oktober 2010 ein Portfolio von rund 173 Mrd. € übernommen [vgl. FMSA10], dessen Verluste über den Finanzmarktstabilisierungfonds (SoFFin) direkt den Bundeshaushalt belasten, da SoFFin gegenüber der Abwicklungsanstalt, sowie gegenüber der FMSA bis zu deren Auflösung verpflichtet ist, sämtliche Verluste auszugleichen [vgl. FMSA11].
Abb.1: Schulden des öffentlichen Gesamthaushaltes [STBU11a]
Die vorläufige Halbjahresbilanz von 2011 (Abb.2) bestätigt die tendenzielle Erhöhung der Staatsschulden, die sich aufgrund der am 30.09.2011 von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Ausweitung des Euro-Rettungsfonds (EFSF) auf 211 Mrd. € noch drastisch verändern kann, falls das Rettungskonzept scheitert.
© 2011 Stephan Hens, Ph.D,
Abb.2: Schulden des öffentlichen Gesamthaushaltes [STBU11e]
Die absolute Zahl der Staatsschulden hat eine Größenordnung, die nur schwer vorstellbar ist und für sich genommen keinen direkten Grad der Verschuldung liefert. Mit dem Verhältnis zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung, das als Schuldenquote bezeichnet wird, erhält man ein Maß für die wirtschaftliche Belastbarkeit. Bei privaten Haushalten mit durchschnittlichem Einkommen wird eine Schuldenquote von mehr als 50% als Belastungsobergrenze angenommen. Als wirtschaftlich vertretbare Obergrenzen für die öffentlichen Haushalte der europäischen Staaten wurden im Stabilitäts- und Wachstumspakt des Maastricht-Vertrages von 1992 und dem Vertrag von Amsterdam 1997, ein Haushaltsdefizit von max. 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, eine Schuldenquote von nicht mehr als 60% des Bruttoinlandsprodukts und eine Inflationsrate, die im Durchschnitt der drei besten EU-Länder von nicht mehr als 1,5 Prozent betragen soll, festgelegt.
Im nachfolgenden Kapitel wird die Entwicklung der Schuldenquote, beginnend mit den 50iger Jahren des 20ten Jahrhunderts betrachtet unter Berücksichtigung markanter Ereignisse, deren sprunghafte Veränderungen durch fehlendes politisches Engagement bis in die heutige Zeit hinein jeweils der nächsten Generation überlassen wurden und wohl auch weiterhin werden.
© 2011 Stephan Hens, Ph.D,
2. Entwicklung der Schuldenquote
Der Gesamtschuldenstand der Körperschaftsgruppen in Abgrenzung des Maastricht-Stabilitätskriteriums, nach dem die Gesamtverschuldung max. 60% des Bruttoinlandproduktes (BIP) betragen darf [vgl. EURA05, 22], lag im Jahr 2010 bei 83,2 Prozent des BIP [siehe auch STBUc]. Damit gehört Deutschland zu den 14 Mitgliedstaaten, deren Verschuldungsquote außerhalb des Stabilitätsgesetzes liegen:
Abb.3: Öffentliches Defizit im Euroraum [STBU11c]
Das vorläufige Rekordniveau an staatlichen Schulden resultiert aus einem weitgehend kontinuierlichen Anstieg, innerhalb dessen sich bezogen auf die Schuldenquote drei stärkere Schübe ereigneten. Zwischen 1950 und 1970 lag die Schuldenquote relativ konstant bei 20%. Nach der Verfassungsreform zum Ende der sechziger Jahre wurde der Weg frei für den Versuch einer aktiven Nachfragesteuerung im Gefolge der Ölpreisschocks in den 70ern, die dazu führte, das Ende 1990 mit fast 540 Mrd. € eine Quote von ca. 40% erreicht wurde [vgl. BUBK10, 20ff]. Die deutsche Wiedervereinigung führte zur erheblichen Mehrbelastung der staatlichen Haushalte, so dass die Schuldenquote sprunghaft anstieg und 1998 erstmals den europäischen Referenzwert von 60% überschritt. Im Jahr 2007 lag die Schuldenquote noch bei 65% des BIP und hat sich dann, wohl auch in Zusammenhang mit der Nachfragesteuerung der Finanz- und Wirtschaftskrise, bis auf 83,2% zum Jahresende 2010 erhöht.
© 2011 Stephan Hens, Ph.D,
Arbeit zitieren:
Ph.D., Dipl.-Wirt. Ing., Dipl.-Ing. Stephan Hens, 2011, Staatsverschuldung 2011, München, GRIN Verlag GmbH
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