Element des Kommunismus. Von dieser Wirtschaftsform sollte die gesamte Gesellschaft profitieren. Im Endeffekt schrieb jedoch die Partei der Bevölkerung vor, welche Bedürfnisse sie haben durfte und welche nicht.
Fritz Selbmann, Parteifunktionär, Minister und Schriftsteller in der DDR, beschreibt in seinem Werk „Demokratische Wirtschaft“ (1948) die Planwirtschaft folgendermaßen:
„Planwirtschaft [ist], wo die Produktion von oben bis unten, von vorn bis hinten
durch Pläne geregelt wird, wo jeder Wirtschaftsvorgang, Rohstoffbeschaffung,
Transport, Verarbeitung im Betrieb, Absatzregelung durch Pläne vorher bestimmt
wird.“ 1
Dass diese zentrale und starre Vorwegbestimmung bei einer komplexen und sich ständig verändernden Volkswirtschaft schlicht und einfach nicht möglich ist, war der SED-Spitze nicht bewusst. Da alle Wirtschaftsbereiche miteinander verknüpft waren und sich gegenseitig belieferten, kam es bei Problemen in einem Betrieb zu einem landesweiten Schneeballeffekt: Die Lieferausfälle hatten zur Folge, dass in einem anderen Betrieb nicht weiter produziert werden konnte. Auf eine nicht eingeplante, hohe Nachfrage konnte ebenfalls nicht reagiert werden.
Teil der Planwirtschaft war auch, dass stabile Preise festgeschrieben wurden. Um soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen, wurden die z.B. Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot und Wohnungsmieten künstlich bzw. durch Subventionen des Staates niedrig gehalten. Die Höhe dieser Subventionssummen überforderte jedoch den Haushalt der DDR und musste durch Kredite oder Überteuerung anderer Produkte finanziert werden. 2
1 Selbmann, Fritz: Demokratische Wirtschaft, Dresden 1948, S.93, 95f; zitiert nach: André Steiner: Von Plan zu
Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR, Berlin 2007, S. 269.
2 Vgl. Mitteldeutscher Rundfunk: Wirtschaft der DDR, URL: < http://www.mdr.de/damals-in-der-
ddr/lexikon/1601736.html#absatz3> (30.04.2010).
2
2.2 Startbedingungen
Die spätere SBZ/DDR war vor dem Krieg hochindustrialisiert und konnte sich auch landwirtschaftlich selbst versorgen. Allerdings war die SBZ bereits vor dem Krieg sehr stark vom innerdeutschen Handeln abhängig, da ihr wichtige Rohstoffe und Vormaterialien nicht zur Verfügung standen. So gab es zum Beispiel nur eine sehr geringe Produktion von Eisen und Stahl, aber eine gut entwickelte metallverarbeitende Industrie. In der chemischen Industrie war es genau andersherum, so wurde z.B. 60% des synthetischen Kautschuks innerhalb Deutschlands hergestellt, aber er wurde nicht zu Reifen weiterverarbeitet. Zudem fehlte Steinkohle als Energieträger. 3
Im Gegensatz zu der späteren BRD hatte die SBZ in einem weit größeren Ausmaß unter den Reparationen und der Demontage zu leiden: 3.400 Betriebe wurden abgebaut, ebenso fast jedes zweite Gleis auf den Bahn-Hauptstrecken. Zudem musste Ostdeutschland die höchsten Reparationszahlungen leisten. 4
Ein weiterer Faktor, war die Bodenreform 1945, die große Höfe in kleinere aufteilte, sodass mehr Menschen einen eigenen Hof bewirtschaften konnten. Dies bedeutete aber auch, dass Höfe, die von erfahrenen Landwirten bewirtschaftet wurden und bisher gute Erträge erbracht hatten, plötzlich auseinandergerissen wurden und Teile davon an Neulinge in dem Gebiet fielen. Somit war von vornherein auch die Landwirtschaft angeschlagen.
3 Vgl. Steiner, S. 21-23.
4 Vgl. Steiner, S. 39
3
3. Systemimmanente Probleme
3.1 Das Informationsproblem
Die Informationsverteilung in der DDR war asymmetrisch, d.h. dass die politische Entscheidungsebene niemals exakt über die Lage und die gehorteten Ressourcen in den Betrieben Bescheid wusste. Diese wiederum waren nicht am Wohle der Gesellschaft interessiert, sondern daran, die Pläne so leicht wie möglich erfüllen zu können, um Sanktionen zu vermeiden oder Prämien zu erlangen. Somit machten sie falsche Angaben betreffend der Kapazitäten, Vorräte und der Arbeitskräfte. 5 Jedoch hatten die oberen und unteren Ebenen auch unabhängig voneinander
Informationsdefizite. Die Politiker, die die Pläne aufstellten, konnten sich nicht an den Preisen orientieren, da diese durch Einfrieren der Preise und Subventionen keine unabhängige Informationsquelle mehr darstellen. Angebot und Nachfrage waren aus ihnen nicht ersichtlich und so konnte man im Plan auch nicht berücksichtigen, welche wirtschaftlichen Bereiche besonders wichtig waren. 6 Auch die Betriebe tappten im Dunkeln, da nur der Staat die Außenhandelsgeschäfte führen durfte und die fehlende Konkurrenz mit dem Westen jede Möglichkeit nahm, die produzierten Güter objektiv mit dem Standard des Weltmarktes zu vergleichen. 7
3.2 Das Anreizproblem
3.2.1 für die Betriebe
In der DDR kam Politik stets vor der Wirtschaft, anders formuliert: die Sicherung der Macht war wichtiger als wirtschaftliche Effizienz. Dies bedeutete zum Beispiel, dass der Vollbeschäftigung wegen kein Betrieb Konkurs gehen durfte, egal welche Qualität er lieferte oder eben gerade nicht. Qualität war ohnehin nicht wichtig, da die Pläne nur eine bestimmte Quantität forderten. Die Glühbirne ohne Glühdraht ist mittlerweile längst zum Symbol für die Planwirtschaft der DDR avanciert. Die Bewertung nach Quantität bedeutete auch, dass jeder Versuch, die Qualität zu verbessern, ein Risiko darstellte. Wenn ein Betrieb eine Innovation einführen wollte, konnten die Produktionszahlen zunächst rückläufig sein; auch da die
5 Vgl. Steiner, S. 13.
6 Vgl. Steiner, S. 67.
7 Vgl. Steiner, S. 69.
4
Arbeit zitieren:
Sonja Kaupp, 2010, Die Haupthindernisse für die erfolgreiche Entwicklung der DDR-Wirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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