Eidesstattliche Erklärung III
Eidesstattliche Erklärung
Ich erkläre hiermit an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne unerlaubte Hilfsmittel angefertigt habe; die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht. Diese Arbeit wurde bisher keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch noch nicht veröffentlicht. Ich bin mir bewusst, dass eine unwahre Erklärung rechtliche Folgen haben wird.
Albstadt, 31. August 2011
Felix Schmidt
Zusammenfassung IV
Zusammenfassung
Aufgrund verschiedener strahlungsphysikalischer Mechanismen ergeben sich global divergierende Energiedichten der Solarstrahlung. Ferner bewirken diese eine Aufspaltung der Globalstrahlung in direktes und diffuses Licht. Da in Deutschland die Direktstrahlung relativ gering ist, eignet sich hierzulande vorwiegend die nicht‐ konzentrierende Solarthermie.
Die nicht‐konzentrierende Solarthermie umfasst ein breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten im Niedertemperaturbereich. In Deutschland wird sie derzeit vorwiegend zum Beheizen von Freibädern und für die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung von Ein‐ und
Mehrfamilienhäusern genutzt. Die Anwendung in diesem Bereich lässt sich jedoch stark ausbauen; zumal ein Großteil des Heizungsbestands mit niedrigen Wirkungsgraden sehr veraltet ist und sich durch solarthermische Anlagen ersetzen ließe.
Für die Solarthermie bestehen große Potenziale in der Versorgung von solaren Nahwärmesystemen, in der Bereitstellung von Wärme für Industrieprozesse und im solaren Kühlen. Die Technologien für diese Anwendungsgebiete befinden sich allerdings noch in der Entwicklungs‐ und am Anfang der Markteinführungsphase.
Die Entwicklung der Systemtechnik sowie die Verwendung neuer Materialien, Werkstoffe und spezieller Beschichtungen für die Kollektoren, eröffnen ein Potenzial zur Steigerung der Effizienz von solarthermischen Anlagen. Gleichzeitig erschließen sich damit neue Anwendungsgebiete, wie die solarthermische Prozesswärmebereitstellung und das solare Kühlen.
Staatliche Förder‐ und Anreizsysteme sowie die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der Solarthermie sind für den Erfolg dieser Technologie in Deutschland maßgebende Faktoren. Die finanzielle Förderung von Bund und Ländern ist notwendig, um die Kostenunterschiede gegenüber der herkömmlichen Energiebereitstellung auszugleichen und die Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Die dabei bestehenden Interessenkonflikte müssen bei der Verfolgung energiepolitischer Ziele beseitigt und unverkennbare Mängel der staatlichen Steuerungsinstrumente behoben werden.
Grundsätzlich ist eine zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber den erneuerbaren Energien zu erkennen. Dennoch müssen Vorurteile und Informationsdefizite in der breiten Gesellschaft abgebaut werden, um die Motive für eine aktive Nutzung der regenerativen Energien zu stärken.
Abstract V
Abstract
Due to different radiation‐physical mechanisms divergent energy densities of the solar radiation arise worldwide. Further those divergences cause a splitting of the global solar radiation into direct and diffuse light. As the direct radiation in Germany is relatively low, mainly the non‐concentrating solar thermal systems are being used.
The non‐concentrating solar thermal technology covers a wide spectrum of possible applications in the low temperature range. In Germany, it is currently used mainly for heating swimming pools and for the hot water preparation and heating support for single and multi‐family dwellings. Nevertheless, the use in this area can still be strongly enlarged; especially as a majority of the heating stocks with low efficiencies are not up to date to current standards and can be substituted by solar‐thermal installations.
Solar heat offers great potential in the supply of solar local heating systems, in the preparation of heat for industrial processes and in solar cooling. However, these technologies are still in the research and development phase and stand at the beginning of market launch.
The further development of the technology as well as the use of new materials and special coatings for the collectors creates the possibility for an increase in efficiency of solar‐thermal installations. Moreover new fields of application open up, such as the supply of solar‐thermal process heat and solar cooling.
Governmental subsidies and incentive systems as well as the social acceptance towards solar thermal energy are important aspects for the success of this technology in Germany. The financial support by federal and state governments is necessary in order to compensate the higher costs of energy production by solar thermal systems in comparison to the traditional energy supply and to support further research and development. The existing conflict of interests must be eliminated to accomplish energy policy objectives and obvious deficiencies of the state’s policy have to be resolved.
The social acceptance towards renewable energies has increased. Nevertheless, prejudices and information deficits among a large number of people still have to be diminished in order to strengthen the active use of renewable energies.
Inhaltsverzeichnis VI
Inhaltsverzeichnis
Eidesstattliche Erklärung III
Zusammenfassung IV
Abstract V
Inhaltsverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis VIII
Abk ürzungen IX
Physikalische Einheiten X
Kapitel 1
Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Abgrenzung 3
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit 4
Kapitel 2
Allgemeine Grundlagen zur Sonnenenergienutzung 6
2.1 Die Sonnenstrahlung 6
2.1.1 Das Extraterrestrische und das terrestrische Strahlungsspektrum 7
2.1.2 Strahlungsphysikalische Mechanismen in der Erdatmosphäre 8
2.1.3 Das Strahlungsangebot in Deutschland 11
2.1.4 Lokale Einflüsse auf die Strahlungsausbeute 13
Kapitel 3
Solarthermie - heutige Technologien und ihre Anwendungsbereiche 14
3.1 Hauptkomponenten solarthermischer Anlagen 14
3.1.1 Der Sonnenkollektor 15
3.1.2 Der Wärmespeicher 18
3.2 Nicht konzentrierende Solarthermie 19
3.2.1 Nicht Konzentrierende Kollektortechnologien 20
3.2.2 Anwendungsbereiche der nicht konzentrierenden Solarthermie 23
3.3 Konzentrierende Solarthermie 28
Inhaltsverzeichnis VII
Kapitel 4
Solarthermie in Deutschland -Entwicklung und Einflussfaktoren 30
4.1 Die historische Entwicklung der Solarthermie 30
4.1.1 Entwicklung der Solarthermie in Deutschland 31
4.1.2 Der heutige Solarthermiemarkt in Deutschland 32
4.2 Technologische Faktoren 34
4.2.1 Potenzial der Gesamtwirkungsgradsteigerung durch Entwicklung der
Systemtechnik 34
4.2.2 Die Schlüsselrolle der Wärmespeicher 36
4.2.3 Neue Materialien und Werkstoffe für Solarkollektoren 37
4.2.4 Entwicklung selektiver transparenter Low e Schichten 37
4.2.5 Der Zukunftsmarkt des solaren Kühlens 39
4.3 Ökonomische Faktoren 40
4.3.1 Flächenpotenziale für Solarkollektoren 40
4.3.2 Potenziale durch energetische Modernisierung 41
4.4 Politische Faktoren 43
4.4.1 Ziele der Energiepolitik 43
4.4.2 Die Aufstellung der regenerativen Energien im Wärmemarkt. 43
4.4.3 Der Beitrag bedeutender Gesetze an der Entwicklung der Solarthermie in
Deutschland 44
4.4.4 Der Beitrag bedeutender Förderprogramme an der Entwicklung der
Solarthermie in Deutschland 48
4.5 Soziokulturelle Faktoren 52
4.5.1 Die Wechselwirkungen zwischen politischer und sozialer Ebene 52
4.5.2 Steigende Akzeptanz der erneuerbaren Energien in Deutschland 54
4.5.3 Lokale Vorteile bei Verbreitung der erneuerbaren Energien 54
4.5.4 Ergebnisse einer Studie zu Motiven und Hemmnissen bei der energetischen
Geb äudesanierung 55
Kapitel 5
Zusammenfassende Schlussbetrachtung 57
5.1 Potenziale der Niedertemperatur Solarthermie in Deutschland 57
5.2 Hemmende und treibende Faktoren 59
Fazit 61
Ausblick 62
Literaturverzeichnis XI
Abbildungsverzeichnis VIII
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Elektromagnetisches und sichtbares Spektrum des Lichts mit Angaben der Wellenlängen und Frequenzen ...................................................................... 7
Abbildung 2: Energieverteilungsspektren der Sonnenstrahlung vor und nach dem Durchgang durch die Erdatmosphäre ............................................................ 8
Abbildung 3: Strahlungsbilanz der Erde .............................................................................. 9
Abbildung 4: Globalstrahlung in der Bundesrepublik Deutschland .................................. 12
Abbildung 5: Kollektorkennlinien verschiedener Kollektortypen ...................................... 17
Abbildung 6: Entwicklung des deutschen Solarmarktes .................................................... 32
Abbildung 7: Weltweit installierte Leistung im Ländervergleich Ende des Jahres 2009; Gesamt: 172,368.6 MW th ............................................................................. 33
Abbildung 8: Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Marktes und dem aktuellen Entwicklungsstand spezifischer Technologien ............................................. 34
Abbildung 9: Simulierte Transmissions‐ und Reflexionsspektren einer einfach TCO‐ beschichteten Scheibe im Vergleich zu einer TCO‐ und
antireflexbeschichteten Scheibe .................................................................. 38
Abbildung 10: Kumulierte installierte Kollektorfläche in Deutschland ............................... 40
Abbildung 11: Alter und Wirkungsgrad der Energieumwandlung von Wärmeerzeugern in
Deutschland.................................................................................................. 42
Abbildung 12: Ausgaben der Länder zur Förderung erneuerbarer Energien von 1991 bis
2001 .............................................................................................................. 50
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Kennwerte verschiedener nicht‐konzentrierender Kollektortypen ............. 16
Tabelle 2: Übersicht der Kollektortypen nach Anwendungs‐ und Temperaturbereichen
...................................................................................................................... 24
Tabelle 3: Überblick der Umsetzungsverordnungen zum EnEG ................................... 45
Tabelle 4: Monetäre Förderinstrumente im Vergleich ................................................. 49
Abkürzungen IX
Abkürzungen
AM Air‐Mass
AR Antireflex
EEG Erneuerbare‐Energien‐Gesetz
EEWärmeG Erneuerbare‐Energien‐Wärmegesetz
EG Europäische Gemeinschaft
EnEG Energieeinsparungsgesetzes
EnEV Energieeinsparverordnung
IR infrarot
MAP Marktanreizprogramm
Mio. Million
Mrd. Milliarde
TCO Transparent Conducting Oxide
UV ultraviolett
VDI Verein Deutscher Ingenieure
Physikalische Einheiten X
Physikalische Einheiten
Leistungseinheiten:
EJ Exajoule
GW Gigawatt
kW Kilowatt
kWh Kilowattstunde
MW Megawatt
TWh Terrawattstunde
W Watt
Längeneinheiten:
Å Angström
cm Zentimeter
fm Femtometer
m Meter
mm Millimeter
nm Nanometer
pm Pikometer
μm Mikrometer
km² Quadratkilometer
m² Quadratmeter
Temperatureinheiten:
°C Grad Celsius
K Kelvin
Kapitel 1
Einleitung
Im Hinblick auf die gegenwärtige Klimasituation, der zunehmenden Knappheit fossiler Energieträger und deren Preissteigerung ist es erforderlich Alternativen für die Energiebereitstellung zu finden. Das derzeitige Energiesystem ist in vielerlei Hinsicht nicht nachhaltig: Es trägt zur Veränderung des Klimas bei, sodass das empfindliche Ökosystem ins Wanken gerät. Ferner ist es überwiegend von endlichen, fossilen Ressourcen abhängig, welche global ungleich verteilt sind. Um ihren Energiebedarf decken zu können, befinden sich ressourcenarme Länder in einer permanenten Importabhängigkeit von Ländern, die große Vorkommen fossiler Energieträger besitzen.
Laut der IEA (International Energy Agency) lag der weltweite Primärenergieverbrauch im Jahr 2008 knapp über 500 EJ. Dieser Verbrauch ist auf globaler Ebene in den Regionen sehr ungleich. So verbrauchen die USA, China, Russland, Indien, Japan und Deutschland zusammen, mehr als die Hälfte der weltweiten Primärenergie. Diesem immensen Energiehunger liegt unser hoher Lebensstandard zugrunde, der weltweit zu rund 80 % über fossile Brennstoffe gestillt wird. 1
Eine klimafreundliche und umweltverträglichere Alternative ermöglichen erneuerbare Energien. Sie bieten ein nahezu unerschöpfliches Energiepotenzial, welches den derzeitigen und zukünftigen Energiebedarf bei Weitem übersteigt. Damit sind die regenerativen Energien der wesentliche Schritt, um eine nachhaltige, sichere und unabhängige Energieversorgung zu gewährleisten und dem Klimawandel entgegen zu wirken. Hierfür stehen im Bereich der regenerativen Energien mehrere Möglichkeiten bereit (z. B. Windrotoren, Sonnenkollektoren), die verschiedenen Formen der Primärenergie (z. B. Windkraft, Solarstrahlung) in Endenergie (z. B. Elektrizität, Biomasse, Wärme) umzuwandeln und für unsere Bedürfnisse als Nutzenergie (z. B. Licht, mechanische Arbeit) bereitzustellen. 2
Im Rahmen der neuen EU‐Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien ist das Ziel der Bundesregierung bis 2020 den Endenergieverbrauch durch erneuerbare Energien mit einem Anteil von 18 % zu decken. Anschließend wird eine Entwicklung
1 Vgl.: Quaschning, 2010, S. 26.
2 Vgl.: Kaltschmitt, Streicher, & Wiese, 2006, S. 2 f.
2 Kapitel 1 ‐ Einleitung
angestrebt, wobei der Anteil der regenerativen Energien alle zehn Jahre um ca. 15 % wachsen soll, sodass dieser im Jahr 2050 etwa 60 % beträgt. 3
Derzeit basiert die Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland im Wesentlichen auf fossilen Energieträgern, wie Kohle und Gas, sowie der Kernenergie. Zwar haben sich die Anteile der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch 4 in den Jahren 1990 bis 2010 fast versechsfacht, besitzen aber mit einem Anteil von 11 % (Stand 2010) noch ausreichend Potenzial zur Ausbaufähigkeit. Dieser Anteil setzt sich derzeit aus sechs regenerativen Energiequellen zusammen: 5 Biogene Brenn‐ und Kraftstoffe nehmen mit 71 % den ersten Platz ein, gefolgt von Windenergie mit 13 % und Wasserkraft mit 7 %. Nur sehr geringe Anteile bilden hierbei die Fotovoltaik mit 4,4 %, die Geothermie mit 2,0 % und die Solarthermie mit nur 1,9 %.
Bisher lag der Fokus bei der Nutzung der regenerativen Energien, „aus Gründen der Sicherheit und Diversifizierung der Energieversorgung […] und des wirtschaftlichen Zusammenhalts“ 6 , vorwiegend in der Stromgewinnung. Unverkennbar ist aber, dass der Stromanteil am gesamten Endenergieverbrauch mit rund 20 % vergleichsweise gering ist; sogar geringer als der Kraftstoffanteil, der rund 30 % einnimmt. Im Wärmebereich wird hingegen rund die Hälfte der gesamten Endenergie verbraucht. 7
Im Hinblick auf den hohen Endenergieverbrauch im Wärmesektor bietet sich die Solarthermie als regenerative Energiequelle aus mehreren Gründen an. Die Sonnenenergie ist, neben Biomasse und Geothermie, die mit Abstand größte regenerative Energiequelle im Wärmebereich. Allein in einer halben Stunde erreicht unsere Erde so viel solare Energie, wie die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht. 8 Anders als bei der Nutzung von Biomasse wird bei der solaren Wärmegewinnung kein potenziell umweltgefährdender Brennstoff benötigt. Biomasse stößt, aufgrund ihres hohen spezifischen Anbauflächenbedarfs, beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien schnell an ihre Potenzialgrenzen und steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. 9
Dennoch ist die Solarthermie in der deutschen Energie‐ und Forschungspolitik, im Bereich der erneuerbaren Energien, eine verhältnismäßig unscheinbare
3 Vgl.: Nitsch, et al., 2010, S. 39 f.
4 Begriffsklärung:
Der Bruttoendenergieverbrauch „umfasst die gesamte Energie, die an die Endverbraucher
(Industrie, Verkehr, Haushalte, Dienstleistungen usw.) geliefert wird sowie die bei der Strom‐ und
Wärmeerzeugung verloren gegangene Energie“ (Agentur für Erneuerbare Energien e.V., 2010b).
5 Vgl.: BMU, 2011a, S. 2 ff., S. 9.
6 Siehe: Richtlinie 2001/77/EG des Europäischen Parlaments, 2001.
7 Vgl.: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, 2009.
8 Vgl.: Lehmann & Schindler, 2000, S. 10.
9 Vgl.: Nitsch, et al., 2010, S. 43.
3 Kapitel 1 ‐ Einleitung
Technologie. So fließen vom Bundesumweltministerium gerademal 6 % der Finanzmittel des Forschungsbudgets für regenerative Energien in den Solarthermiesektor. Dies entspricht 0,9 % der gesamten von der Bundesregierung bereitgestellten Forschungsausgaben für Energie. 10
1.1 Problemstellung und Abgrenzung
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Lage und dem Nutzungsstand des derzeitigen Energiesystems werden in der vorliegenden Arbeit, unter Berücksichtigung der politischen, ökonomischen, sozialen und technologischen Faktoren, die grundsätzlichen Möglichkeiten und Grenzen für den Ausbau regenerativer Energien, im Bereich der Niedertemperatur‐Solarthermie, für Deutschland untersucht.
Dabei werden in dieser Arbeit die Möglichkeiten der Solarthermie durch ihr technisches Potenzial beschrieben. Dieses stellt, unter Berücksichtigung gegebener technischer Restriktionen, eine obere Grenze des theoretisch Realisierbaren dar. Strukturelle und ökologische Einschränkungen, gesetzliche Vorgaben und weitere nicht‐technische Beschränkungen grenzen das technische Potenzial weiter ein. 11
Anhand dieser Darlegung lassen sich folgende zentrale Fragestellungen ableiten: Worin liegen die technischen Potenziale?
Welche neuen Anwendungsgebiete gibt es im Bereich der Solarthermie?
Besteht Potenzial zur Effizienzsteigerung durch Optimierung der Komponenten einer solarthermischen Anlage?
Wie groß ist das Einsatzpotenzial der Solarthermie durch die Nutzung potenzieller Flächen und durch Substitution vorhandener, veralteter Heizsysteme?
Welche hemmenden und welche fördernden Faktoren gibt es?
Welche Förder‐ und Anreizsysteme gibt es und was bewirken sie? Woher kommen die entscheidenden Impulse, die zur Akzeptanz gegenüber der Solarthermie führen?
10 Vgl.: Deutsche Solarthermie‐Technologie Plattform (DSTTP), 2010, S. 6.
11 Vgl.: Kaltschmitt, Streicher, & Wiese, 2006, S. 21.
4 Kapitel 1 ‐ Einleitung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
Das zentrale Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die Potenziale der Niedertemperatur‐ Solarthermie in Deutschland anhand der äußeren Einflüsse, welche sich aus politischen, ökonomischen, soziokulturellen und technologischen Faktoren ergeben, zu analysieren sowie die hemmenden und treibenden Faktoren für diesen Markt zu identifizieren.
Im Verlauf der Arbeit werden in Kapitel 2 zunächst die strahlungsphysikalischen Mechanismen bearbeitet, welche die global bzw. regional divergierende Energiedichte der Solarstrahlung erklären. Daraus ergibt sich das Strahlungspotenzial, welches zur solaren Energiegewinnung theoretisch genutzt werden kann.
Damit das theoretische Potenzial der Sonnenstrahlung für die Wärmegewinnung genutzt werden kann, sind solarthermische Anlagen erforderlich. In Kapitel 3 wird das Prinzip von Solarthermieanlagen erläutert und ihre Hauptkomponenten, insbesondere die Kollektortechnologien dargestellt. Dabei ergeben sich technische Restriktionen, welche die vollständige Nutzung des theoretischen Potenzials des Strahlungsangebots erstmals einschränken. Ferner werden die möglichen Anwendungsgebiete der Solarthermie aufgezeigt, die das technische Nutzungspotenzial dieser Technologie erstmals erkennen lassen.
Kapitel 4 bildet den wichtigsten Teil der Arbeit. Nach einem Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Solarthermie und der Darstellung der heutigen Marktsituation wird das Kapitel in technologische, ökonomische, politische und soziokulturelle Faktoren aufgegliedert. Dieser Gliederung liegen die Variablen der PEST‐Analyse zugrunde, welche Erklärungsansätze für Potenziale und Erfolge der Niedertemperatur‐Solarthermie in Deutschland liefern.
Beginnend mit den technologischen Faktoren, werden die technischen Potenziale beleuchtet, die sich durch die Entwicklung der Systemtechnik, der Wärmespeicher, neuer Materialien und Werkstoffe eröffnen. Anschließend werden die Marktpotenziale der Solarthermie dargestellt, welche sich aus geeigneten freien Flächen ergeben, auf denen Solarkollektoren installiert werden können. Es werden auch die Potenziale aufgezeigt, die sich im Rahmen energetischer Modernisierungsmaßnahmen auftun, wenn die veralteten Heizsysteme des Heizungsbestands in Deutschland ersetzt werden. Unter dem Abschnitt politische Faktoren werden bestehende Förder‐ und Anreizsysteme für regenerative Energien im Wärmemarkt und deren Auswirkungen auf die Entwicklung der Solarthermie beschrieben. Das Kapitel 4 schließt anschließend mit den soziokulturellen Faktoren ab. Es werden die Wechselwirkungen zwischen politischer und sozialer Ebene
5 Kapitel 1 ‐ Einleitung
betrachtet, die zur gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber den regenerativen Energien geführt haben. Weiterhin werden Motive und Hemmnisse aus Sicht von Immobilieneigentümern beleuchtet, welche die Handlungsentscheidung bezüglich energetischer Sanierungsmaßnahmen beeinflussen.
Die Arbeit schließt in Kapitel 5 mit einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung und einem kurzen Fazit ab. Ausgehend von den zwei zentralen Fragestellungen dieser Arbeit, ist die Schlussbetrachtung in zwei Abschnitte gegliedert. Zunächst werden die Fragen zu den Potenzialen der Niedertemperatur‐Solarthermie beantwortet. Anschließend werden vorhandene politische Faktoren und soziale Impulse erörtert, die Einfluss auf die Entwicklung der Solarthermie nehmen. Das Fazit fasst abschließend die wichtigsten Erkenntnisse der beiden Abschnitte zusammen.
Kapitel 2
Allgemeine Grundlagen zur
Sonnenenergienutzung
Die Sonne bildet einen der wichtigsten Faktoren für das Leben auf der Erde. Zudem ist sie der bedeutendste regenerative Energielieferant. Ihre nahezu unerschöpfliche Energie erreicht die Erdoberfläche in Form von elektromagnetischer Strahlung, welche die wichtigste Grundlage für die Energieströme, wie Wind und Wasserkraft, auf der Erde bildet. Von allen Energieströmen, die auf der Erde umgesetzt werden, beträgt der Sonnenenergieanteil über 99,9 %. 12 Partikel und Gase, welche die Atmosphäre bilden, absorbieren ein Teil der Strahlen und erzeugen dadurch andere Energieformen, wie Wind und Wasserkraft. Neben der Absorption wird die Sonnenenergie auch durch Reflexion an der Atmosphäre und aufgrund verschiedener Streuungsmechanismen reduziert. 13
Da die Sonnenenergiegewinnung vom solaren Strahlungsangebot abhängig ist, werden in diesem Kapitel die Grundlagen des solaren Energieangebots erläutert.
2.1 Die Sonnenstrahlung
Die Sonne sendet ihre Energie in Form von Materiestrahlung und elektromagnetischer Strahlung. Während der Großteil der lebensfeindlichen Materiestrahlung aufgrund des starken Magnetfeldes der Erde abgelenkt wird, dringen die elektromagnetischen Strahlen durch die Atmosphäre hindurch und erreichen die Erdoberfläche. Diese elektromagnetischen Strahlen werden vorwiegend von der Fotosphäre der Sonne emittiert und umfassen den gesamten Frequenzbereich von sehr kurzwelliger bis langwelliger Strahlung mit Wellen von mehreren 100 Metern Länge. 14
Ein Teil dieser Strahlung nehmen wir in Form von Wärme und als weißes Licht war. Das sichtbare Licht ist ein sehr kleiner Teil des elektromagnetischen Strahlungsspektrums. Wellenlängen zwischen 400 nm und 750 nm, nimmt das menschliche Auge als weißes Licht war. Trifft dieses Licht auf ein Prisma oder auf
12 Vgl.: Quaschning, 2007, S. 49 / Kaltschmitt, Streicher, & Wiese, 2006, S. 37; 49.
13 Vgl.: Pelte, 2010, S. 140 / Kaltschmitt, Streicher, & Wiese, 2006, S. 37.
14 Vgl.: Kaltschmitt, Streicher, & Wiese, 2006, S. 37 f.
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Felix Schmidt, 2011, Das Potenzial der Niedertemperatur-Solarthermie in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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