Inhalt
1. Einleitung 03
2. Forschungsüberblick 04
3. Überblick Typologie und Chronologie 07
3.1. Aufbau eines Schwerts 07
3.2. Chronologiesysteme 08
4. Schwerttypen in Sachsen-Anhalt und ihre chron. Einordnung 09
4. 1. Nichtvollgriffschwerter 09
4.1.1. Griffzungenschwerter 09
4.1.2. Griffangelschwerter 10
4. 2. Vollgriffschwerter 11
4.2.1. Dreiwulstschwerter 11
4.2.2. Schalenknaufschwerter 11
4.2.3. Antennenschwerter 12
4.2.4. Mörigenschwerter 12
4.2.5. Auvernierschwerter 13
4.2.6. Tachloviceschwerter 13
4.2.7. Nierenknaufschwerter 13
4.3. Datierung 14
5. Kritische Betrachtung des gegenwärtigen Forschungsstands 15
6. Zusammenfassung 17
7. Literaturverzeichnis 18
8. Abbildungsverzeichnis 19
9. Abbildungen 21
2
1. Einleitung
In der Gegenwart üben Schwerter immer noch Faszination auf den Menschen aus. Auf „mittelalterlichen“ Märkten, wie etwa das Mittelalterspektakel auf der Burg Giebichenstein in Halle (Saale), können unzählige Exemplare bestaunt und käuflich erworben werden. Mit Schaukämpfen soll für Unterhaltung des Publikums gesorgt werden. Die Kampfweise mit dem Schwert kann auch in verschiedenen Kursen erlernt werden. 1
Die Erforschung von Schwertern aus archäologischen und/ oder geschichtswissenschaftlichen Gründen beginnt im 19. Jahrhundert, wobei bis heute die Erkenntnisse zu Aufbau und zeitlicher Einordnung von Schwertern erweitert, überarbeitet und verfeinert werden. Die Anzahl an Schwerttypen und -varianten ist dabei gegenwärtig kaum zu überblicken. Auch etliche verschiedene Chronologiesysteme, die für die Schwerttypologisierung notwendig sind, führen eher zu Verwirrung als zum Verständnis. Daher ist das Ziel der vorliegenden Arbeit einen Überblick zu dem gegenwärtigen Forschungsstand, zu Typologie und Chronologie von Schwertern, insbesondere Bronzeschwertern, zu erstellen. Sie soll es ermöglichen einen Einblick in diese Thematik zu gewinnen. Den räumlichen Rahmen bildet Sachsen-Anhalt und den zeitlichen die Urnenfelderzeit, 13.-8. Jahrhundert. Nach einem kurzen Abriss der Forschungsgeschichte folgen die Grundlagen zum Aufbau eines Schwertes. Anschließend werden die verschiedenen Chronologiesysteme vorgestellt. Es wird jedoch nicht darauf eingegangen, wie sie im Detail entwickelt wurden, da es für den Überblickscharakter der Arbeit nicht notwendig und auch nicht hilfreich ist. Der Kern der Arbeit ist ein Überblick über die in Sachsen-Anhalt vorkommenden Schwerttypen in der Urnenfelderzeit. Die Typen- und Variantenanzahl ist auch in Sachsen-Anhalt mannigfach. Daher werden erstens nur die Hauptmerkmale der einzelnen Schwerttypen vorgestellt und zweitens die verschiedenen Varianten nicht angeführt. Diese
Vorgehensweise ist sinnvoll, da ansonsten der Überblick verloren geht. Des
1 http://schwertkampf-muenster.de/; http://www.schwertkampf-und-mehr.de/
3
Weiteren sollen die Erläuterungen zu den Datierungen nicht für jedes einzelne Schwert erfolgen, sondern zusammengefasst am Ende des entsprechenden Kapitels erscheinen.
In einem folgenden Abschnitt soll der gegenwärtige Forschungsstand näher beleuchtet werden,
d. h. die Vorgehensweise bei der Typologisierung und Erstellung von Chronologiesystemen wird betrachtet, Kritikpunkte erarbeitet, sowie eventuell offene Fragen behandelt.
Abschließend soll der Inhalt zusammengefasst und überprüft werden, ob das Ziel der Arbeit erreicht wurde und ein Überblick über die Schwertforschung gegeben werden konnte.
2. Forschungsüberblick
Im frühen 19. Jahrhundert wurden bronzene Schwerter als keltisch angesehen, welche von den Steinwaffen der Germanen zu unterscheiden seien. 2 1858 publizierte L. Lindenschmit sein Werk „Alterthümer unserer Vorzeit“ 3 , heidnischen in dem er bronzene Vollgriff-und
Griffzungenschwerter für Mitteleuropa erfasste und somit der These vom keltischen Ursprung von Bronzeschwertern entgegenwirkte. 4 In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begründete O. Montelius die typologische Bearbeitung der Bronzeschwerter. Er vermutete Silexdolche als Vorgänger der bronzenen Schwerter. Exemplare mit Griffen aus organischem Material standen für ihn am Anfang der Entwicklung. 5 Aufgrund des Wunsches nach prachtvolleren Waffen entstanden die so genannten Vollgriffschwerter, deren Griff ebenfalls aus Bronze gefertigt war. 6 Den Ursprung der Schwerter vermutete O. Montelius in Italien. I. Undset unternahm 1890 den Versuch eine gesamteuropäische Schwertentwicklung darzustellen. 7
2 P. Schauer, Die Schwerter in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. In: Prähistorische Bronzefunde IV, 2
(München 1971), 3.
3 L. Lindenschmit, Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit (Mainz 1911).
4 Schauer, 1971, 3.
5 Quillfeldt, Die Vollgriffschwerter in Süddeutschland. In: PBF IV, 11 (Stuttgart 1995),1.
6 Quillfeldt, 1995, 1.
7 Schauer, 1971, 4.
4
Seiner Ansicht nach entstanden die Vorformen aller mittel- und nordeuropäischen Schwerter in Griechenland und gelangten über Ungarn nach Mittel- und Nordeuropa. 8
J. Naue nahm an, dass sich die Schwertformen in Italien entwickelt haben und über den Balkan nach Mitteleuropa gelangten. 9 Für die Stufeneinteilung in Bronze- und Frühhallstattzeit, die er mit den Perioden Montelius’ parallelisierte, nutzte P. Reinecke die Schwerter und ihre Typologie. 10
Zwei Arbeiten über mitteleuropäische Bronzeschwerter entstanden in den Sprockhoff. 11 30er Jahren von E. Er unterschied zunächst
Griffzungenschwerter und Vollgriffschwerter. Für ihren Ursprung vermutete er mehrere Zentren: Italien, Griechenland und Nordeuropa. 12 In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde dazu übergegangen die Schwertentwicklung auf einem begrenzten mitteleuropäischen bzw. deutschen Gebiet zu untersuchen. So bearbeitete F. Holste die Vollgriffschwerter in Bayern 13 , P. Schauer erarbeitet einen Überblick für Süddeutschland, Österreich und der Schweiz 14 und ebenfalls für Süddeutschland untersuchte I. v. Quillfeldt bronzene Vollgriffschwerter, 15 sowie P. Stockhammer, der einen allgemeinen Überblick über Verbreitung und Chronologie der Vollgriffschwerter erarbeitet hat. 16 Den Arbeiten von F. Holste und Müller-Karpe liegt die typologische Gliederung der Vollgriffschwerter zugrunde.
Beim Blick auf die Literatur ist auffällig, dass im Mittelpunkt der Schwertforschung die bronzenen Vollgriffschwerter standen. Griffzungen-, Griffplatten- und Griffangelschwerter fanden kaum Beachtung. Es konnte auch nicht ermittelt werden, wann und von wem diese Einteilung erfolgte.
8 Schauer, 1971, 4.
9 Schauer, 1971, 4.
10 Quillfeldt, 1995, 2.
11 E. Sprockhoff, Die germanischen Griffzungenschwerter. In: Römisch-germanische Forschungen, Bd. V (Berlin,
Leipzig 1931). und E. Sprockhoff, Die germanischen Vollgriffschwerter der jüngeren Bronzezeit (Berlin 1934).
12 Sprockhoff, 1931, 50.
13 F. Holste, Die bronzezeitlichen Vollgriffschwerter Bayerns (München 1953).
14 P. Schauer, Die Schwerter in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. In: Prähistorische Bronzefunde, IV, 2
(München 1971).
15 Quillfeldt, 1995.
16 P. Stockhammer, Zur Chronologie, Verbreitung und Interpretation urnenfelderzeitlicher Vollgriffschwerter. In:
Tübinger Text, Bd. 5 (Rahden/ Westfalen 2004.)
5
Zum einen könnte es an dem Umstand liegen, dass der aus organischem Material bestehende Griff der eben genannten Schwerttypen in den seltensten Fällen erhalten geblieben ist und somit eine Typologisierung erschwert. Vollgriffschwerter sind aufgrund ihres meist guten
Erhaltungszustandes besser (ein)zuordnen.
Zum anderen liegt es womöglich daran, dass die prachtvoller wirkenden Vollgriffschwerter in ihren verschiedensten Varianten und Ausschmückungen einen größeren Reiz auf den Archäologen ausübt. Das 2004 erschienene Werk von H. Wüstemann ist das einzige der letzten Jahrzehnte, welches alle Schwertformen zusammenstellt. 17 Die vorliegende Arbeit stützt sich zu einem großen Teil auf dieses Werk. Sämtliche in Sachsen-Anhalt vorkommenden Schwertformen aus der Urnenfelderzeit werden von Wüstemann dargestellt und die bis dato aktuellen Erkenntnisse zur Typologie und Chronologie erläutert.
17 H. Wüstemann, Die Schwerter in Ostdeutschland. In: Prähistorische Bronzefunde IV, 15 (Stuttgart 2004).
6
3. Überblick: Typologie und Chronologie 3.1. Schwertaufbau
Die in der Forschung übliche Gliederung der Schwerter unterscheidet Vollgriffschwerter von Griffzungen-, Griffplatten- und Griffangelschwertern. In der vorliegenden Arbeit soll der Einfachheit halber in Vollgriff- und Nicht-Vollgriffschwerter unterschieden werden.
Als Vollgriffschwerter (Abb. 1) bezeichnet man jene, deren Griff aus Bronze gefertigt oder bei denen lediglich Teile des Griffes aus organischem Material hergestellt wurden. Der Griff ist durch Nieten mit der Klinge verbunden, die in der späten Urnenfelderzeit nicht nur aus Bronze, sondern auch aus Eisen bestehen kann. 18
Die Typen der Vollgriffschwerter werden anhand Form und Gestaltung der in der Regel hohl gegossenen Griffstange bestimmt. So stimmen Schwerter eines Typs in diesen Merkmalen im Wesentlichen überein. 19 Eine Variante bezeichnet die spezifische Ausprägung der
Griffstangenverzierung oder -form und die Anordnung von Griffwulsten. 20 Um eine übersehbare Anzahl von Typen und Varianten zu gewährleisten, werden Knauf- und Heftverzierungen, Form und Querschnitt der Klinge, sowie herstellungstechnische Charakteristika nicht einbezogen. 21 Auf äußerliche Merkmale sollte sich bei Vollgriffschwertern beschränkt werden. Die Benennung der Typen von Vollgriffschwertern erfolgte nach Fundorten charakteristischer Schwerter unter Berücksichtigung der von F. Holste 22 und Müller-Karpe geprägten Bezeichnungen.
Die Nicht-Vollgriffschwerter werden gegliedert in Griffzungen-, Griffangel-und Griffplattenschwerter (Abb. 2-4). Für die vorliegende Arbeit relevant sind Griffzungen- und Griffangelschwerter. Griffplattenschwerter sind für die Urnenfelderzeit in Sachsen-Anhalt nicht belegt.
18 Quillfeldt, 1995, 1.
19 Quillfeldt, 1995, 2.
20 Siehe Anm. 19.
21 Siehe Anm. 19.
22 F. Holste, Die bronzezeitlichen Vollgriffschwerter Bayerns,1953. H. Müller-Karpe, Die Vollgriffschwerter der
Urnenfelderzeit aus Bayern, 1961.
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Der Griff bestand aus organischem Material. Da er meist nicht erhalten geblieben ist, erfolgt die Typologisierung der Nicht-Vollgriffschwerter anhand der Ausprägung des Heftausschnittes. Zwar wird in der Forschung der Griff unterschieden in Zunge, Angel, Platte 23 , doch da die Bezeichnung verwirrend ist wird sie in der Arbeit als Heftausschnitt bezeichnet. Dieser kann zungen-, angel- oder plattenförmige sein. Des Weiteren zählt Klingenform-,querschnitt und -herstellung, sowie Zahl und Anordnung der Nietstifte undlöcher. 24
3. 2. Chronologiesysteme
Chronologiesysteme wurden von O. Montelius, S. Müller, Reinecke und Müller-Karpe entwickelt
(Abb. 5). Montelius teilte die Bronzezeit in Perioden I-VI ein und S. Müller in Stufen 1-9. Letztere wird selten gebraucht und findet auch in dieser Arbeit keine Verwendung.
Reinecke entwickelte ein System mit der Einteilung: Bronzezeit A-D und Hallstatt A-D und parallelisierte diese mit den Perioden Montelius’. 25 Müller-Karpe unterteilte die Stufen Hallstatt (Ha) A-D nochmals in Ha A1 und Ha A2, sowie Ha B 1-3. 26
Die Stufen Bz D bis Ha A2 stehen für die ältere Urnenfelderzeit, Ha B 1-3 die jüngere. 27 Insgesamt erfasst er sechs urnenfelderzeitliche Stufen, wobei Bz D für das 13. Jh. steht und Ha B 3 für das 8. Jh.. Er geht in hunderter Schritten vor: jede Stufe sind 100 Jahre. Und Ha A steht für Periode IV und V.
Die vorliegende Arbeit, die sich nach den Chronologiesystemen richtet, die H. Wüstemann benutzt, gebraucht die Einteilung von Montelius und Müller-Karpe.
23 Schauer, 1971, 2. Er schreibt selbst, dass der Griff nicht erhalten ist, sonder nur Heftausschnitt.
24 Schauer, 1971, 2.
25 Siehe Kapitel 2 Forschungsüberblick.
26 H. Müller-Karpe, Beiträge zur Chronologie der Urnenfelderzeit nördlich und südlich der Alpen, Berlin 1959, 182.
27 Müller-Karpe, 1959, 204
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4. Schwerttypen in Sachsen-Anhalt und ihre chronologische Einordnung
Zunächst sollen die Nicht-Vollgriffschwerter der Urnenfelderzeit in Sachsen-Anhalt vorgestellt werden.
Die geographische, typologische und chronologische Einteilung beruht auf den Erkenntnissen von Wüstemann. Er gliedert sein Werk nach Typ und Zeit. Da die Zeit für die Arbeit festgelegt ist, erfolgt die Einteilung ausschließlich nach dem Typ. Zunächst sollen die Nicht-Vollgriffschwerter, ihre Verbreitung und zeitliche Einordnung vorgestellt werden. Danach folgen die Vollgriffschwerttypen.
4. 1. Nichtvollgriffschwerter
Wie bereits erwähnt kommen Griffplattenschwerter in der Urnenfelderzeit nicht in Sachsen-Anhalt vor und die Ausführungen beschränken sich auf Griffzungen- sowie Griffangelschwerter.
4. 1. 1. Griffzungenschwerter
Diese sind von Wüstemann geografisch gegliedert in mitteleuropäische, westeuropäische und nordeuropäische Typen, je nach (vermutlichen) Ursprung und Funddichte. Das kennzeichnende Merkmal ist der flache, oft zylindrisch oder auch mittig ausgebauchte Griff, auch fischschwanzartig. (Abb. 2) Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt sieben
Griffzungenschwerttypen. Es soll darauf verzichtet werden, jeden Typen in seinen Einzelheiten vorzustellen. Die Ausführungen beschränken sich auf die gemeinsamen Hauptmerkmale.
Zu den mitteleuropäischen Typen gehören Typ Hemigkofen, Typ Mainz, Typ Locras und ein Schwert aus Magdeburg-Neustadt (Abb. 6-9), das keinem Konkreten Typen zugeordnet werden kann. Sie besitzen eine weidenblattförmige Klinge, was auf den Gebrauch als Hiebwaffe hinweisen könnte. 28 Die Form der Griffzunge ist meist ausgebaucht und endet fischschwanzartig. Nach Wüstemann wurden diese Schwerttypen
28 Wüstemann, 2004, 58-67.
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Alexandra Nowak, 2009, Schwerter der Urnenfelderzeit in Sachsen-Anhalt - Typologie und Chronologie, München, GRIN Verlag GmbH
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