Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Menanders Biographie 4
3. „Samia“ (Das Mädchen aus Samos)
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4. Abfassungszeit der Samia 8
5. Der Lamische Krieg (323/2 v. Chr.) und seine Auswirkungen
auf Athen 9
6. Die Reflektion der athenischen Politik in Menanders „Samia“
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7. Schluss 13
8. Literatur 15
9. Anmerkungen 17
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1. Einleitung
Der Hellenismus, eine Spätepoche der griechischen Antike (336-30 V. Chr.), war eine Zeit der großen Eroberungsfeldzüge, des kulturellen Austausches, des aufsteigenden Weltbürgertums und nicht zuletzt auch eine Zeitperiode des unerschöpflichen Humors. Nicht nur die meisten Formen des Witzes, sondern auch viele Witze der Weltliteratur gehen direkt oder indirekt auf hellenistische Überlieferungen zurück. Die Komödienschreiber Griechenlands (vor allem Athens) erdichteten seinerzeit zahlreiche Lustspiele und Parodien, die in den großen Theater bei den Festspielen, den Dionysien und Lenäen, vor zahlreichen Zuschauern aufgeführt wurden. Allein die unzähligen Fragmente, sowie die wenigen vollständigen Stücke der hellenistischen Komödien, die wir besitzen, genügen als Beweis, dass sich mit der überragenden Komik des Hellenismus über Jahrhunderte der Komödiengeschichte nur die weltberühmten Lustspiele des Shakespeares messen konnten.
In der „Klassischen Zeit“ Griechenlands (550-336 v. Chr.) lebten die Komödien von den spöttischen Anspielungen auf die Politik, die in der Heimatpolis nicht immer tadellos war. Komödienschreiber, wie der Athener Aristophanes, sind mit ihren gesellschaftskritischen Spaßparodien bis heute in Erinnerung geblieben und gelten als Begründer der „Alten Komödie“. Vergleicht man nun die „Alte Komödie“ der „Klassischen Zeit“ mit dem Humor der „Nea“, der „Neuen Komödie“ des Hellenismus, fallen die Unterschiede zwanglos auf. Die Komödienschreiber der „Nea“, von denen Menander, Philemon und Diphilos heute die Bekanntesten sind, dämpften die lauten, scharfen, übersprudelnden und politisch angehauchten Gefühlsausbrüche der Protagonisten der „Alten Komödie zu etwas Neuem. Sie erschufen einen wärmeren, innerlichen von Gegensätzen geprägten, komplexen Humor. Wer darüber lächelte, musste nicht nur kultiviert sein, sondern auch diesen edlen Humor nacherleben können, sei es zuhause, auf den öffentlichen Plätzen der Heimatpolis oder auf den Reisen durch das hellenistische Weltreich, das Alexander der Große (356-323 v. Chr.) mit seinem triumphalen Eroberungszug (334-328 v. Chr.) erschuf. Mit jeder neuen Unterwerfung durch Alexanders Truppen schmolz die Bedeutung der einst in der „Klassischen Zeit“ Griechenlands mächtigen Polis, wie Athen, Sparta und Korinth. Sie alle unterstanden der militärischen Übermacht des makedonischen Großreiches und seiner autoritären Politik. Die Reaktionen auf diesen Umstand von Seiten der Künstler des Hellenismus waren unterschiedlich. Einige erhoben die mächtigen makedonischen Herrscher förmlich in die Luft und verewigten sie in Statuenform als goldene Halbgottheiten, andere zogen sich in ein gesellschaftliches Dasein, fernab der Politik zurück und ließen sich von anderen Dingen inspirieren. Dieses Essay widmet sich einem von ihnen - dem athenischen Komödienschreiber Menander.
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Zuallererst beschäftigen wir uns mit der Biographie von Menander. Danach charakterisieren wir sein Werk und befassen uns besonders mit dem Stück „Samia“ (Das Mädchen aus Samos), welches heute zu den besterhaltenden Komödien des Hellenismus zählt. Zum Schluss überprüfen wir, in wie Fern sich die politische Situation Griechenlands, vor allem aber Athens, in der „Samia“ widerspiegelt, um dessen Wert für uns Historiker zu bestimmen.
2. Menanders Biographie
In diesem Kapitel werden wir versuchen, die Biographie des Komödienschreibers Menander zu rekonstruieren. Leider sind wir dabei nur auf einige wenige Daten und Fakten angewiesen, da über das Leben des Dichters von der Antike bis heute sehr wenig überliefert wurde.
Aus den amtlichen Theaterchroniken Athens (Didaskalien) wissen wir, dass im Jahr 342/341 v. Chr., dem wohlhabenden Bürger Diopeithes aus dem attischen Demos Kephisia ein Sohn namens Menander geboren wurde. Des Weiteren erfahren wir anhand eines griechischen Inschriftensteines, der in Rom gefunden wurde und heute als verschollen gilt, dass Menander in seiner Jugend den Ephebendienst (militärische Grundausbildung) absolvierte und anschließend als Wachsoldat an der attischen Grenze stationiert war. Während dieser Zeit lernte er Epikur kennen, den späteren Philosophen und Gelehrtern, der an der Athener Akademie den radikalen Materialismus 1 dozierte. Die philologische Forschung ist über die Beziehung Menanders zu Epikur, sowie über eine literarische Abhängigkeit der beiden, geteilter Meinung. Einige Wissenschaftler erkennen an, dass Menanders Komödien Epikurs philosophische Ansichten unverkennbar widerspiegeln, andere wiederum sind skeptisch und sehen hinter der Gemeinsamkeit der Gedanken bloß eine allgemeingültige Zeiterscheinung. Im Gegensatz zur „Klassischen Zeit“, in der die polisinterne Demokratie unter den Bürger Athens gefördert wurde, fand im Hellenismus eine Umorientierung statt. Die Bürger wurden, nicht zuletzt auch wegen der politischen Machtlosigkeit der eigenen Polis, zu Kosmopoliten (Weltbürgern) und zogen sich immer mehr in ihre eigene Privatsphäre zurück. Epikurs extrem individualistische Lehre, das Leben auf möglichst angenehme Weise zu führen, ließ sich jedenfalls hervorragend mit den Zeitumständen vereinbaren. Sie konzentriert sich entweder direkt, wenn man den optimistischen Philologen glaubt, oder auch indirekt, falls man dem Skeptizismus zugeneigt ist, in den Komödienstücken Menanders.
Im Anschluss an den Militärdienst wurde Menander ein Schüler des Philosophen Theophrast, der sein Interesse augenfällig auf ethische und moralische Fragen im Hinblick auf die persönliche Lebensführung innerhalb der Polis lenkte. Dank der Nähe zu Theophrast erklärt sich Menanders gutes Verhältnis zum Aristoteles-Schüler
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Demetrios von Phaleron, der Theophrast half, Aristoteles ehemalige Schule aufzubauen. Demetrios von Phaleron war hochgebildet: er war Philosoph, Wissenschaftler, sowie Staatsmann in einer Person. Ab dem Jahre 317 v. Chr. führte er als makedonischer Parteigänger und Antidemokrat in Athen ein gemäßigtes Regime, bis er 307 v. Chr. durch Demetrios Poliorketes entmachtet und aus der Polis verbannt wurde. Bei der anschließenden Säuberung Athens durch den aufgebrachten Demos von allen Anhängern der makedonischen Herrschaft war auch Menander, der mit Theophrast und Demetrios von Phaleron verkehrte, die beide in gutem Verhältnis zu Kassandros (König von Makedonien, 306-297) standen, zeitweilig in Gefahr. Das dichterische Handwerk des Komödienschreibers erlernte der junge Menander zunächst durch Nachahmung der Tragödien und Komödien, die er alljährlich am Dionysosfesten im Theater sah, und anschließend durch die dramaturgischen Unterweisungen des Komödiendichters Alexis, der möglicherweise mit ihm verwandt war. Im Jahre 321 trat Menander mit seiner ersten Komödie („Orge“, d. h. der „Jähzorn“) an die Öffentlichkeit und gewann den ersten Preis bei den athenischen Dionysien. Dieser Sieg blieb jedoch eine der wenigen Ausnahmen, denn Menanders geniale, akribisch-genaue Art, mit der er seine Stücke gestaltete, war zu seiner Zeit nicht besonders publikumswirksam. Die Zuschauer und Preisrichter im Theater fühlten sich bei Menanders Aufführungen häufig überfordert und gaben bei der Bewertung im Komödienagon anderen den Vorrang, nämlich den Schreibern, die ihnen handfeste Drastik und Turbulenz in Form von Prügelszenen lieferten 2 . Dennoch verfasste Menander im Verlauf von gerade mal dreißig Schaffensjahren mehr als einhundert Komödien, aber nur achtmal entschied sich das Publikum zu seinen Gunsten. Erst nach seinem Tod, Menander ertrank mit 52 Jahren (291/290) beim Baden im Piräus, erlangte er die allerhöchste Bewunderung. Seine Komödien wurden von den römischen Komödiendichtern vielfach rezitiert und wieder aufgeführt. Vor allem wurde die Sprache des Dichters bewundert. Heute besitzen wir nur einige wenige Stücke von Menanders Werk, die (fast) vollständig erhalten geblieben sind. Die meisten seiner Komödien wurden uns in fragmentarischer Form überliefert. Zu den Stücken, die die Jahrtausende am besten überstanden haben, gehört heute das Komödienstück „Samia“ (Das Mädchen aus Samos). Dieses soll uns nun im weiteren Verlauf dieses Essays beschäftigen.
3. „Samia“ (Das Mädchen aus Samos)
Bis zum Beginn des 20. Jh. besaß man von Menanders „Samia“ nur einen einzigen Vers. Dieses änderte sich schlagartig, als im Jahre 1907 der Papyrus „Cairensis“ und damit vier Stücke des Menanders, unter denen auch „Samia“ zu finden war, veröffentlicht wurden. Jedoch bestand die Komödie damals nur aus 341 Versen, was
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Arbeit zitieren:
Andrej Wolf, 2007, Die „Samia“ von Menander und ihr politischer Bezug zum Hellenismus unter besonderer Berücksichtigung Athens, München, GRIN Verlag GmbH
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