Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Der reale Wolf in Deutschland. 3
3 Die Geschichte des deutschen Wolfes. 3
4 Der Wolf in Deutschland als soziale Konstruktion. 5
4.1 Das Bildnis Wolf 5
4.2 Reaktionen auf die Rückkehr 6
4.3 Die Konstruktion zum Umweltproblem 8
4.4 Vergleich zum Bär 10
5 Fazit. 11
6 Verwendete Literatur 13
7 Grafiken. 15
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1 Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit hat die Konstruktion des Wolfs als Umweltproblem zum Thema. Nach Hirsch (1995, S. 303) ist ein Umweltproblem eine durch Menschen verursachte Veränderung des Ökosystems, das von Menschen selbst negativ bewertet wird. Zwar kehrt der Wolf nicht durch menschliche Einflüsse zurück nach Deutschland, jedoch sind die Probleme die im Zuge seiner Existenz gesehen werden insofern von Menschen gemacht, als dass man ihn durch intensive Bejagung verdrängt hat und die Bevölkerung sich über ein Jahrhundert lang an seine durch Abwesenheit gewöhnen konnte. Der Eingriff des Menschen in das Ökosystem wird also erst nach Jahrzehnten als Umweltproblem gesehen.
Die Anteilnahme der Gesellschaft an der Existenz wilder Wölfe in Deutschland verlangt nach einer genaueren Untersuchung aller subjektiven Betrachtungen und ihren Bezug zu realen Erfahrungen. Nachdem seit 150 Jahren zum ersten Mal wieder wilde Wölfe auf deutschem Boden geboren wurden, befindet sich die Population unter ständiger Beobachtung der Gesellschaft. Dass wieder Wölfe durch unsere Wälder streifen, erweckt nach langen Jahren ohne Großraubtiere in Deutschland das Interesse von Jägern, Schäfern, Naturschützern, Politikern und der Bevölkerung. Die Gesellschaft ist nicht auf die Wölfe eingestellt und es wird immer wieder gerissenes Wild und Vieh beklagt. So kommt es seit der ersten Stunde zu Diskussionen um das weitere Vorgehen des Menschen. In staatlichem Auftrag betreuen Biologen die verschiedenen Rudel und dokumentieren jede Geburt und jeden Verlust eines Individuums. Ebenfalls werden Statistiken über die Schäden geführt, deren Urheber Wölfe waren oder hätten sein können.
Nachdem im Kapitel 2 auf die Biologie des europäischen Wolfes eingegangen wird, folgt eine Chronologie des Wolfbestands auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland (Kapitel 3). Den Hauptteil bildet das Kapitel 4, zunächst mit dem Wolf als literarische und mythologische Figur, dem eine Erläuterung über die öffentlichen Reaktionen auf die Rückkehr des Wolfes folgt. Basierend auf den von Diekmann und Preisendörfer (2001) zusammengefassten Erkenntnissen zum Konstruktivismus in der Umweltsoziologie wird in 4.3 die Konstruktion des Wolfs in Deutschland als Umweltproblem einer Analyse unterzogen. In diesem Abschnitt soll die Frage geklärt werden, ob der Wolf derzeit als Problem wahrgenommen wird, oder nicht. Den Abschluss bildet ein Vergleich zu einem weiteren in Deutschland ausgestorbenen Großraubtier: dem Bären.
In einem Fazit werden sämtliche Erkenntnisse zusammengefasst und die Frage geklärt, ob die
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Deutung der Rückkehr des Wolfes als Umweltproblem Ausdruck einer gesellschaftlichen Konstruktion ist.
2 Der reale Wolf in Deutschland
Der Wolf (Canis lupus) ist ein in Sozialverbänden organisiertes Raubtier aus der Familie der Hunde (Canidae). Es sind 13 rezente Unterarten bekannt, die teilweise erhebliche morphologische Unterschiede zueinander aufweisen (vgl. Nowack, 2005, S.100f). Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 100 bis 140 cm, die Schulterhöhe liegt zwischen 65 und 90 cm und das Gewicht variiert bei den jeweiligen Populationen zwischen 30 und 75 kg, wobei Unterarten der nördlichen Breitengrade größer und schwerer sind, als die südlicheren Unterarten (Müller-Using und Wolfe, 1979, S.200). Die in Mitteleuropa vorkommende Unterart Canis lupus lupus erreicht eine mittlere Größe. Sie lebt in Rudeln, bestehend aus einem dominanten Paar und drei bis neun weiteren erwachsenen Tieren. Dem so genannten Alpha-Rüden sind sämtliche männlichen Wölfe untergeordnet, die weiblichen Wölfe haben eine eigene Rangfolge mit der Alpha-Wölfin an der Spitze. Allein das Alpha-Paar pflanzt sich fort. Zur Nahrung des Wolfes gehören mittelgroße und große pflanzenfressende Säugetiere, welche in kooperativer Hetzjagd von den erwachsenen Rudelmitgliedern erbeutet werden. In Mitteleuropa bildet das Wildschwein (Sus scrofa) mit 45,5% die hauptsächlich nachgewiesene Beute (Okarma, 1997, S.46ff). Der Wolf war durch seine große Anpassungsfähigkeit flächendeckend über die gesamte nördliche Hemisphäre verbreitet. In Deutschland beschränkt sich sein Lebensraum auf siedlungsferne Wälder mit reichem Wildbestand (Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, 2009, S.16).
3 Die Geschichte des deutschen Wolfes
Der Wolf entwickelte sich vor etwa einer Million Jahren in Eurasien (vgl. Okarma, S. 7f). Mit der Ankunft des modernen Menschen in Europa begann eine Koexistenz beider Arten. Die Domestikation des Wolfes begann vor etwa 15.000 Jahren im Mittelmeeraum, Vorder- und Südasien (vgl. Goerttler, 1979, S.209). Nach Mangelsdorf (2007, S. 16) ist die Dämonisierung des Wolfes erst in den Erzählungen mittelalterlicher Gelehrter dokumentiert. Vor allem die unterdrückten Bauern fürchteten Angriffe von Wölfen auf ihre Herden, da der Verlust des Viehs die Gefährdung der eigenen Existenz bedeuten konnte. Die Situation spitzte sich zu, nachdem in Folge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) die Landbevölkerung durch Hungersnöte und Seuchen, aber auch die Abwanderungen in Städte teilweise halbiert wurde. Neubesiedlungen
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wurden durch so genannte „Wolfsplagen“ erschwert. Hier findet die systematische Verfolgung des Wolfes in Deutschland seinen Anfang. Landesfürsten ließen durch ihre Untertanen Wölfe zusammentreiben und dann erschlagen. Der Erfolg dieser Bekämpfungsweise war im Vergleich zum Aufwand sehr gering, die materiellen Verluste für die Treiber, abkommandierte Bauern, die ihre Höfe vernachlässigen mussten, waren sehr hoch. Mit der Weiterentwicklung von Feuerschusswaffen und der Erfindung des Strychnins 1 wurden die Wolfsbestände ab dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts immer geringer. Nach Jahrzehnten der Bekämpfung war der Wolf schon so selten geworden, dass man jedes einzelne von einem Adelsherrn erlegte Tier dokumentierte und den Ort an dem es geschossen wurde, mit einem gravierten Stein markierte. Im Gefolge der geschlagenen Soldaten Napoleons drangen nach dem Russlandkrieg 1850 neue Wölfe nach Mitteleuropa vor, wurden jedoch ebenfalls vernichtet. Danach kam es nur noch vor, dass einzelne Individuen aus Osteuropa nach Deutschland einwanderten. Als letzter Wolf auf deutschem Boden gilt der „Tiger von Sabrodt“, der 1904 geschossen wurde, erst nach 1945 wurden wieder einzelne umherstreifende Wolfsrüden aus Osteuropa entdeckt und umgehend erlegt. (vgl. Müller-Using und Wolfe, S. 204). Der Wolf ist heute nach der Berner Konvention 2 von 1997 eine in Europa streng geschützte Art sowie nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt und unterliegt nicht dem Jagdrecht. 1996 wurde ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, in der Muskauer Heide in Sachsen, entdeckt. Zwei Jahre später kam es zur Sichtung zweier Tiere im gleichen Gebiet. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um Tiere handelte, die aus dem polnischen Teil der Lausitz über die Elbe immigriert sind. 2000 wurde die „erste nachgewiesene Reproduktion“ (Schellenberg, 2010) gemeldet, da man ein Rudel mit vier Welpen beobachten konnte. Im folgenden Jahr kam es zu einem weiteren Wurf von wahrscheinlich zwei Jungtieren, 2002 wanderten die ersten in Deutschland geborenen Jungwölfe nach Neustadt/Spree ab, wo eine Wölfin von einem Haushund gedeckt wurde und 2003 sieben Mischlingswelpen zur Welt brachte. Die beiden einzigen überlebenden Wolfshundewelpen wurden später eingefangen und in ein Wildgehege verbracht. Ein Jahr später bildete sich hier mit einem zugewanderten Wolfsrüden ein zweites Rudel. Das Ausgangsrudel in der Muskauer Heide gilt seit 2005 als genetisch erloschen. Nachkommen der Linie begründeten ein neues Rudel einige Kilometer westlich der
1 Zur effektiven Vergiftung ganzer Rudel wurde ein mit Strychnin versetzter Schafkadaver ausgelegt.
2 Eigentlich: „Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere
und ihrer natürlichen Lebensräume“
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Arbeit zitieren:
Stefan Kräh, 2010, Problemwölfe, München, GRIN Verlag GmbH
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