Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Leben und Werk Felix Fabris 4
2.1. Biographie 4
2.2. Werk 5
3. Historischer Kontext: Kirche und Reich im Spätmittelalter 5
4. Islam im „Evangatorium“ von Felix Fabri - Islam aus heutiger Sicht 6
4.1. Mohammed 7
4.2. Koran 9
4.3. Religiöse Bräuche 11
4.3.1. Gebet 11
4.3.2. Ramadan 12
4.3.3. Wallfahrt nach Mekka 13
5. Schluss 14
6. Islamkarte 15
7. Literatur 16
8. Verweise 17
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1. Einleitung
Der Begriff „Islam“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Frieden“. Im erweiterten Sinne jedoch bezeichnet er den Frieden, den die Menschen durch religiöse Hingabe an „Allah“ (Gott) erhalten 1 . Allah, „der Allerhöchste“, so die islamische Mythologie, erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut und vermittelte ihm vor etwa 1300 Jahren die Weißheiten über das wertlose irdische Leben und das sinnerfüllte Leben danach. Der Erzengel Gabriel erschien dem Händler Mohammed in einer Vision und übergab ihm die himmlische Botschaft. Mohammed bezeichnete sich nach dem Erhalt dieser Weißsagung als Untergebener Allahs und als erster Prophet des Islams (Rasul). Im Namen Allahs, des „einzig wahren Gottes“, sollten alle Menschen zu Islamgläubigen (Muslimen) bekehrt werden 2 . Ein unbestreitbarer religiöser Siegeszug erfolgte in den nachfolgenden Jahrhunderten und brachte den Islam weit über die Grenzen Arabiens hinaus, umschloss den Norden des afrikanischen Kontinents und verbreitete sich sogar bis nach Indonesien (vgl.: 6.).
Der Islam ist heute Weltreligion und besitzt über eine Milliarde Anhänger. Dennoch wissen viele Westbürger, trotz Berichterstattung und Globalisierung, sehr wenig über diese Religion und Kultur. Im europäischen Mittelalter war die Wahrnehmung des Islams unzureichend und die Kenntnisse über diese Religion mangelhaft und noch viel geringer als heute. Nur zur Zeit der Kreuzzüge und der Kreuzfahrerstaaten bestand ein Nahverhältnis der römischkatholischen Westeuropäer zur islamisierten Bevölkerung Palästinas und Arabiens. Damals überbrachten lateinische Pilger Wissen über die Religion, Kultur und die Gläubigen des Islams nach Westeuropa. Gelehrte debattierten über die islamische Lebensform, Werte, Religion und verglichen sie mit dem Christentum 3 . Nach dem Untergang der Kreuzfahrerstaaten und der Rückeroberung Jerusalems durch die Muslime trennte wieder einmal ein tiefer Graben die christlichen Westeuropäer von den Bewohnern des Heiligen Landes. Erst im späten Mittelalter, als sich die Infrastrukturen zwischen Westeuropa und Orient verfestigten, entstand erneut die Möglichkeit, Näheres von Mohammed, dem Islam, und den Lebensformen der Muslime zu erfahren. Pilgerreisen, die heute an moderne Pauschal- und Gruppenreisen erinnern, konnten auf Grund der toleranten Haltung der Mamluken (Herrscher über Palästina 4 ) dem christlichen Pilger angeboten werden 5 . Schätzungsweise besuchten im Spätmittelalter 10.000 von ihnen Jerusalem, Bethlehem, den Berg Sinai, Kairo und weitere heilige und populäre Orte des Orients 6 . Einige der Pilger schrieben im Anschluss an ihre Pilgerfahrt Reiseberichte, welche dem Leser nicht nur spirituelle Erlebnisse, sondern darüber hinaus auch spannende Reiseabenteuer und Kunde von merkwürdigen und wunderbaren Dingen in fremden Ländern boten. Die Lateiner interessierten sich für religiöse Bräuche, für die Stellung der Frauen, für die
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Kleidung und Nahrung der Orientalisten, das Liebesleben der Muslime, für politische Zustände und für die auf dem Privileg der Sklavenhaltung beruhende Sozialstruktur 7 . Gewaltige Differenzen in den Bereichen der Sprache, der Kultur, Mentalität und Religion trennten die Pilger von den Bewohnern der fernen Länder. Das in Europa herrschende und in den Orient mitgebrachte Wissen über den Islam reichte häufig nicht aus, um dessen komplexe Kultur zu verstehen. Die Pilger waren stets darauf angewiesen, sich ein eigenes Bild von den Glaubens-und Lebensformen der Muslime zu machen, um ein gewisses Verständnis für ihre Eigenheiten zu entwickeln 8 .
Im Verlauf dieser Hausarbeit befassen wir uns mit der Darstellung der islamischen Religion in den spätmittelalterlichen Pilgerberichten. Als Grundlage dient uns dabei der Pilgerbericht „Evangatorium“ von dem Ulmer Dominikaner Felix Fabri, der während seiner beiden Reisen ins Heilige Land, 1480 und 1483/84, den Orient ausführlich beschrieben hat. Außerdem vergleiche ich die Darstellung des Islams im „Evangatorium“ mit den gegenwärtigen Erkenntnissen der Islamforschungen, um die Glaubwürdigkeit des Pilgerberichtes zu überprüfen.
2. Leben und Werk Felix Fabris
Ich beginne zunächst mit der Biographie von Felix Fabri, um ihn und sein Werk vorzustellen, denn es gibt keinen anderen Reisebericht des europäischen Mittelalters, der persönliche Anschauung und kulturelles Wissen so intensiv wie extensiv miteinander vermischt 9 .
2.1. Biographie
Felix Schmidt, genannt Felix Fabri 10 , wurde 1441 oder 1442 in Zürich geboren. Er entstammte einer angesehenen adligen Familie, die im nachfolgenden Jahrhundert eine bedeutende politische Machtstellung in Zürich einnahm. Aus Fabris Aufzeichnungen geht hervor, dass er 1452, am Tag der Heiligen Katharina, in das Kloster der Basler Predigermönche eintrat und dort im nachfolgenden Jahr sein Gehorsamsversprechen ablegte 11 . Er erhielt von den Dominikanern Religions-, Bibel- und Naturkundeunterricht. Anschließend studierte Fabri Philosophie und empfing die Priesterweihe. 1468 siedelte er nach Ulm über, das damals ein kulturelles Zentrum der süddeutschen Spätgotik war, und besetzte in einem Ulmer Kloster eine Stelle als Predigermönch und Lesemeister. Er unterrichtete dort außerdem lateinische Grammatik, Philosophie und Theologie und vertrat seinen Orden in zahlreichen wichtigen außerklösterlichen Angelegenheiten, die ihn sogar bis nach Rom brachten 12 . Fabri entwickelte schon sehr früh eine unbändige Reiselust und besuchte zahlreiche Reliquien in Nassau, Pforzheim und Aachen 13 . 1480 war Fabris erste Begegnung mit dem Heiligen Land, die er als sehr enttäuschend empfand. Als Kaplan (Römisch-Katholischer Priester in den ersten Jahren nach der Priesterweihe) begleitete er damals den Johanniter-Ritter Georg von Stein und blieb zu seinem Bedauern nur neun Tage in Jerusalem. Drei Jahre später (1483) wiederholte Fabri diese Reise und schloss sich, ebenfalls als Kaplan, der Gesellschaft des
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Truchsesses Hans von Waldburg an. Er besuchte erneut Jerusalem und im Anschluss daran das Katharinenkloster auf dem Berg Sinai und Kairo. Während der beiden Reisen machte Fabri viele Aufzeichnungen, die er später dazu benutzte, um zusammenhängende Reiseberichte zu verfassen, die zu den meistverbreiteten Pilgerberichten des 15. Jh. gehörten 14 . Fabri starb 1502 im Ulmer Kloster, wo er insgesamt 34 Jahre lang als Geistlicher tätig war 15 .
2.2. Werk
Felix Fabri verpackte seine Reiseerlebnisse in ein gewaltiges topographisch und chronologisch nach Monaten und Tagen angeordnetes Tagebuch und veröffentlichte es unter dem Namen „Evangatorium 16 in Terrae Sanctae, Arabie et Egypti Pregrinationem“ („Pilgerreise ins Heilige Land, zum Sinai und Nach Ägypten“) 17 . Das „Evangatorium“ ist in zwei Sprachen überliefert, in Latein und in Deutsch. Bei genauer Betrachtung handelt es sich dabei um zwei verschiedene Werke. Die lateinische Fassung enthält 1600 Seiten und wurde als Klosterlektüre für ein gebildetes Publikum mit speziellen religiösen Interessen bestimmt. Fabri konzipierte sie als eine „Meditation“ über die Heilige Schrift, die sich auf die einzelnen Erlebnisse des Autors und auf die Stationen der Reise stützt 18 . Die Absicht, die hinter dem Verfassen des „Evangatoriums“ stand, war es, seinen Klosterbrüdern eine Möglichkeit zu geben, die Reise zu studieren, damit sie seine Erlebnisse im Heiligen Land religiös nachvollziehen konnten, denn den meisten von ihnen war solch eine Pilgerfahrt, wie er sie unternahm, verwehrt 19 . Die deutsche Fassung verfügt dagegen nur über 440 Seiten und wurde für ein adliges Publikum, mit vorwiegend weltlichen Interessen, geschrieben. Ausführlich illustriert Fabri dort den Ritterschlag am Heiligen Grab, die Abenteuer der Pilger und ihre Begegnungen mit fremden Völkern. Schilderungen, die für Ritter weniger interessant waren, wie die „Rede auf das Heilige Land“, die Geschichte Jerusalems, sowie zahlreiche weitere religiöse Exkurse, wurden von Fabri weggelassen 20 .
Fabris Sicht und Schilderungen im „Evangatorium“ gleichen denen eines Forschers und Gelehrten. Er benutzt wissenschaftliche Methoden, indem er alle Erfahrungen im Orient mit seinen Kenntnissen, die er aus den Studien zahlreicher Schriften erwarb, vergleicht 21 . Ungeachtet dessen verfügt Fabris Werk auch über einen stark ausgeprägten subjektiven Charakter, denn es spiegelt nicht nur die konkrete Wirklichkeit, Landschaften, Städte und Menschen wider, sondern auch die dadurch hervorgerufenen Erinnerungen und Stimmung des Verfassers 22 . Der „Prediger Fabri“ kommt im „Evangatorium“ aus seiner christlichen Sicht häufig zu Wort. Besonders ausführlich beschreibt er die heiligen Stätten und widmet ein ganzes Kapitel den Moslems und den nicht katholischen Christen. Wie wir in den nachfolgenden Kapiteln erfahren werden, wird der Islam aus heutiger Sicht meistens unobjektiv dargestellt.
3. Historischer Kontext: Kirche und Reich im Spätmittelalter
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Andrej Wolf de Oliveira, 2007, Das Islambild in den spätmittelalterlichen Pilgerberichten unter besonderer Berücksichtung des „Evangatoriums“ von Felix Fabri, München, GRIN Verlag GmbH
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