1. EINLEITUNG
Eine unabhängige Geldpolitik und die damit verbundene Möglichkeit des Ab- und Aufwertens der eigenen Währung, dient der Beseitigung von makroökonomischen Ungleichgewichten und dem relativ kostengünstigen Anpassungsprozeß aufgrund von Output- und Beschäftigungsveränderungen. Bei Gründung einer Währungsunion muß ein Land seine nationale Währung aufgeben. Das bedeutet, daß es weder in der Lage ist eine autonome Geldpolitik zu betreiben, noch daß es auf das politische Instrument der Wechselkursänderung zurückgreifen kann.
Die „Theorie des optimalen Währungsraums“ analysiert unter welchen Bedingungen es für Länder trotzdem vorteilhaft sein kann, sich einer Währungsunion anzuschließen. Denn das Instrument der Wechselkursänderung bringt, bei systematischer Anwendung zur Behebung von Ungleichgewichten, auch Gefahren mit sich, welche seine flexible Einsetzbarkeit einschränken. Makroökonomische Instabilität und steigende Inflation, ohne Verbesserungen des Outputs und der Beschäftigung, können dann die Folge sein.
Zudem führen Anpassungsprozesse aufgrund von Wechselkursänderungen zu keinem stabilen wirtschaftlichen Gleichgewicht, da sie gesamtwirtschaftliche Mechanismen in Gang setzten, welche die anfänglichen Effekte wieder aufheben.
Trotzdem bleibt das Auf- und Abwerten einer Währung ein kraftvolles politisches Instrument, das einem Land bei außerordentlichen Störungen sehr nützlich sein kann. Der Verzicht darauf stellt Kosten einer Währungsunion dar.
Länder haben also abzuwägen, ob sich für sie eine Währungsunion wohlfahrtssteigernd oder wohlfahrtsmindernd auswirken wird.
Das ist von der wirtschaftlichen und politischen Situation aller einer Union beitretenden Länder abhängig.
Unter welchen Bedingungen Länder eine unabhängige Geldpolitik zu ihrem Vorteil aufgeben können, ob sich makroökonomische Ungleichgewichte auch ohne das Instrument der Wechselkursänderung beheben lassen können und wie die Dynamik gesamtwirtschaftlicher Anpassungsprozesse von der Wahl der genutzten politischen Instrumente abhängt, soll in der folgenden Arbeit aufgezeigt werden.
2
2. Voraussetzungen für einen optimalen Währungsraum 1
Eine Währungsunion zwischen zwei oder mehreren Ländern ist dann optimal, wenn eines der folgenden Kriterien hinreichend erfüllt ist: (1) Flexibilität der Löhne (2) Mobilität der Arbeit
Die Zentralisation des budgetären Prozesses stellt ebenso eine zusätzliche Hilfe für den Erfolg einer Währungsunion dar 2 .
Im folgenden sollen anhand eines Nachfrageschocks die Anpassungsprozezesse beschrieben werden, die bei Erfüllung der obigen Kriterien das makroökonomische Gleichgewichts erhalten. Aufgrund einer Veränderung von Präferenzen verschiebt sich die Nachfrage nach Produkten des Landes 1 hin zu Produkten des Landes 2.
Dieses bedeutet für beide Länder eine Verschiebung der aggregierten Nachfrage. P1
Land 1 Land 2
Abb.1: Aggregierte Nachfrage- und Angebotskurve 3
Wie in Abbildung 1 zu erkennen, sieht sich Land 1 einer gesunkenen aggregierten Nachfrage und damit einem niedrigeren Output gegenübergestellt.
1 vgl. De Grauwe, P. (1994): The Economics of Monetary Integration, Oxford, S. 5 - 13.
vgl. Mundell, R. (1961): ‘A Theory of Optimal Currency Areas’, American Economic Review, S. 51.
2 vgl. De Grauwe, P. (1994): The Economics of Monetary Integration, Oxford, S. 8 - 11.
3 vgl. De Grauwe, P. (1994): The Economics of Monetary Integration, Oxford, S. 7.
3
In Land 2 ist dafür die aggregierte Nachfrage gestiegen und der Output hat sich erhöht. Dieses führt in Land 1 zu steigender Arbeitslosigkeit und in Land 2 zu mehr Beschäftigung. Der Effekt auf die Leistungsbilanz läßt sich auch anhand der obigen Abbildung analysieren. Die Leistungsbilanz ist definiert als:
Leistungsbilanz = inländischer Output - inländische Ausgaben 4 ,
d.h. eine Leistungsbilanz ist ausgeglichen, wenn die inländischen Ausgaben dem inländischen Output entsprechen.
Das bedeutet für Land 1, daß es ein Leistungsbilanzdefizit hat, wenn es seine Ausgaben nicht in dem Maße senkt, in dem sich sein Output verringert.
Da die Arbeitslosen aber Arbeitslosengeld beziehen, welches sie ausgeben ohne etwas zu produzieren, wird dieses nicht erreicht.
Für Land 2, in dem die Ausgaben nicht in der Höhe des Outputs ansteigen, weil ein Teil davon gespart wird, ergibt sich eine Leistungsbilanzüberschuß.
Beide Länder sehen sich nun gezwungen ihre Ungleichgewichte zu beseitigen. Land 1 hat das Problem der Unterbeschäftigung und ein Leistungsbilanzdefizit. Land 2 steht unter dem Druck einer Erhöhung des Preisniveaus und einem zunehmenden Leistungsbilanzüberschusses.
Bei Erfüllung eines der Kriterien kommt es automatisch zu einem neuen Gleichgewicht. (1) Flexibilität der Löhne
Das heißt: die Arbeitslosen des Landes 1 reduzieren ihre Lohnforderungen, um wieder beschäftigt werden zu können.
Die aggregierte Angebotskurve wird sich abwärts verschieben, weil die Absenkung der Löhne auch das Preisniveau sinken läßt. Das steigert wiederum die Wettbewerbsfähigkeit und stimuliert die Nachfrage. Eine Verbesserung der Leistungsbilanz ist die Folge.
In Land 2 erhöht dagegen die steigende Nachfrage die Lohnrate, damit verschiebt sich die aggregierte Angebotskurve aufwärts, das Preisniveau erhöht sich und die Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Das Ergebnis ist eine Reduktion des Leistungsbilanzüberschusses. Dieser Prozeß führt die Länder automatisch zurück zum Gleichgewicht.
4
(2) Mobilität der Arbeit
Das heißt: aufgrund der nicht vorhandenen Arbeitsplätze in Land 1 werden, bei Erfüllung dieses Kriteriums, die Arbeitslosen versuchen in Land 2 Beschäftigung zu finden.
Das führt zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeit in Land 2, wodurch der inflationäre Druck auf die Löhne beseitigt wird.
Damit wird in Land 1 das Problem der Arbeitslosigkeit behoben und die Notwendigkeit der Lohnsenkung ist nicht mehr gegeben.
Das Leistungsbilanzdefizit nimmt ab, da die ehemals Arbeitslosen, die vorher Ausgaben tätigten ohne etwas zu produzieren, in Land 2 beschäftigt sind. Zentralisation des budgetären Prozesses (als Hilfsmittel)
Dadurch können bestimmte Maßnahmen ohne langwierige politische Diskussionen ergriffen werden, um Ungleichgewichte zu beseitigen.
Durch Erhebung von Steuern oder anderen Abgaben ist es möglich die aggregierte Nachfrage in Land 2 zu reduzieren.
Die Steuereinnahmen können dann in Form von Transferzahlungen in Land 1 ausgegeben werden, um dort die aggregierte Nachfrage zu erhöhen.
Land 1 hätte zwar immer noch ein Leistungsbilanzdefizit, das aber durch die Transferzahlungen des Landes 2 finanziert wäre.
Ein Mechanismus der dem „Länderfinanzausgleich“ in Deutschland entspricht, aber kein Instrument für eine entgültige Lösung darstellt. Vor allem im Hinblick darauf, daß bei einer dauerhaften Nachfrageveränderung der Vorgang jedes Jahr wiederholt werden müßte.
Grundsätzlich läßt sich also sagen, daß bei Vorhandensein von Lohnflexibilität und/oder Arbeitsmobilität sich eine Währungsunion ausschließlich wohlfahrtssteigernd auswirken kann. Sind diese Voraussetzungen nicht ausreichend erfüllt, dann sind die beschriebenen makroökonomischen Störungen innerhalb einer Währungsunion nur schwer zu beseitigen und mit hohe Kosten verbunden.
Bei unabhängigen Ländern mit nationalen Währungen können diese Kosten vermieden werden, weil sie auf das Instrument der Wechselkursänderung zurückgreifen können. Land 2 müßte seine Währung gegenüber Land 1 aufwerten, um die aggregierte Nachfrage zu reduzieren und den inflationären Druck zu vermeiden.
4 De Grauwe, P. (1994): The Economics of Monetary Integration, Oxford, S. 6.
5
Dadurch würde sich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes 1 steigern und sowohl die Unterbeschäftigung, als auch das Leistungsbilanzdefizit abnehmen. Zu dem selben Ergebnis kommt man, wenn Land 1 seine Währung abwertet.
6
Arbeit zitieren:
Diplom Kauffrau Susanne Katharina Lippert, 1999, Der Euro - Ökonomische Grundlagen und Perspektiven der gemeinsamen Währung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik: Der Euro - Ökonomische Grundlagen und Perspektiven der gemeinsamen Währung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik: neuer Titel erschienen: Der Euro - Ökonomische Grundlagen und Perspektiven der gemeinsamen Währung
Susanne Katharina Lippert hat einen neuen Text hochgeladen
The Euro, the Eurosystem and the European Economic and Monetary Union....
Reviews and Prospects of a Uni...
Detlev Ehrig, Uwe Staroske, Otto Steiger
The Euro, Inflation and Consumers' Perceptions
Lessons from Italy
Roberto Sabbatini, Paolo Del Giovane
Das Euro-Abenteuer geht zu Ende
Wie die Währungsunion unsere L...
Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider, Dieter Spethmann, Joachim Starbatty
0 Kommentare